Die Welt der Zweiräder erlebt eine faszinierende Verbindung von Tradition und Innovation. Der Umbau eines Mopeds auf Elektroantrieb ist ein spannendes Projekt, das sowohl technisches Verständnis als auch handwerkliches Geschick erfordert. Dieser Artikel bietet eine umfassende Anleitung, die alle wichtigen Aspekte von der Kompatibilität bis zur Zulassung abdeckt.
Warum ein Moped auf Elektro umrüsten?
Mopeds, insbesondere Modelle des Herstellers Simson aus der DDR, erfreuen sich großer Beliebtheit. Sie gelten als robust und die meisten Ersatzteile sind leicht zu beschaffen. Allerdings sind Zweitaktmotoren wartungsintensiv und die Beschleunigung sowie Leistung sind begrenzt. Elektromotoren hingegen sind zuverlässig, beschleunigen agil und sind auf den täglichen Gebrauch ausgelegt.
Viele Fahrer empfinden den Stadtverkehr mit überholenden Autos als stressig. Ein Elektromotor kann hier Abhilfe schaffen, indem er eine agilere Beschleunigung ermöglicht.
Kompatibilität und Umbausätze
Nicht jedes Moped ist ohne weiteres kompatibel für einen Umbau auf Elektroantrieb. Es gibt jedoch Unternehmen wie Second Ride, die sich auf die Entwicklung und den Vertrieb von Umbausätzen spezialisiert haben. Diese Sätze enthalten in der Regel alle notwendigen Komponenten, einschließlich:
- Eine neue Sitzbank mit integriertem Akku und Batteriemanagementsystem.
- Einen Gasdrehgriff.
- Einen Tacho mit Batteriestandsanzeige.
- Einen Elektromotor.
Second Ride bietet beispielsweise Umbausätze an, die für 60 km/h zugelassen sind, vorausgesetzt, das Moped hat bereits eine Zulassung aus der DDR. Die Firma Prosimo hat sich auf die Elektrifizierung klassischer Vespa-Modelle spezialisiert und bietet Umrüst-Kits an, die sich problemlos in die originalen Karosserien der Vespa-Modelle einfügen, ohne deren ikonische Optik zu verändern.
Du findest alle kompatiblen Modelle im Online-Shop der jeweiligen Anbieter.
Akkus und Reichweite
Die Wahl des richtigen Akkus ist entscheidend für die Reichweite und Leistung des umgebauten Mopeds. Es stehen in der Regel unterschiedliche Akkugrößen zur Auswahl. Second Ride bietet beispielsweise zwei Versionen an:
- Basis-Version mit 1,8 kWh für eine Reichweite von 50 km.
- Größere Version mit 2,5 kWh für bis zu 70 km.
Einige Umbausätze ermöglichen auch die Nutzung eines entnehmbaren Akkus, der sich nicht nur im Moped, sondern auch in anderen Anwendungen einsetzen lässt. Zudem gibt es die Möglichkeit, durch Rekuperation die kinetische Energie beim Gaswegnehmen in Strom umzuwandeln und den Akku aufzuladen.
Der Umbauprozess
Der Umbau selbst kann entweder selbstständig oder in einer Werkstatt durchgeführt werden. Second Ride liefert beispielsweise eine ausführliche, gedruckte Anleitung sowie Video-Tutorials als Hilfestellung zum Umbau. Laut Second Ride soll die Umbauzeit auch für Nicht-Expert:innen lediglich zwei Stunden betragen.
Ein erfahrener Schrauber schafft den Umbau möglicherweise in 30 Minuten, während jemand mit weniger Erfahrung etwa 3 Stunden benötigt.
Wichtig: Die Simson oder Schwalbe ist nicht im Umbausatz enthalten. Die Kult-Mopeds muss man schon besitzen oder sich anderweitig besorgen.
Kosten
Die Kosten für einen Umbausatz können variieren. Bei Second Ride zahlten beispielsweise 30 Schnellentschlossene 2.690 Euro für ihre Kits. Eine Reservierung ist gegen eine Gebühr von 190 Euro möglich, die letztlich vom Kaufbetrag wieder abgerechnet wird.
Zulassung und rechtliche Aspekte
Nach dem Umbau ist eine Überprüfung des Fahrzeugs durch einen technischen Dienst (TÜV, Dekra, etc.) erforderlich. Hierbei wird geprüft, ob der Umbausatz fachgerecht verbaut wurde und wie der allgemeine Fahrzeugzustand ist. Der Umbausatz selbst wird technisch nicht getestet, da die für eine Zulassung entscheidenden Tests bereits vom Hersteller durchgeführt und in einem Mustergutachten bestätigt werden.
Im Lieferumfang des Second Ride Umbausatzes ist ein Mustergutachten enthalten.
Community und Austausch
Die Second Ride Community ist ein Forum auf der Software-Plattform Discord, in dem sich Second Ride Fahrer über Ideen und Erfahrungen austauschen. Auch bei Schwierigkeiten bzgl. Zulassung und Umbau helfen sich die Mitglieder untereinander.
Garantie und Gewährleistung
Für die Gewährleistung gelten die in Deutschland üblichen gesetzlichen Bestimmungen. Second Ride bietet zusätzlich eine Garantie für die Umbausätze von 12 Monaten.
Alternative Akku-Optionen und Umbau-Erfahrungen
Einige Bastler haben ihre eRetro Star von Blei- auf Lithium-Akkus umgebaut und wertvolle Erfahrungen gesammelt. Hier sind einige Erkenntnisse und Tipps:
- Akku-Typ: Ein 17S LiIon Akku oder ein 20 S LiFepo4 Akku sind empfehlenswert, da sie besser zur Spannungslage der originalen Bleiakkus passen.
- Dauerstrom: Achte auf den zulässigen Dauerstrom des Akkus. Ein BMS mit mindestens 40A, besser 50A, wird empfohlen, da der Roller berghoch bis zu 30A ziehen kann.
- Controller: Der Controller kann möglicherweise umprogrammiert werden, um ihn an die Spannungswerte eines 16S Akkus anzupassen.
- Erfahrungen mit China-Bestellungen: Es gibt gemischte Erfahrungen mit Bestellungen von 17S Akkus aus China. Es ist ratsam, sich vorab gut zu informieren und auf vertrauenswürdige Händler zu achten.
Umbau einer Piaggio Ciao auf E-Zündung
Ein weiteres interessantes Projekt ist der Umbau einer Piaggio Ciao von Kontaktzündung auf E-Zündung. Dies bietet den Vorteil einer zuverlässigeren Zündung und ermöglicht die Versorgung von zusätzlichen Verbrauchern wie Blinkern.
Vorgehensweise:
- Moped Motor: Verwende einen Moped Motor, da die meisten Mofa Motoren keine Aufnahmen für die E-Zündung haben.
- Polrad: Benötige ein passendes Polrad, das sich von dem der Kontaktzündung unterscheidet.
- CDI: Installiere eine CDI (Capacitor Discharge Ignition) und befestige sie am Rahmen.
- Verkabelung: Verkable die Zündung mit der CDI und schließe die Zündkerze an.
- Spannungsregler: Verbaue einen Spannungsregler, da die E-Zündung in der Regel 12V hat.
- Vergaser: Stimme den Vergaser neu ab, da der Einlass des Mopedgehäuses größer ist.
MBK Nitro Elektro Umbau
Ein weiteres interessantes Projekt ist der Umbau eines MBK Nitro auf Elektroantrieb. Ziel war es, den Roller so wenig wie möglich zu verändern, um beim TÜV keine Probleme zu bekommen. Der Elektromotor wurde so dimensioniert wie der Original Verbrenner in Puncto Leistung und Umdrehungszahl. Die Variomatic ist nach wie vor aktiv und an den Bremsen ist nichts verändert. Lediglich die Beleuchtung ist komplett auf LED umgestellt und der Blinker hat zusätzlich einen Peeper.
Vor- und Nachteile des Umbaus
Der Umbau eines Mopeds auf Elektroantrieb bietet viele Vorteile, aber auch einige Nachteile:
Vorteile:
- Umweltfreundlich: Kein Ausstoß von Schadstoffen.
- Leise: Deutlich geringere Geräuschentwicklung.
- Wartungsarm: Weniger Verschleißteile und geringerer Wartungsaufwand.
- Agile Beschleunigung: Elektromotoren bieten ein hohes Drehmoment von Anfang an.
Nachteile:
- Kosten: Der Umbausatz und die Installation können teuer sein.
- Reichweite: Die Reichweite ist begrenzt und hängt von der Akkukapazität ab.
- Ladezeit: Das Aufladen des Akkus dauert länger als das Tanken.
- Zulassung: Der Umbau muss vom TÜV abgenommen werden.
Tabelle: Vergleich von Akku-Optionen
| Akku-Typ | Spannung | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| 17S Li-Ion | Ca. 60V | Gute Spannungslage, volle Kapazität nutzbar | Begrenzte Auswahl, möglicherweise größere Maße |
| 20S LiFePO4 | Ca. 64V | Gute Spannungslage, lange Lebensdauer | Höherer Preis |
| 16S Li-Ion | Ca. 57.6V | Leichtere Verfügbarkeit | Kapazität nicht voll nutzbar, geringere Endgeschwindigkeit |
Der Umbau eines Mopeds auf Elektroantrieb ist ein lohnendes Projekt, das jedoch sorgfältige Planung und technisches Verständnis erfordert. Mit der richtigen Vorbereitung und den passenden Komponenten lässt sich ein klassisches Moped in ein modernes, umweltfreundliches und agiles Fahrzeug verwandeln.
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