Moped bekommt zu viel Sprit: Ursachen und Lösungen

Wenn ein Moped zu viel Sprit bekommt, kann dies zu einer Reihe von Problemen führen. Der Motor läuft nicht rund, stottert, raucht oder säuft sogar ab. Eine genaue Problemanalyse und die anschließende korrekte Einstellung des Vergasers sind daher unerlässlich.

Typische Probleme und mögliche Ursachen

Hier sind einige typische Probleme und die möglichen Ursachen, wenn ein Moped zu viel Sprit bekommt:

1. Kaltstartschwierigkeiten

  • Motor springt nur widerwillig an, geht immer wieder aus.
  • Mögliche Defekte:
    • Benzin gelangt nicht in den Vergaser (defekter Benzinhahn oder verdreckter Tank).
    • Dreck in der Schwimmerkammer.
    • Leerlaufdüse zugesetzt.
    • Chokedüse zugesetzt.
    • Chokebetätigung hängt in Position "geschlossen".

2. Warmstartschwierigkeiten

  • Motor dreht nur stotternd hoch, raucht schwarz aus dem Auspuff, Zündkerze wird "nass".
  • Mögliche Defekte:
    • Zuviel Benzin im Vergaser (zu hoher Schwimmerstand).
    • Chokebetätigung hängt in Position "offen".
    • Gemischregulierschraube zu weit ausgedreht oder Luftregulierschraube zu weit eingedreht.

3. Probleme während der Fahrt

  • Motor zieht nicht richtig, reagiert beim Gasgeben träge und "verschluckt" sich, Motor wird zu heiß.
  • Mögliche Defekte:
    • Motor läuft mit zu magerem Gemisch (Vergaserdüsen oder Benzinzulauf vom Tank verschmutzt).
    • Nicht genügend Sprit in der Schwimmerkammer (Benzinschlauch geknickt oder Tankrucksackriemen klemmt).
    • Tankentlüftung verstopft (Entlüftungsschlauch geknickt, verstopft oder Entlüftungsbohrung verdreckt).
    • Vergasereinstellung falsch (Gemischregulierschraube zu weit eingedreht oder Luftregulierschraube zu weit ausgedreht).
    • Schwimmerstand zu niedrig.
    • Falschluft wird angesaugt (Vergaser- oder Ansaugstutzen lose oder rissig).

Der Vergaser läuft über

Ein häufiges Problem ist, dass der Vergaser überläuft. Hier sind einige mögliche Ursachen:

  • Undichtes Schwimmernadelventil: Wenn das Schwimmernadelventil undicht ist, kann es nicht mehr richtig schließen, wodurch der Vergaser überläuft.
  • Falscher Schwimmerstand: Ein falsch eingestellter Schwimmerstand kann dazu führen, dass die Schwimmerkammer zu voll wird und der Vergaser überläuft.
  • Verschmutzung im Schwimmernadelventil: Schmutzpartikel im Sitz des Schwimmernadelventils können verhindern, dass es richtig schließt.
  • Verschlissene Gummispitze am Schwimmernadelventil: Eine verschlissene Gummispitze kann dazu führen, dass das Ventil nicht mehr richtig abdichtet.

Vergaser richtig einstellen

Um den Vergaser richtig einzustellen, sind einige Voraussetzungen zu erfüllen:

  • Motor ist mechanisch in Ordnung.
  • Luftfilter ist sauber.
  • Zündkerzen sind okay.
  • Ventilspiel ist eingestellt.

Die folgenden Schritte helfen bei der korrekten Einstellung des Vergasers:

  1. Motor warmlaufen lassen (ca. zehn Kilometer mit mittlerer Drehzahl).
  2. Leerlaufdrehzahl einstellen:
    • Beim Einzylinder Gasschieber-Anschlagschraube entsprechend der Vorgabe ein- oder ausdrehen.
    • Bei Zweizylindermotoren: Rechten und linken Vergaser so lange abwechselnd bearbeiten, bis man das Gefühl hat, dass der Motor gleichmäßig und ruhig läuft.
  3. Gaszugspiel einstellen bzw. kontrollieren: dabei den Lenker bei laufendem Motor ganz nach rechts und links bis an den Lenkeranschlag bewegen. Die Leerlaufdrehzahl darf sich durch die Lenkbewegungen auf keinen Fall verändern.
  4. Bei Zweizylindermotoren: Anschlüsse zum Luftfilterkasten lösen und von den Vergasern abziehen, so dass freie Sicht auf beide Gasschieber besteht. Dann langsam Gas geben: Beide Gasschieber müssen den Vergaserquerschnitt gleichmäßig freigeben.
  5. Gas geben, bis die Gasschieber oben am Rand stehen - es darf kein Absatz zu sehen oder zu spüren sein: beide Gasschieber müssen die Vergaserquerschnitte freigeben. Wenn nicht: Mit den Stellschrauben oben im Gasschieberdeckel korrigieren.
  6. Ansprechverhalten aus Standgasdrehzahl einstellen: Motor starten, Luftregulierschraube bzw. Gemischregulierschraube ganz fein ein- bzw. ausdrehen, bis der Motor kurz vor dem Absterben ist. Dann um eine 1/4 Umdrehung zurückdrehen.
  7. Anschließend stoßweise Gas geben, dann "Gas zu" und die Leerlaufdrehzahl wieder stabil absinken lassen.

Einstellen der Leerlaufdrehzahl

Je nach Motorkonfiguration liegt die Leerlaufdrehzahl zwischen 900/min (bei großen V2-Motoren), 1.200/min (beim großen Vierzylinder) bis hin zu ca. 1500/min (beim Einzylinder). Das Standgas muss so eingestellt sein, dass der Motor im Leerlauf leicht und locker vor sich hin blubbert und beim Ziehen der Kupplung und Einlegen des ersten Gangs nicht ausgeht.

Gaszugspiel

Der Gasgriff muss sich um einen bestimmten Betrag bewegen lassen, ohne dass sich die Drehzahl erhöht. Kontrolle: Kreidestrich am Gummi des Gasgriffs und Gasgriffgehäuse anbringen, Motor starten, leicht Gas geben - die Drehzahl darf sich erst dann erhöhen, wenn sich die beiden Striche zwei bis drei Millimeter voneinander entfernt haben. Zu viel Spiel schafft träges, unberechenbares Ansprechverhalten, zu geringes Spiel bringt ruckendes Fahren.

Leerlaufluft-Regulierschraube

Ihre Standardöffnung liegt bei 1 1/4 bis 1 3/4 Umdrehungen "offen". Je weiter sie geöffnet ("ausgedreht") ist, desto mehr Luft bekommt der Motor beim Gas geben aus Standgasdrehzahl. Ist sie zu weit ausgedreht (mehr als 1 3/4 Umdrehungen), magert das Gemisch beim Gas geben ab: man hat das Gefühl, dass der Motor sich "verschluckt", nicht richtig beschleunigen will und kurz vor dem Absterben ist. Sollte die Schraube zu weit eingedreht sein (weniger als 1 1/4 Umdrehungen offen), ist das Gemisch zu fett und der Motor dreht nur träge hoch.

Leerlaufgemisch-Regulierschraube

Auch ihre Standardeinstellung liegt bei 1 1/4 bis 1 3/4 Um-drehungen "offen". Im Gegensatz zur Luftregulierschraube regelt sie jedoch den Durchfluss von zusätzlichem Benzin, wenn Gas gegeben und mehr Luft angesaugt wird. Wenn die Leerlaufgemisch-Regulierschraube zu weit ausgedreht ist (mehr als 1 3/4 Umdrehungen), überfettet der Motor beim Beschleunigen, dreht nur träge hoch und raucht schwarz aus dem Auspuff. Ist sie dagegen zu weit eingedreht (weniger als 1 1/4 Umdrehungen), bekommt der Motor nicht genug Sprit und will nicht hochdrehen.

Düsennadel

Sie ist konisch geformt. Beim Gas geben gibt die Düsennadel entsprechend zur Bewegung des Gasschiebers einen größeren Ringspalt zum Düsenstock frei, so dass mehr Benzin durchlaufen kann. Die Düsennadel hat meistens fünf verschiedene, überein-ander angeordnete Kerben, in denen sie über einen kleinen Sicherungsring im Gasschieber eingehängt ist: Standardposition ist meistens die dritte Kerbe von unten. Wird die Düsennadel nun eine Kerbe höher (bzw. niedriger) gehängt, läuft der Motor fetter (bzw. magerer). Damit lässt sich ein empfindlicher Motor (z. B. ein hochgezüchteter Zweitakter) auf unterschiedliche Wetterbedingungen fein abstimmen: Bei trockener, sauerstoffarmer Witterung hängt man die Düsennadel eine Kerbe tiefer; bei sauerstoffreicher Luft eine Kerbe höher.

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