Moped Motor überholen: Eine detaillierte Anleitung

Dein Motor hat die besten Tage hinter sich? Die Lager rauschen oder dein Kolben hat gefressen? Zeit zum Überholen!

Seinen Motor sollte man regelmäßig überholen. Gerade bei den Piaggio Modellen ist dies eine einfache und günstige Arbeit. Es ist also keine schlechte Idee beim Kauf eines Piaggio Ciao Mofas, den Motor erst einmal zu überholen.

Auch nach einer hohen Laufleistung oder wenn du die Lager rauschen hörst, ist eine Revision des Motors angesagt. Dabei tauschen wir alle Lager, Wellendichtringe und Dichtungen im Motor. So vorbereitet sollte er auch die nächsten paar tausend Kilometer überstehen.

Vorbereitung

Zu Anfang sollte der Motor ausgebaut werden. Danach lohnt es sich, den Motor erst einmal gründlich zu reinigen, da sonst schnell Dreck in das Motor innere gelangen kann.

Dies führt dann später zu höherem Verschleiß oder im schlimmsten Falle zu einem Kolbenfresser. Sobald du dein ganzes Werkzeug und deine Ersatzteile zusammen hast, kann es mit dem überholen des Motors los gehen.

Zerlegung des Motors

Wenn du den Motor ausgebaut vor dir liegen hast, geht es auch schon los. Die schwarze Kunstoffabdeckung ist mit vier Schrauben am Gehäuse befestigt.

Sobald diese gelöst wurden kann es weiter gehen. Falls diese defekt ist oder sogar fehlt, dann unbedingt erneuern, da sie zur Kühlung essentiell ist. Ist die Abdeckung entfernt, liegt das Polrad frei. Nun kann dieser mit Hilfe des Polradabziehers gelöst und nach oben abgehoben werden.

Unter dem Polrad befindet sich die Zündung. In unserem Fall eine elektronische aus dem Moped. Diese muss als nächstes ausgebaut werden. Dazu die nötigen Schrauben lösen.

Bei einer Kontaktzündung müssen zusätzlich noch Kondensator und Kontakte ausgebaut werden. Ist die Zündung erstmal ausgebaut, geht es mit dem Zylinder weiter.

Im Zylinderkopf findest du drei Schrauben. Wenn du die Schrauben gelöst hast, kannst du den Zylinderkopf + Zylinder einfach nach oben abziehen. Die Zündkerze musst du nicht unbedingt ausbauen.

Der sich im Zylinder befindende Kolben liegt nun frei. Auch den Kolben kannst du nun ausbauen. Der Kolben ist mit zwei Kolbenbolzen-Clips befestigt.

Es reicht aus, wenn einer der Clips entfernt wird und der Kolbenbolzen von der anderen Seite aus rausgedrückt wird. Ist der Bolzen einmal draußen, können Kolben und Nadellager entfernt und sicher verwahrt werden.

Die Kolben-Clips am besten nach jedem Ausbau erneuern. Der Motor besteht nun nur noch aus sehr wenig Teilen. Um die Kurbelwelle auszubauen und die Kurbelwellenlager zugänglich zu machen, müssen zu allererst die fünf letzten schrauben gelöst werden.

Diese halten die beiden Motorhälften zusammen. Danach auf das Gewinde der Kurbelwelle eine Mutter drehen um dieses später nicht zu beschädigen.

Überholung des Motors

Das eigentliche Überholen des Piaggio Ciao Motors beginnt nun. Zunächst den Lagersitz der großen Gehäuse hälfte mit dem Heißluftföhn erwärmen.

Anschließend mit einem Plastikhammer leichte Schläge auf die Kurbelwelle ausüben. Die Kurbelwelle sollte nun aus dem Gehäuse fallen. Das erste Lager liegt nun frei.

Die Kurbelwelle befindet sich jedoch noch im Lager der kleinen Hälfte. Um die Welle dort heraus zu bekommen, den Lagersitz von außen erwärmen und dann leichte Schläge auf den Lagersitz ausüben.

Die Kurbelwelle sollte jetzt samt Lager aus der kleinen Gehäusehälfte fallen. Mit dem Trennmesser kann das Lager ganz leicht von der Kurbelwelle entfernt werden.

Das Lager in der großen Gehäusehälfte lässt sich am besten samt Simmering mit einem Einschlagwerkzeug entfernen. Jetzt beide Hälften gründlich reinigen.

Zusammenbau des Motors

Danach kann das Zusammenbauen beginnen. Damit das ganze leichter von der Hand geht, gibt es ein paar Tricks. Zunächst die Lagersitze mit dem Heißluftfön erwärmen.

Daraufhin sollten die Kurbelwellenlager leicht eingesetzt werden können. Ist dies nicht der Fall, mit einem passenden Einschlagwerkzeug vorsichtig nachhelfen. Sind erstmal beide Lager verbaut, kann die Kurbelwelle eingesetzt werden.

Hier ist es dieses mal hilfreich, die Kurbelwelle abzukühlen und die Lager leicht zu erwärmen. Aber nicht mehr als 100°C. Abkühlen kannst du die Kurbelwelle z.B. im Gefrierfach.

Daraufhin die Kurbelwelle zuerst in eine Gehäusehälfte einsetzen und dann zusammen mit der Dichtung in die Andere schieben. Sollte die Kurbelwelle nicht direkt in das Lager rutschen, vorsichtig auf den Lagersitz klopfen.

Anschließend müssen alle Schritte von vorher nur noch Rückwärts ausgeführt. Kolben mit Nadellager verbauen -> Zylinder und Zylinderkopf verschrauben -> Zündung einsetzten und Polrad + Abdeckung installieren.

Spätestens wenn das Trennmesser maximal angezogen wurde, können Lager etc. von der Welle gezogen werden. Jetzt, da die Kurbelwelle der Hercules Prima bereits ausgebaut ist, kannst du auch das Pleuellager prüfen. Dabei schaut man, ob das Pleuel Höhenspiel hat. Ist dies der Falls, sollte die Welle ersetzt, oder die Lager getauscht werden.

Die Kurbelwelle sollte vor dem anbringen der neuen Lager ordentlich gereinigt werden. Hier bietet sich Benzin als kostengünstiges Reinigungsmittel an.

Ein Punkt, welcher gerne vergessen wird, ist das Einbaumaß der Kurbelwelle. Laut Hercules liegt das Einbaumaß der SACHS 505 Motoren bei 57,75 mm.

Die Kurbelwellenlager werden nun auf die Welle gepresst. Um dies auch ohne Presse durchführen zu können, kann man sich die thermischen Eigenschaften zu nutzen machen. Hierzu die Rillenkugellager auf etwa 100 - 120 ℃ erwärmen. Die Kurbelwelle gleichzeitig herunterkühlen. Das kannst du zum Beispiel im Gefrierschrank. Keine Angst, dabei nimmt die Welle keinen Schaden. Jetzt können die Lager etc.

Nach erfolgreichem aufsetzten der Bauteile auf die Kurbelwelle, kann diese zurück in das Gehäuse gesetzt werden. Es ist darauf zu achten, dass die große Scheibe Zündseitig korrekt in der dafür vorgesehenen Nut sitzt und die Wellendichtringe sauber mit dem Gehäuse abschließen.

Schlussendlich sollte die Leichtgängigkeit der Kurbelwelle noch einmal überprüft werden. Lässt sich alles sauber und leichtgängig drehen, kann der Motor wieder zusammengebaut werden.

Statt einer Dichtung nutzt man, zum Abdichten der beiden Gehäusehälften, Dichtpaste. Jetzt kann auch der Rest zusammengesetzt werden. Hier kannst du z.B. Ist alles wieder zusammengesetzt, kann auch der Zylinder verbaut und die Zündung neu eingestellt werden. Danach nur noch die Anbauteile anbringen und den Motor verbauen.

Es empfiehlt sich oft auch, den Kolben zu erneuern. Jetzt solltest du wieder ein paar tausend Kilometer Spaß an deinem Mofa haben.

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