In Insiderkreisen kursiert ein Geheimtipp: An der Grenze Duisburg / Oberhausen gibt es ein neues Motorradmuseum. Jeden 3. Sonntag des Monats öffnet es seine Tore und gibt den Blick auf die beeindruckende Sammlung von Peter Wedig frei.
Das Mopedmuseum des Mopedclubs Neumühl öffnete seine Türen erstmals nach der Winterpause. In Zukunft kann man wieder an jedem dritten Sonntag im Monat von 9:30 - 14 Uhr fachsimpeln, staunen, in Erinnerungen schwelgen und fotografieren. Auf zwei Etagen warten Motorräder, Mopeds und Kleinkrafträder auf die Besucher. Zündapp, Kreidler, Kawasaki sind nur einige der Firmen aus der Sammlung.
Ab Sonntag, 17. März, gibt es wieder an jedem dritten Sonntag eines Monats in der Zeit von 9.30 bis 14 Uhr im Moped-Museum des Moped-Clubs Neumühl an der Waldteichstraße 93 in Oberhausen-Holten historische, liebevoll restaurierte Zweirad-Schätzchen aus vergangenen Jahrzehnten zu bestaunen und zu bewundern.
„Da ist jetzt die eine oder andere Maschine hinzugekommen, so dass auch Stammbesucher viel Neues sehen“, so Peter Wedig, Vorsitzender des Clubs.
Aktuelle Informationen zu den Öffnungszeiten:
- Regelmäßige Öffnung: Jeden dritten Sonntag im Monat
- Uhrzeit: 9:30 - 14:00 Uhr
- Ort: Waldteichstraße 93, 46147 Oberhausen-Holten
Ein Museum mit Herz und Leidenschaft
Der Chef einer Bau- und Möbelschreinerei hat im Laufe der letzten Jahrzehnte Motorräder gekauft, restauriert und sorgsam trocken gelagert. Manche kosteten nur 100 Euro, er bekam sogar einige geschenkt. Den Ursprung seiner Gesinnungen findet man bei Josef Wedig, der mit einer auch in der Ausstellung stehenden NSU Quickly mit Anhänger, die bald in die dritte Generation gehende Schreinerei begründete. Motorradfahren und Schreinern ist die Passion der Wedigs.
Der gestandene Unternehmer Peter sammelt die Fahrzeuge nicht als Statussymbol oder als Geldanlage, sondern weil er Zeit seines Lebens Motorrad gefahren ist. Motorräder sind seine große Leidenschaft und er fand in der Sammlung einen Rückzugsort von dem Alltag in der Schreinerei. Und wie wir alle wissen, Motorräder machen Männer glücklich. Nicht das Haben, sondern der Weg sind Peters Ziel.
Die Sammlung und ihre Besonderheiten
Die Ausstellung von über 200 Motorrädern und Mopeds ist sauber, geruchsfrei, die Wände leuchten frisch gestrichen. Damit die weißen Stellen nicht zu kalt wirken, durften sich Sprayer aus der Region, bewaffnet mit Hunderten Dosen Farbe und fast ebenso vielen Dosen Bier nach Vorstellung von Peter an den Wänden austoben. Sexy Mädels, Motorräder und die heimische Industrie geben der Ausstellung einen würdigen Rahmen und dürften exakt den Geschmack der Besucher treffen.
Jeder Neuzugang wird mit Unterstützung von Vereinskollegen fahrfähig gemacht, gegebenenfalls ein wenig restauriert. Ein klassisches Zweirad-Museum wurde hier aber nicht erschaffen. Unter diesem Begriff erwartet man eher rostiges Zeug, Schmuddelecken, alte Lederkappen und stinkende Ersatzteile aus anderen Jahrzehnten. All das gibt es hier nicht.
Die Ausstellung in der kompakten Halle befindet sich auf 2 Ebenen, wobei oben Mopeds wie Kleinkrafträder und unten Motorräder dicht an dicht stehen. In jedem Besucher, der an diesen Reihen entlang flaniert, werden zwangsläufig unzählige Erinnerungen aus der wilden Jugendzeit wach. An den Öffnungstagen erzählen einige 60-jährige Männer ihren Frauen, Freunden, Kindern oder Enkeln Geschichten von damals. Wer das Glück hat, mit Peter eine Runde zu drehen, erfährt die spezielle Geschichte von so gut wie jedem Motorrad. Der Mann hat etwas zu erzählen und trägt Geschichten humorvoll in Duisburger Manier vor, immer ein Schmunzeln im Anflug.
Einige Highlights der Ausstellung:
- NSU Quickly mit Anhänger (aus der Schreinerei des Vaters)
- Urania Ki120 von 1934 (einst gefertigt in den Paul Tanner Werken in Cottbus)
- Laverda Moped aus den 60-iger Jahren mit Scheibenbremsen und Kunststofftank
- Victoria Typ 115 (gebaut von 1961 bis 1965)
- Hercules Ultra LC (mit flüssigkeitsgekühltem Motor)
- Kawasaki Z1 (vorgestellt 1972 auf der IFMA in Köln)
- BMW R 90 S (erstes Serienmotorrad mit Cockpit-Verkleidung)
- Münch Mammut (handgefertigte Motorräder)
- Hercules Wankel 2000 von 1974
Die Treppe zu den Mopeds hinauf erwartet den Besucher die NSU Quickly mit Anhänger von der einst mobilen Schreinerei des Vaters. Ältestes Fahrzeug der Ausstellung ist eine Urania Ki120 von 1934, einst gefertigt in den Paul Tanner Werken in Cottbus und ein gern gesehener Gast in diversen Kriegsfilmen. Ein Laverda Moped aus den 60-iger Jahren fällt besonders durch Scheibenbremsen und Kunststofftank auf. Hier nahm die Geschichte solcher Komponenten ihren Anfang.
Meine Emotionen werden dank einer Hercules Ultra LC kurz aufgepeitscht. Ob beim Rennen gegen die Kumpels auf dem Weg zur Eisdiele oder bei der Spritztour mit der Schönheit aus der Parallelklasse zum Baggersee: Mit der Ultra II LC war man in der Moped-Clique ganz weit vorn dabei. Das Einzige was bei diesen Aktionen kühl blieb, war der Motor. Denn er war seit 1978 LC, eine Abkürzung für „liquid cooled“.
Im Erdgeschoss stehen die Motorräder für die erwachsenen Kinder. Peters Vorliebe gilt zwei ehemaligen Konkurrenten, den BMW-Zweiventilern und den 4-Zylinder Kawasakis. So ist es nicht verwunderlich, dass die Granaten der Zeit, Kawasaki Z1 und BMW R 90 S die Sammlung zieren.
Ein grandioses Schmuckstück der Ausstellung ist eine Münch. Sie ist im Besitz von Thomas Jansen, einem weiteren Mitglied des Mopedclub Neumühl. Zwischen 1966 und 1976 baute man im Hause Münch handgefertigte Motorräder. Aufgrund der Modellpolitik ist fast jede Maschine ein Einzelstück hinsichtlich Ausstattung und Material.
Der Verein hinter dem Museum
Die Ausstellung ist Sitz des vor Jahrzehnten gegründeten Vereins HMSV Duisburg e.V., was ausgeschrieben Historischer Motor Sport Verein Duisburg e.V. bedeutet. Peter ist 1. Vorsitzender des Vereins, der auch bei meinem Besuch anwesende Paul Ziehs ist der Präsident. Früher organisierte der Verein Rennen auf Holzbahnen und am Flugplatz Schwarze Heide. Die veränderten Bestimmungen machten solche Unterfangen jedes Jahrzehnt aufwendiger, die Mitglieder kamen in die Jahre, der älteste Teilnehmer ist über 90 Jahre alt. Mit der Sammlung von Peter bekam der Verein ein neues angemessenes Betätigungsfeld und Peter den notwendigen gemeinnützigen Rahmen, denn die Sammlung soll keine Gewinne erwirtschaften.
Die aktive Unterstützung, ohne die solch eine Ausstellung nicht zu machen ist, kommt von den Mitgliedern des Mopedclub Neumühl, in welchem auch Peter und Paul tatkräftige Mitglieder sind. Im Mopedclub der Duisburger geht es in erster Linie um 50cc Fahrzeuge aus unseren Jugendjahren. Es werden Touren gefahren, Ausstellungen organisiert.
Ein Ort der Begegnung und Erinnerungen
Die Besucher selbst erzählen immer viel vom ersten eigenen Moped, vom Frisieren, Aufmotzen und Reparieren des stolzen Gefährts. Fachsimpeln bei leckeren Kaffee ist stets an der Tagesordnung. Längst gehören Zweirad-Freaks aus dem gesamten Ruhrgebiet und dem Niederrhein zu den begeisterten Besuchern.
Auch die Besucher selbst tragen zur Lebendigkeit der Ausstellung bei, denn uns Motorradfahrer*innen aller Klassen und Geschlechter verbindet vor allem eins, die Freude am Benzingespräch.
Kontaktdaten und Adresse:
- Moped-Club Neumühl
- Waldteichstraße 93
- 46147 Oberhausen-Holten
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