Moped Vergaser Einstellen: Eine Anleitung

Die Vergaserabstimmung ist eine der wichtigsten Stellschrauben an deinem Mofa. Aufgabe der Vergaseranlage an deinem Töffli ist es, bei Voll-, Halbgas und im Leerlaufbetrieb deinem Mofa das richtig bemessene Kraftstoff-Luftgemisch zur Verfügung zu stellen. Die optimale Einstellung deines Vergasers sorgt dafür, dass dein Hödi Höchstleistung abliefert. Auch die Lebensdauer deines Motors erhöht sich, wenn deine Vergaserabstimmung optimiert ist, denn der Verschleiss der einzelnen Motorkomponenten kann so reduziert werden.

Vorteile der Vergasermodelle von Bing

Gründe dafür, dass Bing-Vergaser so beliebt sind und werkseitig bei vielen Mofas verbaut wurden, gibt es einige. Dazu zählen unter anderem die folgenden Punkte:

  • Bei den meisten Bing-Modellen ist ein geringerer Kraftstoffverbrauch festzustellen.
  • Die Grundeinstellungen lassen sich einfacher vornehmen, als dies bei anderen Vergasermodellen der Fall ist.
  • Die meisten Bing-Vergasermodelle besitzen einen eingebauten Filter. Dadurch gelangt weniger Schmutz in den Brennraum des Motors.
  • Ein mit diesem Vergaser ausgestattetes Töffli zeichnet sich durch einen ruhigen Leerlauf aus.
  • Zudem ist ein etwas besseres Übergangsverhalten von Leerlauf auf Halb- und Volllast zu beobachten.

Schon früh haben viele Mofa-Hersteller die Vorteile des Vergasers, zu denen auch die einfach durchzuführenden Grundeinstellungen gehören, erkannt. Deswegen rüsteten sie zahlreiche Modelle bereits ab Werk mit Vergasern des renommierten Herstellers aus, die sich zudem durch Langlebigkeit und eine sehr gute Verarbeitung auszeichnen. Unter anderem wurden zum Beispiel das Zündapp Star 1-Töffli sowie das Hercules-Prima 5-Mofa und die Modelle GX und GT von Hercules mit diesem Vergasertyp versehen. Auch diverse Puch Maxi-Modelle wurden werkseitig mit Vergaservarianten des Nürnberger Herstellers ausgeliefert.

Grundlagen: Die Funktionsweise des Vergasers

Aufgabe der Vergaserbaugruppe ist es, dem Motor in allen Belastungssituationen das optimale Kraftstoff-Luftgemisch zur Verfügung zu stellen. Optimal bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das Gemisch korrekt bemessen ist und dadurch einen runden Motorlauf und maximale Leistungsausbeute gewährleistet. Hierfür verfügen viele Vergasertypen über ein Leerlauf- und ein Hauptdüsensystem. Der Durchmesser der Hauptdüse bestimmt übrigens auch den maximalen Kraftstoffeinlauf und hat somit direkten Einfluss auf die maximale Leistung des Mofas.

Das Leerlaufdüsensystem besteht aus der Leerlaufluftdüse, der Leerlaufdüse für die Kraftstoffzuführung und der Luftregulierschraube. Das Leerlaufgemisch wird durch Minimieren des Lufteintritts an der Luftregulierschraube kraftstoffreicher und kraftstoffärmer durch Erhöhung des Lufteintritts. Bei Kleinmotoren, wie sie bei einem Töffli verwendet werden, sind meistens Vergaser ohne gesondertes Leerlaufdüsensystem verbaut. Bei diesen Vergaservarianten sind die Grundeinstellungen noch einfacher durchzuführen. Die Gemischbildung erfolgt bei diesem Vergasertyp über das Nadeldüsensystem.

Vergasertyp identifizieren

Bing verwendet eine Kombination aus verschiedenen Nummern, um die eindeutige Zuordnung passender Ersatzteile zu ermöglichen. Diese Ziffernfolge bestehen stets aus drei Komponenten, die jeweils durch Schrägstriche getrennt sind. Bei der ersten Zahl handelt es sich um den Typ des Vergasers. Die zweite Zahl kennzeichnet den Durchlass des jeweiligen Vergasermodells. Der Durchlass ist die engste Stelle des Luftkanals. Die Zahl entspricht dem Durchlass-Durchmesser in Millimeter. Die dritte Zahl ist die sogenannte Kennzahl. Sie kann zwei- bis fünfstellig sein.

  • Eine zweistellige Zahl wird bei Vergasermodellen verwendet, die unvollständig an Zweiradhersteller ausgeliefert werden und in deren Werken ergänzt werden.
  • Bei Modellen mit dreistelliger Kennzahl handelt es sich um vollständige Varianten, die komplett fertig zum Anbau geliefert werden.
  • Ist die Kennzahl vier- oder fünfstellig, handelt es sich um eine Grundausführung, die beim Töffli-Hersteller eine spezielle Ergänzung erhalten hat. Diese wird durch einen zusätzlichen Zahlenstempel kenntlich gemacht.

Die richtigen Vergasereinstellungen vornehmen

Nachfolgend erklären wir dir, wie du vorgehen musst, um die Vergasereinstellungen auf den ursprünglichen Zustand zurückzusetzen. Ehe du diese Grundeinstellungen vornimmst, solltest du sowohl den Zündzeitpunkt und den Zündkerzenelektrodenabstand kontrollieren. Bei Bedarf solltest du diese Parameter korrekt und gesondert justieren. Bevor du die Grundeinstellungen an deinem Bing-Vergaser vornimmst, solltest du zunächst den Motor deines Töfflis warmfahren. Um die Vergasereinstellungen vorzunehmen, solltest du dann dein Hödi waagrecht aufbocken. Achte ausserdem darauf, dass das Innere des Vergasers frei von Schmutz und Rostpartikeln ist. Und als letzten Schritt, bevor du die Grundeinstellungen vornimmst, solltest du die Beleuchtung deines Töfflis einschalten.

So optimierst du die Grundeinstellungen an deinem Bing-Vergaser

Um die Grundeinstellungen (wieder)herzustellen, musst du zunächst die Luftregulierschraube einstellen. Dazu drehst du sie bei laufendem Motor so weit hinein, bis das Antriebsaggregat schlechter, also unrund, läuft. Drehe die Luftregulierschraube danach wieder bis zur höchsten Drehzahl bei gleichzeitig stabilem und rundem Motorlauf heraus. Abschliessend drehst du die Luftregulierschraube wieder bis zum äussersten Punkt hinein, ehe der Motor erneut beginnt, unrund zu laufen.

Für den zweiten Schritt zur Herstellung der Grundeinstellungen musst du die Gasschieberstellschraube einstellen. Mit der Gasschieberstellschraube stellst du zunächst die Leerlaufdrehzahl ein. Danach drehst du die Luftregulierschraube so weit heraus, bis die Drehzahl wieder ansteigt. Ab diesem Punkt bewegst du die Schraube wieder um eine Viertelumdrehung zurück.

Nachdem du diese Vergasereinstellungen mithilfe der Luftregulierschraube und Gasschieberstellschraube vorgenommen hast, sollte dein Töffli bei allen Belastungszuständen rund laufen und optimale Leistung bringen. Ausgehend von diesen Grundeinstellungen kannst du die Abstimmungen deines Vergasermodells individuell abstimmen. Die Grundeinstellung bildet so zusagen eine brauchbare Basis für weitere, individuelle Abstimmungen. Solltest du feststellen, dass dein Mofa nicht mehr optimal läuft, solltest du die Vergasereinstellungen wie beschrieben nochmals vornehmen. Denn es kann durchaus vorkommen, dass die Grundeinstellungen zum Beispiel bei Reparaturen oder der Reinigung des Vergasers verstellt wurden. Nur optimale Grundeinstellungen stellen sicher, dass das Mofa dauerhaft die erwartete Leistung bringt.

Vergaser abstimmen und richtig einstellen

Deinen Vergaser musst du abstimmen, um dem Zylinder das richtige Mischungsverhältnis von Luft und Benzin (hier 2-Takt Gemisch) zu liefern. Nur so kann dein Motor richtig laufen und dir die optimale Leistung liefern. Ein nur leicht falsch eingestellter Vergaser kostet schnell 10 km/h an Top Speed. Stimmt dieses Mischungsverhältnis nämlich nicht, so hat dein Motor weniger Leistung und außerdem oft einen höheren Verschleiß. Typische Symptome sind hier zum Beispiel ein stark qualmender Auspuff und Stottern im oberen Drehzahlbereich.

Deinen Vergaser musst du übrigens immer dann neu abstimmen, wenn du an deinem Motor etwas änderst oder neu verbaust. Dabei ist es egal ob es der Vergaser Zylinder oder Auspuff ist. Gerade nach Tuning Umbauten ist eine neue Düsengröße von Nöten.

Ein Falsch abgestimmter Vergaser kann z.B. dazu führen, dass dein Mofa im oberen Drehzahlbereich schlecht läuft / nicht richtig das Gas annimmt. Die verschiedenen Vergaser benötigen auch unterschiedliche Düsen, da sie andere Gewinde haben oder verschieden groß sind.

Es empfiehlt sich immer eine kleine Bandbreite an Düsen da zu haben (etwa 10-20 Größen), sodass man beim Abstimmen nicht in einen Bereich kommt, für den man keine Düsen mehr hat. Auch braucht man sie immer wieder, wenn man z.B. Zunächst müsst ihr euren Vergaser natürlich mit einer Düse bestücken, die ungefähr passen könnte.

Beispiele für Düsengrößen:

  • originales Mofa -> 45-55er HD (Hauptdüse)
  • Mofa mit leichtem Tuning -> ca.

Konkrete Beispiele:

  • Piaggio Ciao mit großem Zylinder (63ccm) und passendem Setup -> ca. 65-70er HD
  • Zündapp CS 25 bearbeiteter 50ccm Athena, 21er Vergaser etc. -> ca. 90er HD
  • Hercules Prima GT und Puch Maxi komplett original -> 50er HD
  • Puch Maxi S mit 50ccm Tuning Zylinder und passendem Setup: ca.

Dies sind natürlich nur Richtwerte und beruhen auf unserer Erfahrung. Generell würde ich eher zu fett (zu große Düse), als zu mager (zu kleine Düse) beginnen. Ist die Düse nämlich viel zu klein, bekommt dein Zylinder nicht genug Öl zur Schmierung.

Beispiel: du hast einen 13 Vergaser. Recht ungenau, aber als erster Wert oft geeignet. Je nach Setup sollte man aber auch hier etwas größer starten. Gerade bei stark bearbeiteten Motoren, die zudem sehr hoch drehen.

Um deinen Vergaser optimal abstimmen zu können, solltest du auch das Standgas richtig einstellen. Das geht ganz leicht. Um das Standgas zu erhöhen, einfach die Standgasschraube reindrehen. Ist es dir zu hoch, so kannst du es durch herausdrehen wieder senken. Optimal sind hier etwa 1.000-1.400 U/min. Das Ganze solltest du am besten am warm gelaufenen Motor einstellen.

Jetzt sollte dein Vergaser mit der ersten Düse bestückt worden sein. Du kannst nun dein Mofa starten. Dies dauert, gerade nach einem Neuaufbau, manchmal etwas länger. Der erste Test sollte nun im Stand stattfinden. Lass den Motor erst etwas warm laufen und drehe dann langsam etwas höher. Funktioniert das und dein Mofa dreh sogar schon in höhere Drehzahlregionen, ohne zu stottern oder sich zu verschlucken, kannst du zum Punkt „Die Abstimmungsfahrt“ übergehen.

Die Abstimmungsfahrt

Ist alles wieder zusammengebaut und der Vergaser bestückt, heißt es Fahren. Du solltest es vorsichtig angehen und immer auf den Motor hören. Auch wenn dein Mofa im Stand gut hochdreht, kann es sich während der Fahrt immer noch anders verhalte.

  • Ist die Düse viel zu klein, läuft das Mofa mit Choke besser als ohne.
  • Die Düse ist ein bisschen zu klein, hat das Mofa oft kein gutes Standgas wenn es warm ist
  • Ist die Düse zu groß, läuft der Motor im oberen Drehzahlbereich immer schlechter, je wärmer er wird.

Um herauszufinden, ob deine Düse zu klein beziehungsweise zu groß ist, kannst du einfach eine Düse verbauen, die etwas größer ist. Läuft es danach bei der Testfahrt schlechter, so brauchst du ein kleinere Düse. Läuft es besser eine größere. Hat man diese grobe Richtung festgestellt, achtet man bei der nächsten Fahrt vor allem auf die obere und mittlere Drehzahl.

Um die Hauptdüse zu wechseln, könnt ihr entweder - falls vorhanden - die Zentralschraube lösen oder ihr müsst den ganzen Deckel entfernen. Wenn ihr eine Zentralschraube habt, selbstverständlich diese benutzen - spart Zeit, schont Material und vor allem aber eure Nerven ;-). Die zentrale und größte Schraube ist die Hauptdüse.

Fazit: Regelmäßige Vergaserwartung verlängert das Leben des Fahrzeugs

Der Vergaser ist in einem Motorrad, Moped oder Roller ein sehr wichtiges Bauteil. Er hat einen großen Einfluss auf die Performance des Fahrzeugs. Daher sollte er in regelmäßigen Abständen kontrolliert und eingestellt werden.

Die verschiedenen Vergasertypen

In Motorrädern, Rollern oder auch Mopeds werden verschiedene Vergaser verbaut. Diese unterscheiden sich vor allem in der Strömungsrichtung des Kraftstoff-Luftgemisches.

  • Der Schrägstromvergaser
  • Der Flachstrom-Vergaser
  • Der elektronische Vergaser
  • Der Steigstromvergaser
  • Der Gleichdruckvergaser
  • Der Schiebervergaser

Zusätzlich gibt es weitere Vergaser, die sich anhand ihres mechanischen Aufbaus unterordnen lassen. Bei dieser Ausführung kommt ein Schieber zum Einsatz, der den Gemisch-Strömungsquerschnitt zusammen mit einem Nadeldüsen-System den individuellen Wünschen und Vorstellungen anpassen kann. Einfache Modelle verfügen über keine speziellen Übergangs-oder-Beschleunigungseinrichtungen.

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