Das Einfahren eines neuen Motors bzw. einer neuen Kolben/Zylinder-Garnitur ist essentiell, damit sich die Teile aufeinander einspielen können und der Motor später die optimale Leistung bringt. Dieser Artikel bezieht sich in erster Linie auf 2-Takt Motoren, wie sie in vielen Mopeds und Rollern verbaut sind. Diese Anleitung ist z.B. für Simson-Modelle relevant.
Warum ist das Einfahren notwendig?
Der Grund, warum man einen neuen Mofa Zylinder überhaupt einfahren muss, ist, dass neue Teile im Bereich der Zylinderbaugruppe trotz hochpräziser Fertigung zwar passgenau sind, aber noch nicht optimal aufeinander abgestimmt sind. Verantwortlich dafür sind geringe Massabweichungen bei der Fertigung. Während der ersten Fahrten erfolgt eine Anpassung der Teile aneinander. Die einzelnen Komponenten schleifen sich bei den ersten Fahrten langsam gegenseitig ab, bis sie perfekt ineinander passen. Erst danach kann man den Motor gefahrlos voll aufreissen und das Töffli mit maximaler Drehzahl bewegen.
Was passiert beim Einfahren?
Möchte man also seinen neuen Zylinder einfahren, gilt es, diesen langsam an die Nutzung bei maximalen Drehzahlen zu „gewöhnen“. Das bedeutet vor allem, dass direkt nach dem Einbau der neuen Teile auf Vollgasfahrten, Drehzahlorgien und auch auf längere Bergfahrten verzichtet werden sollte. Der Hintergrund ist, dass bei zu starker Beanspruchung und bei hohen Drehzahlen das erwähnte Abschleifen zu schnell und zu aggressiv erfolgt. Bei Fahrten mit Vollgas könnte von den Zylinderlaufflächen zu viel Material auf einmal abgetragen werden, was dazu führen würde, dass die Kontaktflächen des Mofazylinders und des Kolbens beschädigt werden und eine optimale Passgenauigkeit in der Folge nie erreicht werden könnte.
Im besten Fall führt dies nur zu einer verminderten Leistung, im Worst-Case-Szenario kann der Totalschaden des Mofazylinders oder des Kolbens die Folge sein.
Die ersten Kilometer: Schritt für Schritt
Hier sind einige Schritte, die du bei den ersten Kilometern beachten solltest:
- Erste Inbetriebnahme: Nach dem ersten Anlassen sollte man nach dem ersten Kick(en) ca. 2-3km fahren. Danach den Vergaser sauber einstellen und eine längere Strecke fahren.
- Gemisch und Schmierung: Das richtige Gemisch tanken, also 1:33 bzw. 1:25. Es ist ratsam, zusätzlich etwas Öl in den Tank zu geben. 50 bis 100 ml auf 5 Liter Treibstoff sollten dafür ausreichend sein. Das 2-Takt-Öl solltest du bei der Montage auch auf die Innenflächen des Zylinders auftragen.
- Fahrweise: Während der ersten Fahrten in regelmässigen Abständen kurze Drehzahlerhöhungen einbauen. Dabei ist es natürlich wichtig, dass der Motor nicht zu hoch dreht. Vermeide längere Fahrten mit einer gleichbleibenden Drehzahl.
- Abkühlphasen: Den Motor immer wieder abkühlen lassen. Also entweder das Mofa zwischendurch einige Minuten komplett ausmachen oder für einige Minuten bei sehr niedriger Drehzahl fahren, damit Kolben und Zylinder abkühlen können.
- Stadtfahrten: Am Anfang ganz kleine Runden durch die Stadt fahren (1 Runde ca 2-3 Km). Dann Motor aus, abkühlen lassen und dann später wieder eine kleine Runde fahren und wieder abkühlen lassen. Das mache ich 2-3 dreimal und dann geht es schon ins Nachbardorf und ich steigere die Rundengröße. Bis ich am Ende bei einer Runde bin, die ca 30 km groß ist (das schon bei 150 km).
Detaillierte Einfahranleitung
Hier ist eine detaillierte Anleitung, die dir helfen soll, deinen Zylinder optimal einzufahren:
- Standgas: Unmittelbar nach dem Einbau eines neuen Zylindermodells solltest du dein Töffli zunächst ein paar Minuten bei Standgas laufen lassen.
- Halbgas: Basierend auf den oben genannten Feststellungen solltest du beim Einfahren also eine Zeitlang nur auf Halbgas fahren. So haben die Kontaktflächen des Mofazylinders und des Kolbens ausreichend Zeit, sich passend zueinander einzuschleifen.
- Drehzahl erhöhen: Nach der Einfahrzeit kannst du die maximal gefahrene Drehzahl kontinuierlich steigen. Dabei ist es natürlich wichtig, dass der Motor nicht zu hoch dreht.
- Motor beobachten: Achte bei den ersten Fahrten mit höheren Drehzahlen darauf, dass der Motor nicht ungewöhnlich laut wird.
Wie lange muss man einen Zylinder einfahren?
Die Meinungen dazu, wie lange man einen Zylinder am Mofa einfahren sollte, gehen auseinander. Vor einigen Jahren ging man von mindestens 10 Stunden oder 300 km aus. Jedoch waren zu dieser Zeit die Materialien und auch die Schmierstoffe bei weitem nicht so leistungsfähig wie heute. Es kann deswegen heute schon ausreichend sein, wenn du dein Mofa etwa 1 Stunde lang eingefahren hast. Im Anschluss an diese Stunde kannst du die maximal gefahrene Drehzahl kontinuierlich steigen. Wichtig ist, dass du auch nach dem ersten Einfahren nicht sofort über längere Zeit Vollgasfahrten unternimmst.
Nach ca 50km ruhig und dann langsam steigern. Ruhig auch Vollgas durchbeschleunigen, eben keine langen Vollgasfahrten. Und Kerzenbild im Auge behalten.
Zusätzliche Tipps für das Einfahren
- Schmierung: Während der ersten Fahrten entsteht starke Reibung zwischen den Berührungsflächen des Mofazylinders und des Kolbens. Diese zusätzlich zu reduzieren, kann dazu beitragen, dass sich die Teile besonders schonend aneinander „gewöhnen“.
- Wetterbedingungen: Ein Aspekt, der oft übersehen wird, sind die äußeren Wetterbedingungen beim Einfahren eines neuen Motors. Temperaturen, sowohl hoch als auch niedrig, können die Art und Weise beeinflussen, wie sich der Motor einschleift.
- Hochwertiger Kraftstoff: Während des Einfahrens ist es auch ratsam, hochwertigen Kraftstoff zu verwenden. Die Qualität des Kraftstoffs kann den Verbrennungsprozess und die allgemeine Gesundheit des Motors beeinflussen.
- Regelmäßige Wartung: Das Einfahren ist nur der erste Schritt in der Pflege eines neuen Motors. Nachdem der Einfahrprozess abgeschlossen ist, ist es entscheidend, den Motor regelmäßig zu überprüfen und zu warten.
Wie man es vermeidet:
Man sollte es daher unterlassen den Motor mit hohen Verbrennungsdrücken zu beaufschlagen, weil auf Grund der anfänglich schlechten Dichtleistung der Kolbenringe, der Zylinder und Kolben unnötig durch erhöhtes Blowby aufgeheizt wird, genauso ein Fahren in niedrigen Gängen mit wenig Schieberöffnung, hierbei fehlt die äußere Kühlung bei zu geringem Gemischdurchsatz. Der Grundgedanke ist die Laufgarnitur etwas kühler zu halten, weil der Kolben sich immer mehr ausdehnt als die Buchse, egal ob Alu oder Guss. Der Kloben ist eines der thermisch hochbelastesten Bauteile im Motor.
Zusammenfassung der Einfahrphasen
Hier ist eine Tabelle, die die verschiedenen Phasen des Einfahrens zusammenfasst:
| Phase | Dauer | Drehzahl | Ausrollzeit |
|---|---|---|---|
| 1 | 1 Stunde | 30-40% der Maximaldrehzahl (ca. 3000 U/min) | 1-3 Sekunden |
| 2 | 1 Stunde | Ca. 5000 U/min | 5-8 Sekunden |
| 3 | 1 Stunde | Ca. 7000 U/min | 10-15 Sekunden |
| 4 | Nach 3 Stunden | Bis 9000 U/min | 20-30 Sekunden |
WICHTIG: Das waren jetzt Beispielwerte für einen Motor der bis ca. 9000 U/min dreht.
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