Motocross Felge Einspeichen Anleitung

Speichenräder prägen das Erscheinungsbild eines Motorrads und müssen gewartet und mitunter repariert werden.

Werkzeuge und Vorbereitung

Bevor mit dem Einspeichen begonnen werden kann, sollte das benötigte Werkzeug bereitliegen:

  • Kleiner Schlitz-Schraubendreher
  • Speichennippel-Schlüssel
  • Zentrierständer
  • Fett oder Öl
  • Zentrierlehre oder Zentrierdorn
  • Akkuschrauber mit passendem Bit (optional)

Sind mehr als zwei Speichen zu ersetzen, sollte immer ein kompletter neuer Speichensatz besorgt werden. Anzahl, Typ und Länge richten sich hierbei nach dem Originalrad. Es macht keinen Sinn, alte Speichen mit neuen zu kombinieren, da die alten Speichen oft schon vorgeschädigt sind und dann auch bald abreißen.

Speichenkunde

Der Ersatzteilmarkt bietet heute ein breites Sortiment an Drahtspeichen mit rohen, vernickelten und verchromten Oberflächen oder aus V2A-Vollmaterial an. Es gibt sie in allen erdenklichen Längen, Kerndurchmessern und Hakenwinkeln sowie verschiedensten Gewinden. V4A-Speichen sollte man jedoch nicht kaufen, da deren Stahl zu spröde ist.

Genau achten sollte man zudem auf die Speichenmaße und Ausführungen, denn Speichen können entweder einen gleichmäßigen oder variablen (konifizierten) Durchmesser aufweisen. Gleichmäßig durchgeformte Speichen weisen über die gesamte Länge die gleiche Dicke auf. Sie werden daher auch als „glatte Speichen“ bezeichnet.

Wer sich Speichen besorgt, sollte immer die originalen mit den neuen vergleichen. Zum Ermitteln der Speichenlänge muss das gerade Stück der Speiche bis zum Haken gemessen werden.

Ausspeichen

Sind die Vorbereitungen abgeschlossen und alle Ersatzteile vorhanden, beginnt das Ausspeichen des Rads. Vor dem Ausspeichen alle Speichenkreuzungen mit Klebeband umwickeln. Nach dem Lösen aller Speichennippel lässt sich die Nabe samt den Speichen dann aus dem Felgenkranz ziehen, ohne dass das Speichenmuster verloren geht. Anschließend wird die neue Felge in Position und Ausrichtung der Ventilbohrung wie bei der alten montiert, und alle Speichen werden wieder angezogen. Selbstverständlich muss dann noch die Felge zentriert und der Seiten- und Höhenschlag korrigiert werden. Den Klebeband-Trick nur anwenden, wenn alle Speichen völlig in Ordnung sind!

Vorher sollte man sich stets das Speichenbild einprägen. Hier hilft man sich am besten mit einer Zeichnung oder Fotos vom Rad. Vor dem Einspeichen sollten dann noch die Speichengewinde und Speichenlöcher (auch Punzlöcher genannt) der Felge mit Fett oder Öl geschmiert werden.

Einspeichen

Zum Einspeichen legt man die Nabe und den Felgenkranz am besten auf die Werkbank. Dabei ist auf die Laufrichtung von Nabe zu Felgenkranz zu achten. Dies ist insbesondere wichtig, wenn ein Rad azentrisch eingespeicht wird, ansonsten stimmt die Ausrichtung der Punzlöcher nicht.

Weniger Geübte sollten daher lieber eine Speiche nach der anderen einbauen. Dabei ist zu beachten, dass ein konventionell gebautes Speichenrad meist zwei mal zwei Speichengruppen hat. Das heißt, die erste Zweiergruppe kommt auf den rechten Nabenflansch, die andere Zweiergruppe auf den linken.

Die erste zu befestigende Speiche ist die wichtigste. Man nennt sie daher die „Schlüsselspeiche“, da sich alle anderen an ihr orientieren. Sie muss unbedingt an der richtigen Stelle montiert werden, da sonst das Ventilloch am Ende an der falschen Stelle (schwer zugänglich für Reifendruckmessung) sitzen könnte und außerdem die Bohrungen der Felge nicht zum Winkel der Speichen passen.

Bei der Montage der Schlüsselspeiche darauf achten, dass diese von von der rechten Seite gegen den Uhrzeigersinn in die Felge eingefädelt wird. Und zwar entweder direkt neben der Ventilbohrung oder ein Punzloch weiter, je nachdem, wie die Felge gebohrt ist.

Montage der Innenspeichen

Damit die Schlüsselspeiche nicht mehr aus ihrem Punzloch rutschen kann, dreht der Profi den Speichennippel so weit ein, dass sie am Platz gehalten wird, aber noch locker ist. Beginnend neben der Schlüsselspeiche fädelt er dann die Innenspeichen („folgende“) ein. Und zwar jeweils um zwei Löcher versetzt, sodass in der Nabe jeweils ein leeres Loch zwischen ihnen bleibt.

Anschließend wendet Wolfgang das Rad der Honda CB 750, um aus der zweiten Zweiergruppe wieder zuerst die Innenspeichen („folgende“) zu montieren. Die Lochaufnahmen am linken Nabenflansch sind übrigens nicht genau auf einer Linie mit jenen des rechten Flansches angebracht, sondern versetzt.

Montage der Außenspeichen

Nun werden die „führenden“ oder auch als Außenspeichen bezeichneten Speichen montiert. Dazu wendet man die Felge erneut, sodass die (in Fahrtrichtung gesehen) rechte Seite vor einem liegt. Anschließend wird eine der Außenspeichen durch ein freies Loch von der Innenseite der Nabe nach außen gesteckt - das heißt, der Speichenkopf muss im Inneren des Flansches liegen.

Vorbereitungen fürs Zentrieren

Im nächsten Arbeitsschritt werden die Speichennippel mit einem Schraubendreher oder einem Akkuschrauber alle in etwa gleich weit auf die Speichen gedreht. Wichtig ist hierbei, dass die Nippel nur so weit hineingedreht werden, bis alle Speichen gleichmäßig leicht unter Spannung stehen.

Zentrieren der Felge

Nach dem Einspeichen läuft ein Rad nur selten richtig rund, weil die Spannung meist noch nicht ausreicht. Zuerst werden alle Speichen einmal rundherum mit dem Schraubendreher nachgezogen, beginnend am Ventilloch. Es genügt dabei, die Nippel jeweils eine Umdrehung einzudrehen. Dieser Vorgang wird so oft wiederholt, bis die Speichen deutlich Spannung aufbauen.

Beim Zentrieren gilt es, einen Seiten- oder Höhenschlag (lateral/radial), die Ausrichtung von der Nabe zur Felge und die gleichmäßige Speichenspannung in Einklang zu bringen.

Seitenschlag korrigieren

Obwohl auf alle vier Ausrichtungen zu achten ist, beginnt man stets mit dem Herausarbeiten eines Seitenschlags. Der wird mithilfe eines seitlich am Zentrierständer angebrachten Dorns oder einer Messuhr aufgespürt.

Schlägt die Felge beispielsweise nach rechts aus, werden im Bereich des Seitenschlags alle Speichen gelöst, die zum rechten Nabenflansch gehen. Anschließend zieht man jene Speichen leicht an, die zum linken Nabenflansch gehen. Das Spannen und Lösen muss dabei möglichst gleichmäßig erfolgen. Wenn man hier eine Viertel Umdrehung öffnet, muss man dort also auch eine Viertel Umdrehung anziehen.

  • Befindet sich das Maximum des Seitenschlags zwischen zwei Speichen, löst man die jeweils benachbarten Speichen eine Viertel Umdrehung. Entsprechend zieht man die genau dem Schlag-Maximum gegenüberliegenden Speichen um eine Viertel Umdrehung an.
  • Liegt hingegen das Schlag-Maximum genau auf Höhe einer Speiche, wird diese Speiche um eine Viertel Umdrehung gelöst. Jedoch dürfen dann die jeweils benachbarten Speichen nur um eine Achtel Umdrehung gelöst werden. Entsprechend müssen dann auf der Gegenseite die Speichen angezogen werden.

Reicht dies noch nicht aus, um den Seitenschlag zu eliminieren, wiederholt man diese Vorgehensweise so lange, bis ein zufriedenstellendes Ergebnis vorliegt.

An zwei Seitenschlägen abwechselnd arbeiten

Bei mehreren Seitenschlägen macht es keinen Sinn, den ersten perfekt herauszuarbeiten, um sich dann um den zweiten zu kümmern. Besser klappt das, wenn man abwechselnd an beiden Seitenschlägen arbeitet und so versucht, diese Schritt für Schritt herauszuarbeiten.

Höhenschlag herausarbeiten

Hier markiert Wolfgang den Bereich des Höhenschlags mit einem Fettstift.

Befindet er sich mittig zwischen zwei Speichen, werden diese beiden Speichen jeweils um eine halbe Umdrehung angezogen. Anschließend das Rad um 180 Grad drehen und die genau gegenüberliegenden Speichen ebenfalls um eine halbe Umdrehung öffnen.

Liegt der maximale Höhenschlag dagegen exakt über einem Speichenende, zieht man die betroffene Speiche um eine ganze Umdrehung und die beiden benachbarten Speichen um eine halbe Umdrehung an. Danach die genau gegenüberliegenden Speichen um die entsprechenden Werte lockern.

Bei der Korrektur von Seiten- und Höhenschlägen sollte man sich immer vergegenwärtigen, dass dies nur durch Spannen und Lockern von Speichen möglich ist. Das Herumdrücken an den Speichen funktioniert schon konstruktionsbedingt nicht!

Die Ausrichtung von Nabe und Felge

Nach dem Ausrichten eines Schlages kontrolliert der Experte die mittige Ausrichtung der Nabe zur Felge, indem er deren Versatz an beiden Seiten misst. Dieser muss bei zentrischen Rädern gleich sein.

Falls die Nabe um mehr als zwei bis drei Millimeter aus der Mitte versetzt ist, werden - beginnend beim Ventilloch - alle 20 Speichen auf der gegenüberliegenden Seite des Versatzes um etwa eine halbe Umdrehung angezogen, um diesen zu eliminieren. Bei geringeren Abweichungen (ein bis zwei Millimeter) geht man vor wie beim Herausarbeiten des Seitenschlags.

Beim exakten Ausrichten der Nabe zur Felge ist, ebenso wie beim Korrigieren eines Seitenschlags, zwischendurch immer eine Kontrolle des Höhenschlags nötig.

Die richtige Spannung der Speichen

Um einen Höhenschlag zu eliminieren, werden nach dem Anziehen der Speichen im betroffenen Bereich die um 180 Grad versetzten Speichen äquivalent zum Anzugsmuster gelockert.

Stimmt die Ausrichtung der Felge, wird anschließend die Spannung aller Speichen überprüft. Fürs Spannen der Speichen gibt es kein allgemein gültiges Drehmoment. Hobbyschrauber haben nur zwei Möglichkeiten, die korrekte Spannung festzustellen: Zum einen die Klangprobe, zum anderen ihr Feingefühl beim Anziehen der Speichennippel.

  • Bei der Klangprobe zupft man die Speiche oder schlägt mit einem Schraubendreher daran. Der Klang aller Speichen sollte annähernd gleich sein.
  • Man testet mit dem Speichenschlüssel, wie leicht oder schwer sich die Nippel noch drehen lassen. Die hierbei aufgewendete Kraft sollte bei allen Speichen annähernd gleich sein.

Speichentorsion

Letztlich ist noch auf die Speichentorsion zu achten. Beim Anziehen einer Speiche mit dem Speichenschlüssel wird sich diese bei zunehmender Spannung bis zum Anschlag des Speichenkopfs im Nabenflansch mitdrehen. Vorbeugend sollte man daher den Speichennippel nach dem Festziehen wieder ein klein wenig öffnen. Aber nur so viel, dass der Speichenkopf flächig in seiner Aufnahme im Nabenflansch anliegt!

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