Die DDR-Zeit war geprägt von einer starken Motorsport-Szene, insbesondere im Bereich Motocross. Dieser Artikel beleuchtet die Geschichte des Motocross in der DDR, von den Anfängen bis zum Ende des sozialistischen Regimes, und würdigt die Leistungen der Fahrer und Vereine.
Die Anfänge und Entwicklung
Die erste Motorsportveranstaltung in Ostdeutschland nach dem Krieg war wohl das Sandbahnrennen auf der Pferderennbahn Berlin-Karlshorst am 20. Juli 1947. Das erste Straßenrennen in der SBZ fand 1948 in Wittenberg statt. Noch vor der Gründung der DDR kamen im Jahr 1949 ca. 160.000 Zuschauer zum Schleizer Dreieck und 450.000 zum Sachsenring.
Am 2. Juni 1957 wurde im Eichensaal des Hauses der DSF in Berlin der Allgemeine Deutsche Motorsport Verband e.V. gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten u.a. Egbert von Frankenberg und Rennfahrer, wie Eugen Bieberle und Silberpfeil-Legende Manfred von Brauchitsch.
Der Motorsportjournalist und langjährige hauptamtliche Mitarbeiter des ADMV Harald Täger hat die Entwicklung und Strukturen des Motorsports in der DDR im Beitrag “Von der Sektion Rennsport zum ADMV” kurz und eindrücklich dargestellt.
Der Belgier Henry Groutars veranstaltete von 1926 bis 1928 reliability trial-Wettkämpfe zwischen Belgiern und Briten. Beim “Trial van het Hageland” 1938 in Flandern lag der Schwerpunkt schon sehr auf den observed hill-Bestandteilen der Fahrt, die ohne Stop gemeistert werden mussten. Im Jahr 1948 wurde aus diesem “Maldegham-Pokal” der erste richtige Trial-Wettbewerb auf dem Kontinent, der alsbald in Trial Lamborelle umbenannt wurde.
Das erste Trial in der DDR war das 1. Berliner Trial auf dem Betriebsbahnhof Rummelsburg am 25.8.1957. Wie die Zeitschrift Illustrierter Motorsport im September 1957 schrieb, kamen seriennahe Maschinen zum Einsatz, wie MZ RT 125 und BK 350, Jawa, EMW R 35, Zündapp und Triumph. Von den 85 angetretenen Fahrern kamen etliche aus West-Berlin. Die Disziplin wurde vom IMS ins Leben gerufen.
Heinz Hoppe: Eine Legende des DDR-Motocross
Die Insel Usedom scheint ein hervorragendes Pflaster für großartige Sportler zu sein. Und mit dem gebürtigen Thüringer Heinz Hoppe, der gerade am 6. März seinen 78. Geburtstag feierte, führt eines der ganz großen Asse im DDR-Motorsport nun sein Leben als Pensionär in Kölpinsee.
Der von Sportfreunden wegen seiner kernigen Statur seit jeher gern „Bobby“ genannte Hoppe war besonders in den 1970er und 1980er Jahren neben Dreifach-Weltmeister Paul Friedrichs hierzulande der Cross-Rennfahrer schlechthin. Die Strecken zwischen dem Tannengrund in Apolda, der „Alten Warth“ des MC Kali Merkers und dem Wolgaster Ziesaberg kennt er wie seine berühmte Westentasche. Titel, Pokale, Lorbeerkränze und Medaillen sammelte er reichlich; auch in den damaligen „befreundeten Bruderstaaten“ sowie bei Welt- und Europameisterschaften.
Wie viel Triumphe und Teamsiege es neben den 23 DDR-Meistertiteln insgesamt waren, kann Heinz Hoppe gar nicht mehr exakt sagen. Jedenfalls so viele, dass ihm bereits zu Lebzeiten das Etikett „Legende“ angeheftet wurde. Seine Wettkampfbesessenheit, die uneingeschränkte Liebe zu Sport und Fahrzeugtechnik sowie sein grenzenloser Ehrgeiz, möglichst auf dem Treppchen (und am besten ganz oben) zu stehen, führten dazu, dass Heinz Hoppe jede Saison gut und gern 30 Rennen bestritt.
Krafttraining, Ausdauer und Kondition waren das tägliche A und O, um Rennen erfolgreich zu gestalten. Und Heinz Hoppe war immer eins mit seiner jeweiligen Maschine.
Dass es „Bobby“ aus dem Thüringer Wald einst an den Ostseestrand zum MC Wolgast verschlug, war der Liebe zu seiner Marion geschuldet. Und auch wenn er den Ortswechsel nie bereut hat, zieht es ihn heutzutage noch immer nahezu magisch an Rennstrecken und zu Oldie-Treffen mit alten Kämpen; vornehmlich in und um Apolda. „Sobald ich die Geräusche der Maschinen höre, kann ich nicht mehr still sitzen bleiben“, gibt der Kraftprotz, der sich derzeit erfolgreich von einer schweren Erkrankung erholt, gern zu.
Seine sportlich überragende aktive Laufbahn auf dem Zwei- und schließlich auch Dreirad des Seitengespanns war nicht nur von Erfolgen geprägt. Rippenbrüche, Schlüsselbein- und Hand- bzw. Oberschenkelfrakturen blieben nicht aus. Sie verheilten indes rasch. Und kaum hatten die Schmerzen einigermaßen nachgelassen, saß Hoppe schon wieder auf der Maschine, um sich neuen Herausforderungen zu stellen.
Eine seiner Erinnerungen, von denen er bis heute gern berichtet, war die Teilnahme an einem internationalen Rennen (Moto-Cross der Nationen 1968) im damals sowjetischen Kischinew, der heutigen Hauptstadt Moldawiens, die inzwischen Chisinau heißt. „Da kamen über 100.000 Zuschauer an die Strecke, das ist heute kaum mehr vorstellbar.“ Vielleicht trifft es dieser Vergleich am besten: Moto-Cross war damals die Formel 1 des Ostens.
Wie eng zu Zeiten des Kalten Krieges indes Politik und Sport miteinander verzahnt waren, erlebten Hoppe und sein Freund und Vorbild Paul Friedrichs im August 1968. Als sie nach WM-Läufen zur CZ-Motorenrevision ins tschechische Strakonice mussten, wurden sie plötzlich von einem Ingenieur aufgefordert, das Land auf dem kürzesten Wege zu verlassen. Der Krieg sei ausgebrochen, hieß es.
Und tatsächlich wurde der sogenannte Prager Frühling von Truppen des Warschauer Vertrages zerschlagen. Hoppe und sein Team erlebten ungekannte Anfeindungen, an ihrem Barkas B 1000 wurden sämtliche Scheiben eingeschlagen. Infolge glücklicher Umstände kamen sie über Feld- und diverse Umwege doch noch gesund auf den Hof nach Thüringen; der B 1000 hatte aber Totalschaden. Und das bislang enge Band der großen europäischen Motorsportfamilie war vorläufig zerschnitten.
Dennoch steht das Jahr 1968 als Erfolgssymbol für das ostdeutsche Team: Die Silbermedaille hinter der UdSSR und vor Frankreich war bis über die Jahrtausendwende das beste Ergebnis einer deutschen Moto-Cross-Mannschaft. Und für eben diese ging auch der heutige Kölpinseer Heinz Hoppe an den Start.
Dem muss allerdings auch seine Bescheidenheit, seine Sportkameradschaft und große Hilfsbereitschaft gegenüber Dritten beigefügt werden. „Meister aller Klassen“, „Ein Champion auf zwei Rädern“ und „Legende des Motorsports“ steht in Überschriften würdigender Berichte; etwa zu Jubiläen des gelernten Schlossers, der schon im Alter von zwölf Jahren die erste Maschine bestiegen hatte.
Heute danach befragt, wer an seiner Laufbahn besonderen Anteil hatte, sind es für ihn vor allem drei Personen. Sein Papa und Altmeister Werner Hoppe; der Weltmeister, Trainingsgefährte und Freund Paul Friedrichs sowie Hoppes Frau. Alle drei leben nicht mehr, aber wenn er mit Leuten ins Fachsimpeln kommt, stehen sie im Fokus seiner unglaublich umfänglichen Erinnerungen.
Motocross in Teutschenthal
Motocross in Teutschenthal - das ist hochklassiger, internationaler Motorsport auf einer Rennstrecke mit Tradition. Es war im Oktober 1966, als etwa 25 Kilometer westlich von Halle (Saale) erstmals die Motoren von Motocross-Maschinen aufheulten. Der DDR-Meister in der 500ccm-Klasse wurde im Schatten der großen Kalihalde gesucht, begleitet von einem offenen Rennen in der 125ccm-Klasse. Schon bei diesen ersten Rennen waren professionelle Organisatoren am Werk.
„Wir haben damals überlegt, was man motorsportlich in der Region sonst noch machen könnte“, erinnert sich MSC-Vorsitzender Joachim Jahnke und Gründungsmitglied des im Herbst 1966 gegründetes Motorsportclubs Teutschenthal. Da durch den Erfurter Ausnahme-Fahrer Paul Friedrichs der Motocross-Sport in der DDR gerade hoch im Kurs stand, wurde nach einer geeigneten MX-Strecke gesucht und ein entsprechendes Gelände direkt vor den Toren von Halle, am Rande von Teutschenthal, gefunden - ein Areal, das bis in die Nachkriegszeit hinein noch für Kohlebergbau und als Kiesgrube genutzt wurde.
Schon das zweite Rennen, im Mai 1967 ausgetragen, organisierte der neu gegründete MSC in eigener Regie. Auch der Name „Talkessel“ war schnell gefunden. Der internationale Durchbruch im Motocross-Rennsport gelang dem Klub 1971. Am ersten Juliwochenende war Teutschenthal erstmals Schauplatz eines Weltmeisterschaftslaufes. In der 250ccm-Klasse wurde um die internationale Trophäe gefahren.
Allerdings kam bereits ein Jahr später für den Motocross-Sport das staatlich verordnete Aus für internationale Meisterschaftsprädikate. Es brach die Zeit der Wettfahrten innerhalb der sozialistischen Ostblock-Staaten an. Der „Pokal für Frieden und Freundschaft“ wurde ins Leben gerufen, für den Teutschenthal im Wechsel mit dem MC Kali Merkers Gastgeber war. Dabei wurde im „Talkessel“ auch ohne Fahrer aus dem westlichen Ausland weiterhin Motocross vom Feinsten geboten.
Im Juni 1989 war es soweit: Nach 18 Jahren Zwangspause durften endlich auch wieder westeuropäische Fahrer in Teutschenthal starten. Schon zwei Jahre später gab es einen Lauf zur Europameisterschaft und 1993 dann, nach 22 Jahren, die zweite Weltmeisterschaft in Teutschenthal. Seit 1996 drehen die weltbesten Fahrer nun jährlich im „Talkessel“ ihre Runden.
Dreifach-Weltmeister Paul Friedrichs war dabei und auch die ostdeutschen Motocross-Helden wie Heinz Hoppe, Helmut Schadenberg oder Torsten Wolff gehörten dazu.
Stolz ist der MSC, dass so großartige Motorsportler wie der Solo-Weltmeister und heutiger US-Superstar Ken Roczen, Mannschaftsweltmeister Marcus Schiffer und Marko Happich, Vize-Weltmeister bei den Seitenwagencrossern, dem Club angehörten.
Aus diesem Grund beteiligt sich der MSC Teutschenthal seit 2013 auch als Stützpunkt des Nachwuchsprojektes ADAC MX Academy.
Weitere Persönlichkeiten und Vereine
Halle im Juli 1956. In den Brandbergen dröhnen die Motorräder. Am Ende steht der Sieger fest: Martin Böhme, Jahrgang 1935, Mitglied beim Motorsportclub Lok-Leipzig holt den Sieg in der Klasse 350 ccm. Zu diesem Rennen fuhr Martin Böhme eine AWO in der Klasse 350 ccm. Er durfte eine „Überlassungsmaschine“ von Simson Suhl fahren - eine nur für den Motorsport angefertigte Maschine. Mit 24 PS hatte diese doppelt so viel Power wie die AWO-Sport, die im Handel erhältlich war. 1961 wurde er DDR-Meister, 1962 Vizemeister.
Als es Anfang März zu einem Stelldichein alter Sportfreunde im Prenzlauer Ortsteil Wollenthin kam, fügte es sich, dass die 15 Teilnehmer mehr als zwei Dutzend nationale Titelgewinne aufweisen konnten. Mehr noch: Es waren alles Athleten, die Sportgeschichte schreiben konnten und dem Motocross in mehrfacher Hinsicht Denkmäler setzten.
Initiator des Treffens war Hartmut Kunkel, Jahrgang 1951. Er ist auch als exzellenter, versierter und wortgewaltiger Moderator großer Rennveranstaltungen bekannt. "Rennen von nationalem und internationalem Rang prägen natürlich das Bild dieses Sports in der Öffentlichkeit. Aber den Kern dieser Sache verfolgen wir mit unserer Arbeit in den Clubs, regional in der Heimat. Da stecken so viel Liebe zur Sache und immense Mühen dahinter, da bleiben auch Anekdoten und Geschichten, die nicht vergessen werden sollten, haften", so der Motorsportler.
Der Usedomer Heinz Hoppe - seine Laufbahn begann in Apolda, er fuhr für insgesamt sieben Clubs - war nun schon zum wiederholten Mal dabei. Auch Edmund Schulz (Schwedt) lässt sich solche Treffen nicht entgehen. Sogar der Speedwayfahrer Herbert Mussehl (Burg Stargard) berichtete über seine Laufbahn. Weiter dabei waren unter anderem Olaf Degner (Prenzlau), Peter Wolf (Schwedt), Klaus Hünecke (Merkers), Gunter Frohn (Lübben) und Harald Zimmermann (Cremzow).
Während andernorts Vereine dahin dümpelten oder gar ganz von der Bildfläche verschwanden, fuhren unter Parmener Flagge bekannte Motocrosser wie Heiko Koch, Helmut Milenz und Karsten Fiebing Erfolg um Erfolg ein. Dem Schwedter Peter Wolf gelang für den MSC Parmen das äußerst begehrte Double. Er gewann die nationale Meisterschaft in der 500er- und der 250er-Klasse. Andreas Kunkel erkämpfte Bronze bei den 500ern. Und Harald Zimmermann komplettierte das Ganze mit Bronze im 250er-Feld.
Hartmut Kunkel fuhr zwischen 1974 und 1989 Rennen und wurde achtmal Meister des Bezirkes Neubrandenburg. Als späterer sportlicher Leiter des MSC Parmen hatte er Anteil an vielen nationalen Titelgewinnen.
Besonderheiten des Trial-Sports in der DDR
Das ganz besondere am Trial in der DDR ist der Fakt, dass es keine Trialmotorräder im Handel zu kaufen gab und auch im Prinzip keine importiert wurden. Die Sportler mussten sich ihre Wettbewerbsmaschinen selbst herstellen. Günter Ruttloff, die Gebrüder Gyra und Frank Böttcher stellten leistungsfähige Spezialmaschinen auf die Räder.
Helmut Schuhmann als Geschäftsmann
Der Chef Helmut Schuhmann war aktiver Motocross und Endurofahrer, von 1962 - 1968 beim MC Pößneck und von 1969 - 1974 beim MC Kali Merkers „Alte Warth“. Teilnahme an Motocross und Enduro WM auf CZ und MZ. Ab 1974-1990 war er Techniker und Trainer beim MC Kali Merkers „Alte Warth“. Die Leidenschaft für Motorräder hörte auch nach der Wende nicht auf und er machte sich selbstständig.
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