Deutsche Fahrer in der MotoGP: Eine umfassende Übersicht

Die "Hall of Fame" der Motorrad-Weltmeisterschaft besteht aus der Creme de la Creme des Motorrad-Rennsports. Die Größten ihrer Zunft sind nach ihrem Karriereende oder tragischen Tod zur MotoGP-Legende ernannt worden - Von Agostini bis Uncini.

Deutsche MotoGP-Fahrer: Ein Rückblick

Auch wenn Lukas Tulovic derzeit der einzige deutsche Stammstarter in der Motorrad-WM ist: Ein Rückblick zeigt, welche Landsmänner schon aktiv waren.

Die Ära von Toni Mang

Welcher deutsche Motorrad-Fahrer wirft den größten Schatten? Die meisten Fans würden wahrscheinlich antworten: Toni Mang (Jahrgang 1949). Der Mann aus Inning wurde fünfmal Weltmeister, dabei dreimal in der 250-ccm-Klasse (1980, 1981 und 1987) sowie zweimal in der 350-ccm-Klasse (1981 und 1982). Toni Mang nahm an 142 Großen Preisen teil und feierte 42 Siege - eine Marke, an die kein anderer deutscher Straßenfahrer heranreicht.

1983 wechselte Mang in die Königsklasse 500 ccm. Jedoch erlitt er vor Saisonbeginn eine schwere Verletzung bei einem Skiunfall und konnte erst im August fahren; mehr als ein zehnter Platz sprang nicht heraus. 1984 kehrte Mang in die Viertelliter-Klasse zurück. Mang unterstützte nach seiner aktiven Karriere Marcel Schrötter in dessen jungen Jahren. Der Werkzeugmacher besitzt eine eigene Werkstatt mit verschiedenen Maschinen zur Metallverarbeitung, in der er Auftragsarbeiten aus den Bereichen Pneumatik, Vakuum-Technik und Hydraulik ausführt.

Ralf Waldmann: Der ewige Zweite

Ralf Waldmann brachte es in der WM zwischen 1986 und 2009 auf 169 Einsätze, dabei feierte der 1966 geborene Westfale 20 Siege. Ein WM-Titel glückte ihm nie, aber Waldmann wurde zweimal Vizeweltmeister (1996 und 1997 in der 250-ccm-Klasse), zudem war er dreimal WM-Dritter. Der Mann aus Ennepetal ist damit der erfolgreichste Motorrad-Pilot, der nie Weltmeister wurde.

Waldmanns Auftritt in der Saison 1998 in der 500-ccm-Eliteliga verlief enttäuschend, er beendete es auf Platz 13. Danach kehrte er in die Viertelliter-Klasse zurück. Im März 2009 kaufte Waldmann mit dem ehemaligen Motorradrennfahrer Martin Wimmer das Motorrad- und Zweiradwerk Zschopau und versuchte bis 2013 vergeblich, das Unternehmen zu sanieren. Am 10. März 2018 starb Ralf Waldmann mit 51 Jahren an einem Herzinfarkt.

Weitere deutsche Fahrer im Überblick

  • Dirk Raudies: War ein Rennfloh - er brachte es auf nur 1,62 Meter und wog zu seiner aktiven Zeit zwischen 48 und 53 Kilogramm. 1994 gelang es Raudies trotz dreier Siege nicht, seinen Titel zu verteidigen. Von 2004 bis 2008 sowie 2015 kommentierte Raudies bei Eurosport die Rennen der Motorrad-WM.
  • Sandro Cortese: In 220 Großen Preisen gelangen Cortese (Jahrgang 1990) sieben Siege - darunter der Triumph am 8. Juli 2012 auf dem Sachsenring, mit dem er der erste Deutsche seit 41 Jahren wurde, der ein Rennen auf dieser Strecke gewonnen hatte. Ab 2013 fuhr Cortese im neu gegründeten Team Intact GP in der Moto2 - es verlief enttäuschend, Cortese konnte nie mehr an seine erfolgreiche Zeit anknüpfen. 2018 wechselte er in die Supersport-WM und konnte auf einer Yamaha auf Anhieb den WM-Titel gewinnen.
  • Steve Jenkner: Das erfolgreichste Jahr von Steve Jenkner war 2003 - in dieser Saison holte der Sachse (Jahrgang 1976) auf seiner 125-ccm-Aprilia einen Grand-Prix-Sieg in Assen sowie fünf weitere Podiumsplatzierungen. Am Ende wurde Jenkner WM-Sechster. 2005 versuchte sich Jenkner in der 250-ccm-Liga, am Ende landete er auf einem ernüchternden 23. Platz im Klassement. Da er 2006 kein konkurrenzfähiges Material für die WM erhielt, zog er sich vom Rennsport zurück und erhielt einen Vertrag als Testfahrer für die italienische Traditionsmarke Fantic. Dabei ging Jenkner bei einigen Rennen zur EM an den Start.
  • Stefan Bradl: Stefan Bradl war 2011 Champion der Moto-2-Klasse und besiegte dabei den aktuellen Superstar Marc Marquez, der allerdings aufgrund einer Verletzung einige Rennen verpasst hatte. Danach stieg der siebenmalige Grand-Prix-Sieger aus Zahling in die Moto-GP auf, feierte auf einer Honda eines Privatteams zwei Podiumsplätze sowie einige Achtungserfolge. Doch der Durchbruch blieb dem Bayern (Jahrgang 1989) verwehrt. Nach seinem Aus beim LCR-Team Ende 2014 fuhr Bradl nur noch hinterher und stieg 2016 auf dem Grand-Prix-Zirkus aus. Im Jahr 2017 startete Bradl in der Superbike-WM auf einer Honda CBR 1000 SP, danach arbeitete er als Test- und Ersatzfahrer für verschiedene Teams.
  • Marcel Schrötter: Marcel Schrötter (Jahrgang 1993) startet in der Moto-2-Klasse beim deutschen Grand Prix 2019. Der Mann aus Pflugdorf ist seit 2009 WM-Starter und saß bereits bei 164 Rennen im sattel von verschiednen Zweirädern. Beim Großen Preis von San Marino fuhr Schrötter als Dritter zum ersten Mal in der Moto-2-Klasse auf das Podest, es folgte ein zweiter Platz im April in Austin. Aktuell ist er mit 81 Punkten Siebter der WM-Wertung.
  • Jonas Folger: Jonas Folger war eine große Karriere prognostiziert worden, doch dem Mann aus Mühldorf am Inn gelang nie der große Durchbruch - mal gab es technische Probleme, mal organisatorische Verwicklungen und manchmal stand sich der Bursche (Jahrgang 1993) selbst im Weg. Im September 2017 erlitt Jonas Folger ein Burnout-Syndrom und zog sich vorerst aus der Szene zurück. So kommt er bei 151 Grand-Prix-Starts immerhin auf fünf Siege. 2019 kehrte der Bayer zurück. Auf dem Sachsenring startet Folger in der Moto-2 als Ersatzmann für den verletzten Malaysier Khairul Idham Rawi, für den er bereist zwei Saisonrennen bestritten hat. Folger wohnt in Spanien in einer Wohngemeinschaft mit dem Rennkollegen Marcel Schrötter.
  • Lukas Tulovic: Lukas Tulovic aus Eberbach bei Heidelberg greift auf dem Sachsenring ebenfalls in der Moto-2 an. Seit 2018 fährt der junge Mann (Jahrgang 2000) eine Aprilia des deutschen Kiefer-Racing-Teams, seine beste Platzierung ist Rang 13 beim Großen Preis der Niederlande in Assen vor zwei Wochen.
  • Philipp Öttl: Philipp Öttl gehört seit 2012 zum Inventar der Motorrad-WM (ein Sieg in der Moto-3-Klasse), allerdings fehlt er auf dem Sachsenring. Der 1996 in Bad Reichenhall geborene Rennfahrer erholt sich von einer Gehirnerschütterung, die er sich vor drei Wochen im Training zugezogen hat.

Aktuelle Situation und Ausblick

Sechs deutsche Piloten sind in diesem Jahr in der Motorrad-WM dabei. Dies geht aus der vom Weltverband FIM veröffentlichten provisorischen Starterliste hervor.

In der Königklasse MotoGP kommt weiterhin nur der von LCR-Honda zu Forward-Yamaha gewechselte Stefan Bradl (25) zum Einsatz. Sandro Cortese (Kalex/25), Jonas Folger (Kalex/21), Marcel Schrötter (Mistral/22) und WM-Rückkehrer Florian Alt (Suter/18) fahren in der Moto2. Einziger Moto3-Fahrer ist Philipp Öttl (KTM/18).

Erstmals seit vier Jahren kommt in der Moto3 kein deutscher Neuling zum Einsatz.

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