Nach seinem schweren Unfall in Suzuka gibt Luca Marini an diesem Wochenende am Sachsenring sein Comeback in der MotoGP. Nach drei verpassten Grands Prix erhielt er am Donnerstag die Freigabe, um in Deutschland starten zu können. "Ich bin super happy, wieder hier am Sachsenring zu sein. Es ist der richtige Zeitpunkt, zurück aufs Motorrad zu steigen."
Luca Marini kehrt nach schwerem Unfall zurück
"Ich bin nicht bei 100 Prozent, aber meine Verfassung ist okay", beschreibt Marini seinen Zustand. "Ich denke, es reicht, um das Motorrad zu fahren." Dennoch bleibt er vorsichtig: "Mal sehen, ob es auch reicht, um das ganze Rennen durchzuhalten." Bei dem Sturz während der Vorbereitungen auf das Acht-Stunden-Rennen von Suzuka hatte sich Marini diverse Verletzungen zugezogen, darunter eine ausgekugelte linke Hüfte, eine Verletzung der Bänder im linken Knie, Brüche des Brustbeins und des linken Schlüsselbeins sowie ein rechtsseitiger Pneumothorax.
Rückblickend spricht der Italiener von einer anfangs ernüchternden Situation: "Zu Beginn sah alles richtig schlecht aus", gesteht er. "Aber jede Woche habe ich mich besser gefühlt. Ich habe an jedem kleinen Detail gearbeitet und alles getan, um so schnell wie möglich zurückzukommen, und es hat funktioniert."
Kommunikationsprobleme und Genesungsprozess
Dass ursprünglich sogar von einem möglichen Saison-Aus die Rede war, führt Marini auch auf Kommunikationsprobleme vor Ort zurück: "Ich würde sagen, das stand nie wirklich zur Debatte. Die Saison ist ja noch lang, es bleiben viele Monate." Allerdings sei der Austausch nach dem Unfall in Japan schwierig gewesen. "Wenn man da alleine ist und niemand Englisch spricht, ist es nicht einfach, die Situation zu verstehen", erklärt Marini.
Deshalb sei auch die Diagnose zunächst unklar gewesen. "Es war alles voller Flüssigkeit wegen des Aufpralls, die Bilder waren schwer zu lesen. Wir mussten ein paar Tage warten, um die Lage besser einschätzen zu können." Die ersten 48 Stunden nach dem Unfall verbrachte Marini regungslos im Bett. Danach ging es nur langsam voran: "Zuerst nur im Rollstuhl, dann mit Krücken, schließlich konnte ich langsam wieder anfangen zu gehen." Eine wichtige Rolle spielte dabei auch die medizinische Unterstützung aus seiner Heimat. "Ich habe alle meine Bilder meinen Ärzten in Italien geschickt, um auch ihre Einschätzung zu bekommen", erzählt der Honda-Pilot. Die Rückkehr nach Italien war dann ein Wendepunkt: "Ich musste warten, bis sich die Lunge so weit erholt hatte, dass ich fliegen konnte. Als ich dann zurück war, wurde alles leichter."
In seiner Heimat machte er sich auf die Suche nach den besten Spezialisten für jede betroffene Körperstelle: "Ich habe eine Woche lang ganz Italien bereist, um für jedes Problem den besten Arzt zu finden." Als ihm schließlich grünes Licht für das Training gegeben wurde, begann er sofort mit Reha und Physiotherapie.
MotoGP-Test in Brünn als Realitycheck
"Es waren sehr intensive Tage", fasst Marini zusammen. Zuletzt nutzte er die Gelegenheit, bei einem Privattest in Brünn auf seine MotoGP-Honda zu steigen und in Vorbereitung auf sein Comeback die ersten Runden seit der Verletzung zu drehen. Allerdings gesteht er: "Ich konnte dort nicht mehr als fünf Runden fahren. In Brünn ist das Grip-Level durch den neuen Asphalt unglaublich, die Performance des Bikes ist wahnsinnig hoch, und man braucht viel Kraft, um das Motorrad zu fahren." Deshalb habe er nicht länger als 15 Minuten auf dem Bike bleiben können, so Marini.
Die Strecke in Deutschland schätzt er als weniger belastend ein: "Der Sachsenring ist sicher eine viel langsamere Strecke mit wenig Grip - eine ganz andere Art, das Motorrad zu fahren." Doch auch hier gibt es Herausforderungen. "Fast alles geht linksherum, und genau auf der Seite habe ich meine Verletzungen. Deshalb wird das nicht ganz einfach", weiß der 26-Jährige. Um dem entgegenzuwirken, hat er Anpassungen am Motorrad vorgenommen. "Ich versuche, den Tank ein bisschen zu modifizieren, um mir zu helfen, wenn ich in Schräglage bin." Trotzdem zeigt sich Marini insgesamt zuversichtlich: "Ich denke, wir können alles ohne größere Probleme schaffen."
Tragische Unfälle in der MotoGP
Marco Simoncelli war Motorrad-Weltmeister und auf dem Weg, zu einem Superstar wie Valentino Rossi zu werden. Dann riss ihn ein tragischer Unfall mit 24 aus dem Leben. So verneigte sich der Corriere dello Sport gegenüber Marco Simoncelli, nachdem dieser am 23. Oktober 2011 beim MotoGP-Rennen in Sepang im Alter von 24 Jahren tödlich verunglückt war. Die Wortwahl des Nachrufs damals vermittelte eine Ahnung davon, wie tief die Wunde ist, die der Crash des Italieners in seiner Heimat und der Motorrad-Szene hinterlassen hatte. Und davon, was von dieser Wunde zurückgeblieben ist: ein Mythos.
Simoncelli, geboren am 20. Januar 1987 im Adria-Badeort Cattolica, hätte auch schon zu Lebzeiten ein Mythos werden können. Der Weltmeister der 250-ccm-Saison von 2008 war die größte Erscheinung, die der Motorradsport in den Jahren vor seinem Ableben hervorgebracht hatte.
Tödlicher Unfall 2011 in Sepang
In der zweiten Runde des Grand Prix von Malaysia war Simoncelli in der nach rechts gehenden Kurve 11 das Vorderrad seiner Honda-Maschine weggerutscht. Beim Versuch, das zu korrigieren, geriet Simoncelli ins Kurveninnere, wo er der anrauschenden Konkurrenz mitten im Weg war. Álvaro Bautista wich ihm noch aus, Colin Edwards‘ Yamaha traf ihn dagegen mit voller Wucht im Halsbereich, Simoncelli verlor seinen Helm, Rossis Ducati überrollte das am Boden liegende Crash-Opfer. Nach weniger als einer Stunde starb Simoncelli, Todesursache waren die schweren Kopf-, Hals- und Brustverletzungen.
Gerade auch Rossi war von der Tragödie schwer getroffen, er war mehr als nur Simoncellis Vorbild: „Er war für mich wie ein kleiner Bruder“, beschrieb der Rekord-Weltmeister sein Verhältnis zum Verstorbenen.
Ärger um Simoncellis Fahrstil
Für seine etablierten Konkurrenten war der 250-ccm-Weltmeister von 2008 oft etwas zu draufgängerisch und lässig. Die Aggressivität seines Fahrstils war für seine Kritiker auch übergroß. Oft sorgte er für Crashs und Zorn bei den Fahrerkollegen. Der Ärger mit den spanischen Idolen führte dazu, dass Simoncelli beim Grand Prix in Barcelona Leibwächter brauchte: Es hatte Morddrohungen gegeben.
Beobachter meinten seinerzeit erkannt zu haben, dass Simoncelli zuletzt bemüht war, seinen Stil zu zügeln und die richtige Balance zu finden aus vernünftigem Handwerk und der Kunst, als die Simoncelli das Motorradfahren begriff.
Besondere Beerdigung und Denkmal
Simoncelli wurde in Jeans und T-Shirt beerdigt, auch die Trauergäste - unter ihnen Rossi und der im Februar 2021 selbst tragisch an Corona verstorbene Teamboss Fausto Gresini - kamen in Alltagskleidung. Zu Simoncellis Ehren wurde die Startnummer 58 nicht mehr vergeben, die Strecke in Misano - auf der es im vorletzten Jahr tragischerweise auch einen tödlichen Crash gab - trägt inzwischen seinen Namen. Und im Ort Coriano, wo er aufgewachsen war, wurde ihm ein Denkmal in Form eines Auspuffs errichtet.
Weitere Unfälle und Verletzungen in der MotoGP
MotoGP-Weltmeister Jorge Martín gab am Morgen nach seinem heftigen Sturz beim Grand Prix von Katar trotz schwerer Verletzungen vorsichtig Entwarnung. Wie sein Team noch am Abend bekannt gab, erlitt der 27-Jährige Verletzungen am Brustkorb mit mehreren Rippenfrakturen. Martín muss vorerst im Krankenhaus bleiben, bis der Pneumothorax abgeheilt ist.Dass er bis zu seinem Heim-Grand-Prix in Spanien am 27. April wieder auf dem Motorrad sitzen kann, erscheint unwahrscheinlich, Aprilia schrieb von elf Frakturen.
Heftige Szene auf dem Sachsenring: MotoGP-Pilot Franco Morbidelli (30) fliegt bei über 200 km/h ab und überschlägt sich mehrfach. Sein Sturz ist so brutal, dass sogar seine Lederkombi nicht komplett standhält. Glück im Unglück: Zwar prellt Morbidelli sich bei dem Unfall das Schlüsselbein stark, kommt aber ohne Knochenbrüche oder schwerwiegende Verletzungen davon. Nach weiteren Untersuchungen im Klinikum in Chemnitz am Abend steht aber fest: Ein Start beim Grand Prix am Sonntag (14 Uhr/Sky und DF1 live) ist nicht möglich.
Bereits Stunden vorher war das Deutschland-Wochenende für Maverick Viñales (30) gelaufen. In der Qualifikation am Vormittag knallte der Spanier nach einem Highsider in Kurve 4 heftig auf den Asphalt. Der KTM-Pilot kugelte sich dabei die linke Schulter aus. Bei der genaueren Untersuchung im Krankenhaus wurde dazu ein kleiner Bruch festgestellt.
Turbulente Anfangsphase beim Rennen auf dem Balaton Park Circuit
Die Rennpremiere auf dem neuen Balaton Park Circuit in Ungarn hat, wie von vielen Fahrern erwartet, für eine turbulente Anfangsphase mit zwei Unfällen gesorgt. Beide Zwischenfälle gingen im MotoGP-Sprint am Samstag glimpflich aus. Fabio Quartararo (Yamaha) und Enea Bastianini (Tech3-KTM) wurden am späten Nachmittag für ihre Aktionen bestraft.
Quartararo stand auf der rechten Seite auf der sechsten Startposition in der zweiten Reihe. Beim Start blieb der Yamaha-Fahrer auch auf der rechten Seite. Vor Kurve 1 war er innen, aber der Ex-Weltmeister bremste viel zu spät und kam mit zu viel Speed zur Kurve. Er stach an mehreren Fahrern vorbei. Fabio Di Giannantonio (VR46-Ducati) und Marco Bezzecchi (Aprilia) mussten ihre Motorräder aufrichten, als Quartararo rechts an ihnen vorbeirauschte. Dadurch bog Bastianini auf der Außenbahn als Zweiter in die erste Kurve. Aber Quartararo war immer noch zu schnell und krachte am Kurveneingang in die Seite der KTM. Der Franzose stürzte, Bastianini konnte ohne Sturz zunächst weiterfahren.
Kollisionen und Strafen
Als Auslöser dieses Unfalls sprachen die Rennkommissare rund um Simon Crafar eine Long-Lap-Strafe für Quartararo aus. Für den Franzosen, der es als einziger Yamaha-Fahrer ins Q2 geschafft hatte, war der Sprint damit vorbei.
Bastianini reihte sich nach der Kollision mit Quartararo hinter Johann Zarco (LCR-Honda) und Alex Rins (Yamaha) an der 18. Stelle wieder ein. Aber in der ersten Runde krachte es in Kurve 11 erneut. Diesmal war es Bastianini, der in die Seite von Zarco knallte und den Franzosen mit zu Boden riss. Rins konnte über das Kiesbett ausweichen, verlor dadurch aber den Anschluss an das Feld.
Im Anschluss an das Rennen wurde Bastianini von den Rennkommissaren vorgeladen, um seine Sicht der Dinge darzulegen. Weil Bastianini einen Unfall verursacht hat, erhält er zwei Long-Lap-Strafen. Weil Bastianini in Le Mans einen Startunfall ausgelöst hat, und es nun sein zweites Vergehen war.
Sicherheitsbedenken und Streckendiskussionen
Die Fahrer teilten ihre Meinungen mit den Offiziellen von FIM und Dorna. Luca Marini verriet einige Details. "Nachdem wir mit den Sicherheitsleuten der Dorna gesprochen haben, sind wir nicht zu dem Schluss gekommen, dass wir viele Dinge ändern müssen, weil die Strecke letztlich sicher wirkt", so der Honda-Fahrer. "Bei allen Stürzen ist bisher nichts Ungewöhnliches passiert." Die Fahrer äußerten Bedenken hinsichtlich der Strecke und der schwierigen Überholmöglichkeiten.
Am Vormittag im MotoGP-Qualifying überschlug sich sein Motorrad mehrfach im Kiesbett, stieg auf und prallte gegen den Posten eines Kameramanns, der zum Glück nicht direkt getroffen wurde. Samstagmittag musste das erste MotoE-Rennen nach einem Unfall in der ersten Runde unterbrochen werden. Der Ungar Tibor Erik Varga war gestürzt und wurde vom nachfolgenden Mattia Casadei getroffen. Varga wurde ins Krankenhaus gebracht, kehrte aber am Nachmittag wieder zurück ins Paddock. Bei ihm wurde eine Gehirnerschütterung diagnostiziert.
Luca Marini erleidet schwere Verletzungen bei Test in Suzuka
Der italienische MotoGP-Pilot Luca Marini hat sich bei einem Test für das 8-Stunden-Rennen von Suzuka am Mittwoch schwer verletzt. Marini erlitt eine ausgekugelte linke Hüfte, eine Verletzung der Bänder im linken Knie, Frakturen des Brustbeins und des linken Schlüsselbeins sowie einen rechtsseitigen Pneumothorax und wurde in ein örtliches Krankenhaus gebracht, wo er stabilisiert wurde", teilte Honda mit. Marini werde in Japan unter Beobachtung bleiben, "bis er als reisefähig eingestuft wird", so der Hersteller weiter.
| Fahrer | Unfallort | Verletzungen | Status |
|---|---|---|---|
| Luca Marini | Suzuka | Ausgekugelte Hüfte, Knieverletzung, Frakturen des Brustbeins und Schlüsselbeins, Pneumothorax | Comeback am Sachsenring |
| Jorge Martín | Katar | Rippenfrakturen, Pneumothorax | Beobachtung im Krankenhaus |
| Franco Morbidelli | Sachsenring | Schlüsselbeinprellung | Kein Start beim Grand Prix |
| Maverick Viñales | Sachsenring | Ausgekugelte Schulter, Bruch | Kein Start beim Grand Prix |
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