Der Sachsenring ist bereit für die Rückkehr des Königs: Marc Márquez hat die aktuelle Saison dominiert. Der achtmalige Weltmeister auf seiner Werks-Ducati hat sechs der bisher zehn Grands Prix gewonnen und auch in neun der zehn Sprintrennen den Sieg geholt. Dadurch hat sich der Spanier bereits einen Vorsprung von 68 Punkten auf seinen Bruder und engsten Rivalen Álex Márquez erarbeitet.
Marc und Álex Márquez dominieren die MotoGP im Moment: Der achtmalige Weltmeister Marc führt die Gesamtwertung vor seinem jüngeren Bruder Álex an, der sich von einer Operation an seiner linken Hand nach dem Sturz in Assen erholt hat und für den Deutschland Grand Prix fit ist. Noch nie zuvor waren zwei Brüder an der Spitze der Königsklasse des Motorradrennsports.
Es könnte kaum passender sein, dass der Liqui Moly Motorrad Grand Prix Deutschland als nächstes im Titelrennen ansteht: Keine Strecke passt besser zu Marc Márquez als der Sachsenring - und kein Austragungsort weckt so viele besondere Erinnerungen bei den beiden Spaniern.
„Vor allem verbinde ich den Sachsenring mit meinen vielen Siegen. Ich fahre sehr gerne auf dieser Strecke", sagt Marc Márquez. Der Superstar gilt als der unbestrittene „König des Rings". Mit elf Siegen in allen Klassen ist der Ducati-Werksfahrer der mit Abstand erfolgreichste Fahrer auf der traditionsreichen Rennstrecke in Hohenstein-Ernstthal. Zwischen 2010 und 2021 blieb Márquez bei der einzigen deutschen Runde der Weltmeisterschaft ungeschlagen. Daher ist es kein Wunder, dass der 32-Jährige eine besondere Beziehung zum deutschen MotoGP-Rennen hat. „Wenn man auf einer Strecke so oft gewonnen hat, reist man mit einem Lächeln im Gesicht dorthin."
Auch sein Bruder Álex, der drei Jahre jünger ist als Marc, hat positive Erinnerungen an den Sachsenring: „Der Grand Prix im letzten Jahr war etwas Besonderes. Ich stand mit meinem Bruder auf dem Podium, was unglaublich war. Es war das erste Mal, dass wir das in der MotoGP erreicht haben." Die Márquez-Brüder schrieben 2024 auf dem Sachsenring MotoGP-Geschichte, als sie die ersten Brüder in der modernen Viertakt-Ära (seit 2002) wurden, die es in der Königsklasse gemeinsam auf das Podium schafften.
Die passionierten Motorradfans in Deutschland und die entspannte Atmosphäre beim Grand Prix haben ebenfalls einen bleibenden Eindruck bei den Márquez-Brüdern hinterlassen. „Auf dem Sachsenring ist alles sehr kompakt und eng. Das bedeutet, dass wir die Unterstützung der Fans noch mehr spüren können", sagt Marc Márquez. Sein Bruder Álex fügt hinzu: „Die Atmosphäre ist sehr lebhaft und es ist immer sehr laut."
Der Sachsenring bleibt eine besondere Bühne für die MotoGP: Sportliche Dramen, Rekorde und große Namen prägten das Wochenende 2025. Während Marc Márquez seinem Ruf als "König des Rings" erneut gerecht wurde, sorgte die große Anzahl an Ausfällen für zusätzliche Schlagzeilen.
Die Ursprünge für das erste Rennen auf dem anfänglichen Kurs auf einer 8,71 km langen Strecke gehen auf das Jahr 1927 zurück. Gefahren wurde auf öffentlichen Straßen, welche auch durch die Kreisstadt Hohenstein-Ernstthal und Hermsdorf in Sachsen führten. Am 26. Mai, dem Himmelfahrtstag sollen über 140’000 Zuschauer dem sogenannten Badberg-Vierecksrennen beigewohnt haben. Der Straßenkurs führte gegen den Uhrzeigersinn durch Hohenstein-Ernstthal nach Norden und verlief in westlicher Richtung parallel zur heutigen A4 Chemnitz-Gera. Auf der heutigen Bundesstraße 180 ging es nach einem Linksknick nach Süden, um danach in der sogenannten Queckenberg-Kurve auf die Zielgerade einzumünden.
Die zwischen Zwickau und Chemnitz gelegene Rennstrecke wurde in den 1930-er Jahren nach einer Zwangspause letztlich fester Bestandteil des internationalen Rennkalenders. Im Jahr 1934 wurde erstmals der Große Preis von Deutschland für Motorräder auf dem Sachsenring ausgetragen. Leider gab es dabei drei Todesopfer zu beklagen. Darunter war auch der 500 cm³ Europameister des Vorjahres, Karl Gunnar Kalén aus Schweden, sowie der aktuelle 500er-Europameister Pol Demeuter aus Belgien. Erst 1937 erhielt der Kurs den Namen Sachsenring.
Es dauerte nach dem Zweiten Weltkrieg 4 Jahre, bis im Jahr 1949 das erste Rennen stattfand. In den Nachkriegsjahren waren derartige Motorsport-Veranstaltungen eine sehr gefragte Abwechslung vom meist tristen Alltag, geprägt von immer noch vielen Entbehrungen. So besuchten 1950 laut offiziellen Angaben rund 400’000 Zuschauer den Lauf auf dem Sachsenring zur damals noch gesamtdeutschen Motorradmeisterschaft.
Der ostdeutsche Motorrad-Grand Prix fand von 1961 bis 1971 statt. Die lokalen Zweitakt-Renner von MZ aus dem nahegelegenen Zschopau waren in dieser Zeit durchaus wettbewerbsfähig. In dieser Zeit erlebte der „alte“ Sachsenring eine wahre Blütezeit. Doch immer wieder wurde die Veranstaltung von tragischen Ereignissen überschattet.
Im Jahr 1971 gewann der westdeutsche Publikumsliebling Dieter Braun auf Yamaha in der 250 cm³ Klasse. Nach dem Sieg des sympathischen Schwaben aus dem Land des „Klassenfeinds“ wurde die westdeutsche Nationalhymne abgespielt. Da dies den in erdrückender Zahl anwesenden ostdeutschen Staatsfunktionären ein Dorn im Auge war, wurden absichtlich mit Ausnahme des Start-Ziel Bereichs sämtliche Lautsprecher abgestellt. Doch die ostdeutschen Fans sangen die westdeutsche Hymne voller Inbrunst einfach mit. Dies war der Anfang vom Ende der internationalen Veranstaltung.
Die schnellste Rennrunde auf dem Sachsenring fuhr der 15-fache Rekord-Weltmeister Giacomo Agostini aus Italien. Mit seiner 500 cm³ MV Agusta legte „Ago nazionale“ die fliegende Runde mit einer Durchschnitts-Geschwindigkeit von beinahe 180 km/h zurück. Doch nach 1972 war Schluss mit GP-Sport und es wurden nur noch Läufe zur DDR-Meisterschaft ausgetragen.
Im Jahr 1995 wurde das am Start-Ziel-Bereich der alten Rennstrecke gelegene Verkehrssicherheitszentrum eröffnet. Es war eine Anlage mit zu diesem Zeitpunkt noch nicht permanent verfügbarer Rennstrecke. Doch ab nun bot sich wieder die Möglichkeit, Rennsport vor Ort zu betreiben. Das erste Event 1996 war die internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (IDM) und im Autorennsport der ADAC Super Tourenwagen Cup. Zwei Jahre später kehrte der Motorrad Grand Prix auf den Sachsenring zurück. Ab dann schnellten die an anderen Veranstaltungsorten wie Hockenheim und Nürburgring bescheidenen Zuschauerzahlen für deutsche GP’s sofort wieder in die Höhe.
Ursprünglich wurde der im Vergleich zu anderen GP-Strecken sehr kurze Rundkurs als untauglich für Weltmeisterschaftsläufe eingestuft. Durch zahlreiche Verbesserungen nach der Neueröffnung gelang es jedoch, den nur 3,671 Kilometer langen Sachsenring im Kalender zu etablieren. Mit 3 Rechts- und 10 Linkskurven ist es eine sehr enge Rennstrecke von 12 Metern Breite. Längste Gerade ist Start-Ziel mit nur gerade 700 Metern Länge.
Dank der Tatsache, dass der Kurs in Hohenstein-Ernstthal der kürzeste der MotoGP ist, sehen die Zuschauer mehr Rennrunden als überall sonst. In der Königsklasse wird über 30 Runden gefahren, bei der Moto2 sind es 28 und der Moto3 noch deren 27. Der absolute Rundenrekord vor der Pandemie wurde 2019 vom „King of the Ring“ Marc Marquez aufgestellt, mit 1:20,195 Minuten und einer Durchschnitts-Geschwindigkeit von 164,7 Km/h.
Der Sachsenring ist eine der wenigen Strecken mit konstant über 200-Tausend Zuschauern. Seit er in der MotoGP antritt, gewann der Spanier Marc Marquez auf Repsol Honda jedes der 7 seither ausgetragenen Rennen.
Aber wer schon einmal einen GP in Hohenstein-Ernstthal besucht hat und ein echter Rennsport-Fan ist, weiß um die Magie dieser Strecke. Zudem fühlt er sich im Vergleich zu den meisten anderen Strecken bezüglich Verpflegungsmöglichkeiten wie im Schlaraffenland.
Nicht so auf dem Sachsenring, wo vor allem viele Menschen aus der Region noch lange bis nach den Rennen bleiben. Das ist der viel beschworene Volksfest-Charakter. Etwas, das die wenigsten Rennsport-Events heute noch bieten können. Dazu die Offenheit und Freundlichkeit eines Großteils der Bevölkerung, sowohl am Ring wie auch in ganz Sachsen.
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