Das MotoGP-Rennen in Spielberg war von dramatischen Unfällen und anschließenden Diskussionen über die Sicherheit auf dem Red Bull Ring geprägt. Mehrere Zwischenfälle führten zu Rennabbrüchen und Verletzungen, was die Fahrer und Teams dazu veranlasste, die Streckenbedingungen und die Notwendigkeit von Verbesserungen zu hinterfragen.
Heftiger Unfall im Moto2-Rennen
Für das deutsche IntactGP-Team hätte das Moto2-Rennen in Spielberg unglücklicher nicht laufen können. Schon in der Startphase kam es zu dramatischen Szenen. In der Schikane passierte im Mittelfeld ein heftiger Unfall mit drei Fahrern. Darin verwickelt waren Senna Agius, Ivan Ortola und Alonso Lopez. Agius wurde dabei sogar überrollt und hatte großes Glück, ohne schwere Verletzungen davonzukommen. Der 20-jährige Australier konnte auch sofort aufstehen und die Unfallstelle selbstständig verlassen. Nach ersten Untersuchungen von Hand und Kopf im Medical Center des Red-Bull-Rings wurde Agius ins nahe gelegene Krankenhaus in Judenburg gebracht, um weitere Untersuchungen durchzuführen. Aufgrund von Kopf- und Halsverletzungen wurde der Australier für "unfit" erklärt. Am Montag wird Agius in Barcelona weitere Checks vornehmen lassen.
"Das Wichtigste ist, dass er bei Bewusstsein ist und es ihm so weit gut geht", atmet Teammanager Jürgen Lingg durch. "Wir hoffen, dass er sich so schnell wie möglich erholt." Ob er am kommenden Wochenende in Ungarn bei der Premiere auf der neuen Rennstrecke Balaton Park dabei sein wird, ist noch offen. Die Untersuchungen in Barcelona werden weiteren Aufschluss geben.
Pech für Manuel Gonzalez
Manuel Gonzalez, der zweite IntactGP-Fahrer, hielt nach der ersten Runde die dritte Position und kämpfte in der Spitzengruppe mit. Aber in der fünften Runde hob er auf der Schönberggeraden den Arm und fuhr plötzlich langsam. Dann setzte der Spanier das Rennen fort, war aber auf Position 14 zurückgefallen. Zwei Runden später fuhr Gonzalez in der Jochen-Rindt-Kurve geradeaus neben die Strecke und ärgerte sich maßlos. Schließlich bog er in die Boxengasse ab und gab auf.
Was war genau geschehen? "Wir hatten Pech mit dem Sturz von Senna am Ausgang der Schikane, denn danach war die Strecke voller Schotter, der nicht richtig weggeräumt wurde", kritisiert Gonzalez die Sportwarte. Denn das führte zu einer außergewöhnlichen Situation. "Als ich zwei Runden später dort vorbeikam, wirbelte ein Fahrer vor mir einen Stein auf, der meinen Kühler traf. Dadurch lief viel Wasser aus. Ich habe versucht, weiterzufahren und das Rennen zu beenden, weil das Wasser nicht mehr austrat."
"Aber plötzlich kam wieder viel Wasser heraus. Also musste ich anhalten, um Schäden am Motor und einen Sturz zu vermeiden. Natürlich ist das schwer zu akzeptieren, weil wir wirklich stark waren", seufzt der WM-Führende. In der IntactGP-Box konnte man das Pech kaum fassen. "Die Ironie ist, dass 'Manu' einen Stein von Sennas Sturz aufgesammelt hat, der den Kühler beschädigte und ihn zwang, das Rennen zu beenden", seufzt Lingg. "Auch wenn so etwas sehr selten passiert, ist es dennoch ärgerlich."
"Wir müssen also das Positive mitnehmen, denn es hätte schlimmer kommen können. Senna geht es den Umständen entsprechend gut und hoffentlich kann er bald wieder fahren. Manu hingegen hatte eine starke Pace und durch den Ausfall ist noch nichts verloren." "Manchmal kann man nicht alles kontrollieren. Wir führen die Meisterschaft weiterhin an. Hoffentlich ist das Glück am nächsten Wochenende wieder auf unserer Seite." Der WM-Vorsprung von Gonzalez auf Aron Canet schrumpfte auf 19 Punkte.
Der schreckliche Unfall zwischen Zarco und Morbidelli
Der schreckliche Unfall zwischen Johann Zarco und Franco Morbidelli im MotoGP-Rennen in Spielberg hat nicht nur eine Diskussion um die Schuldfrage entfacht, sondern auch um die Sicherheit auf dem Red Bull Ring. Genau in dieser Bremszone kam es zum Crash zwischen Zarco und Morbidelli. Der Franzose war auf der Geraden (genauer gesagt in Kurve 2, denn die Gerade ist faktisch keine) links an der Yamaha vorbeigegangen und hatte sich vor sie gestellt.
Wer hat Schuld? Er knallte mit voller Wucht ins Heck von Zarco. Beide wurden von ihren Motorrädern geschleudert, die fahrerlos in Richtung Kurve 3 flogen und dort das Yamaha-Duo mit Maverick Vinales und Valentino Rossi nur um Haaresbreite verfehlten. Er habe Morbidelli absichtlich den Weg abgeschnitten und vor ihm gebremst, weil er sich nicht zurück überholen lassen wollte. "Aber bei 300 km/h konnte Franco nichts tun und traf ihn hart", so Rossi. "Johann hat links überholt. Ich glaube nicht, dass Morbidelli das nicht erwartet hat", analysiert Tech-3-Pilot Miguel Oliveira. Der Unfall sei "beängstigend" gewesen, sagt Oliveira weiter.
"Die glücklichsten Menschen, die heute für ihre Schutzengel Kerzen anzünden können, sind Rossi und Vinales. Denn das Gefahrenpotenzial war bekannt. "Wir haben in der Sicherheitskommission am Freitag darüber gesprochen", verrät Oliveira. "Wir haben gesagt, dass wenn im Regen dort jemand stürzt, dann gibt es nicht genug Auslauf. Das passierte nun (fast) auf trockener Strecke.
"Jedes Mal, wenn man sich hinter anderen Fahrern bewegt, hat man Abtrieb, keinen Abtrieb, wieder Abtrieb - das Vorderrad vibriert, manchmal hat man keine Bremsen", so der Spanier.
Reaktionen und Analysen zum Unfall
Cal Crutchlow von LCR-Honda gibt sich ratlos. "Ich bin schockiert darüber, was passiert ist", gesteht der Brite sichtlich mitgenommen. "Und ich weiß wirklich nicht, was sie tun können. Es sei denn, sie verändern diesen Teil der Strecke komplett.
Danach gefragt, ob eine Erweiterung der inneren Barrieren helfen würde, wiegelt Crutchlow ab: "Ich denke, das würde nichts bringen, eher im Gegenteil. Man stelle sich das nur mal im Nassen vor. Sein Teamkollege Takaaki Nakagami weiß: "Am Freitag in der Sicherheitskommission haben sich viele Fahrer über das Layout in Kurve 3 beschwert. Man kommt dort auf 300 km/h und muss sehr aggressiv bremsen, ein bisschen wie in Le Mans zwischen Kurve 1 und 2.
"Valentino hatte so viel Glück. Ich bin wirklich froh, dass er nicht getroffen wurde. Das wäre sonst schlimm ausgegangen. Alle hatten Glück. Was die Zukunft betrifft, bin ich mir nicht sicher. Für die MotoGP ist es recht tricky dort, erst recht bei Regen. Darüber werden wir sicherlich reden müssen.
Auch die Top 3 in Spielberg bestätigen das. "Bei dieser Art von Layout kann so etwas immer passieren. Es ist nicht wirklich sicher", sagt Rennsieger Andrea Dovizioso. Ähnlich äußert sich Markenkollege Jack Miller. "Wir können nicht alle Strecken gleich machen", meint auch er. "Es muss ein paar, sagen wir mal, Gefahrenelemente geben. Ich habe dort auch schon versucht, andere zu überholen. Man muss das Risiko abwägen.
"Aber was mich am meisten besorgt ist: Wenn ich in die Kurve fahre und die Räder blockieren, fahre ich geradewegs in die Mauer. Ebenso wie Joan Mir. Der Zweitplatzierte von Spielberg erklärt: "Ich denke, es gibt viele Strecken mit dieser Charakteristik, wo man in leichter Schräglage bremst. Und wir können sie nicht alle ändern.
Dass das Thema und der Unfall die MotoGP noch lange beschäftigen werden, dessen ist sich Stefan Bradl jedenfalls sicher. "Die MotoGP hat in den vergangenen Jahren viel Glück gehabt. Vermutlich wird es wieder Diskussionen über die Sicherheit geben. Das ist gut." "Wir müssen auch die Aussagen der involvierten Fahrer hören. Dann kann sich jeder ein eigenes Urteil bilden." Vor allem aber müsse über diese Kurve gesprochen werden. "Wenn ein Fahrer einen Fehler macht, dann ist das wirklich am Limit. Wir müssen darüber sprechen. Momentan will ich aber nichts darüber sagen.
Valentino Rossis Glück und Appell
Italiens MotoGP-Superstar Valentino Rossi ist in Spielberg bei einem Horrorcrash mit dem Schrecken davon gekommen. Nach einer folgenschweren Kollision folgen die Maschinen von Franco Morbidelli (Italien) und Johann Zarco (Frankreich) nur Zentimeter an Rossi vorbei, der neunmalige Weltmeister hatte großes Glück. "Superbeängstigender Moment. Auch Maverick Vinales (Spanien), zweiter Fahrer der Japaner, hätte es beim Crash erwischen können.
Zarco war auf der Geraden in Morbidelli hineingefahren, die Maschinen flogen geradeaus durch die Kurve 1 und dort knapp an Rossi vorbei. In der Box schlug der 41-Jährige die Hände vor das Gesicht, als er die Szenen auf einem Bildschirm sah. Zarco bleib unverletzt, Morbidelli wurde im Krankenwagen abtransportiert.
Als Fünfter war Rossi in Spielberg bester Yamaha-Pilot. Doch das Rennergebnis war auf Grund der Schrecksekunde in Kurve 3 Nebensache."Ich sah einen Schatten und dachte, dass es der Helikopter ist. Doch es waren zwei Geschosse", bemerkt Rossi, der sich bewusst war, wie knapp er einer Katastrophe entgangen war. "Die Schutzengel der MotoGP leisteten heute gute Arbeit. Es war sehr gefährlich."
"Morbidellis Motorrad hat mir eine neue Frisur verpasst. Und auch Zarcos Ducati verfehlte mich nur um ein paar Meter. Es war ein sehr gefährlicher Moment", kommentiert Rossi den Vorfall. Obwohl Rossi in seiner Karriere schon einige hitzige Momente erlebt hat, scheint dieser Vorfall nachhaltig Eindruck hinterlassen zu haben.
Am Sonntagabend nutzte der Italiener die Chance für einen Appell an seine Kollegen. "Ich hoffe, dass solche Geschehnisse für die Zukunft eine Lehre sind", wünscht sich der 41-Jährige."In der MotoGP wird mittlerweile sehr aggressiv gefahren. Das geht schon in den kleinen Klassen los. Ich kann es verstehen. Doch für mich ist wichtig, dass es nicht übertrieben wird. Wir müssen Respekt vor den anderen Fahrern haben, die ebenfalls auf der Strecke unterwegs sind", fordert Rossi.
"Wir müssen verstehen, dass unsere Motorräder bei diesen Geschwindigkeiten Geschosse sind. Ich denke, die Grenzen wurden überschritten", erkennt Rossi. "Es ist okay, aggressiv zu fahren. Doch der Respekt für die Gegner geht verloren. Wir betreiben einen sehr gefährlichen Sport. Man muss vor seinen Gegnern Respekt haben."
Zarco und die Diskussionen über Fahrweise
Johann Zarcos Fahrweise war erneut das große Thema. Einige Fahrerkollegen beschwerten sich über den fehlenden Respekt des Franzosen. "Zarco ist kein Neuling. Es ist ziemlich klar, was passiert ist. Zarco überholte Morbidelli auf der Geraden und wollte beim Anbremsen nicht wieder überholt werden. Er bremste absichtlich vor ihm. Und das bei 300 km/h", beschreibt Rossi die Szene.
Morbidelli konnte laut Rossi nichts machen und war demzufolge nur noch Passagier. Aggressive Fahrweisen, wie die von Zarco, sind laut Rossi ein potenzielles Risiko. "Von den kleinen Klassen an gibt es Fahrer, die beim Bremsen vor ihrem Gegner die Tür zumachen", ärgert sich der Routinier.
Laut Zarco hatte sich die Situation nach einem Gespräch mit Rossi geklärt . Gegenüber den Journalisten behauptete Zarco, dass er Rossi und Morbidelli von seiner Unschuld überzeugen konnte.
Rossis Version klingt anders: "Ich unterhielt mich unter vier Augen mit Zarco. Er meinte, dass er es nicht absichtlich getan hat. Aggressiv ist schön und gut, aber vor einem Gegner zu ziehen und zu bremsen ist ein potenzielles Desaster."
Bei den TV-Aufnahmen sah man, dass Rossi sein Motorrad am Ausgang von Kurve 3 geistesgegenwärtig etwas eher aufrichtete, als ob er es ahnt. Dieser Reflex zahlte sich ohne Zweifel aus, denn wenige Zentimeter vor ihm schoss Morbidellis Yamaha mit deutlich mehr als 200 km/h vorbei.
Und auch Maverick Viñales reagierte sofort. "Ich hörte das Kratzen, als einer gestürzt war. Dann hörte ich eine Explosion, vermutlich als Johanns Motorrad in die Wand krachte. Dann sah ich überall Teile herumfliegen", so Vinales.
"Ich schützte mich selbst, als ich das Motorrad herumfliegen sah", berichtet der Spanier, der die Hände vom Lenker nahm und instinktiv seinen Kopf schützte.
Feuer-Unfall beim Steiermark-Rennen 2021
Beim Steiermark-Rennen der MotoGP am Sonntag (8. August 2021) in Spielberg kam es zu einem Feuer-Schock. In der dritten Runde krachte es zwischen dem Spanier Dani Pedrosa (35) und dem Italiener Lorenzo Savadori (28), beide Motorräder gingen wenig später in Flammen auf. Auf der Strecke bildete sich für kurze Zeit ein gewaltiger Feuerball, den mehrere Einsatzkräfte allerdings schnell wieder löschen konnten. Glück im Unglück: Die beiden beteiligten Fahrer überstanden den Unfall nahezu unbeschadet und hatten sich bereits von ihren Rennmaschinen entfernt, ehe diese Feuer fingen.
Kaum zu glauben: Als das Rennen nach längerer Unterbrechung wieder aufgenommen wurde, war Pedrosa sogar wieder mit am Start. Beim vorigen Unfall war er in Kurve drei gestrauchelt, Savadori konnte nicht mehr ausweichen und fuhr zwei Sekunden später mit seiner Aprilia in die KTM-Maschine des Routiniers.
Pedrosa war da glücklicherweise bereits einige Meter neben sein Motorrad Richtung Streckenbegrenzung gerutscht. Savadori dagegen flog spektakulär ab und konnte wegen leichter Blessuren nicht weiterfahren. Auch er war allerdings außer Reichweite, als beide Motorräder umgehend Feuer fingen.
Das Rennen, das für abschließende 27 Runden später wieder aufgenommen wurde, gewann der Spanier Jorge Martín (23). Er feierte auf seiner Ducati den ersten Sieg in der Königsklasse des Motorrad-Zirkus.
Pedrosa, der im zehnten Lauf der Saison als Wildcard-Fahrer dabei war und erstmals seit 2018 wieder ein MotoGP-Rennen fuhr, schaffte es auf Platz zehn und sammelte damit sogar sechs Punkte für die WM-Wertung.
Diskussionen um die Sicherheit des Red Bull Rings
Drei Grands Prix, drei rote Flaggen: Das ist die Bilanz der letzten MotoGP-Rennen auf dem Red Bull Ring. Sowohl bei den zwei Saisonläufen im Vorjahr als auch beim Grand Prix der Steiermark am vergangenen Wochenende musste das Rennen der Königsklasse nach einem schweren Unfall abgebrochen werden. Waren es 2020 die Kollision zwischen Johann Zarco und Franco Morbidelli sowie der Bremsdefekt von Maverick Vinales, sorgte diesmal ein Feuer auf der Strecke für rote Flaggen. Auslöser war ein Sturz von Wildcard-Starter Dani Pedrosa, dessen havarierter KTM der nachfolgende Lorenzo Savadori nicht mehr ausweichen konnte. Zwar ging der Unfall vergleichsweise glimpflich aus - Savadori brach sich den rechten Knöchel, Pedrosa blieb unverletzt.
Trotzdem fachte er die seit Jahren schwelende Diskussion um die Sicherheit der Strecke in Spielberg für die MotoGP an. Dabei hatte der Feuerunfall von Pedrosa und Savadori aus Sicht der meisten Fahrer nichts mit dem Red Bull Ring an sich zu tun. "Die rote Flagge war diesmal etwas anderes", sagt Jack Miller. "Das hätte auf jeder anderen Strecke auch passieren können, wenn ein Motorrad nach einem Sturz auf der Strecke liegt und ein anderer dagegen fährt. Alles lag noch eng zusammen. Das war nicht die Schuld der Strecke." Auch Cal Crutchlow, der in Spielberg für den verletzten Franco Morbidelli einspringt, sagt: "Ich denke, das ist die Art von Unfall, die auf jeder Rennstrecke passieren kann. Sie hatten Glück." Zustimmung erhält er von Teilzeit-Teamkollege Valentino Rossi: "Ein Unfall wie mit Pedrosa und Savadori kann überall passieren."
Kritische Punkte auf der Strecke
Trotzdem hat der erfahrene MotoGP-Pilot Sicherheitsbedenken. "Diese Strecke hat drei, vier wilde Bremspunkte. Die gefährlichste Stelle ist Kurve 3", urteilt Rossi. "Mit diesen harten Bremspunkten ist es gefährlich und auch schwierig für die Bremsen. Das haben wir bei Maverick im vergangenen Jahr gesehen. Es ist also nicht nur eine Sache, es sind mehrere Faktoren. Aber ich weiß nicht, was wir tun können."
Kurve 3 ist der Mehrheit der Fahrer ein Dorn im Auge. Sie gilt als Gefahrenschwerpunkt, weil die Piloten aus Kurve 2 mit über 300 km/h kommen und in die Spitzkehre auf etwa 55 km/h abbremsen müssen. Es ist der langsamste Punkt der Strecke. "Es gibt einige kritische Punkte, aber sicherlich ist Kurve 3 kritisch, denn normalerweise haben wir dort immer Unfälle oder müssen abbrechen", weiß MotoGP-Rookie Jorge Martin, der in Spielberg am vergangenen Wochenende seinen Premierensieg feierte. "Es scheint aber, dass das Layout in Zukunft anders sein wird."
"Ich denke also, dass sie dieses Problem lösen werden. Denn wir kommen mit einer sehr hohen Geschwindigkeit in diese Kurve. Außerdem gibt es einen Anstieg, wenn man das Gas öffnet. Man kann nichts sehen. Deshalb ist Savadori vielleicht gestürzt." Fabio Quartararo sieht auch Kurve 1 kritisch Weltmeister Joan Mir stimmt Martin zu: "Wie Jorge sagte, Kurve 3 ist kritisch, wirklich gefährlich, besonders im Nassen. Was auf dieser Strecke auch sehr gefährlich ist, sind Kurve 1 und 3, denn am Ausgang dieser Kurven geht es bergauf und dann abwärts. Und wenn dort etwas passiert, sieht man es nicht", bestätigt der Spanier.
In dem Zusammenhang erinnert er an einen weiteren schweren Unfall, der sich 2020 ausgangs der ersten Kurve im Moto2-Rennen ereignete: Enea Bastianini stürzte damals per Highsider, Bike und Fahrer blieben auf der Strecke liegen. Hafizh Syahrin kam von hinten, konnte nicht ausweichen und knallte frontal in Bastianinis Maschine. Auch WM-Leader Fabio Quartararo hat die Bilder noch in böser Erinnerung. "Für mich ist der Start hier kritisch", sagt der Franzose. "Kurve 1 ist eine Kurve, in der man nicht wirklich schnell ist und es eine große asphaltierte Auslaufzone gibt. Viele Leute scheinen sich nicht darum zu kümmern, wo sie bremsen, weil genug Asphalt da ist."
Anpassungen und Kritik am Streckenlayout
"Wäre da Gras oder Kies, würde man das nicht tun. Man muss sich überlegen, wo man bremst", mahnt Quartararo. Über Kurve 3 sagt er: "Zwei der roten Flaggen gab es wegen Zwischenfällen in dieser Kurve. Sie ist gefährlich, aber es sieht so aus, als würde es in Zukunft Anpassungen geben. Aber ja, Kurve 1 und 3 sind kritische Punkte - auch für die Moto2. Da gab es 2020 den schweren Sturz in Kurve 1."
Wenn Quartararo und Martin von Anpassungen für die Zukunft sprechen, meinen sie eine neue Schikane auf Höhe der aktuellen Kurve 2, die dadurch entschärft würde - ebenso wie die Anfahrt auf Kurve 3. Aber wird das in puncto Sicherheit ausreichen? Aleix Espargaro dürfte es wahrscheinlich nicht weit genug gehen. "Ich sehe zwei Schwierigkeiten: Erstens sind die Mauern hier sehr nah und das ist gefährlich", sagt der Aprilia-Pilot über Spielberg. "Und was das Layout betrifft, haben wir Fahrer uns lange über diese eine Kurve in Barcelona beschwert (Kurve 10; Anm. d. R.), die im vergangenen Jahr modifiziert wurde. Diese Strecke hat drei solcher Kurven."
Espargaro kommt deshalb zu dem Schluss: "Dieses Layout ist nicht für MotoGP-Fahrer designt. Ja, wir können hier Rennen fahren. Aber genauso gut könnten wir in der Stadt fahren. Es ist nicht sicher, das ist die Realität. Drei Rennen, drei rote Flaggen." "Wir hatten dreimal Glück, aber was passiert beim vierten Mal? Was wäre gewesen, wenn Lorenzo hier statt der KTM Dani getroffen hätte?", fragt der Spanier und zeigt sich enttäuscht. "Wir Fahrer können nicht mehr tun. In dieser Sache sind wir uns alle einig, was selten ist. Aber man sieht ja, was sich geändert hat - nichts."
Nach dem Unfall in Kurve 3 im Vorjahr wurde lediglich der Fangzaun erweitert, um zu verhindern, dass gestürzte Motorräder zurück auf die Strecke schnellen. Doch einige Fahrer empfinden ihn jetzt als zu nah. "Die neue Barriere ist gut, versteht mich nicht falsch", sagt etwa Crutchlow, "aber was ist, wenn man in sie hineinfährt..."
Maverick Viñales' Ausstieg und weitere Ereignisse
Maverick Viñales (25) springt bei 210 km/h vom Motorrad und rutscht über den Asphalt. Schon kurz zuvor hatte der Spanier bemerkt, dass es technische Probleme gibt, vor dem Unfall streikt in Runde 16 wohl die Vorderradbremse. Um Schlimmeres zu verhindern, springt Viñales runter und lässt das Motorrad ungebremst weiterfahren.
Bereits letzte Woche hatte es geknallt, Legende Valentino Rossi (41/Italien) wäre fast von einem Motorrad am Kopf getroffen worden. Nach Rennabbruch wird mit dem Stand aus Runde 16 neu gestartet. Nach 12 Runden gibt es auch auf der Strecke ein Herzschlagfinale: Während Pol Espargaro (29/Spanien) mit Jack Miller (25/Australien) um den Sieg beim Steiermark-Grand-Prix kämpfen, zieht Miguel Oliveira (25) vorbei, holt sich den Sieg. Der Zahnarzt jubelt für Tech3 auf KTM, ist der erste Portugiese, der in der Königsklasse zum Sieg rast.
Moto2 und Moto3
Nach Platz drei letztes Wochenende in Spielberg, reichte es für Marcel Schrötter (27) an selber Stelle nur für Platz elf. Von Platz 21 gestartet kam der Pflugdorfer mit über zehn Sekunden Rückstand auf Sieger Jorge Martin (22/Spanien). Marco Bezzecchi (21/Italien) wurde Zweiter vor Remy Gardner (22/Australien). Rossi-Bruder Luca Marini (23/Italien) wurde Siebter und behauptete seine Führung in der Gesamtwertung mit 87 Punkten drei Zähler vor Martin.
Premieren-Sieg für Celestino Vietti (18) in der Moto3. Das freut auch Valentino Rossi, denn der Italiner fährt für sein Sky Racing Team. Zweiter wurde Landsmann Tony Arbolino (20) vor Ai Ogura (19/Japan).
Ergebnisse des Rennens
Nachdem die Strecke vom Schrott gesäubert wurde, ging es weiter. Der Lauf wurde neu gestartet und auf 20 Runden verkürzt. Der Italiener Andrea Dovizioso fuhr in Spielberg seinen dritten Sieg in vier Jahren ein.
Die folgende Tabelle fasst die Top-Ergebnisse des Rennens zusammen:
| Position | Fahrer | Team |
|---|---|---|
| 1 | Andrea Dovizioso | Ducati |
| 2 | Joan Mir | Suzuki |
| 3 | Jack Miller | Ducati |