Motoröl 10W-40 für Motorrad: Ein umfassender Leitfaden

Die Wahl des richtigen Motoröls für Ihr Motorrad kann eine Herausforderung sein. Es gibt viele verschiedene Marken, Spezifikationen und Arten von Öl auf dem Markt. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, die Grundlagen zu verstehen und das beste Öl für Ihr Motorrad auszuwählen.

Was ist Motoröl und warum ist es wichtig?

Grob vereinfacht gesagt: tote Tiere. Genauer gesagt: abgestorbene Kleinstlebewesen, deren Exitus bereits in vorgeschichtlicher Zeit erfolgte. Chemiker sehen die Sache noch etwas einfacher. Für sie besteht Erdöl fast ausschließlich aus den Elementen Wasserstoff und Kohlenstoff.

Damit aus den Kohlenstoffverbindungen Motorradöl wird, muss das Rohöl in der Raffinerie zerlegt, gereinigt und weiterverarbeitet werden. Auch das vollsynthetischste aller Vollsynthetiköle hat als Basis ganz schnödes Erdöl. Und damit verhält es sich wie mit Beton: Es kommt darauf an, was man daraus macht. Wird ein mineralisches Grundöl veredelt, entsteht daraus ein sogenanntes Hydrocracköl.

Für die vielfältigen Einsatzzwecke der Öle verlassen sich die Mineralölkonzerne aber nicht nur auf Mutter Natur und deren Kohlenwasserstoffverbindungen, sondern basteln sich auch eigene Verbindungen. Diese in ihrer Molekularstruktur maßgeschneiderten Stoffe heißen Synthetiköle. Die Mischung von synthetisch hergestellten Ölen mit mineralischen Grundölen ergibt ein teilsynthetisches Öl.

Die Aufgaben eines Motorenöls sind immer dieselben: Es muss schmieren, Kräfte übertragen, kühlen und abdichten. Nebenbei soll das Öl die bei der Verbrennung anfallenden ölunlöslichen Rückstände bis zum nächsten Ölwechsel in der Schwebe halten. Es muss Säuren neutralisieren, Wasser aufnehmen und vor Korrosion schützen. Dabei darf es nur wenig altern, nicht schäumen und muss bei allen Temperaturen fließfähig bleiben.

Das schafft so ein Grundöl nur mithilfe von Additiven. Das sind Wirkstoffe aus der Chemieküche, die bei hoch additiviertem Motorenöl bis zu 25 Prozent ausmachen, aus rund zehn bis 15 verschiedenen Stoffen bestehen und in maßgeschneiderten Additivpaketen zusammengefasst werden. Diese Pakete werden meist von Zulieferern eingekauft; drei große in den USA und Großbritannien ansässige Anbieter beherrschen den Markt. Die Auswahl der Additivpakete ist maßgeblich für die großen Preisunterschiede verantwortlich. Hat man es mit einer altbekannten Formulierung "von der Stange" zu tun, oder wurde jede Menge Know-how und Zeit in eine Neuentwicklung gesteckt? Das sind für den späteren Verkaufspreis recht entscheidende Fragen.

Die Bedeutung der Viskosität SAE 10W-40

Bei der Bezeichnung 10W-40 handelt es sich um die SAE-Klasse, welche die Viskosität des Öls unter bestimmten Temperaturbedingungen definiert. Die vom Motorradhersteller vorgeschriebene Viskosität ist immer das erste und alternativlose Auswahlkriterium. Diese Angabe ist das wichtigste Kriterium bei der Ölauswahl und muss unbedingt beachtet werden. Sie wird vom Motorrad-Hersteller für jedes Modell individuell festgelegt und ist im Handbuch Deines Zweirads aufgeführt. Gerade bei leistungsstarken Motoren ist es wichtig, dass der Schmierfilm bei hohen Temperaturen und Drehzahlen nicht abreißt.

API- und JASO-Klassifikationen

Dann sollte man auf die API-Klassifikation achten. API steht für das "American Petroleum Institute", das Motorenöle nach Buchstabenkombinationen klassifiziert. Der erste ist bei Ottomotoren immer ein S, der nachfolgende Buchstabe sollte mindestens ein G sein. Die SG-Klassifikation wurde 1989 eingeführt, mittlerweile ist man bei SN angelangt, was aber nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass ein SG-Öl fürs Motorrad schlechter als ein SN-Öl sein muss.

Für Motorradfahrer noch wichtiger ist aber die (auf der API-Einteilung aufbauende) -JASO-Klassifikation. JASO steht für "Japan Automobile Standards Organization", und auch wenn der Name etwas anderes vermuten lässt, geht es dabei ganz konkret um die Ansprüche von Motorradmotoren, wenn JASO MA (oder MA1 bzw. MA2) auf der Öldose steht. Dann ist nämlich sichergestellt, dass das Öl mit den in Motorradmotoren üblichen Ölbadkupplungen klarkommt. Die JASO MA-Kennzeichnung ist die einzige existierende Spezifikation für Viertakt-Motorrad-Motorenöle und sollte nach der korrekten Viskositätsangabe das wichtigste Öleinkaufskriterium sein.

Mineralisch, teil- oder vollsynthetisch?

Wird ein mineralisches Grundöl veredelt, entsteht daraus ein sogenanntes Hydrocracköl. Die Mischung von synthetisch hergestellten Ölen mit mineralischen Grundölen ergibt ein teilsynthetisches Öl. Wichtig zu wissen: Die ganzen tollen Begriffe rund ums veredelte Öl (synthetisch, vollsynthetisch, teilsynthetisch, polysynthetisch, synthetic-based, HC-Synthese und noch viele andere mehr) sind weder genormt noch normfähig, also reine Marketing-Aussagen. Ein echter Hinweis auf die wirkliche Zusammensetzung eines Öls ist damit nicht gegeben.

Motorradöl vs. PKW-Öl

Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Motoröle für PKW und Motorräder nicht sonderlich voneinander. Beide Arten sind in verschiedenen Viskositätsklassen und mit Spezifikationen wie API oder ACEA erhältlich. Jedoch müssen Motorradöle viel höheren Belastungen standhalten, was unter anderem an den enormen Drehzahlen der Zweiräder liegt. Dadurch muss der Schmierstoff weitaus höhere Druck- und Temperaturanforderungen bewältigen. Neben dem Motor werden zudem auch Getriebe und Kupplung mit ein- und demselben Öl versorgt.

Ölwechselintervalle

Ebenso wie der Motor ist auch das verwendete Öl dem Verschleiß ausgesetzt und verliert mit der Zeit seine Schmiereigenschaften. Grundsätzlich legt der Hersteller die Wechselintervalle fest. Dafür werden zumeist ein Zeitraum und eine Fahrleistung angegeben. Sobald eines der Kriterien erreicht ist, muss das Öl gewechselt werden. Wenn Du die Werkstattkosten sparen möchtest, kannst Du diese Arbeit auch selbst durchführen. Dies ist viel günstiger und mit etwas handwerklichem Geschick relativ einfach zu bewerkstelligen.

Test von 14 Motorradölen SAE 10W-40

Die 14 von MOTORRAD gekauften Motorradöle entsprechen alle der Viskositätsvorgabe, und auch der Sulfatasche-Anteil, der laut JASO maximal 1,2 Gewichtsprozent betragen darf, wurde von allen Anbietern unterboten.

Die Literpreisspanne reicht bei den unverbindlichen Preisempfehlungen von 7,39 bis 19,95 Euro, in der Einkaufspraxis sogar von 5,20 bis 19,99 Euro. Und das unter den gleichen Grundbedingungen, die da lauteten: Viskosität SAE 10W-40 (das ist immer noch die von den Motorradherstellern am häufigsten empfohlene Kategorie), API SG oder höher, JASO MA oder höher. Ob mineralisch, teil- oder vollsynthetisch, interessierte MOTORRAD aus den eingangs erwähnten Gründen erst einmal gar nicht.

Hier ist eine Zusammenfassung der getesteten Öle:

Ölmarke Spezifikation Preis (UVP) MOTORRAD-Urteil
Castrol Grand Prix S 10W-40, teilsynthetisch, API SG, JASO MA 9,99 Euro (4-Liter-Gebinde) / 7,50 Euro (Sonderangebot) sehr gut
Castrol Power 1 4T 10W-40, teilsynthetisch, API SJ, JASO MA2 16,95 Euro / 16,50 Euro sehr gut
Castrol Power 1 Racing 10W-40, vollsynthetisch, API SL, JASO MA2 18,95 Euro / 12,99 Euro (Sonderangebot) sehr gut (Testsieger)
elf Moto 4 Road 10W-40, teilsynthetisch, API SJ, JASO MA2 15,75 Euro sehr gut
eni i Ride 10W-40, teilsynthetisch, API SL, JASO MA/MA2 12,49 Euro / 14,99 Euro gut
HEM Motorradöl 10W-40, mineralisch, API SL, JASO MA2 12,99 Euro gut
JMC Motoröl 4T GP 10W-40, teilsynthetisch, API SL, JASO MA2 8,54 Euro / 8,55 Euro gut
Motul 5000 4T 10W-40, teilsynthetisch, API SL, JASO MA2 11,75 Euro / 9,80 Euro sehr gut
Motul 300V Factory Line 10W-40, vollsynthetisch, "übertrifft JASO MA und API SL" 19,95 Euro / 19,99 Euro N/A (Details fehlen im Auszug)

Es ist wichtig zu beachten, dass die Additivzusammensetzung der Öle komplex ist und nicht einfach zu interpretieren. "Viel hilft viel" gilt nicht immer, aber auch der Umkehrschluss ist nicht zulässig. Die Additivbestandteile stehen miteinander in Wechselwirkung.

Unter den Testteilnehmern ist kein echter Ausreißer zu finden, die Vollsynthetik-Freaks dürften ihren Favoriten sehr schnell entdecken, und auch die Sparfüchse werden fündig. Okay, für drei Euro gibts hier kein taugliches Motorradöl, aber unter zehn Euro pro Liter ist durchaus machbar. Kalt gepresst geht allerdings gar nicht.

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