Motorrad 2 Zylinder vs. 4 Zylinder: Vor- und Nachteile

Die Frage nach den Unterschieden und Vorzügen von 2-Zylinder- und 4-Zylinder-Motorrädern ist eine, die viele Fahrer beschäftigt. Es ist einfach eine Frage des persönlichen Geschmacks. Es gibt Leute, die lieber 4 Zylinder fahren, andere schwören auf 2 Zylinder und wieder andern ist es egal.

Grundlegende Unterschiede

Wenige Zylinder bedeuten große Einzelhubräume. Kleinere Einzelhubräume bedeutet auch kleinere Komponenten (Ventile, Kolben usw) damit kleinere oszillierende Massen was höhere Drehzahlen zuläßt.

2-Zylinder-Motoren

Da ein großer Einzelhubraum große Kräfte an der Kurbelwelle verursacht kann man aus solchen Motoren bei gleicher Drehzahl mehr Drehmoment raus holen als bei Vielzylindern. 2-zylindermotoren bauen schmäler und sind leichter als 4-zyl-motoren.

4-Zylinder-Motoren

Kann man so aus Vielzylindern bei gleichem Drehmoment mehr Spitzenleistung holen. Außerdem haben sie eine höhere Zündfolge und mehr Möglichkeiten , die Massen so anzuordnen, daß sich Massekräfte gegenseitig ausgleichen. Sie laufen also ruhiger und haben einen breiteren nutzbaren Drehzahlbereich.

Alltagstauglichkeit

Da man im Alltag sich immer dem Verkehr anpassen muß und nicht permanent auf seine Drehzahl achten kann/will und auch bei niedrigen Geschwindigkeiten schon Leistung braucht, ist hier ein mittlerer Einzelhubraum ideal. Also > 200ccm und < 500ccm pro Zylinder.

Allerdings werden Zweizylinder oft genau deswegen gefahren, WEIL man mehr vom Motor merkt. Das ist für viele ein zusätzliches Spaßelement. Andere bevorzugen den trompetenartigen Sound eines hochdrehenden Vierzylinders. Ich kann allen Bauarten etwas abgewinnen.

Fahrgefühl und Leistung

Der Unterschied ist, dass ein Motor mit 4 Zylinder wesentlich ruhiger (runder) läuft wie einer mit 2 und dass das Ansprechverhalten beim Beschleunigen wesentlich besser ist! Im regelfall werden sich die 4-zyl. nerviger fahren (du musst die dinger hoch drehen, um deren leistung auch wirklich zur verfügung zu haben). Allerdings wird ein 2-zyl-motor nie an die leistung eines 4-zyl-motors heran reichen können. Die Auspuffgeräusche "hämmern" auch mehr (erst recht bei Einzylindern).

Es gibt auch leistungstarke 2zyl und drehmomentstarke 4 zyl. Und es gibt 2zyl wie auch 4 zyl die beides können. Und es gibt R2, V2, B2 die zum Teil ganz unterschiedlich sind.

Als Faustformel kann man aber sagen, daß die 4-Zylinder die schnelleren Bikes sind, die 2-Zylinder aber besser beschleunigen.

Sound und Emotionen

Bei Zweizylinder merkt man mehr von den Verbrennungstakten. Bei sehr niedrigen Drehzahlen laufen sie oft unruhig. Das ist überwiegend Geschmackssache.

Ich bin verfechter des 2 zylinders. mein erstes motorrad war ein zweizylinder, die darauffolgenden ebenfalls. ich hatte einmal einen 4 zylinder und fand es total langweilig. hört sich an wie ein fön und hat keinerlei eigenleben, da merkt man nix. ein 2 zylinder hingegen hat leben, da merkt man was. Ein hubraumstarker V2 kommt gerne "aus dem Keller", hat also genug Drehmoment. Und wer den Motorlauf und Vibrationen abkann oder gar mag, der wird damit sehr glücklich.

Weitere Aspekte

Im Prinzip musst Du einfach beides austesten (es gäbe auch noch 1 oder 3 Zylinder ) und dann schauen, womit Du Dich wohlfühlst.Ich denke, je weniger kW man wegdrosseln muss, je dichter man mit den 35kW an den Ausgangs-kW liegt, umso besser.

Das Motorrad was dir ergonomisch gut passt und nicht allzu schwer ist wird dir am meisten Spass machen. Da sind Zylinderzahl und Hubraum fast schon Nebensache .

Motorbauarten im Überblick

Im Gegensatz zu Autos gibt es bei Motorrädern viele verschiedene Bauarten des Motors.

Einzylinder

Die älteste Art eines Motorradantriebs. Wird in luft- und in flüssigkeitsgekühlter Ausführung angeboten. Kommt heutzutage in Hubräumen von 125 bis 690 Kubik und meistens als Viertakter mit zwei oben liegenden Nockenwellen und vier Ventilen vor. Vorteile: niedrige Fertigungskosten, geringe Reparaturkosten, einfach zu warten, kompakte Abmessungen, niedriges Ge­wicht durch wenige Bauteile.

V2

Der V2 gehört wie der Einzylinder zu den ältesten Antriebsarten des Motorrades. Vorteile: geringe Baubreite, wenig Baulänge (außer 90°), auch mit kleinem Hubraum recht drehmomentstark.

Boxermotor (B2)

Als Zweizylinder Alleinstellungsmerkmal bei BMW, findet Verwendung in Enduro, Tourer, Naked Bike und Sportler. Neuerdings mit Flüssigkeitkühlung, bei den Modellen der R-nineT-Familie kommt nach wie vor die ältere luft-öl-gekühlte Ausführung zum Einsatz. Vorteile: guter Massenausgleich, tiefe Einbaulage, niedriger Schwerpunkt, wenig thermische Probleme bei luftgekühlten Zweizylindern, wartungsfreundlich, keine Umlenkung zum Sekundärtrieb nötig.

Reihenmotor

Die am häufigsten verwendete Motorkonstruktion, bei der die Zylinder parallel zueinander angeordnet sind. Einbaulage fast immer quer mit stehenden oder nach vorn geneigten Zylindern. Wird heute durchweg mit zwei oben liegenden Nockenwellen, vier Ventilen und Flüssigkeitskühlung eingesetzt. Vorteile: einfache Herstellung, vor allem als Zwei- und Dreizylinder geringe Baubreite, guter Massenausgleich und damit wenig Vibrationen, relativ wenig bewegte Teile.

V4

Heute eine Rarität. Kommt als Zweizylinder mit Luft- bzw. Luft-Öl-Kühlung nur bei Moto Guzzi vor, als flüssigkeitsgekühlter Vierzylinder bei Honda in der Pan-European. Jeweils 90 Grad Zylinderwinkel. Vorteile: guter Masseausgleich, tiefe Einbaulage, niedriger Schwerpunkt, keine Umlenkung zum Sekundärtrieb nötig. Nachteile: baut sehr hoch, große Baulänge beim Vierzylinder, Motorrad schwankt um die Längsachse bei Lastwechseln.

Vergleichstest: Zwei- gegen Vierzylinder

Früher war’s einfacher. Da schüttelten Ducati, BMW und Moto Guzzi ihren Fahrern die Blomben aus den Zähnen, bescherten ihnen schwarze Finger vom permanenten Schrauben, und das Ganze nannte sich Charakter. Intensive Bindung zum Motorrad. Zudem sagte man den Zweizylindern üppiges Drehmoment nach. Heute ist alles anders. Jede Reisküche kennt das Rezept eines guten Eintopfs oder eines Twins und hat ihn neben seinen Vierzylindern im Angebot. Was sind also die Legenden von damals heute noch wert?

Mit der Suzuki SV 650 und der Kawasaki ZR-7 stehen zwei Motorräder aus dem unteren Preissegment am Start. Die zweizylindrige SV, vom Fleck weg ein riesigen Verkaufserfolg, die vierzylindrige ZR-7 mit einer sehr langen Ahnenreihe. Aber dennoch ganz verschieden.

Die ZR-7 wirkt gegenüber der zierlichen SV erwachsen, versprüht den Charme einer Begleiterin, die hart zupacken kann, belastbar ist. Pferde stehlen kein Fremdwort. Und kein Problem: Die Japanerin ist gesegnet mit einem 22-Liter-Tank, auf dem selbst größte Tankrucksäcke Platz finden, Befestigungsmöglichkeiten für Kofferträger, Hauptständer und einer breiten, bequemen Sitzbank mit überdurchschnittlicher Soziusqualität.

Die SV 650 erscheint im Vergleich nahezu geschminkt und gepudert. Nix Knochenarbeit, höchstens Laufsteg. Fast exhibitionistisch trägt sie den Zweizylinder im ansehnlichen Alu-Gitterrohrrahmen zur Schau, geizt nicht mit liebevollen Details: Instrumentenblende im Karbonlook, kunstvolle Schweißnähte sowie Dreispeichen-Felgen. Dazu eine gefällige Farbgebung und eine hochwertige Edelstahlauspuffanlage.

Den Vorteil der etwas höheren Leistung und der ausgeglicheneren Drehmomentkurve verspielt die Kawasaki mit ihrem Fettansatz. 40 Kilogramm mehr – das entspricht einer asiatischen Sozia, einem Berner Sennenhund, dem zwölfjährige Sohn. Trotzdem, bis 100 km/h liegen beide exakt auf einer Höhe, bremsen auf 50 km/h ab für die nächste Ortschaft. Auf der SV funktioniert das effektiver. Die Bremse der ZR-7 wirkt ein wenig stumpf und ist schlechter dosierbar.

Aus 30 km/h. Zögerlich zockeln beide Maschinen voran. Die Suzuki mit leichtem Ruckeln, die Kawasaki sehr sanft, aber fast so, als wäre sie beleidigt. Kann sie letztlich auch sein, denn ihre Kontrahentin legt ab Tempo 50 zu, zeigt ihr das Rücklicht und gibt die Führung nicht mehr ab. Doch, mal ehrlich, niemand wird sein Motorrad danach bewerten. Das Leben ist kein Rennen.

Das höhere Gewicht der Kawa wirkt im Landstraßenbetrieb überraschenderweise nicht lästig. Eher beruhigend. Ausgewachsen. Genau so wünscht man sich einen Vierzylinder. Mit dem gut abgestuften Fünfganggetriebe, den zaghaften Lastwechselerscheinungen und einer unglaublich gleichmäßigen Leistungsentfaltung – ab 2000/min schiebt der Viererblock ruckfrei und ohne Loch an – ist die ZR-7 Garant für stressfreies Gleiten.

Aber das eng gestufte Getriebe und der drehfreudige Motor sorgen zusammen mit der versammelten, kompakten Sitzposition für weitaus dynamischeren Fahrspaß. Die Suzuki ist wendiger und wieselflink. Weniger ist manchmal mehr. Vor allem beim Gewicht.

Er schwärmt vom erstaunlich breiten nutzbaren Drehzahlband, vom spontanen und ruckfreien Ansprechen des Vierzylinders. Fast schon touristisch lässt es sich auf der Suzuki bei moderaten Drehzahlen dahinrollen, wozu nicht zuletzt die – für eine Sportlerin – recht bequeme Sitzposition und der gute Windschutz beitragen.

Bereits ab 8000/min steht wahrhaft ausreichend Leistung zur Verfügung, über 10000/min brennt der dann aggressiv brüllende Vierzylinder ein Leistungs-Feuerwerk erster Güte ab.

Dem Twin fehlen elf PS Spitzenleistung auf den Suzuki-Vierzylinder, doch diesen Nachteil egalisiert die 748 mit ihrer Leistungscharakteristik. Zwar läuft der V2 unter 3000/min etwas unwillig und tönt mechanisch so laut, dass man beinahe vermutet, beim Zusammenbau des Motors sei eine stattliche Zahl Schrauben darin vergessen worden. Doch über 3000 Touren kehrt sich das Bild komplett um.

Ein ums andere Mal nimmt die Duc der Suzuki mit kraftvollen Antritt wertvolle Meter ab, sobald deren Fahrer die Motordrehzahl zu weit in den Keller fallen lässt.

Jürgen vergleicht die knallharte, schmale Ducati mit einem Aprilia-RS 250-GP-Renner. Wie auf Schienen fährt die Italienerin um die Ecken und bügelt auch tiefe Wellen weg, will aber gleichzeitig mit viel Kraft in enge Kehren gewuchtet werden. Glänzt dafür mit ihrer besser dosierbaren und ansprechenden Bremse – und nervt beim Hineinbremsen in Kurven mit spürbarem Aufstellmoment. Auf der ebenfalls mit Pirelli Dragon Corsa bereiften Suzuki kein Problem.

Beim Fahrwerk setzt die Suzuki bei den japanischen Vertretern den neuen Standard. Ebenfalls kein Ausbund an Handlichkeit, dafür fast so stabil wie die 748. Ihre fein ansprechenden Federelemente bieten viel Rückmeldung. Zudem verzeiht die GSX-R Fehler. Auch in größerer Schräglage lässt sie Kurskorrekturen zu. Das mag die Duc überhaupt nicht. Ebenso wie Landstraßenbummelei. Da langweilt sie sich. Und malträtiert ihren Fahrer.

Sie schafft den Spagat zwischen Rennstrecke und Alltag erstaunlich gut, weshalb sie unterm Strich die Nase vor der Ducati hat. Der Verstand und der Geldbeutel sagen: Suzuki. Aber der Bauch meldet: Gönne dir einmal im Leben was Ausgewöhnliches – nimm die faszinierende Ducati 748.

Aber holla! Der ZR-7-Motor produziert Bilderbuchkurven ohne Leistungseinbrüche, mit einem breitem nutzbaren Drehzahlband zwischen 3500 und 9000/min. Aber das reicht nicht. Die SV legt sich bei Drehmoment zwar erst ab 5500/min ins Zeug, hat aber im wahren Leben trotzdem die Nase vorn. Die Drehfreudigkeit des Motors gepaart mit dem niedrigen Gesamtgewicht machen es möglich.

Bei gleicher Drehzahl hat Leistung hat die BMW mehr Leistung als die Honda. Absolut gesehen distanziert die VFR die R 1100 RS mit 16 PS Mehrleistung aber deutlich. Diese kämpft zudem bei 4000/min noch mit einem tiefen Drehmomenteinbruch. Gerade dann, wenn man die Leistung zum Überholen braucht. Zudem dreht der Motor nach oben sehr unwillig.

Erst über 10000/min kann der Vierzylinder seine Mehrleistung ausspielen, was sich jedoch nur bei extremer Gangart auswirkt. Die Stärken des V2 liegen Bereich zwischen 5000 und 8000/min, bei gleichen Drehzahlen verfügt die 748 über bis zu 20 PS mehr, was für viel gut kontrollierbarern Schub aus den Ecken heraus sorgt.

Reihen-Zweizylinder

In Fachkreisen gilt der Reihen-Zweizylinder oft als der "kleinere Bruder" des V2-Motors und wird meist als weniger spannende Alternative abgetan. Die allerdings wahrscheinlich beliebteste Ausführung des Reihen-Zweizylinders ist dank spezieller Verbauung in der BMW F800R wiederzufinden.

Zweizylinder-Reihenmotoren erzeugen einen hohen Druck und bringen mit gewöhnlich harmonischen Drehzahlverläufen und einem ruhigeren Fahrverhalten sowohl Einsteigern, als auch erfahrenen Motorradfahrern Freude beim Fahren.

Reihen-Vierzylinder

Der Reihen-Vierzylindermotor im Motorrad gilt als inoffizieller Mitbegründer der jüngeren Motorradgeschichte. Reihen-Vierzylindermotoren stehen heute im Rennsport für hohe Drehzahlen - doch auch außerhalb professioneller Rennstrecken wird dieses Motorenkonzept gerne in Bikes aller Arten verbaut und sorgt mit ikonischem Sound und Leistung für große Emotionen bei Fahrern.

Mit seinen vier Zylindern hat dieses Motorenkonzept einen merklich seidigeren Motorlauf im Vergleich zu einem Zweizylinder. Außerdem lässt sich beim Fahren leichter und schneller Leistung herausholen. Ein gutes Beispiel ist die BMW S1000RR, die mit ihren über 200 PS daherkommt.

Ein Reihen-Vierzylinder fühlt sich dafür im hohen Bereich am wohlsten. Passend dazu wirkt sich der Reihenmotor dank seiner schlanken Bauweise zusätzlich auf die Leistung des Motorrads aus, da das Bike so windschnittiger und aerodynamischer wird.

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