Wenn Du das fahrdynamische Potenzial Deines Motorrads auf öffentlichen Straßen ausgeschöpft hast, heißt die logische Konsequenz Rennstrecke! Hier gelten zwar auch Regeln, aber dennoch geht es hier um einiges schneller um die Kurven. Ganz zu schweigen davon, dass Du auf der Zielgeraden die Längsdynamik Deiner Maschine komplett ausreizen kannst.
Die ersten Schritte auf der Rennstrecke
Die erste Hürde für Neulinge ist oft die Angst vor der ungewohnt hohen Geschwindigkeit. Im Kopf sind aus Furcht einige Schranken, welche die Gasgriffstellung und die Schräglage quasi vollautomatisch beschränken. Hier hilft nur eines: Üben, üben, üben - das ganze kombiniert mit vertrauensbildenden Maßnahmen. Ziel muss es also sein, die Angst vor dem hohen Speed zu verlieren. Achtet ganz bewusst darauf, zumindest auf der Start-Zielgeraden wirklich Vollgas zu geben und im Laufe des Tages auch hohe Geschwindigkeiten zu erzielen.
Man kann den ängstlichen Geist nämlich ganz leicht überlisten, indem man einer unfehlbaren Vertrauensperson (erfahrener Instruktor) auf der Rennstrecke folgt. Beim Instruktor sollte es sich in dieser Phase um keinen Rennfahrer handeln, sondern um einen erfahrenen Instruktor der "einer von uns ist". Ziel muss es also sein, die Angst vor dem hohen Speed zu verlieren. Achtet ganz bewusst darauf, zumindest auf der Start-Zielgeraden wirklich Vollgas zu geben und im Laufe des Tages auch hohe Geschwindigkeiten zu erzielen. Ringtrainings mit Instruktoren sind zwar etwas teurer als ohne, bieten aber eben diesen Mehrwert an.
Das zweite große Ziel, welches man gemeinsam mit dem Instruktor am einfachsten erreichen sollte, ist eine passable Linie, bei der man die gesamte Rennstreckenbreite optimal ausnützt. Fährt man einen sauberen "Strich" und gibt auf den Geraden wirklich Vollgas, ist es quasi unmöglich, langsam als eine bestimmte Zeit zu fahren. Ein weiterer wesentlicher Punkt, um auf der Rennstrecke schneller und sicherer Fuß zu fassen ist, sich gleichermaßen intime mit der Fahrtechnik als auch mit der Motorradtechnik auseinander zu setzen.
Fahrtechnik und Motorradtechnik
Sitzposition, Blicktechnik, das bewusste setzen von Schalt- und Bremspunkten sind ebenso unerlässliche Ingredienzien für eine rasches Fortkommen wie Luftdruck, Auswahl der Reifen und Fahrwerks-Know-how! Ein guter Instruktor zeichnet sich hauptsächlich durch die Vermittlung eben dieser Punkte aus! Den bei Rundenzeiten auf der Ideallinie herum zurollen, braucht man keine besonderen Kenntnisse zu besitzen. Bei diesem Speed zu stürzen ist leider NICHT unmöglich aber sehr einfach vermeidbar.
Ein weiterer wesentlicher Punkt, um auf der Rennstrecke schneller und sicherer Fuß zu fassen, ist, sich gleichermaßen intime mit der Fahrtechnik als auch mit der Motorradtechnik auseinander zu setzen. Sitzposition, Blicktechnik, das bewusste setzen von Schalt- und Bremspunkten sind ebenso unerlässliche Ingredienzien für eine rasches Fortkommen wie Luftdruck, Auswahl der Reifen und Fahrwerks-Know-how!
Sicherheitsvorkehrungen
Bei unseren Bridgestone Grippartys haben Stürze in der Anfängergruppe bei niedrigem Tempo meist folgende, leicht vermeidbare, Ursachen: Technische Mängel am Motorrad, unpassende Reifen (meist bei hohen oder niedrigen Temperaturen), Konzentrationsmängel am Nachmittag durch Übermüdung, mangelnde Fitness, "Schreckbremsungen" am Kurveneingang. Letztere Stürze kann man vermeiden, indem man versucht sein Gehirn für Schrecksekunden "vorzuprogrammieren".
Also man nimmt sich fest vor (und spielt das im Geiste auch immer wieder durch), das im Falle eines vermeintlich zu hohen Kurvenspeeds am Kurveneingang keinesfalls voll in die Bremse geankert wird, sondern man einfach möglich stark umlegt. Pragmatisch betrachtet tut ein Sturz über ein wegrutschendes Vorderrad bei hoher Schräglage meistens nicht weh, ein Sturz über ein überbremstes Vorderrad bei geringerer Schräglage endet jedoch häufig mit Knochenbrüchen. In Wahrheit ist es so, dass der vermeintlich zu hohe Kurvenspeed noch lange nicht das Limit darstellt und es sich locker ausgeht.
Eine harte Schreckbremsung am Kurveneingang bedeutet fast immer Sturz, eine harte Schräglage hat jedoch gute Chancen auf ein positives Ende. Dieser Instinkt muss felsenfest in Dein Gehirn verankert werden!
Hier eine Checkliste zur Vorbereitung Deines Motorrads für die Rennstrecke:
| Nr. | Änderung | Pflicht |
|---|---|---|
| 1 | Rücklicht und Blinker abkleben/abbauen | Ja |
| 2 | Kennzeichenhalter abbauen | Ja |
| 5 | Rennreifen aufziehen | Ja |
| 7 | Öleinfüllöffnung sichern | Ja |
| 9 | Ölablassschraube sichern | Ja |
| 11 | Ölfilter sichern | Ja |
| 16 | Scheinwerfer und Blinker abkleben | Ja |
| 17 | Spiegel entfernen | Ja |
Steigerung der Rundenzeiten
In dieser Phase Deiner Rennstreckenkarriere verbesserst Du Deine Rundenzeiten am einfachsten und schnellsten über hohen Kurvenspeed. Also konzentriere dich erstmals noch nicht so sehr auf das Bremsen auf der letzten Rille und das schnelle Rausbeschleunigen. Bremse also lieber etwas früher, löse dann die Bremse und fahr mit voller Konzentration und vollen Speed durch die Kurven.
Vor allem beim Einlenkvorgang müssen 100% Deiner Konzentration einer exakten Linie und einem korrekten Einlenkpunkt gewidmet sein. Rundenzeiten von einer gewissen Zeit fahren routinierte Rennstreckenpiloten ganz locker ohne ein einziges Mal die Bremse zu berühren. Auch ich ging durch diese Schule und fuhr dutzende Runden ohne Bremse, der mir diesen hilfreichen Tipp gab.
Durch fleißiges Üben und Feinschliff an der Linie hast Du es geschafft eine bestimmte Marke zu unterschreiten. Der hohe Kurvenspeed darf Dir nun keine Angst mehr machen und ist integraler Bestandteil Deines Handelns auf der Rennstrecke. Nun gilt es die Bereiche vor und nach dem Scheitelpunkt der Kurve zu optimieren, Rollphasen zu verkürzen und die Sekunden runter zu kitzeln.
Also immer später und immer härter bremsen und Rollphasen vor dem Einlenken reduzieren. "Rollphasen?" - JA! Hobbyracer bremsen langsam, rollen dann ein wenig und lenken dann gemächlich ein. Niemand verlangt von Dir mit Vollgas aus dem Scheitel zu kommen aber mindestens 5% Gasgriffstellung sind nun absolute Pflicht sobald Du die Bremse gelöst hast. Das ist vor allem bei hubraumstarken Bikes mit hoher Motorbremswirkung nötig.
In dieser Phase ist es nun nicht bloß wichtig, dass Du das richtige Material sondern auch die richtige Fitness zu bieten hast. Vergiss das Training der Unterarme, die Krämpfe werden dadurch nur verstärkt, sondern trainiere Rücken, Bauch und mach Cardioeinheiten für die Ausdauer. In dieser Phase ist es auch ausgesprochen hilfreich an Rennen teilzunehmen.
Das richtige Material und Fahrwerk
Beim Material ist es so, dass mit einigen Motorrädern (alte Supersportler oder auch moderne Nakedbikes mit lausigem Fahrwerk) eine gewisse Rundenzeit schon eine echte Hürde darstellen. Klar gibt es Heldentaten von Rennfahrern die mit alten ausgelutschten Bikes oder serienmäßigen Nakeds grandiose Rundenzeiten erreichten, doch diese Heldentaten haben mehrere Haken. Möchtest Du also ohne Risiko eine bestimmte Zeit erreichen, gelingt das nur mit ordentlichen Material.
Bei den Reifen sollten es daher Slicks oder profilierte Racingpneus sein. Klar schaffen moderne Supersportreifen wie ein S20 von Bridgestone auch schnelle Zeiten, aber eben nicht mit der für uns Hobbyfahrer nötigen Sicherheitsreserve für Fahrfehler. Achte in dieser Phase immer darauf, dass Deine Reifen in Ordnung sind und auch ordnungsgemäß auf Temperatur gehalten werden (z.B. mit Reifenwärmer).
Auch beim Fahrwerk machen nun erste Investitionen Sinn. Vor allem dann, wenn Deine Mühle alt oder / und Du groß und stark bist. Meistens geht man sinnvollerweise in folgender Reihenfolge vor: Gabelfedern / Öl vorne, Federbein hinten, kleiner Gabelumbau vorne, Komplettumbau Gabel vorne. Wobei es das wichtigste bei allen Änderungen/Umbauten am Fahrwerk ist, dass man auch versteht was zum einen passiert und man zum anderen tut.
Risikomanagement und Strategie
In dieser Phase ist es nun leider nötig das Risiko ein klein wenig zu steigern. Denn jetzt beginnen wir am Kurvenausgang früher ans Gas zu gehen, was in weiterer Folge die Gefahr eines "Highsiders" erhöht. Erst mal müssen die obigen Punkte sitzen. Also Bremspunkte spät, Linie OK und Kurvenspeed am Scheitel in Ordnung. Nun geht es darum die schnellen Passagen (hauptsächlich die Geraden) mit möglichst viel Eingangspeed zu fahren.
Einige Sektionen müssen nun strategisch angegangen werden, also langsame Kurven werden den schnellen Kurven / Passagen "geopfert". Ein Beispiel? Die lange Gerade zur Hauskurve möchte man mit möglichst viel Speed fahren, da auf einer langen und schnellen Geraden viel Zeit gut gemacht werde kann - wenn man einen höheren Eingangspeed hat. Also in der Kurvenpassage dafür die eigentliche Ideallinie für diese Kurve verlassen und alles darauf auslegen möglichst früh für die lange Gerade ans Gas geben zu können.
Kommt man mit hier durch Optimierung um 5 km/h schneller aus der letzten Kurve, nimmt man dieses Plus an Speed über die gesamte Zielgerade mit, was wertvolle und relativ leicht verdiente Zeit bringt. Wer hier auf der letzten Rille irgendwie in die Kurve eiert braucht möglicherweise bis zum Kurvenausgang um die Fuhre auf Kurs zu bringen und ans Gas gehen zu können. Der Zeitverlust auf der gesamten Geraden ist dann wesentlich höher als der Zeitengewinn am Kurveneingang davor.
Nun ist auch eine gute Gelegenheit einen erfahrenen Rennfahrer für den Feinschliff zu konsultieren. Denn dies...
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