Die Individualisierung durch Blinkerumrüstung ist in den letzten 15 Jahren ein großes Thema geworden. Mini-Blinker sind die Nummer eins der Umbau-Hitparade. Praktische Gründe zur Umrüstung gibt’s nur selten. Aber ein überzeugendes Argument wiegt schwer: Die Kleinteile sehen einfach sehr viel besser aus. Was beim Anbau zu beachten ist, steht in dieser Geschichte.
Auswahl der richtigen Blinker
Für jeden Maschinentyp gibt’s Nachrüstblinker in verschiedenen Ausführungen: klein, größer, rund, flach, spitz, eckig, länglich, knubbelig oder sonst noch was. Seit einiger Zeit bieten auch viele markengebundene Motorradhändler Blinker-Markenzubehör an, die an ihre Maschinen passen. Was den Vorteil hat, dass man beim Markenhändler vorab mal nachfragen kann, was es für die und die Maschine passend gibt und was es kostet (!!).
Doch egal, ob Edel-, Discount- oder Originalzubehör-Teil: Es gilt, ein paar grundsätzliche Dinge bei Beschaffung und Anbau zu berücksichtigen. Mechanisches und elektrisches Zubehör, passendes Zubehör und richtiges Werkzeug sind wichtig.
Worauf sollte man achten?
- Universelle Montage: In fast allen Fällen sind die auf dem Markt erhältlichen Motorradblinker für fast jedes Motorrad /Quad / ATV wie auch Roller verwendbar. Bei 90 % der Angebote handelt es sich um universale Blinker.
- E-Zulassung: LED Miniblinker wie auch Halogen Motorrad Miniblinker müssen in Deutschland über eine E-Zulassung verfügen.
- Verwendung: verwendbar für vorn / hinten
- Lieferumfang: Lieferung erfolgt paarweise oder ggf. Stückpreis
Mechanische Aspekte
Schauen Sie sich genau an, wie die serienmäßigen Blinker befestigt sind. Die neuen Blinker sind meist mit M8- oder M10-Gewindestücken ausgestattet, während die alten Blinker entweder mit stabilen Klick-Steck-Halterungen oder irgendwie anders mit vibrationsabsorbierenden Gummiplättchen und Formteilen in großen, oft rechteckigen Bohrungen befestigt sind.
Für die neuen Blinker können Sie generell keine Befestigungsteile der bisherigen Blinker verwenden. Es gibt so genannte „Spacer“, das sind Zwischenteile in entsprechender, zum alten „Loch“ in der serienmäßigen Verkleidung, Lampen- oder Nummernschildhalterung passender Form. Spacer sind paarweise erhältlich; hinten auf der Packung steht, für welches Modell und welches Modelljahr sie passen.
Auch brauchen Sie Verbindungskabel: und zwar von den Steckern, die am Kabelbaum befestigt sind, zu den neuen Blinkern. Dazu gibt es Zwischenstücke („Adapter“). NICHT DIE STECKER AM BORDEIGENEN KABEL ABZWICKEN - wir wissen ja, was weg ist, ist weg...Weil die Steckerchen meistens in Kunststofftüllen sitzen und ziemlich fest packen sollen, testen Sie VOR dem Zusammenstecken der Steckerteile („Vater“ heißt der Stecker, „Mutter“ die Steckdose), ob die Kabelenden auch wirklich fest mit Vater und/oder Mutter verpresst sind: Anschauen und etwas dran ziehen schafft Klarheit. Wenn zu lose, mit einer speziellen „Steckerzange“ nachquetschen.
Elektrische Aspekte
Gern vergessen: Ohne passendes Relais und/oder Widerstände funktioniert wenig bis gar nichts. Jetzt kommen wir zu zwei entscheidenden Bauteilen, die beim Einkauf von Nachrüstblinkern meist „vergessen“ werden.
Blinkrelais
Sie wissen nicht, welches Blinkrelais eingebaut ist? Nachsehen im Fahrzeughandbuch, Markenhändler fragen oder das Blinkrelais selbst suchen, wo es eingebaut ist. Je nach Art des Blinkrelais gibt es solche mit zwei oder drei Anschlusssteckern. Auf dem Gehäuse ist der Typ aufgedruckt. Je nach Art und Typ der neuen Blinker ist es ziemlich wahrscheinlich, dass das serienmäßige Blinkrelais gegen ein spezielles ausgewechselt werden muss. Ganz kritisch wird es bei neuen Maschinen, die ein vollelektronisches Cockpit haben, bei dem das Blinkrelais fester Elektronikbestandteil der Innereien ist, also kein extra Bauteil.
Es soll bei neuen, mit Elektronik vollgestopften Maschinen schon vorgekommen sein, dass beim ersten Test von Nachrüstblinkern die komplette Instrumentenmimik hochgegangen ist. Das dann benötigte Ersatzteil (bzw. das komplette Cockpit) kann durchaus in der Preislage 1000 oder mehr Euro liegen - die schöne neue Computerzeit und die neuen BMWs, Harleys und Ducatis mit Can-Bus-Elektronik bzw. Single-Wire-System lassen grüßen.
Widerstände
Wenn die serienmäßigen Blinker mit 10-Watt-Lampen bestückt sind, die Wunschblinker aber nur 6 oder 4,3 Watt (LED) haben, dann ist der Blinkrhythmus zu schnell. Es müssen dann pro Blinker entsprechende Widerstände in die Kabel zwischen den Steckern am Kabelbaum und am Blinkerkabel eingebaut werden. Wichtig: Wenn die Blinker blinken, werden diese Widerstände warm. Deswegen sollen sie nicht in direktem Kontakt zu Kunststoffteilen angebaut werden, sondern möglichst mit entsprechendem Freiraum.
Anschlusshilfe
WARNUNGEN:
- Vor der Installation muss die Zündung ausgeschaltet sein.
- Niemals direkt in die LED Blinker schauen, solange diese leuchten. Dies kann Augenschäden zur Folge haben!
Anschluss von Motorrad Led Miniblinker oder LED Blinker-/Rücklicht-Kombinationen
- ANSCHLUSS LED Blinker mit 2 KABEL: Anschluss des Blinkers wie folgt: (nur 12V DC)
- Gelbes Kabel / Graues Kabel = Blinker (+)
- Schwarzes Kabel = Blinker = Masse
- ANSCHLUSS LED Blinker mit Rücklicht 5 KABEL: (Je nach Hersteller können die Farben der Anschlusskabel auch abweichen.) Anschluss des Rücklichts wie folgt: (nur 12V DC)
- Rotes Kabel = Bremslicht (+)
- Gelbes Kabel = Fahrlicht (+)
- Schwarzes Kabel = Masse (-)
- Blaues Kabel = Blinker (+)
- Weißes Kabel = Masse (-)
- ANSCHLUSS LED Blinker mit Rücklicht mit 4 KABEL: Anschluss des Rücklichts wie folgt: (nur 12V DC)
- Rotes Kabel = Bremslicht (+)
- Gelbes Kabel = Fahrlicht (+)
- Schwarzes Kabel = Masse (-) & Blinker = Masse
- Blaues Kabel = Blinker (+)
Sollte die Blinkerfrequenz zu hoch sein, müssen entweder parallel Widerstände zwischen Blinker und Kabelbaum angeschlossen oder ein lastunabhängiges Blinkrelais im Bordnetz eingebaut werden.
Erster Test
Stichwort: „Vorher probieren!“ Noch haben wir die alten Blinker nicht abgebaut. Stattdessen: Zugang zur Fahrzeugbatterie schaffen. Ihre Anschlüsse freilegen (aber nicht abschrauben!). Die Kabel der neuen Blinker mit den zwischengeschalteten Widerständen mal an die Batteriepole anlegen (Rot ist „Plus“, Schwarz ist „Minus“) und schauen, ob sie leuchten. Das nennt man Funktionskontrolle. Die Zündung braucht man dazu nicht einschalten.
Jetzt nach den Steckern der serienmäßigen Blinker suchen: Am besten hinten, da ist am wenigsten zu schrauben, man kommt meist durch Abnehmen der Sitzbank an die Stecker. Stecker eines Blinkers auseinanderziehen und nun die neuen Teile anschließen: Adapter, Widerstand, Blinker. Dann Zündung EINschalten, Blinker betätigen und gucken: Der neue hintere Blinker muss im Rhythmus des vorderen blinken; die eine Seite mit dem alten und dem neuen Blinker muss genauso schnell blinken wie die andere Seite mit den beiden alten Blinkern. Wenn die neue Seite es nicht tut, muss man nach dem Zusatzwiderstand schauen und einen passenden einbauen.
Montage
Jetzt wird endlich richtig geschraubt - wenn alle vier neuen Blinker durchgecheckt sind, ihre Stecker fest sitzen und alle Teile vorhanden sind. Bis die alten Blinker abgebaut und die neuen angebaut sind, dauert es zwischen eineinhalb und vier Stunden, weil bei verkleideten Maschinen die Verkleidungsteile abgebaut werden müssen.
Vor dem Abbau der alten Blinker schauen Sie sich deren Befestigung an; bei älteren Maschinen sind sie geschraubt, bei neuen aber gesteckt und irgendwie ineinander verkeilt. NICHT grob herumwerken! Zuerst das Hirn und dann aber auch gutes Werkzeug benutzen!
Die Kabel der neuen Blinker sollten mit Schrumpfschlauch überzogen werden. Das ist bei Kraftfahrzeugelektrikern nicht nur üblich, sondern mit Schrumpfschlauch zusammengefasste und somit gesicherte Kabel sind auch geschützt gegen Scheuern und Knicken.
Beim Anbau der neuen Blinker bitte sicherstellen, dass sich die Verschraubungen später im Betrieb nicht lösen können: Entweder Scheibe und Federscheibe („Sprengring“) unterlegen und/oder einen Tropfen Loctite „mittelfest“ ans Gewinde geben. Beim Festziehen der Muttern den Blinker außen in der endgültigen Anbauposition halten und die Mutter dann mit Gefühl festziehen, nicht „bombenfest“, es ist kein Kranhaken, der hier montiert wird, sondern ein sehr filigranes Bauteil.
Bei der Verlegung der Kabel ist es sehr wichtig, dass jedes Kabel ohne Zug verlegt wird, es muss „in sich lose“ liegen. Aber auch wieder nicht zu lose und schon gar nicht darf es Kontakt haben zu sich bewegenden mechanischen Bauteilen (Kupplungshebel unten am Motor, Gaszug am Drosselklappengehäuse, Federbeinumlenkung, etc.) oder gar an Bauteilen anliegen, die heiß werden (Auspuffkrümmer, Motorgehäuse, Zylinderkopf), sonst besteht die Gefahr des Verbrennens.
Finish
Blinken, schauen, freuen. Wenn’s gefällt, haben sich Geldausgabe und Arbeit gelohnt, der Besitzer darf stolz sein.
Grundlegendes zu Motorrad Miniblinker Zulassung
LED Miniblinker wie auch Halogen Motorrad Miniblinker müssen in Deutschland über eine E-Zulassung verfügen. Dabei gilt es auch die Kennziffern zu beachten, wie z. B. 11 /12. Diese Ziffern geben an, ob der Motorradblinker für vorn oder hinten oder ggf. für beides zugelassen ist. Die E-Nr. im Kreis gibt an, in welchen EU Land die Zulassung erteilt wurde.
Die Sache mit dem Blinkerrelais
Es gibt natürlich eine Vielzahl an Blinkerrelais auf dem Markt von 2 Polig bis hin zu 7 Poligen Blinkerrelais wie bei Suzuki Modellen. Jedoch nicht nur in der Anzahl der Pole unterscheiden sich diese Relais, sondern auch in der Leistung, ob nun z. B. von 1-10W oder 1-100 Watt oder sogar 1-150W.
Wieviel Watt muss das Relais maximal haben?
Die Frage ist ganz einfach zu beantworten: Es wird der maximale Verbrauch aller Blinker inkl. Blinkerkontrolleuchte benötigt.
Nachfolgend ein paar Beispiele (ohne Leistung der Blinkerkontrolleuche, die in der Regel 1-2W hat):
- Version: Wenn ich 4 mal 21W Blinker verbaut habe, haben diese gesamt schon 84W Verbrauch.
- Version: Wenn ich 4 mal 1W LED Blinker verbaut habe, haben diese gesamt nur 4W Verbrauch.
- Version: Wenn ich 2 mal 1W LED Blinker und 2 Original 21W Blinker verbaut habe, haben diese gesamt 44W Verbrauch.
Welches Relais mit welcher Leistung benötigt wird, hängt also von der verwendeten Kombination ab. Mit 1-100W Blinkerrelais ist man aber meist schon immer auf der sicheren Seite auch für spätere Veränderungen der Blinker.
Motorrad Blinkerrelais Pol Bezeichnungen:
Es gibt in Deutschland zum einen die Bezeichnungen der Pole mit:
- 49 - Batterie +
- 49a - Blinkerschalter
- 31 - Masse
Die internationale Bezeichnung ist dagegen:
- B - Battery +
- L - Light (Blinkerschalter)
- E - Earth
Auch wenn die Blinkerrelais Bezeichnungen unterschiedlich sind, ist auch hier die Funktion völlig identisch.
Wo sitzt mein Blinkerrelais am Motorrad?
Viele haben auch noch immer das Problem, dass bei einem Wechsel auf neue LED BLinker auch das Blinkerrelais gegen ein LED bzw. Lastunabhängiges getauscht werden muss, wenn keine Widerstände verwendet werden.
Aber wie finde ich das Blinkerrelais am Motorrad? Zum einen steht meist auf dem Original Relais 12V 4 x 21 Bulb, aber viele alte Blinkerrelais kann man auch mit dem Gehör bzw. Fühlen finden.
Früher waren vor allem das mechanische Relais mit einem Bimetallschalter verbaut, diese machen ein typisches Klick / Klack Geräuch beim Betätigen vom Blinkerschalter.
Wenn man also den Blinker betätigt, kann man in einer leisen Umgebung das klackernde Geräusch hören und wenn man dann nicht sicher ist, kann man das mechanische Arbeiten vom Relais sogar spüren, wenn man den Finger auf das Relais legt.
Schraubertipp zum Thema Beleuchtung
Egal ob Scheinwerfer, Blinker oder Rückleuchten - bei jedem An- und Umbau gibt es einiges zu beachten, damit es nicht nur wunschgemäß strahlt, sondern die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden.
Der An- oder Umbau von Lampen und Leuchten erfordert zumindest rudimentäre Elektrik-Grundkenntnisse. Neben diesem eigentlich unverzichtbaren Vorwissen gibt es ein paar wichtige Regeln, die man beachten sollte. Im Rahmen von Umbauten (zum Beispiel wenn die serienmäßig montierten Stecker nicht passen) keinesfalls den Kabelbaum zerschneiden, sondern besser Adapter besorgen beziehungsweise selber machen und verbauen.
Die entsprechenden Stecker kann man im Zubehör (etwa Japan-Stecker) besorgen und mit einer passenden Crimpzange sorgfältig festpressen. Wenn es der Platz erlaubt, arbeite ich gern mit den soliden und wasserdichten AMP-Steckern. So lassen sich Fehlerquellen vermeiden, und das Ganze bleibt auch rückbaufähig.
Beim Verlegen zusätzlicher Kabel auf eine vernünftige Führung achten (Scheuerstellen vermeiden!) sowie Kontakte ordentlich isolieren. Im Lenkerbereich dürfen die Kabel auch bei vollem Lenkeinschlag nicht gespannt oder eingeklemmt werden.
Zusätzliche Verbraucher schließt man weder direkt an der Batterie an noch an vorhandene stromführende Kabel, sondern schaltet sie möglichst über ein zusätzliches Relais und eine passende Sicherung.
Zugelassene Bauteile mit E-Zeichen müssen nicht eingetragen werden, sofern man die ursprüngliche Anbaulage beibehält beziehungsweise die Anbauvorschriften (EU- bzw. StVO-Zulassung) erfüllt.
Bei der Auswahl der neuen Komponenten auf Qualität achten und Foren als Informationsquelle nutzen.
LED Blinker TÜV konform montieren
Folgendes solltest du bei der Montage deiner LED Blinker beachten, um Stress mit dem TÜV oder der Polizei zu vermeiden:
- Die Blinkfrequenz muss 90 Takte (±30) pro Minute betragen.
- Blinker für vorn sind mit Kennzahl 1, 1a, 1b oder 11 gekennzeichnet.
- Blinker für hinten mit der Kennzahl 2, 2a, 2b oder 12.
Die meisten Blinker sind für den Front- und Heckanbau ausgelegt und haben zwei Kennzahlen.
Sollte das Motorrad nach EG-Recht zugelassen sein (das trifft bei fast allen Motorrädern ab Baujahr 1998 zu), gelten folgende Maße: Abstand der hinteren Blinker zueinander mindestens 180 mm, der Abstand der vorderen Blinker muß mindestens 240 mm betragen. Bei der Höhe von der Fahrbahn muss man vorn und hinten 350 bis 1200 mm einhalten.
Für ältere Bikes die vor 1998 zugelassen wurden, gilt ein Abstand hinten von mindestens 240 mm, vorn müssen mindestens 340 mm bei je 100 mm Abstand zum Scheinwerfer beachtet werden. Die Mindesthöhe zur Fahrbahn beträgt hier 350 mm.
Werkzeug und Material für den Umbau
- Crimpzange
- ggf. Universal LED Blinkrelais
- Hochwertige Kabelverbinder
- Schrumpfschlauch
- Scheibe und Federscheibe („Sprengring“)
- Loctite „mittelfest“
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