Motorradhandschuhe Herren Chopper Test: Sicherheit und Komfort im Fokus

Motorradhandschuhe gehören wie Helme, robuste Stiefel oder Schuhe mit Protektoren zur persönlichen Schutzkleidung. Sie zeichnen sich durch abriebfeste Materialien aus Kunstfasern und/oder Leder mit aufgesetzten oder eingearbeiteten Protektoren an besonders gefährdeten Bereichen wie der Handkante oder den Fingerknöcheln aus. Ob sie mit kurzer oder langer Stulpe und mit oder ohne atmungsaktive sowie wasserdichter Membran ausgerüstet sind, ist Geschmackssache und hängt vom individuellen Einsatzzweck ab.

Die Modellvielfalt ist groß und reicht vom leichten und knapp geschnittenen Handschuh für Offroad-Fahrten hin zum dick gepolsterten und wasserdichten Winterhandschuh. Die Hände sollen weder zu warm noch zu kalt werden - etwas Futter und Membran bedeutet aber zusätzliches Material. Gleichzeitig soll ein möglichst enger Sitz mit Bewegungsspielraum und guter Fingerfertigkeit für die Bedienung aller Hebel und Schalter am Lenker gegeben sein.

Zudem sollte das Navigationsgerät zumindest rudimentär bedienbar sein, ohne die Handschuhe ausziehen zu müssen. Viele klassische Motorräder verfügen über vergleichsweise wenige, aber oft kleine Schalter und Taster an den Griffarmaturen. Moderne Motorräder sind häufig mit einer Vielzahl von Steuerungselementen zum Drücken, Drehen und Schieben ausgestattet.

Wenn sich diese Filigranarbeit nur ungefähr erledigen lässt, weil die Fingerkuppen der Motorradhandschuhe dick und wulstig ausgeführt sind, kann es zu gefährlichen Fehlbedienungen kommen. Doch nicht nur die sicherheitsrelevante Bedienung leidet unter dick ausgeführten Fingerkuppen. Auch die Schaltflächen auf Displays von Navigationsgeräten sind manchmal für üppige Handschuhe zu klein.

Noch kniffliger wird es bei der Bedienung der Routen-App auf dem Smartphone: Die ist selbst mit knapp und eng geschnittenen Fingerkuppen kaum zielsicher zu bewerkstelligen.

Materialien und Schutz

Ob die Motorradhandschuhe aus (verstärktem) Textilgewebe oder Leder gefertigt sein sollten, ist Geschmackssache. Beide Materialien haben individuelle Vor- und Nachteile: Gutes und nicht zu dünnes (Ziegen-) Leder bietet im Prinzip den besseren Schutz, weil es bei Rutschern nicht so schnell durchscheuert. Dafür ist die Atmungsaktivität von Textilmaterialien besser.

Standard ist bei geprüften Motorradhandschuhen die Kennung „EN 13594:2015“. Nach dieser Prüfung werden zum Beispiel Verstellsystem, Reißfestigkeit, Nahtstärke, Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit, Fingerfertigkeit und Knöchelprotektoren zertifiziert. Die Schutz- und Pufferzone beim Motorradfahren ist minimal, insbesondere die Hände sind bei einem Sturz exponiert und verletzungsanfällig.

Als Knöchelschutz beispielsweise haben sich ergonomisch geformte Hartschalen gegenüber schlagdämpfendem, aber weichem Material durchgesetzt. Die harten Protektoren sollten allerdings nicht zu schmal auf dem Handrücken ausfallen, weil der Tragekomfort bei geballter Hand ansonsten leiden kann. Gute Handschuhe sind zudem auf der Innenseite an der Handkante mit aufgesetzten (gepolsterten) Lederstücken oder eingearbeiteten Kunststoffprotektoren ausgerüstet.

Damit soll die Hand beim reflexhaften Abstützen möglichst unbeschadet bleiben. Bereits beim Anziehen hilft eine ausgeformte Lasche - insbesondere bei Modellen mit kurzer Stulpe - den Handschuh überzustreifen ohne dabei abzurutschen. Wenn der Hersteller auf dem Handrücken, an Fingergelenken und besonders am Daumen Stretcheinsätze verarbeitet hat, kommt das dem Tragekomfort sehr zugute.

Gleichzeitig muss der Motorradhandschuh stramm und eng an der Hand anliegen und der Schnitt ausgewogen sein. Gerade das ist allerdings bei der Vielzahl an anatomischen Variablen ein großes Kunststück, das nicht bei jedem Modell gelingt.

Passform und Komfort

Wenn der Handschuh entsprechender Größe über die gestreckte Hand gezogen wird, passt er meistens recht ordentlich. Beim Griff um die Lenkerenden kommt es jedoch oft zur Faltenbildung in der Handinnenfläche, wenn das Material dort zu großzügig verarbeitet wurde. Ein indirektes oder unbequemes Griffgefühl ist dann die Folge - sogar Druckstellen können sich bilden.

Bei der Anprobe sollte deshalb insbesondere diese Handstellung gecheckt werden. Nicht nur die Materialmenge, auch die Griffigkeit von Materialkombinationen der Handinnenfläche ist wichtig. Denn der Lenker und insbesondere der Gasgriff müssen immer sicher geführt werden können.

Bei etwas dicker gepolsterten Handschuhen ist es wichtig, dass die Finger im Schnitt deutlich vorgekrümmt sind und man beim Griff um den Lenker nicht gegen einen Widerstand fassen muss. Beim Ausziehen leger gefütterter Motorradhandschuhe (und spezieller Membrantechnologie) von der leicht schwitzigen Hand kommt es nicht selten zu dem lästigen Phänomen, dass das Futter mit herausgezogen wird. Der Handschuh lässt sich dann kaum wieder anziehen, weil auch die Finger der Innenlage nicht mehr da sind, wo sie sein sollten.

Details, die den Unterschied machen

Bei andauerndem Regen oder starker Gischt in der Luft ist die Sicht durch das Visier schnell dahin. Insbesondere im Dunkeln, wenn sich Lichter zigfach in den Tropfen auf der Kunststoffscheibe brechen, ist die Sicherheit gefährdet. Die reflexartige Wischbewegung mit der linken Handinnenfläche für bessere - leider oft verschmierter - Sicht lässt sich eleganter und effektiver erledigen: Mit einem kleinen und nicht zu weichen Gummistreifen am linken Zeigefinger des Handschuhs funktioniert die Schnellreinigung mit dem Visierwischer relativ gut.

Mindestens ebenso sicherheitsrelevant sind gut greifbare und gut schließende Klettriegel an den Stulpen. Zwei sind besser als einer, wobei kurze Stulpen oft nur Platz für einen Klettverschluss bieten. Auch sollte das Material der Stulpe nicht zu weich und dehnbar sein, sonst können die Handschuhe trotz Verschlussriegel beim Rutschen über den Asphalt abgestreift werden.

Testberichte und Beispiele

Büse Open Road Touring

Der Büse Open Road Touring ist beinahe rundum perfekt gelungen. Er wird mit langer Stulpe durch zwei Klettriegel sicher fixiert. Die Passform ist für die Testhände beidseits sehr gut. Trotz Fütterung konnte der Hersteller die Fingerfertigkeit erhalten. Blinker, Lichtschalter und Hupe lassen sich gut ertasten - die Schaltflächen des Navigationsgerätes zielsicher betätigen. Auch das Smartphone-Display (ohne Schutzfolie) reagiert auf Berührung. Die Beweglichkeit von Fingern und der gesamten Hand ist ausgezeichnet. Hebel sind gut erreichbar und lassen sich ermüdungsfrei bedienen und unter der Dusche zeigt der „Open Road“ eine Stärke und bleibt dicht.

Held Bilbao WP

Der Held Bilbao WP greift nur knapp am Testsieg vorbei. Der Motorradhandschuh Held Bilbao WP passt wie angegossen. Schnitt, Proportionen und Stretch-Einsätze an den Fingern ergeben eine perfekte Passform, die Beweglichkeit am Lenker und während der Fahrt ist uneingeschränkt. Die Fingerfertigkeit ist sehr gut, auch die Bedienung vom Navi sowie dem Smartphone läuft zuverlässig. Bei der Ausstattung punktet der Handschuh mit einer Lasche am Bündchen und einem Visierwischer.

Zwei Dinge haben uns weniger gefallen: So ist das Bündchen lediglich mit einem Klettriegel versehen und in Kombination mit dem dehnbaren Material in dem Bereich lässt sich der Handschuh selbst bei eng geschlossenem Riegel mit mäßiger Kraft von der Hand ziehen.

Richa Nasa 2

Trotz kleiner Unzulänglichkeiten gibt der Richa Nasa 2 ein gutes Gesamtbild ab. Ein Regenguss kann dem günstigen und wasserdichten Richa Nasa 2 nichts anhaben. Und wenn Regen auf dem Visier getrübte Aussichten bringt, hilft der Gummiwischer am linken Zeigefinger. Mit zwei Riegeln lässt sich der Handschuh sicher fixieren und der breite und harte Knöchelschutz ist vertrauenserweckend.

Gedoppeltes Material in der Handinnenfläche soll Durchscheuern verhindern. Die Fingerfertigkeit an Schaltern und Armaturen ist sehr fein. An der Bedienung der Navigationselektronik ist kaum etwas auszusetzen, lediglich das Smartphone mit Schutzfolie will nicht auf Befehle reagieren. Der Handschuh mit langer Stulpe ist nur leicht gefüttert und eher für wärmere Tage geeignet.

Weitere getestete Modelle

Weitere getestete Modelle umfassen den Spidi Rainwarrior H2Out und den Alpinestars Drystar XF, die beide im Dichtigkeitstest Schwächen zeigten. Der Pharao Quebec WP hingegen erwies sich als wasserdicht.

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