Motorradfahren zählt wohl zu den schönsten Hobbies der Welt. Besonders im Frühling, wenn es wieder wärmer wird, freuen sich die meisten Biker schon auf die erste Ausfahrt mit dem Motorrad nach dem Winter. Als Motorradfahrer ist man, anders als etwa ein Autofahrer, erhöhten Gefahren ausgesetzt. Nicht nur lebenswichtige Schutzausrüstung, sondern auch stylisches Accessoire für Biker ist der Motorradhelm. Die speziell fürs Fahren mit dem Motorrad entwickelten Helme sollen den Körper doppelt schützen.
Bereits seit 1976 besteht in Deutschland für Kraftradfahrer eine Helmpflicht. Das Tragen eines Motorradhelmes verringert laut aktuellen Studien die Rate an Schädel-Hirn-Traumata um mehr als 70%. Gemäß 21a Abs. 2 StVO müssen Fahrer und Mitfahrer von Krafträdern mit einer Höchstgeschwindigkeit über 20 km/h einen "geeigneten Schutzhelm" tragen. Die Auswahl verschiedener Helmarten am Markt ist groß. Die Entscheidung wird durch die große Auswahl erschwert. Die einzelnen Helmtypen haben ihre individuellen Vor- und Nachteile sowie ihre ganz besonderen Charakteristika, welche jeder Fahrer entsprechend seinen Fahrgewohnheiten in die Kaufentscheidung miteinbeziehen sollte.
Die verschiedenen Helmtypen im Überblick
Motorradhelme werden in verschiedenen Bauarten angeboten. Hier ist ein Überblick über die gängigsten Formen:
- Integralhelm (Full Face Helmet): Klassische Bauform mit festem Kinnbügel, Kopf immer vollständig umschlossen, hat unter Motorradhelmen den größten Marktanteil.
- Klapphelm (Flip Up Helmet): Wie geschlossener Integralhelm, aber mit hochklappbarem Kinnbügel, Kopf nur mit heruntergeklapptem Kinnteil vollständig umschlossen.
- Crosshelm (Off Road Helmet): Geschlossen wie klassischer Integralhelm, meistens ohne Visier, alternativ Crossbrille erforderlich, mit Helmschirm.
- Jethelm (Open Face Helmet): Helm ohne Gesichtsschutz, Kopf nicht vollständig umschlossen, Gesicht frei, wird überwiegend von Rollerfahrern und Fahrern von Retro- und Classic-Bikes genutzt.
- Modularhelm (Crossover Helmet): Bauform kann den Anforderungen entsprechend variiert werden, Kopf wird entweder vollständig oder nur teilweise umschlossen, hat nur geringen Marktanteil.
- Brain-Caps: Einfache Kunststoffschale mit Kinnriemen, ohne ECE-Prüfung, niedriges Schutzpotenzial, einige Bereiche des Kopfes unbedeckt, nur für Show-Zwecke geeignet, erfüllt die Anforderungen der StVO nicht.
Integralhelm
Mit ihrer festen Kinnpartie und verschließbarem Visier bieten sie aufgrund ihrer Bauart den bestmöglichen Schutz für Motorradfahrer. Sie zählen wohl seit den 1970ern zur verbreitetsten Helmform in Deutschland, nachdem sie den offenen Helm als Standardhelm ablösten. Ihr Kopf- und Kinnschutz fühlt sich an als wäre er aus einem Guss. Nicht nur aus diesem Grund werden die Integralhelme auch als Vollvisierhelme bezeichnet. Breites Einsatzspektrum von Alltagsfahrten bis hin zur Rennstrecke. Die Helmart der Wahl für Tourenfahrer und besonders sicherheitsbewußte Motorradfahrer ist der Integralhelm.
Vorteile: Beste Sicherheit, weil aus einem Guss, Fahrtwindgeräusche sind daher am leichtesten gering zu halten.
Nachteile: Kann ein beengtes Tragegefühl vermitteln, Auf- und Absetzen bisweilen mühsam, vor allem für Brillenträger.
Klapphelm
Der Typus Klapphelm ist eine Variation des Integralhelmes. Bei ihnen lässt sich die Kinnpartie hochklappen. Universell einsetzbar und besonders passend für Brillenträger. Tourenfahrer schwören auf diesen Helmtypen.
Vorteile: Einfach praktisch, vor allem für Brillenträger.
Nachteile: Oft schwerer als ein nicht klappbarer Integralhelm, beim Kinnaufprall je nach Qualität des Verschlusses mit leichten Einschränkungen in der Schutzwirkung.
Jethelm
Jethelme sind offene Helme ohne Kinnteil. Lange Zeit galten sie als unmodern und wurden aufgrund des stetig steigenden Sicherheitsbewusstseins mehr und mehr von anderen Helmtypen verdrängt. Doch in den letzten Jahren ließen besonders Retro-Fans diesen Helm-Klassiker wiederaufleben. Stilecht werden die Halbschalenhelme mit (Retro-)Brille getragen, oft praktischer ist allerdings ein angebrachtes Visier. Beliebt bei Besitzern von City-Rollern und im Sommer.
Vorteile: Der Jethelm bietet ein subjektiv "freieres" Fahrgefühl, ein intensiveres Fahrerlebnis schon bei niedriger Geschwindigkeit, mehr Luft, großes Sichtfeld, relativ niedriges Gewicht.
Nachteile: Größtes Manko eines Jethelms ist der fehlende Kinn- und Gesichtsschutz. Hinzu kommt, dass sie - gerade mit Motorradbrille - schon mal recht laut sein können.
Crosshelm und Endurohelm
Wer öfters im Gelände unterwegs ist, braucht etwas Sportlicheres. Crosshelme und Endurohelme eignen sich hierfür besonders gut. Mit ihrer leichten Bauweise und dem fehlenden Visier zur besseren Belüftung sind sie wie gemacht für den sportlichen Einsatz abseits der Straße. Aufgrund des fehlenden Visiers sollten Enduristen bei der Fahrt eine Schutzbrille tragen. Enduro- oder Crosshelme mit Visier sind eher eine Seltenheit. Für sportliche Fahrer mit Ambitionen im Gelände.
Vorteile: Hervorragende Belüftung, unverzichtbar bei Anstrengungen im Gelände. In Dreck, Staub und Schlamm der Lösung mit Visier überlegen.
Nachteile: Schlechter Schutz bei Regen und Kälte, Gesicht wird nass. Häufig hohes Geräuschniveau. Umständlich anzuziehen. Bei hohem Tempo erhöhter Druck auf die Nackenmuskulatur durch schlechte Aerodynamik.
Modularhelm (Hybridhelm)
Die Multihelme werden auch Modularhelme oder Hybridhelme genannt. Sie verfügen über verschiedene Umbaumöglichkeiten, wodurch sie auch als Integralhelme oder Jethelme verwendet werden können. Modularhelme sind transformierbar indem das Kinnteil und das Visier an- und abklickbar sind. Durch die Wahlfreiheit bzw. Umbauvariante lassen sich die Helme flexibel für verschiedene Fahrsituationen anpassen. Für alle, die flexibel sein möchten und neben Stadtfahrten auch längere Ausfahrten mit höheren Geschwindigkeiten planen.
Wichtige Aspekte beim Helmkauf
Zudem gibt es eine ganze Reihe von weiteren Faktoren, die man beim Kauf eines Motorradhelmes beachten sollte. Damit der Motorradhelm auch den Sicherheitsstandards für den Straßenverkehr genügt, muss seine Zulassung der jeweils aktuellen ECE-Norm entsprechen. Die neuesten Helme sind gemäß ECE-Norm 22-05 zugelassen. Hinweise dazu findet man beim Onlinekauf in der Produktbeschreibung, ansonsten im entsprechenden Hinweis am Kinnriemen oder Innenfutter.
Sicherheitsnormen und Prüfungen
Die aktuelle Version ist die Norm ECE-R 22.06, mit der seit Juni 2022 geprüft wird. Seit Juni 2023 dürfen keine Helme mehr mit der früheren Norm ECE 22.05 produziert werden. Nach ECE 22.05 geprüfte Helme dürfen natürlich weiterverwendet werden. Hier gibt es keine Austauschpflicht. Bei einer Neuanschaffung sollte man aber auf die aktuellste Prüfnorm achten. Unabhängige Institutionen prüfen neben Stoßdämpfung und Formstabilität auch die Reißfestigkeit des Kinnriemens und machen einen Abstreiftest. Auch Visiere müssen Mindestanforderungen erfüllen, um den am Visierrand eingegossenen ECE-Stempel zu bekommen.
Materialien der Helmschale
Moderne Motorradhelme werden aus Thermoplasten oder Duroplasten hergestellt:
- Thermoplaste: Sind anfälliger für Außeneinflüsse und müssen regelmäßig erneuert werden.
- Duroplaste: Sie weisen eine enorme Stabilität auf und entsprechen so den höchsten Sicherheitsstandards. Sie verfügen auch über ein leichteres Gesamtgewicht als Helme aus Thermoplasten und verleihen daher hohes Tragekomfort.
Wie Langzeit-Materialtests beweisen, altern Duroplaste weniger schnell. Bei guter Pflege währt ihre Lebensdauer mindestens acht Jahre. Helme aus Thermoplasten, die keine zusätzliche Lackschicht besitzen, können bei starker Ultraviolett-Strahlung und durch andere Einflüsse (Lösungsmittel, Benzin) früher verspröden. Die ADAC Fachleute raten dringend, wegen nachlassender Schutzwirkung solche Helme nach rund fünf Jahren auszutauschen.
Passform und Komfort
Ein Helm darf nicht zu eng sein, aber auch nicht zu groß. Wenn er zu eng ist, kann schon nach kurzen Fahrten ein Kopfschmerz einsetzen. Eines der wichtigsten Kriterien beim Helmkauf: Der Helm sollte überall fest anliegen, ohne zu drücken. Vor dem Kauf sollte ein Helm unbedingt ausprobiert werden, um zu sehen, wie er passt, ob es zieht und wie er sich bedienen lässt (Verschluss, Visierbetätigung, Be- und Entlüftung).
Die Helmgröße wird angegeben in Buchstaben von XXS bis XXXL oder in Zahlen, die dem Kopfumfang in cm entsprechen: XXS = 51/52 cm, XS = 53/54 cm, S = 55/56 cm, M = 57/58 cm, L = 59/60 cm, XL = 61/62 cm, XXL = 63/64 cm, XXXL = 65/66 cm. Diese Maßangaben sind allerdings nicht standardisiert; ein M-Helm kann sowohl 55/56 als auch 57/58 sein. Ein Grund mehr, einen Helm vorm Kauf unbedingt anzuprobieren.
Visiere
Motorradhelm-Visiere bestehen aus dem Kunststoff Polycarbonat, welches äußerst schlagfest und wasserabweisend ist. Es schützt den Fahrer so vor Steinschlag oder anderen Außeneinflüssen.
Pinlock-Visiere
Diese besonderen Visiere verfügen über eine separate Scheibe mit Silikondichtung, die das Beschlagen verhindern sollen. Dem Vorteil der Beschlaghemmung steht allerdings die doppelte Lichtbrechung gegenüber.
Die derzeit gültige Norm für Visiere von Kraftfahrer-Schutzhelmen stellt zahlreiche Anforderungen:
- Lichtdurchlässigkeit: Sie muss laut ECE-R22 bei einem Visier 80 Prozent betragen. Liegt dieser Wert darunter (zum Beispiel bei getönten Visieren), ist der Aufdruck »For daytime use only« oder ein Sonnensymbol Pflicht.
- Optische Qualität: Ergibt sich aus dem Scheitelbrechwert und der prismatischen Wirkung. Der Scheitelbrechwert misst unscharfes Sehen und darf +/- 0,12 Dioptrien nicht überschreiten. Die prismatische Wirkung zeigt doppeltes Sehen auf, das zu Müdigkeit und Kopfschmerzen führen und das räumliche Sehvermögen einschränken kann.
- Streulichtverhalten: Stellt fest, ob beim Blick durch das Visier fremde Lichtquellen als blendend empfunden werden.
- Kratzfestigkeit: 3 kg Quarzsand rieseln aus 1,65 Meter Höhe auf das Visier, das sich auf einer rotierenden Scheibe befindet.
Weitere Tipps für den Helmkauf
- Planen Sie für den Kauf unbedingt genügend Zeit ein.
- Suchen Sie Fachhändler auf, die möglichst viele Helmmarken im Angebot haben.
- Die ungefähr passende Helmgröße ermitteln Sie, indem Sie Ihren Kopfumfang im Bereich der Stirn, über den Ohren und am Hinterkopf messen.
- Ihr Helm muss am ganzen Kopf fest sitzen, ohne zu drücken.
- Fragen Sie Ihren Händler nach einer individuellen Innenausstattung des Helms.
- Die Helmpolsterung sollte auch an Ihrem Oberkopf im Bereich des Scheitels vollständig aufliegen.
- Ihr Helm darf sich bei geschlossenem und korrekt eingestelltem Kinnriemen auch mit hohem Kraftaufwand nicht nach vorn vom Kopf abziehen lassen.
- Der Kinnriemen sollte nicht auf dem Kehlkopf aufliegen, das Kinnriemenschloss nicht am Unterkieferknochen drücken.
- Wenn Sie Brillenträger sind, sollten Sie Ihre zum Motorradfahren genutzte Brille im Helm aufsetzen. Statt einer Sonnenbrille unter dem Helm wählen Sie lieber Helme mit eingebauter Sonnenblende.
- Tragen Sie den Helm im Laden mindestens zehn Minuten.
- Nutzen Sie unbedingt die Möglichkeit, den Helm für eine Probefahrt auszuleihen.
- Bevorzugen Sie Helme in hellen, leuchtenden Farben.
- Achten Sie darauf, dass der Luftaustausch bei geschlossenem Visier ausreichend ist.
- Prüfen Sie die Visier-Eigenschaften wie Beschlagneigung und optische Qualität bei vollständig geschlossenem Visier.
- Achten Sie darauf, dass das Innenfutter zur Helmpflege herausnehmbar ist.
- Lesen Sie die mitgelieferte Gebrauchsanleitung genau.
- Denken Sie beim Kauf an den Service.
Pflege des Motorradhelms
Oft sieht man Biker, die ihren Motorradhelm mit Souvenir-Stickern oder anderen Aufklebern verzieren. Ganz wichtig: Motorradhelme sollten nicht beklebt oder lackiert werden. Im Klebstoff oder in der Farbe enthaltenes Lösungsmittel kann die Stabilität der Helmschale beeinträchtigen. Eine Ausnahme bilden die Aufkleber des Instituts für Zweiradsicherheit (IfZ), die Ersthelfer über das Öffnen des Helms oder des Verschlusssystems des Kinnriemens bei Notfällen informieren: Sie besitzen einen lösungsmittelfreien Spezial-Klebstoff.
Am besten geeignet sind spezielle Reinigungsmittel in flüssiger Form oder als Nasstücher, die Nachreinigung erfolgt mit einem Zellstoff- oder einem Mikrofasertuch. Finger weg von harten mechanischen Reinigern und von Geschirrspülmitteln, die nicht-ionische Tenside beinhalten.
Austausch nach einem Aufprall
Motorradhelme schützen doppelt. Die Außenschale verteilt, unabhängig vom Material, eine punktuelle Krafteinwirkung durch hohe elastische Verformungsenergie und soll das Eindringen spitzer oder kantiger Gegenstände verhindern. Die eigentliche Dämpfung übernimmt das Innenmaterial zwischen Außenschale und Futter. Das wird in der Regel aus besonderen EPS-Hartschaummaterialen der Styropor-Familie hergestellt, die Aufprall-Energie absorbieren. Aber: Ein Aufprall führt zu einer Komprimierung und damit bleibender Verformung des Materials. Deshalb müssen Helme nach Unfällen oder Stürzen ausgetauscht werden, selbst wenn sie äußerlich scheinbar unbeschädigt sind. Die ADAC Experten raten dringend dazu, diese Herstellervorschrift zu befolgen.
Zusammenfassung der Helmtypen und ihrer Eigenschaften
Die Auswahl an verschiedenen Helmtypen ist groß. Für jeden Motorradfan und jedes Einsatzgebiet gibt es im Handel passende Helme. Je nach Vorlieben und Fahrgewohnheiten können für Tourenfahrer Integralhelme oder Klapphelme die richtige Wahl sein. Für Offroad-Biker sind Enduro- oder Crosshelme eher passend. Ein Helm gehört zum Motorradfahren wie Sonne und griffige Reifen.
Verwandte Beiträge:
- Polo Motorradbekleidung: Test, Kollektion & Kaufberatung
- Motorrad Kostüm für Erwachsene: Die besten Outfits für Biker
- Angststreifen Motorrad entfernen: Tipps & Tricks
- Thermo-Unterwäsche Motorrad Herren: Test, Kaufberatung & Modelle - Perfekter Komfort beim Motorradfahren
- Unvergessliche Radtouren in Bernkastel-Kues: Die besten Strecken & Geheimtipps entdecken!
- Ultimativer Guide: Elektroantrieb für deinen Kostka Tretroller einfach nachrüsten!
Kommentar schreiben