Nürnberg, über viele Jahrzehnte hinweg, war Zentrum der deutschen Motorradindustrie. Dieser Industriezweig wurde zu einem Begriff für Innovation, Qualität und motorsportlichen Erfolg.
Die Anfänge des Radsports in Nürnberg
Über 500 Renntage erlebte die 1904 erbaute Nürnberger Radrennbahn am Reichelsdorfer Keller! Nach den Plänen des Leipziger Architekten Ludwig wurde die erste nordbayerische Piste auf dem für 30 Jahre gepachteten Grundstück der radsportbegeisterten Brauerei-Besitzer Schalkhauser erbaut.
Auftraggeber war der dafür 1903 eigens von Radsportidealisten gegründete „VEREIN-SPORTPLATZ-Nürnberg e. Gefeierter Star des Eröffnungsrennens war der Berliner Arthur Stellbrink. Der erste Schrittmachermotor - damals noch ein extrem großes und lautes Monstrum - war am 14. Mai 1905 auf der Nürnberger Bahn zu bewundern.
Das riesige und laute Spektakel der Steher, die bis zu 100 km/h in ihren Sprints erreichten, riss die Zuschauer von den Sitzen. Noch im Jahr 1905 wurde nach vier weiteren großen Renntagen mit Tausenden von begeisterten Zuschauern und einem Kostenaufwand von 15.000 Mark eine Holztribüne am Ziel der Rennbahn erbaut.
1921 kaufte der VEREIN-SPORTPLATZ das gesamte Gelände für 50.000 Mark und erweiterte die Stehplätze rund um die Piste. Auch im Innenraum der Radrennbahn konnten nun an großen Renntagen rund 3.000 Zuschauer Platz finden. Diese Plätze wurden zum selben Preis wie die Stehplatze verkauft und waren deshalb sehr beliebt.
Vor allem im Zielbereich, wo die Fahrer sich vor und nach dem Rennen befanden und fast hautnah beobachtet werden konnten, war stets großes Gedränge. Nur wenige Meter trennten hier die begeisterten Fans von ihren großen Stars. Zu den beliebtesten Fahrern der Noris zählten in den zwanziger Jahren u.a.
Motorradrennen auf der Radrennbahn
Immer wieder wurden in jenen Jahren auf der Radrennbahn am Reichelsdorfer Keller auch Motorradrennen ausgetragen, die ebenfalls sehr gut besucht waren. 1927 wurde ein Tunnel zum Innenraum nachträglich erbaut und 1929 - zum 25. Im Verlauf der über neun Jahrzehnte führte bis zum 2. Weltkrieg der VEREIN-SPORTPLATZ als Besitzer der Bahn nur insgesamt 10 Jahre (1904-1908, 1910-1913, 1918 und 1934) selbst die Regie.
In den übrigen Jahren war die Bahn für die Durchführung von Rad- und zahlreichen Motorradrennen stets verpachtet. Insgesamt 14 verschiedene Pächter, meist aus der Szene der Nürnberger Radsportvereine, sorgten bis in die 50er Jahre dafür, dass sich „am Keller“ die Räder drehten. Zuletzt Hans Heckel, der bis 1956 über zehn Jahre für große Rennen sorgte.
Danach übernahm der Verein-Sportplatz unter der Regie seines langjährigen 1. Vorsitzenden Hans Bandele wieder selbst die Programmgestaltung. Nürnbergs Radrennbahn zählte schnell in ganz Deutschland zu den beliebtesten Pisten.
Stars und Legenden
Die damals weltberühmten Sprintasse waren ebenso häufig und gerne in Nürnberg am Start wie die internationalen Stars der Steher: Die Sprintweltmeister Willy Arend, Thorwald Ellegard, Edmond Jacquelin, Otto Meyer, Falk Hansen, Walter Rütt, Matthias Engel, Toni Merkens oder Arie van Vliet sorgten ebenso für volle Ränge wie die Steher-Welt- und -Europameister Victor Linart, Paul Guignard, Piet Dieckentman, Tadäus Robl und in den 30er Jahren Georges Paillard und Jean Grassin.
Die Nachkriegszeit
Auch nach dem 2. Nach dem 2. Weltkrieg, den die Bahn nur leicht beschädigt überstand, zogen die Steher noch immer die Massen zum Reichelsdorfer Keller. Renntage mit 15.000 Zuschauern waren keine Seltenheit.
Zum Teil fuhren die Stars der 30er Jahre noch wacker mit, doch nun begeisterten vor allem auch die Nürnberger Georg Umbenhauer, Fritz Scheller, Georg Voggenreiter, Heinz Jakobi, Hans Mlady und der Herpersdorfer Karl Kittsteiner die zahlreichen Steherfans.
Nicht nur die Steher waren in den Nachkriegsjahren „am Keller“ zuhause. Ebenso, wie auf der 1947 in Ziegelstein erbauten ASN-Radrennbahn, zeigten auch auf der Reichelsdorfer Piste die Bahn-Spezialisten ihr Können: Unvergessen die mehrfachen deutschen Meister Fritz Neuser, Werner Löw, Gotthard Dinta, Georg Singer und Willi Fuggerer, der in Tokio auf dem Tandem eine olympische Bronze-Medaille gewann!
Bis in die 80er Jahre war die Piste am Keller auch Schauplatz unzähliger bayerischer Meisterschaften und vieler DM. Zu Beginn der 60er Jahre zeichnete sich international ein Rückgang des Profi-Stehersports ab, der auch an der Reichelsdorfer Piste nicht spurlos vorüberging.
Es fehlte in ganz Europa an Veranstaltungen und als Folge davon auch immer mehr an guten Profi-Stehern. Selbst nationale Steher-Meisterschaften wurden von Jahr zu Jahr immer spärlicher besetzt. Die großen Zeiten der Profi-Steher waren vorbei, zumal man beim Weltverband (UCI) ab 1958 auch den Status „Amateursteher“ eingeführt hatte. Einzelne deutsche Amateure versuchten sich nun in dem für sie neuen Metier.
Die Ära Bandele/Scheller
Und wieder war es BRV-Präsident Hans Bandele, der 1968 die Initiative ergriff. Er und Fritz Scheller kauften 10 gebrauchte BMW-Motorräder und unter der Regie des unvergessenen Radsportenthusiasten Hans Göpfert wurden diese 250-ccm-Maschinen in Schrittmachermaschinen umgebaut.
Einmalig in der Geschichte des deutschen Radsports war 1967/1968 der Nürnberger Versuch, mit Neulingen aus der Region eigene Steher und dazu eigene Schrittmacher auszubilden. Das zunächst von vielen Insidern belächelte Projekt - eine Idee des Tandems Bandele/Scheller - bewährte sich jedoch, und nach kurzer Zeit konnte man 1968 in Nürnberg-Herpersdorf den ersten deutschen Meistertitel eines Steherneulings feiern: Allrounder Horst Duschl holte sich die Goldmedaille der DM zusammen mit seinem Schrittmacher Peter Schindler.
Doch dies war nur der Anfang! Ein Jahr später sorgte Duschls jüngerer Bruder Gerhard - ebenfalls an der Rolle von Schindler - für den nächsten Meistertitel, dem dann fast alljährlich weitere folgten: Klaus Burges, Horst Gnas und Roland Renn trugen sich ebenfalls in die Ehrenlisten der DM ein!
Nicht zuletzt auch die guten Leistungen der immer routinierter fahrenden fränkischen Schrittmacher wie Udo Empter, Manfred Höflich, Dieter Durst und Toni Rottmann hatten großen Anteil an den vielen Siegen der jungen Lokalmatadore. Bei der Rad-WM 1970 in Leicester errang Horst Gnas (Ring Nürnberger Radfahrer) im packenden Finale die Silbermedaille.
Die Gegenwart
Seit 1987 leitet der gebürtige Münchner und einstige deutsche Tandem-Meister Toni Auer als 1. Vorsitzender des VEREIN-SPORTPLATZ die Geschicke der Nürnberger Radrennbahn. Auer sorgte in den letzten zehn Jahren vor allem dafür, dass der in Franken noch immer sehr beliebte Stehersport erhalten blieb: „Es wäre jammerschade, wenn eine so schöne und traditionsreiche Variante des Radsports sterben würde“, betont Auer, der zugleich jedoch auch alle übrigen Disziplinen des Bahnsports schätzt: „Mehrfach war unsere Bahn auch Schauplatz der gesamten deutschen Bahnmeisterschaften in sämtlichen Disziplinen.
Bei allem Idealismus, den Toni Auer und die Mitglieder des VEREIN-SPORTPLATZ seit Jahren aufbieten, ist sich Auer bewusst: „Ohne großzügige Sponsoren, die uns unterstützen, hat der Bahnradsport keine große Zukunft“.
Ein persönlicher Einblick: Franz Barnsteiner und seine Leidenschaft für BMW
Wer kennt nicht die Kultserie „Irgendwie und Sowieso“ von Franz Xaver Bogner, in der Ottfried Fischer in seiner Paraderolle den „Sir Quickly“ spielt? Im Film spielt zur Fortbewegung von „Sir Quickly“ eine NSU „Quickly“ quasi die zweite Hauptrolle.
Die „Quickly“ von Vater Leonhard übernommen„Ich habe das ,Quickly’ meines Vaters Leonhard rangenommen, bis das Hinterrad rausgefallen ist“, schildert Barnsteiner.
Dann folgte die Ära ZündappStreiche „Quickly“ und ersetze es durch Zündapp: Die Ära dieser Motorräder begann. 1973 kaufte Barnsteiner seinem Onkel Sepp eine 200er Zündapp, Baujahr 1954, ab.
Zwei Jahre später wurde der Grundstein für das BMW-Fieber bei Barnsteiner gelegt: Beim Fordhändler Welz in Peiting erwarb er eine 600er BMW aus dem Baujahr 1963.
Mit der BMW ist er im Januar des Jahres 1976 zum Nürburgring zum großen „Elefantentreffen“ gefahren. Dort war es dann aber mit dem Düsen zuende: Die BMW hat auf der Nordschleife gestreikt.
Mit dem Kauf seines ersten Beiwagens hat er Lehrgeld bezahlen müssen: „Ich hatte ja keine Ahnung und hab’ zu schnell zugegriffen.“ Der schnelle Zugriff entpuppte sich als ein Vorkriegsmodell und hat einfach nicht zu seiner BMW gepasst.
Barnsteiner holte sich viele Informationen in Sachen Beiwagen und verabschiedete sich schnell von der rollenden Kiste. „Ein Steib-Nachbau war moderner, größer und einfach passend für meine BMW“, erzählt der Peitinger. „Spanien, Schottland, die Peloponnes - eigentlich ganz Europa habe ich damit mit meiner Partnerin abgefahren“, zählt Barnsteiner auf.
Nur mit dem Gespann in den Urlaub, und das mit päpstlichem Segen„Ich wäre nie auf die Idee gekommen, mit dem Auto in den Urlaub zu fahren.“ So kamen in den Jahren weit über 500 000 Kilometer zusammen.
Barnsteiner erzählt dazu eine Geschichte: Er und seine damalige Partnerin hatten eine Fahrt nach Rom unternommen. Dort hatten ihn italienische Biker eingeladen, an einem Treffen teilzunehmen. „Wir sind mit Polizeieskorte auf den Petersplatz gebracht worden“, sagt Barnsteiner, wo am Ende über 500 Motorräder zusammen standen. Dann das schier Unfassbare: Der damalige Papst Johannes Paul II. kam in seinem Papamobil angefahren und segnete alle Biker mit ihren Maschinen.
Ein weiteres Schlüsselerlebnis erfuhr der Peitinger auf dem Auerberg: Dort beobachtete er beim traditionellen Bergrennen einen Bekannten, der mit einem Renngespann teilnahm.
Mit seiner Haller-BMW ist Barnsteiner seitdem bei fast jedem Gleichmäßigkeitsrennen dabei. Erst mit den Söhnen Johannes und Thomas, dann mit Tochter Leoni.
Etwa acht Rennen werden im Jahr gefahren So acht Rennen fahren die beiden im Jahr. Dabei ist die „Deutsche historische Meisterschaft“ in Schleiz ein Muss für das Gespann im Doppelpack. Im Jahr 2022 haben die beiden diese Meisterschaft gewonnen.
Neben dem Rennfieber hat der pensionierte Berufsschullehrer eine weitere Leidenschaft, und bei der geht er in Sachen Motorräder schon mal fremd: Er besitzt in seinem Fundus nahezu 30 BMW-Maschinen, holt er sich aber auch mal einen „Fremdkörper“ ins Haus. „Ich kaufe kein Motorrad, sie springen mich förmlich an“, sagt Barnsteiner mit schelmischem Grinsen.
Sein Herz schlägt für BMW Trotz dieser „Fehltritte“ schlägt sein Herz für BMW. Sagt es und streichelt fast liebevoll über den Rahmen einer 750er BWM R 75/5, die er vor 40 Jahren völlig demoliert einem Freund abgekauft hat. „Rahmen verzogen, Gabel krumm, Motor defekt, Tank verdellt“ so die Diagnose des Schraubers.
| Name | Disziplin | Erfolge |
|---|---|---|
| Georg Umbenhauer | Steher | Bekannter Nürnberger Steherfahrer |
| Fritz Scheller | Steher | Bekannter Nürnberger Steherfahrer |
| Georg Voggenreiter | Steher | Bekannter Nürnberger Steherfahrer |
| Heinz Jakobi | Steher | Bekannter Nürnberger Steherfahrer |
| Hans Mlady | Steher | Bekannter Nürnberger Steherfahrer |
| Karl Kittsteiner | Steher | Bekannter Nürnberger Steherfahrer |
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