Hydraulische Kupplungen haben die gleichen Lamellen, Fasern und den gleichen Kupplungskorb wie eine normale Seilzugkupplung. Der einzige Unterschied besteht in dem System, das die Kupplungsscheiben auskuppelt. Wenn der Kupplungshebel bei einer hydraulischen Kupplung gezogen wird, wird Flüssigkeit durch einen Schlauch nach unten gedrückt, um die Kupplungsscheiben zu trennen. Bei einer normalen Seilzugkupplung zieht der Hebel an einem Seil.
Vorteile der hydraulischen Kupplung
Im Jahr 1998 setzte KTM einen Meilenstein in der Welt des Motocross, indem das Unternehmen als Erster hydraulische Kupplungen in seine Motocross-Modelle einführte. Bis zum Jahr 2000 hatte sich das hydraulische Kupplungssystem erfolgreich in allen großen Motocross-Motorrädern von KTM etabliert. Husqvarna, nach der Übernahme durch KTM im Jahr 2014, übernahm ebenfalls diese wegweisende Technologie. Während die Einführung hydraulischer Kupplungen bei KTM und Husqvarna als Vorreiter galt, wagten sich nur wenige japanische Marken in den letzten Jahren in diese innovative Richtung. Kawasaki und Honda sind die Ausnahmen und haben auf hydraulische Kupplungen umgestellt, um von den Vorteilen dieser Technologie zu profitieren.
Die Idee, hydraulische Kupplungen aufgrund ihres leichteren Einzugs zu implementieren, ermöglichte es KTM, steifere Kupplungsfedern zu verwenden. Diese Veränderung stärkte die Kupplung erheblich und verlieh ihr zusätzliches Drehmoment. Dies machte sich besonders in anspruchsvollen Fahrsituationen bemerkbar. Ein weiterer entscheidender Vorteil liegt im vereinfachten Herstellungsprozess. Im Gegensatz zu seilbetätigten Kupplungen, die oft aufwändige Mechanismen erfordern, nutzt das hydraulische System von KTM einen Kupplungsnehmerzylinder und eine Schubstange, die sich geschützt innerhalb des Motors befinden. Dies vereinfacht nicht nur die Konstruktion, sondern minimiert auch das Risiko von Beschädigungen oder Störungen.
Sobald der Hebel angezogen wird, wird die Flüssigkeit komprimiert und Druck aufgebaut. Der erhöhte Druck sendet einen Flüssigkeitsimpuls durch den Schlauch zur Kupplungsnehmereinheit, wo die Flüssigkeit gegen einen Kolben im Inneren der Kupplungsnehmereinheit drückt, der wiederum gegen eine Stange drückt. Die Stange erstreckt sich von der linken Seite des Motors (Schalthebelseite) zur rechten Seite, wo sich der Kupplungskorb befindet. Die Stange wird in einen hutartigen Beschlag geschoben, der die Kupplung auskuppelt, indem er die Druckplatte von den Lamellen wegzieht.
Bei intensiver Nutzung und erhöhten Temperaturen neigen die Faserplatten von Kupplungen dazu, sich auszdehnen, was zu einer Verringerung des Abstands zwischen den Platten und einer Änderung des Ausrückpunkts führt. Dies ist ein häufiges Problem bei seilbetätigten Kupplungen. Im Gegensatz dazu bieten hydraulische Kupplungen einen entscheidenden Vorteil. Durch die Verwendung von Flüssigkeit als Übertragungsmedium stellen sie sich automatisch ein, so wird das ungewollte Kupplungsschleifen und somit erhöhter Verschleiß ausgeglichen, bzw. verhindert. Dies bedeutet, dass die Kupplungsscheiben sich nicht durch die auftretende Reibungswärme so stark ausdehnen und der Ausrückpunkt konstant bleibt.
Probleme und Lösungen
Wenn Dein Bike trotz gezogener Kupplung nicht still steht, kann dies auf Probleme hinweisen, dass die Hydraulikflüssigkeit im System der Kupplung entweder abgenutzt ist oder Luftblasen enthält. Prüfe den Flüssigkeitsstand: Überprüfe den Flüssigkeitsstand im Hydraulikbehälter der Kupplung. Entlüfte die Kupplung: Befolge die Anweisungen in Ihrer Betriebsanleitung, um die Kupplung zu entlüften. Ersetze die Hydraulikflüssigkeit: Falls die Flüssigkeit alt oder abgenutzt ist, solltest Du sie durch frische Hydraulikflüssigkeit ersetzen. Sorge für die korrekte Einstellung: Stelle sicher, dass die Kupplung richtig eingestellt ist.
Hier ist Vorsicht geboten, denn einige ältere Magura-Hydraulikkupplungssysteme nutzen Mineralöl anstelle von Bremsflüssigkeit. Wenn Bremsflüssigkeit in einem System verwendet wird, das für Mineralöl ausgelegt ist, führt die Bremsflüssigkeit dazu, dass die Dichtungen aufquellen und undicht werden. Je nachdem, welche Flüssigkeit verwendet wird, sind unterschiedliche Dichtungsmaterialien erforderlich. Die Art der Flüssigkeit, die Dein Kupplungssystem benötigt, ist auf dem Deckel des Kupplungsgeberzylinders aufgedruckt. Wenn Dein Bike Bremsflüssigkeit benötigt, empfehlen wir Dot 4 oder Dot 5.1 mit hohem Siedepunkt. Bremsflüssigkeiten sind hygroskopisch, das heißt, sie ziehen Wasser an.
Bei den Magura-Hauptnehmereinheiten der Husqvarna FC450 vor 2019 kam es zu Problemen mit der Dichtung am hydraulisch betätigten Stößel. Diese Dichtung neigte dazu, sich abzunutzen, was dazu führte, dass Flüssigkeit aus der Nehmereinheit austrat. Bevor Magura Ende 2019 die Dichtung der Nehmereinheit überarbeitete, bestand die Lösung darin, eine Brembo-Nehmereinheit einzubauen.
Nachrüstung mit Magura Hymec
Wenn Dein Bike nicht mit einer hydraulischen Kupplung ausgestattet ist, kannst Du diese möglicherweise mit dem hydraulischen Hymec-Kupplungssatz von Magura nachrüsten. Hymec steht für „hydraulisch aus mechanisch“. Die fehlende Master-Slave-Einheit an den Motorgehäusen, um die Schubstange zu betätigen umgeht das Magura Hymec-System, indem es einen hydraulischen Nehmerzylinder enthält, der außerhalb des Gehäuses verschraubt wird, um den Betätigungsarm zu bewegen, den der Kupplungszug früher gezogen hat. Die Firma Magura bietet schon eine Weile eine hydraulisch-mechanische Kupplungsbetätigung an.
Hymec, das Kunstwort zusammengesetzt aus hydraulisch und mechanisch, ist der Produktname bei Magura. Ursprünglich entwickelt für den Motocross Bereich ist es auch für Straßenmaschinen tauglich. Vor kurzem wurde die Palette der unterstützten Modelle um die Z-Modellreihe von Kawasaki ergänzt. Magura liefert das System fertig befüllt. Es besteht aus dem Geberzylinder mit einem schwarzen Hebel, einer Carbon-Flex Leitung und dem Nehmerzylinder, der unten am Ausrückhebel eingehängt wird. Befüllt ist das System mit „Magura Blood“, einem Mineralöl, welches ungiftig und nicht hygroskopisch ist. Es entfällt dadurch der regelmäßige Flüssigkeitswechsel. Ferner ist das Mineralöl nicht lackschädigend, wie etwa Bremsflüssigkeit.
Der Hebel ist über ein kleines Drehrädchen verstellbar und komplett nach vorne klappbar. Wem der originale Hebel nicht gefällt, der kann z. B. Zubehörhebel von Pazzo, V-Trec oder Mizu verwenden. Die vorhandene Kupplungsarmatur sowie der Kupplungszug werden einfach durch das Hymec-System ausgetauscht. Die eigentliche Montage ist innerhalb von 30 Minuten erledigt. Die ersten Vorteile sind sofort nach dem Einbau bemerkbar.
Ich war von der Leichtigkeit der Kupplungsbetätigung sehr überrascht. Bei der erst Probefahrt war prinzipiell alles wie immer, der Schleifpunkt und das Verhalten der Kupplung haben sich nicht verändert. Ich habe also keine Umgewöhnung durch ein grundlegend anderes Verhalten zu erwarten. Man kann den Hebel linear von vorne bis hinten bewegen, ohne dass sich an der Kraft was verändert. Sämtliche Teile sind tadellos verarbeitet, wenn sie auch noch lange halten, dann umso besser.
Also zum einen das richtige Trennen: Da man ja jetzt nicht mehr das Kupplungsspiel oben am Hebel einstellen und kontrollieren kann, habe ich, wie von Magura beschrieben, die Z mit Motor aus, eingelegtem Gang und gezogener Kupplung geschoben. Laut Magura Aussage äußert sich eine nicht komplette Trennung auch durch schlechtes Finden des Leerlaufs. Dann das komplette Schließen der Kupplung: Nichts ist schlimmer und kupplungsmordender als wenn die Kupplung im Bereich des größten Drehmoments durchrutscht.
Als Test habe ich dazu die Z im 6. Gang über den max. Drehmomentbereich mit Vollgas von 6000-8000/min gefahren. Um zu schauen, ob dieses ominöse „Gummiband der Beschleunigung“ ein Durchrutschen der Kupplung anzeigt. Ich hab’ nichts bemerkt. Probleme mit dem kompletten Kraftschluss treten vermehrt auf, wenn es sehr heiß wird und sich das Kupplungspaket ausdehnt. Dadurch verringert sich das Kupplungsspiel, da sich der Ausrückhebel weiter vom Nehmerzylinder entfernt.
Kurz gesagt, ich bin voll zufrieden bisher. Seit über 1000 km, mittlerweile auch bei wärmeren Temperaturen zeigen sich keine Probleme. Preislich wird das System für 319 € UVP angeboten.
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