Der Markt für Motorräder mit Dach erlebt eine Renaissance, und es gibt eine wachsende Anzahl von Modellen, die unterschiedliche Bedürfnisse und Vorlieben ansprechen. Diese Fahrzeuge bieten eine einzigartige Kombination aus Wetterschutz, Sicherheit und Fahrspaß und sind daher besonders für Stadtbewohner und Pendler attraktiv.
Opel Rocks-e: Ein Moped mit Dach
Der Opel Rocks-e ist kein Auto im herkömmlichen Sinne. Er ist ein Moped mit Dach und vier Rädern, zugelassen als Leichtkraftrad. Das sagt selbst Opel ohne falsche Scham. Und das ist wichtig, denn sonst bekommt man den Lütten in den falschen Hals. Der Rocks-e ist ein Moped mit Dach und vier Rädern, zugelassen als Leichtkraftrad.
Er kann damit ab 15 Jahren mit dem Führerschein Klasse AM gefahren werden. Das bedeutet auch, dass er ein kleines Mofa-Versicherungskennzeichen erhält, nicht zum TÜV muss, keine Steuern zahlt, aber auch nicht schneller als 45 km/h fahren darf.
Opel nennt sein neues Projekt “Sustainable Urban Mobility”, abgekürzt SUM. Heißt so viel wie nachhaltige städtische Mobilität. Auf die XXS-Verkehrsfläche von 3,35 Quadratmetern (Länge 2,41 Meter, Breite 1,39 Meter) baut Opel möglichst viel, was nach Auto aussieht. Vier Räder, an jeder Ecke eins, sind schon mal ein guter Anfang. Überhänge gibt es so gut wie keine, der Wendekreis beträgt nur 7,20 Meter. Damit lässt sich der Rocks-e dort einparken, wo andere ihre Mülltonne abstellen.
Die Fahrertür ist hinten angeschlagen, öffnet also nach vorne. Im Volksmund heißen solche Zugänge Selbstmördertüren, das hatten früher viele Kleinwagen. Kurbelfenster gibt es nicht, die untere Hälfte der Seitenscheibe klappt einfach hoch, so wie früher bei der Ente. Dafür sorgen schon das serienmäßige Panorama-Glasdach und die unendliche Weite vor dem Lenkrad. Auch hinterm Steuer ist erstaunlich viel Platz, selbst für Menschen mit Gardemaß.
Im Rocks-e ist alles auf absoluten Minimalismus ausgelegt. Eine Klimaanlage gibt es nicht, die laute Lüftung heizt den Innenraum um maximal sechs Grad auf, da kann man im Winter schon mal Eisbeine bekommen. Ein Infotainment-System glänzt ebenfalls durch Abwesenheit. Lediglich ein kleines Schwarz-Weiß-Display informiert über Tempo und Ladezustand. Wer Musik hören will, kann selbst Singen oder verbindet sein Handy mit dem USB-Port und klickt es in die optionale Halterung. Doch für 7.995 Euro erwartet keiner ernsthaft ein Leben in Sausa und Braus.
Mit bescheidenem 5,5 kWh-Akku soll der Rocks-e immerhin 75 Kilometer weit kommen, das Aufladen an einer Haushaltssteckdose dauert 3,5 Stunden (ein Ladekabel ist im Rocks-e montiert), die Leistung des E-Motors beträgt süße 8 PS. Doch die müssen auch nur 471 Kilogramm zum Rollen bringen und stehen direkt aus dem Stand stramm. Deshalb bewegt sich das Kleinstmobil auch keineswegs wie eine Wanderdüne. Beim Ampelstart geht‘s tatsächlich recht flott voran, sogar mit mehr Bewegungsdrang als gedacht.
Der Bursche gewinnt mit seinem Komfort keinen Blumentopf. Er ist knackig hart, liegt dafür aber auch wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße. Man muss sich dem Rocks-e von unten nähern, nicht von oben. Aus der Position eines Rollerfahrers erschließt sich das Konzept. Denn dann wird der Kleine zur wetterfesten, etwas sichereren und bezahlbaren Alternative auf vier Rädern.
BMW C1: Ein revolutionäres Konzept
Als halben Smart verspotteten viele Motorradfahrer den überdachten BMW-Motorroller C1, der nach zehnjähriger Entwicklung 2000 erschien. Dabei übersahen sie jedoch das revolutionäre und bis heute einzigartige Konzept: Ein von vorne nach hinten geschwungener Aluminiumrahmen umgibt den mit Fünfpunkt-Sicherheitsgurt fixierten Fahrer komplett, macht das Zweirad so zum sichersten der Welt, bietet vergleichsweise viel Wind- und Wetterschutz - und auch die Helmpflicht ist kein Thema mehr.
Doch der C1 floppte: Nach nur zwei Jahren beendete BMW die Produktion bei Bertone in Turin, 2003 wurden nur noch Exemplare aus Lagerbeständen abverkauft. Ein wesentlicher Grund waren sicher die im Vergleich zur Rollerkonkurrenz viel zu hohen Neupreise. In dem fahren zwei Insassen unter einem Dach, was beim C1 nicht funktioniert: Sozius oder Sozia müssen auf einem aufpreispflichtigen Notsitz hinter der Sicherheitszelle Platz nehmen - ein nicht ganz konsequentes Sicherheitskonzept, das den Autoroller de facto zum Einsitzer macht.
Wer die Irritation darüber abgelegt hat, dass die Windschutzscheibe mit Parallelogrammwischer in jeder Kurve Richtung Straße kippt, fühlt sich in der Einzelzelle von BMW gut aufgehoben. Die sieben Kilo Dachgewicht erhöhen den Schwerpunkt nur unbedeutend. Der C1 lässt sich in Kurven legen, bis der Ständer am Asphalt kratzt. Helm-, aber nicht kopflos durch die Stadt zu flitzen und dabei ein seitlich einströmendes laues Lüftchen von der Seite zu spüren, ist eine völlig neue Art des Rollerfahrens!
Technische Daten BMW C1 200:
- Motor: Einzylinder, Viertakt
- Hubraum: 176 ccm
- Leistung: 13 kW (18 PS) bei 9000/min
- max. Drehmoment: 17 Nm bei 6500/min
- Höchstgeschwindigkeit: 112 km/h
- 0-50 km/h: 3,9 s
- Antrieb: stufenloses Automatikgetriebe
- Tankinhalt: 9,7 l
- Leergewicht: 185 kg
- Verbrauch (bei 90 km/h): 3,9 l Super/100 km
- Neupreis (2001): 10.490 D-Mark
Viel zu teuer, nur einsitzig, uncooles Image, schlechtes Marketing: Die Gründe für das Scheitern des C1 sind komplex. Wie der C1 selbst, den man verstehen muss.
BMW C1: Eine elektrische Neuauflage?
BMW entwickelt einen neuen Roller mit Dach und ohne frisurschädliche Helmpflicht, eine elektrische Neuauflage des BMW C1. Das deutete der neue BMW-Motorrad-Chef Markus Flasch im März 2024 im Interview an.
C1 könnte eine Neuauflage des BMW-Kabinenrollers jedoch nicht mehr heißen, da BMW den Namen im Jahr 2004 an den Automobilhersteller Citroën verkaufte, der dann seinen Kleinwagen so nannte. Im Interview mit MOTORRAD befürwortete Markus Flasch, der neue BMW-Motorrad-Chef, ein derartiges neues Modell - im Gegensatz zu einem leistungsstarken Elektromotorrad - ausdrücklich. Im März 2024 sagte Markus Flasch: "Beispielsweise hatten wir ja schon einmal ein Produkt, mit dem man sich auf zwei Rädern wind- und wettergeschützt ohne Helm bewegen konnte. Das ist etwas, wo uns kaum einer folgen kann. Das konsequent weitergedacht, auch in Sachen E-Antrieb und urban, kann ich mir durchaus vorstellen und so neue Trends zu setzen und gleichzeitig an alte Trends anzuknüpfen."
Da erscheint es naheliegend, auf die aktuelle technische Plattform des 2022 eingeführten Elektrorollers BMW CE 04 aufzubauen. Das würde diese Eckdaten bedeuten: 15 kW (20 PS) Dauer-Nennleistung, 31 kW (42 PS) Spitzenleistung, 120 km/h Höchstgeschwindigkeit und 130 Kilometer Reichweite (nach WMTC-Norm). Wie beim CE 04 wäre neben der A2-Ausführung eine "125er"-Variante möglich, elektronisch gedrosselt auf formal 11 kW (15 PS) Dauer-Nennleistung, nutzbar ab 16 Jahren mit Führerscheinklasse A1 oder mit Pkw-Führerscheinerweiterung (in Deutschland B196). Das Gewicht des CE 04, 231 Kilogramm, würde eine Ausführung mit Dachaufbau allerdings nicht halten können, mit zig Kilos obendrauf wäre zu rechnen.
Schon 15 Jahre vor Markus Flaschs mehr oder weniger konkreter Ankündigung im Interview hatte BMW den C1-E vorgestellt. Im Jahr 2009, damals allerdings nur als Konzept-Studie - die zwischenzeitlich nicht in Serie ging. Im Jahr 2020 veröffentlichte BMW-Patente zeigen, dass ein möglicher neuer Kabinenroller mit einem Dach aus Kohlefaserlaminat (Carbon) samt Grundgerüst aus Aluminium aufgebaut sein könnte.
Die gesamte Dachkonstruktion soll laut Patentanmeldung einfach abnehmbar sein - samt Sicherheitszelle mit Airbags, Vierpunktgurten, Rückenlehne und Windschutzscheibe. Vertikal sehen die Patentzeichnungen 4 Knautschzonen vor, und zwar durch die Halterungen des Carbon-Dachs vorn und hinten. Ein Vierpunktgurt soll den Fahrer im Falle eines Aufpralls im Sitz halten, sodass die Airbags in den Seitenwänden der Kabine effektiv schützen können. Die Airbags sollen je Seite von den Hüften bis nach oben zur Schulter und bis zu den Ellenbogen nach vorn reichen.
Die somit entfallende Helmpflicht wäre ein Alleinstellungsmerkmal und ein Pro-Argument beim Verkauf - Stichwort: Frisur. Die Dachkonstruktion bietet zwar mehr Schutz vor Verletzungen bei einem Unfall sowie vor Wind und Wetter, doch aerodynamisch - besonders bei Seitenwind - kann sie sich nachteilig auswirken. Hierfür sieht BMW in den Patentzeichnungen 4 bewegliche Winglets vor. In Verbindung mit einem elektronischen Stabilitätssystem sollen 2 Winglets vorn und 2 hinten für Abtrieb sorgen. Gleichzeitig könnten sie wie das Querruder an einem Flugzeug wirken.
Voge SR4 Max 350 Luxury
Der SR4 Max 350 Luxury - nomen est omen - ist ein Sportroller, der zwar wie viele andere aussieht, es aber nicht ist. Er besticht durch eine außergewöhnliche, umfangreiche Ausstattung. Dazu gehören ein beleuchtetes Helmfach, Keyless-Go, eine elektrisch verstellbare Frontscheibe sowie eine Sitz- und Griffheizung. Auch ein dynamisches Notbremslicht ist serienmäßig vorhanden. Ein Toter-Winkel-Warnsystem sowie eine integrierte Dashcam sind Ausstattungsmerkmale, die in dieser Fahrzeugklasse bislang selten oder gar nicht angeboten werden - auch nicht bei vielen deutlich größeren Motorrädern.
Mit 34 PS und 35 Nm liefert der Motor eine solide Leistung bei guter Laufruhe. Der SR4 Max 350 Luxury wird von einem 34 PS und 35 Newtonmeter starken Einzylinder angetrieben, der den fahrbereit immerhin 214 Kilogramm schweren Roller ausreichend flott voranbringt. Das Triebwerk entwickelt sein Potenzial vor allem im Bereich zwischen 6.000 und 7.000 Umdrehungen in der Minute. Das Variomatik-Getriebe vermeidet dabei den berüchtigten „Gummiband“-Effekt eines hochdrehenden Motors, dessen Leistung erst mit Verzögerung nachgereicht wird.
Der vorn auf 15- und hinten 14-Zöllern rollende Voge lenkt willig ein und legt ein spielerisches Handling an den Tag. Er zeigt sich außerdem sehr kurven- und schräglagenfreundlich. Hier macht sich der Griff zu Pirelli-Pneus für die Erstausrüstung bezahlt. Bei Bedarf halten den Maxiscooter früh ansprechende und kräftig zupackende Kombibremse mit zwei Scheiben vorne im Zaum.
Ins Staufach unter der Sitzbank passt problemlos ein Integralhelm hinein. Voge selbst spricht selbstbewusst von zwei Jethelmen, die verstaut werden können. Mit 201 Kilogramm geht die Zuladung ebenfalls in Ordnung.
Weitere interessante Motorräder und Roller
Neben den bereits genannten Modellen gibt es noch weitere interessante Optionen auf dem Markt. Dazu gehören:
- Royal Enfield Himalayan: Eine Adventure Bike mit Understatement, die sich durch ihre Geländetauglichkeit und Langstreckenqualitäten auszeichnet. Die neue Himalayan hat endlich sechs Gänge und mit der erhöhten Power sind Geschwindigkeit von 100+ km/h kein Problem. Royal Enfield gibt als Höchstgeschwindigkeit 151 km/h an.
- Voge SR16 125: Ein kompakter Stadtroller mit guter Ausstattung und einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis. Er ist agil und behände. Der Motor leistet 12 PS, damit kommt man selbst auf Bundesstraßen gut voran. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 97 km/h.
- BMW C 400 X: Ein Mittelklasse-Scooter mit beeindruckender Motorleistung und top Fahrverhalten. Der BMW C 400 X ist ein ziemliches Kraftpaket für einen Mittelklasse-Scooter, obwohl er nur 350 cm³ Hubraum hat. Aber 34 PS und 35 Nm Drehmoment müssen lediglich mit 206 kg Leergewicht fertig werden - genug, um den Roller in nur 3,1 s aus dem Stand auf 50 km/h zu beschleunigen.
Verwandte Beiträge:
- Polo Motorradbekleidung: Test, Kollektion & Kaufberatung
- Motorrad Kostüm für Erwachsene: Die besten Outfits für Biker
- Angststreifen Motorrad entfernen: Tipps & Tricks
- Thermo-Unterwäsche Motorrad Herren: Test, Kaufberatung & Modelle - Perfekter Komfort beim Motorradfahren
- Unverzichtbare TÜV Felgen Tabelle für Motorräder – Alles, was Sie wissen müssen!
- Alarmierender Rückruf: Dunlop-Fahrradhelme wegen gravierendem Sicherheitsrisiko zurückgerufen!
Kommentar schreiben