Das Thema "Schalten ohne Kupplung" wird oft angesprochen und ist für viele Motorradfahrer von Interesse. Dieser Artikel beleuchtet die technischen Grundlagen, Vor- und Nachteile sowie gibt praktische Tipps.
Technische Grundlagen
Wohl jedes Motorradgetriebe lässt sich ohne Kupplung schalten! (Der Schaltassistent zieht ja auch keine Kupplung!) ... und was der Schaltassi macht, das können wir -in ähnlicher Form- bei jedem Motorrad auch; mit etwas Übung und technischem Verständnis sogar noch besser. Die Kupplung benötigt man eigentlich nur zum Anfahren bzw. bei langsamer Fahrt mit schleifender Kupplung.
Der Grund, warum man beim Motorrad schalten kann, ohne die Kupplung zu benutzen, ist die Bauweise des Getriebes. Das typische Motorradgetriebe hat fünf bis sechs Gänge und dementsprechend zwei Wellen mit jeweils fünf/sechs verschieden großen Zahnrädern. Jedes dieser Zahnräder hat ein dazugehöriges Zahnrad auf der anderen Welle, daraus ergeben sich fünf/sechs unterschiedliche Zahnradpaare. Alle fünf/sechs Paare besitzen eine andere Übersetzung und stellen somit die Gänge eins bis fünf/sechs dar.
Wichtiger für das Schalten ohne Kupplung ist jedoch die Ansteuerung dieser Zahnradpaare. Hierfür gibt es sogenannte Schaltgabeln (Schaltklauen), die über die Schaltwalze bewegt werden. Die Schaltwalze ist direkt mit dem Schalthebel verbunden.
Wie funktioniert es?
Man kann den Gang nur wechseln, wenn man sich im richtigen Drehzahlfenster und bei der passenden Geschwindigkeit für den aktuellen Gang befindet.Ein Getriebe lässt sich eben nur nicht unter Last schalten; weder unter Last, noch im Schiebebetrieb. Man sollte also nur das Motorrad mit leicht zurückgedrehtem Gasgriff in den "Rollmodus" bringen, um ohne Kupplung (und Gewalt) hochschalten zu können. Einfach mal probieren ... und üben.
Für einen sanften Gangwechsel spannt man während der Beschleunigung den Ganghebel sanft vor und sobald der Gashahn geschlossen wird und wir in den lastfreien Moment fallen, erhöhen wir den Druck am Ganghebel und der nächste Gang springt ins Getriebe. Im Prinzip gehen wir hier demselben Ziel nach: Getriebe entlasten, nur dieses Mal wählen wir den nächstniedrigeren Gang. Gleichzeitig muss die Motordrehzahl angehoben werden, um an die kürzere Abstufung des niedrigen Gangs angepasst zu werden.
Das Runterschalten ist etwas anspruchsvoller, da man praktisch mit "leichtem Zwischengas" den Rollmodus herbeiführen sollte. Aber auch das ist reine Übungssache. Hauptsache du ziehst nicht die Kupplung, wenn du Zwischengas gibst. So bringt das Zwischengas nur den kleinen Nebeneffekt, dass der Motor beim einkuppeln schon eine höhere Drehzahl hat.
Befindet man sich im Schubbetrieb wird also der Ganghebel wieder leicht vorgespannt und ein kurzer Gasstoß gegeben. Der Gang flutscht ins Getriebe und die Drehzahl wird gleichzeitig angehoben. Hierfür braucht es mehr Übung, da man genau die richtige Menge an Gas geben muss, damit der Schaltvorgang geschmeidig passiert.
Praktische Anwendung
Schalten ohne zu Kuppeln ist in der Praxis eigentlich recht einfach. Man braucht allerdings ein recht gutes Gefühl für Drehzahl und Geschwindigkeit und ob diese für den aktuellen Gang angemessen sind. Diese Technik lässt sich sowohl für das Hoch- als auch das Runterschalten verwenden, einzig den ersten Gang aus dem Leerlauf, kann man nicht einlegen, da das Motorrad sonst direkt losfährt bzw. in der Praxis dann meist ausgeht.
Um Hochzuschalten dreht man den aktuellen Gang so hoch, bis man die Spitzenleistung überschritten hat, also die Beschleunigung bei gleichmäßigem Gasgeben abnimmt. Dann nimmt man das Gas kurz komplett weg, um das Getriebe soweit zu entlasten, wie möglich (die Entlastung übernimmt normalerweise die Kupplung) und dann schaltet man einfach hoch. Sobald der nächste Gang ordentlich eingelegt ist, kann man wieder Gas geben.
Das Herunterschalten ist meist ein wenig hakeliger, da man hier nicht einfach an den unteren Drehzahlrand des jeweiligen Ganges gehen kann und dann herunterschaltet. Erfahrungsgemäß verhält es sich hier so, dass die Geschwindigkeit am unteren Rand des Drehzahlbereiches für den niedrigeren Gang auch schon ein wenig zu langsam ist und der Gang somit schlechter reingeht. Also muss man, wenn man herunterschalten möchte eine Drehzahl kurz über der Unteren Grenze treffen, damit der niedrigere Gang gut reingeht. Hierfür ist dann auch das oben erwähnte Gefühl für Drehzahl und Geschwindigkeit wichtig.
Vor- und Nachteile
"Darf man ohne Kupplung Schalten?" oder "Beschädige ich mein Getriebe?" sind häufige Fragen, die man in Motorrad-Foren bei diesem Thema liest. Im Gespräch mit Experten Martin Bauer hat er aber klar betont: "Nein, es schadet dem Getriebe nicht." Wichtig ist jedoch, dass man es richtig macht und das bedeutet, saubere Schaltvorgänge vornehmen und die Bewegungsabläufe zwischen Gashand und Schaltfuß einprägen.
Dann muss man auch keinen Schaden am Getriebe befürchten, denn wie wir bereits geklärt haben, fällt nur die Verwendung der Kupplung aus, die lediglich die Last von den Zahnrädern nimmt. Die Schritte, die ein Quickshifter erspart.
Welchen Nutzen hat man vom Schalten ohne Kupplung? Der Nutzen ist ganz einfach, dass man deutlich schnellere Schaltzeiten erzielt, da man sich beim Schaltvorgang das Kuppeln komplett spart, somit also schneller den Gang wechseln kann. Da die Schaltzeiten meist nur bei der Beschleunigung interessant sind, macht es eigentlich nur Sinn, die Kupplung beim Hochschalten wegzulassen.
Ich persönlich sehe beim Schalten ohne Kupplung ersteinmal keine großen Risiken, da das Getriebe trotzdem normal bedient wird. Man sollte es eventuell nicht immer und in jeder Situation machen, da durchaus ein wenig erhöhter Verschleiß entstehen kann, aber wenn man manchmal ohne zu Kuppeln schaltet muss man sich eigentlich keine Sorgen machen.
Einige Fahrer benutzen ihre Kupplung nur zum Anfahren. Es kann ja mal der Kupplunghebel abbrechen oder die Kupplung kaputt gehen und dann freut man sich, wenn man trotzdem nach Hause kommt, da die Kupplung nicht zwingend nötig ist.
Schaltassistent
Zur Klarstellung sollte man noch ergänzen, dass die Vorgehensweise nur bei Motorrädern ohne Schaltassistent gut funktioniert. Mit Schaltassistent ab dem 2. Gang rauf und runter ohne Probleme und butterweich. Habe den Schaltassi nachrüsten lassen und bin seither begeistert. Hoch und runter schalten geht einwandfrei und meine Kupplungshand dankt es nach langen Touren.
Überraschend wenig! Denn mit dieser Vorrichtung wird dasselbe Prinzip ausgenutzt, nur übernimmt die Elektronik die ganze Arbeit. Erkennt der Sensor Druck am Schalthebel wird über verschiedene Art und Weisen (Zündung, Einspritzung) die Leistung des Motors gekappt und der gewünschte Gang wird eingelegt. Der große Vorteil des Quickshifters ist, dass wenn er ab Werk, oder nachträglich von Profis verbaut wurde, die Unterbrechung perfekt abgestimmt ist, was geschmeidige Gangwechsel bedeutet.
Zwischengas
Wenn ich mit anderen Motorradfahrern spreche und erzähle, dass ich bei jedem Herunterschalten in der Bremsphase manuell Zwischengas gebe, finden das die meisten erstaunlich. Ich selbst denke darüber gar nicht mehr nach, denn es ist zum absoluten Automatismus geworden. Doch welche Vorteile und Nachteile hat diese Fahrtechnik und wie kann man sie erlernen?
Was passiert nun, wenn wir Zwischengas geben, während die Kupplung gezogen ist? Durch den Gasstoß fällt die Drehzahl des Motors gar nicht erst, sondern nähert sich der passenden Drehzahl für den niedriegeren Gang an. Im Optimalfall trifft man sogar die richtige Drehzahl perfekt, wenn man wieder einkuppelt. So wird das oben erwähnte extra Bremsmoment eliminiert und das Motorrad bleibt in der Bremsphase stabiler.
Hier entsteht beim einkuppeln Reibung. Je größer die Drehzahldifferenz, desto mehr muss die Kupplung arbeiten. Weniger Drehzahldifferenz durch Zwischengas - weniger Kupplungsverschleiß.
Um Zwischgas zu geben muss man die Hand bewegen - das ist Fakt. Doch die Hand zu bewegen, während die Finger an der Bremse sind ist so eine Sache. Denn man zieht automatisch die Finger etwas mit. Es braucht also sehr viel Übung und Routine, um den Bremsdruck möglichst wenig zu beeinflussen.
Am besten kann man auf der Landstraße anfangen zu üben, denn hier hat man nicht den Stress, den man auf der Rennstrecke hat. Ein guter Anfang ist, sich ein Gefühl für die Dosierung des Gasstoßes anzueignen. Dafür nimmt man sich bestenfalls eine ruhige gerade Strecke, schaltet herunter und probiert, in der Phase, in der die Kupplung gezogen ist, einen Gasstoß zu geben. Also quasi gleichzeitig mit dem Betätigen des Schalthebels. Trifft man die richtige Drehzahl, sollte beim Einkuppeln kein spürbarer Ruck mehr durch das Motorrad gehen. Probiert dabei verschiedene Gänge und Drehzahlen aus, um alle Variablen kennenzulernen.
Dass die Vorteile von Zwischengas nicht zu vernachlässigen sind, zeigen die aktuellen Veränderungen am Motorradmarkt. Immer mehr Modelle werden von Werk aus mit sogenannten „Blippern“ ausgerüstet.
Besonderheiten bei verschiedenen Motorradtypen
Systembedingt hat der Boxer (durch seinen linearen Kraftstrang und seine längsrotierenden Wellen) ein hochdrehendes Getriebe, welches für Schaltvorgänge Nachteile besitzt.
Hoch wie runter hört man aber auch bei den älteren BMW nur die sich sich ändernde Drehzahl und vielleicht ein leises "Klack" wenn mit etwas Gefühl in der Gashand ohne Kupplung geschaltet wird.
Schalten unter Last beim Motocross
Mit der MX2 schalte ich eigentlich immer mit Gas weit offen und ohne Kupplung hoch. Nur wenn der Boden zäh ist und die Gänge nur schwer reingehen, lupf ich sie zum Schalten mal nen Tick. Probleme mit dem Getriebe hab ich dabei in 14 Jahren noch nie gehabt. Und beim Runterschalten hab ich noch nie wegen dem Schalten gekuppelt, halt nur, damit ich den Motor nicht ausbrems und er in engen Ecken nicht abstirbt. Und ohne Zug tut da dem Getriebe auch eh nichts weh.
Bei der MX1 ist Hochschalten unter Volllast und ohne Kupplung schon schwieriger, weils da noch ganz anders an der Kette zieht. Da braucht man schon eher die Kupplung. Die zieh ich dann aber auch nicht, sondern tipp sie mit dem Zeigefinger nur kurz an, bis der Gang rein flutscht.
Verwandte Beiträge:
- Polo Motorradbekleidung: Test, Kollektion & Kaufberatung
- Motorrad Kostüm für Erwachsene: Die besten Outfits für Biker
- Angststreifen Motorrad entfernen: Tipps & Tricks
- Thermo-Unterwäsche Motorrad Herren: Test, Kaufberatung & Modelle - Perfekter Komfort beim Motorradfahren
- Harley Davidson Schriftart kostenlos downloaden: So installierst und nutzt du sie richtig!
- Unverzichtbare Ersatz-Rutenspitzen: Die besten Optionen und ihre vielseitigen Anwendungen
Kommentar schreiben