Motorradöl nachfüllen: Eine umfassende Anleitung

Auch das beste Motorenöl für Motorräder kann den Motor nur schützen, wenn der Ölstand stimmt. Für ein langes Motorradleben ist die Ölstandskontrolle wie auch der regelmäßige Ölwechsel oberstes Gebot. Wir zeigen, wie es geht.

Warum ist die Ölstandskontrolle wichtig?

Läuft der Motor mit zu wenig Öl, führt das zu erhöhtem Verschleiß in Ermangelung ausreichender Schmierung bis hin zum Motorschaden. Im umgekehrten Fall, wenn zu viel Öl eingefüllt wurde, verliert der Motor Leistung, denn in diesem Fall bremst das Öl die bewegten Teile. Es kann dadurch schaumig werden und seine Schmierfähigkeit verlieren. Außerdem erhöht sich der Öldruck im Inneren des Motors und führt zu defekten Dichtungen oder gelangt über die Kurbelgehäuseentlüftung in den Luftfilter. Der Ölstand verändert sich, weil ein gewisser Ölverbrauch normal ist.

Regelmäßige Kontrolle ist deshalb unverzichtbar. Schließlich ist der Ölverbrauch auch ein wichtiger Indikator für den Verschleißzustand des Motors.

Das richtige Öl wählen

Hierbei müssen Sie zunächst wissen, welches Öl zum Nachfüllen verwendet werden soll. Angaben zum vorgeschriebenen Öltyp finden Sie im Handbuch Ihres Motorrads. Man unterscheidet drei Sorten: mineralisches, teilsynthetisches und synthetisches Motorenöl. Falls der Hersteller ein bestimmtes Öl vorschreibt, erübrigt sich jede Diskussion, will man nicht Garantie- oder Kulanzansprüche verlieren. Die richtige Menge, Viskosität und Spezifikationen kann man dem Fahrzeug-Handbuch entnehmen.

Beim Kauf ist auf folgende Dinge zu achten:

  • Viskosität: Als Viskosität bezeichnet man das Maß für die Zähflüssigkeit eines Motoröls. Das Öl muss sich den thermischen Bedingungen des Motors anpassen. Ist der Motor kalt, muss es dünnflüssig sein. Steigt die Temperatur, dann muss ein ausreichender Schmierfilm gewährleistet sein. Bei normalen Motorrädern, die mineralisches Öl verwenden, kommt meist 10W-40 oder 15W-40 zum Einsatz. Synthetische Öle haben meist eine höhere Bandbreite bei der Viskosität, z. B. 5W-50.
  • Qualität: Die bekannteste Qualitätsnorm für Öl (sie bezieht sich allerdings auf Automotoren) ist die API-Norm (von American Petroleum Institute). Sie hat bei Ottomotoren als ersten Buchstaben ein S, der dann folgende Buchstabe gibt den Leistungsstandard an. Daneben gibt es auch die japanische JASO-Norm, die wichtigste Klassifikation für Motorrad-Motorenöle. Für Motorradmotoren mit nasssumpfgeschmierten Kupplungen und Getrieben eignen sich besonders Öle der JASO MA/MA-2-Norm.

Wie wird der Ölstand gemessen?

Gemessen wird der korrekte Ölstand bei warmem Motor (ca. 80 Grad), der fünf bis zehn Minuten stand, damit das Öl zurücklaufen konnte. Bei einem Motor mit drei Liter Ölinhalt kann der Unterschied zwischen kaltem und warmem Motor mehr als 100 cm³ betragen! Die meisten Motorräder haben eine Nasssumpfschmierung, d. h. der Ölvorrat ist in der Ölwanne. Bei der Messung per Peilstab muss man wissen, ob der Peilstab nur aufgesetzt wird oder komplett eingedreht werden muss (Fahrerhandbuch beachten). Beim Ölschauglas hat man dieses Problem nicht. Bei beiden Arten muss die Maschine aber gerade stehen - nicht ganz einfach bei Motorrädern ohne Hauptständer.

Idealerweise sollte der Ölstand auf der halben bis drei viertel Strecke zwischen "min" und "max" liegen. Aber Achtung: Je nach Modell/Bauart gibt es abweichende Vorgehensweisen bei der Kontrolle (z. B. Prüfung auf dem Seitenständer etc.). Einige wenige Motorräder (z. B. BMW F 650) haben eine Trockensumpfschmierung. Das Öl befindet sich hier in einem separaten Tank, an dem sich dann auch meist der Peilstab befindet. Unbedingt die entsprechende Anleitung beachten!

Schritte zum Nachfüllen von Motorradöl

  1. Wenn Sie das Öl zur Verfügung haben, muss das Motorrad auf einer waagerechten und ebenen Fläche auf dem Hauptständer abgestellt oder in waagerechter Position aufgebockt werden.
  2. Füllen Sie eine geringe Menge frisches Öl ein. Verwenden Sie dabei möglichst einen langstieligen Trichter.
  3. Ein Überfüllen des Motors mit Öl ist ebenso schädlich wie ein zu geringer Ölstand. Füllen Sie also vorsichtshalber nicht ganz bis zur Maximum-Markierung am Ölmessstab auf.

Wann ist ein Ölwechsel sinnvoll?

Da Öl altert, muss es regelmäßig gewechselt werden. Entweder nach einer bestimmten Laufleistung oder bei Gelegenheitsfahrern nach einer bestimmten Zeit. Viele ältere Motorräder haben noch die 6.000-km-Intervalle, neuere Typen 10.000 km oder 12.000 km bzw. verlangen alle zwei Jahre nach einem Wechsel. Dabei sollte auch der Ölfilter getauscht werden. Falls das Wechselintervall für das Motoröl ohnehin fast erreicht ist, ist ein Ölwechsel vor der Winterpause durchaus sinnvoll. Älteres Öl verfügt nur noch über einen Teil des Korrosionsschutzes, den frisches Öl besitzt, das außerdem auch noch keine durch die Verbrennung entstandenen aggressiven Bestandteile enthält.

Benötigtes Material für den Ölwechsel:

  • die entsprechende Menge frisches Öl
  • einen Messbecher
  • den neuen Ölfilter
  • eine neue Dichtung für die Ablassschraube
  • einen passenden Trichter
  • eine Spritze mit Schlauch zum Absaugen (falls man zu viel Öl eingefüllt hat)
  • das passende Werkzeug zum Lösen der Ölablassschraube
  • ein Auffanggefäß für das Altöl
  • einen Drehmomentschlüssel sowie die Anzugswerte für die Ölablassschraube und eventuell das Filtergehäuse

Motoröl einfüllen beim Ölwechsel

  1. Der Motor sollte warm gefahren sein (ca. 15 km Fahrstrecke/80 Grad). Dann wird das Öl möglichst zügig gewechselt, damit sich die Schwebstoffe nicht wieder an der Innenwand des Motors absetzen.
  2. Nachdem das Öl vollständig ausgetropft ist, wird die Ölablassschraube mit neuer Dichtung eingeschraubt und mit vorgeschriebenem Drehmoment angezogen.
  3. Der Patronen-Ölfilter wird meist nur mit der Hand angeschraubt und auch nur handfest festgezogen. Maßgeblich sind hierbei die Angaben des Fahrzeugherstellers. Die Gummidichtung des Filters wird vorher mit sauberem Öl am Finger eingeölt. Bei Filtern mit Gehäuse reinigt man dieses gründlich und legt den neuen Filter richtig ausgerichtet ein. Eventuelle Dichtungen und Dichtringe werden erneuert und die Schraube(n) mit einem Drehmomentschlüssel angezogen.
  4. Jetzt muss nur noch neues Motoröl eingefüllt werden. Trichter und Messbecher sind hier hilfreich. Erst einen halben Liter weniger als angegeben einfüllen, dann den Motor kurz laufen lassen und den Ölstand prüfen. In kleinen Schritten bis zur Max-Markierung auffüllen.

Falls man versehentlich zu viel Öl eingefüllt hat, hat sich zum Absaugen eine große Plastikspritze mit aufgesetztem Schlauch gut bewährt.

Praktisches Zubehör

Egal, für welches Öl man sich entscheidet, viel wichtiger für die Lebensdauer ist das langsame Warmfahren des Motors. Die richtige Temperatur lässt sich am besten mit einem Ölthermometer kontrollieren.

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