Der Motorradführerschein: Dauer und Ablauf der Prüfung

Wer in Deutschland eine Fahrerlaubnis erwerben möchte, muss sowohl eine theoretische als auch eine praktische Ausbildung in der Fahrschule absolvieren. In diesem Artikel erklären wir, wann die Praxisprüfung für den Motorradführerschein frühestens stattfinden kann, wie lange sie in etwa dauert und wie sie normalerweise abläuft.

Voraussetzungen für die Zulassung zur praktischen Prüfung

Um überhaupt für die praktische Prüfung zugelassen zu werden, müssen Sie als Fahrschüler zunächst einmal bestimmte Voraussetzungen erfüllen:

  • Mindestalter: Das jeweils erforderliche Mindestalter muss erreicht sein.
  • Wohnsitz: Sie müssen Ihren Wohnsitz am Ort der Prüfstelle haben.
  • Erste-Hilfe-Kurs: Die erfolgreiche Teilnahme am Erste-Hilfe-Kurs muss nachgewiesen werden.
  • Sehtest: Ein bestandener Sehtest ist erforderlich.
  • Theorieprüfung: Die theoretische Prüfung muss bestanden sein.
  • Ausbildungsbescheinigung: Eine Ausbildungsbescheinigung von der Fahrschule muss vorgelegt werden, die die Teilnahme am Unterricht bestätigt.

Die praktische Prüfung kann frühestens einen Monat vor dem Erreichen des Mindestalters der jeweiligen Führerscheinklasse und erst nach bestandener Theorieprüfung erfolgen. Doch auch, wenn Sie die gerade beschriebenen Voraussetzungen erfüllen, gilt: Sie selbst sollten sich sicher im Umgang mit einem Kraftfahrzeug im Straßenverkehr fühlen.

Ablauf der praktischen Motorradführerscheinprüfung

Ein Prüfer der DEKRA oder vom TÜV leitet die praktische Prüfung und navigiert Sie durch die Region, in der Sie leben. Die praktische Prüfung fürs Motorrad (Klasse A) dauert beispielsweise insgesamt 60 Minuten, wovon 25 Minuten reine Fahrzeit sind. Zu Beginn der Prüfung kontrolliert dieser erst einmal Ihren Personalausweis und stellt Ihnen anschließend ein paar technische Fragen zum Fahrzeug.

Nachdem Sie Sitz, Spiegel und Lenkrad eingestellt haben, nehmen Sie auf dem Fahrersitz Platz. Danach geht die eigentliche Prüfungsfahrt los. Auf der Prüfungsstrecke wird Ihnen der Prüfer verschiedene Anweisungen geben und Ihnen Aufgaben stellen.

Grundfahraufgaben

Je nach Fahrerlaubnisklasse müssen Sie bestimmte Grundfahraufgaben meistern, die in der Anlage 7 der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) festgehalten sind. Hier eine Übersicht der Grundfahraufgaben:

  1. langsames Fahren mit Schrittgeschwindigkeit (ca. 5 km/h)
  2. Fahren auf einer Kreisbahn
  3. Beschleunigen auf ca. 50 km/h, ca. 1 m bis 1,5 m nach links ausweichen und wieder auf die ursprüngliche Fahrlinie zurückkehren
  4. Beschleunigen auf ca. 50 km/h, Abbremsen auf ca. 30 km/h und ohne zu bremsen ca. 1 m bis 1,5 m nach links ausweichen und wieder auf die ursprüngliche Fahrlinie zurückkehren
  5. Bremsen mit höchstmöglicher Verzögerung (Gefahrbremsung)
  6. Slalomstrecke mit 7 Leitkegeln mit ca. 30 km/h durchfahren (Abstand der ersten fünf Leitkegel 9 m, Abstand der beiden letzten Leitkegel 7 m)
  7. Fahren einer Strecke von ca. 150 m mit Stop and Go
  8. Mehrfaches Anfahren und Anhalten (jeweils den linken bzw. rechten Blinker betätigen)
  9. Mehrfaches Fahren von Kreisen mit einem Radius von ca. 4,5 m

Bei jeder Prüfung wählt der Prüfer sechs der oberen Grundfahraufgaben aus. Die Aufgaben 1 bis 4 musst Du durchführen. Die Aufgabe musst Du mindestens im 2. Gang fahren.

Während der Prüfung musst du eine bestimmte Anzahl an Grundfahraufgaben machen. Du darfst jede Grundfahraufgabe max. Anonsten musst du halt durch die Stadt fahren, evtl. Autobahn und oder Landstraße.

Worauf der Prüfer achtet

Der Bewerber muss fähig sein, selbständig das Fahrzeug auch in schwierigen Verkehrslagen verkehrsgerecht und sicher zu führen. Seine Fahrweise soll defensiv, rücksichtsvoll, vorausschauend und dem jeweiligen Verkehrsfluss angepasst sein. Daneben soll er auch zeigen, dass er über ausreichende Kenntnisse der für das Führen eines Kraftfahrzeugs maßgebenden gesetzlichen Vorschriften und einer umweltbewussten und energiesparenden Fahrweise verfügt, sie anzuwenden versteht sowie mit den Gefahren des Straßenverkehrs und den zu ihrer Abwehr erforderlichen Verhaltensweisen vertraut ist.

Häufige Fehler und "Todsünden"

Es gibt bestimmte Szenarien, die Sie tunlichst vermeiden sollten, da sie automatisch dazu führen, dass Sie die praktische Fahrprüfung nicht bestehen. Dies ist mitunter immer dann der Fall, wenn Ihr Fahrlehrer eingreifen muss.

Einige der häufigsten Fehler sind:

  • das Überfahren einer roten Ampel
  • grobe Vorfahrtsverletzungen
  • Missachtung von Stoppschildern und Einfahrtsverboten
  • Verstöße gegen das Überholverbot
  • Gefährdung oder Schädigung anderer Verkehrsteilnehmer

Tipps für die praktische Prüfung

Die praktische Prüfung zum Führerschein bedeutet für den Prüfling eine besondere Stresssituation. Etwas Aufregung gehört immer dazu. Hier sind einige Tipps, die Ihnen helfen können, die Prüfung erfolgreich zu meistern:

  • Seien Sie pünktlich: Achten Sie darauf, dass Sie pünktlich zum vereinbarten Prüftermin erscheinen.
  • Vorbereitung: Sie sollten ausgeruht für die praktische Führerscheinprüfung sein. Gehen Sie daher am Abend vorher zeitig schlafen.
  • Fahrzeug einstellen: Wenn Sie Platz genommen haben, stellen Sie als erstes Ihre Sitzposition ein. Danach folgen Lenkrad sowie Außen- und Rückspiegel. Wichtig: Das Anschnallen nicht vergessen!
  • Spiegelblick: Behalten Sie während der gesamten Fahrt die Spiegel im Blick und drehen Sie auffällig den Kopf, damit der Prüfer sieht, wenn Sie in den Spiegel schauen.
  • Nachfragen: Sind Sie sich unsicher, ob Sie eine Anweisung des Prüfers richtig verstanden haben, fragen Sie nach.
  • Verkehrszeichen beachten: Achten Sie auf die Verkehrsschilder!
  • Andere Verkehrsteilnehmer beachten: Beachten Sie die anderen Verkehrsteilnehmer!
  • Auf den Prüfer hören: Hören Sie genau hin, was der Prüfer von Ihnen fordert!
  • Selbstvertrauen: Besinnen Sie sich auf Ihr Können!

Was passiert, wenn man die Prüfung nicht besteht?

Konnten Sie bei der Fahrprüfung weder praktisch noch theoretisch glänzen und sind dementsprechend durchgefallen, sollten Sie nicht gleich den Kopf in den Sand stecken. Sind Sie durch die praktische Führerscheinprüfung durchgefallen, können Sie diese an einem anderen Termin wiederholen. Haben Sie die praktische Prüfung nicht bestanden, können Sie diese nach zwei Wochen wiederholen.

Bedenken Sie: Zwar können Sie die praktische Prüfung beliebig oft wiederholen, allerdings fallen bei jedem Versuch erneut die gesamten Prüfungsgebühren an, was langfristig extrem hohe Kosten verursacht. In dieser Zeit sollten Sie jedoch unbedingt weitere Fahrstunden nehmen und sich noch besser vorbereiten als beim letzten Mal, damit Sie die Prüfung beim zweiten Versuch erfolgreich meistern. Melden Sie sich erst dann für die praktische Prüfung an, wenn Sie sich absolut sicher fühlen. Das Nichtbestehen im Nachhinein auf den „bösen“ Prüfer zu schieben, bringt Sie auch nicht weiter.

Kosten der Führerscheinprüfung

Ist für den Führerschein die praktische Prüfung vereinbar, müssen Sie eine Gebühr an die entsprechende Prüfbehörde zahlen. Die Gebühren variieren je nach Führerscheinklassen. Fallen Sie durch, müssen sie bei der Wiederholungsprüfung dieselbe Summe noch einmal entrichten.

Die Prüfstelle verlangt für die theoretische Prüfung zum Pkw-Führerschein rund 20 Euro, für die praktische Fahrprüfung werden circa 90 Euro fällig. Bei der Motorrad- und Lkw-Lizenz sind die Gebühren etwas höher. In der Regel werden die Anmeldung zur Prüfung und die Abrechnung mit der Prüfstelle von der Fahrschule übernommen. Dafür verlangt die Fahrschule im Gegenzug häufig eine Gebühr von 100 bis 150 Euro.

Dauer der praktischen Prüfung nach Führerscheinklasse

Die Dauer der praktischen Prüfung hängt von der jeweiligen Führerscheinklasse ab:

Führerscheinklassen Prüfungsdauer in Minuten
B, BE, B17, A1, AM 55
A, A2, T 70
A (Aufstieg) 60
A2 (Aufstieg) 60
DE, D1E 80
C, CE, C1, C1E, D, D1 85
B96, Mofa, L keine praktische Prüfung

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