Die Pyrenäen, ein Gebirgszug, der sich über etwa 450 Kilometer vom Atlantik bis zum Mittelmeer erstreckt und die natürliche Grenze zwischen Frankreich und Spanien bildet, sind ein Paradies für Motorradfahrer. Mittendrin liegt der Zwergstaat Andorra und auf französischer Seite die spanische Enklave Llívia. In diesem Beitrag finden Sie Infos, Tipps und Hilfsmittel für die Planung Ihrer Tour.
Die Faszination der Pyrenäen
Die Pyrenäen zeichnen sich durch wilde, zerklüftete Berge und kurvige, einsame Straßen aus. Von engen, überhöhten Serpentinen bis hin zu 360-Grad-Schrägen findet hier jeder seine Kurve. Auf engen Singleroads ohne Sicherung sollte das Motorrad jedoch gut beherrscht werden. Vom besten Straßenbelag bis zur steilsten schottrigen Auffahrt kann jeder seine Grenzen erfahren.
Hinweise für Enduro-Fahrer
Den Stollenreitern sei eine rücksichtsvolle Fahrweise im Gelände ans Herz gelegt. Die Hinweisschilder an den Einstiegen sollten respektiert werden.
Die beste Reisezeit
Für die Reisezeit gibt es in den Bergen keine allgemeingültige Empfehlung. Generell kann diese Tour aber von Mai bis Oktober gefahren werden. Hartgesottene fahren die Tour auch im November, allerdings muss man dann in den höheren Lagen bereits mit Schnee rechnen.
Auf der Tour selbst muss Flexibilität eingeplant werden. Wenn es auf der französischen Seite regnet, kann man auf der spanischen Seite zum Teil im schönsten Sonnenschein fahren. Wem es im Norden Spaniens zu heiß wird, flüchtet in die französischen Berge.
Anreise in die Pyrenäen
Es ist fast unmöglich, für die An- und Heimreise Tipps zu geben sowie ordentliche Routenvorschläge zu machen - die Anforderungen sind einfach zu individuell. Der Eine reist auf eigener Achse an, der andere mit PKW und Hänger. Der nächste hat weniger Zeit und zieht über die Autobahn durch, der übernächste hat keinen Termindruck und reist über die Landstraße durch die Vogesen, das Jura, über die Route des Grandes Alpes und nimmt noch die Cevennen mit. Der eine kommt von der Atlantik-Seite, der andere vom Mittelmeer.
Die bequemste und entspannendste Anreise ist es, den Autoreisezug mit dem Zielbahnhof Narbonne zu benutzen. Eine Abfahrt erfolgt von folgenden Terminals: Düsseldorf, Neu-Isenburg, und Hamburg.
So gibt es 1001 Möglichkeiten, die Pyrenäen zu erreichen und von dort entweder wieder heim, nach Süden oder doch nach Osten in die Picos de Europa weiterzuziehen. Die Varianten sind so vielfältig, dass ich hier nicht darauf eingehen kann. Konzentrieren wir uns daher auf verschiedene Möglichkeiten, die Pyrenäen zu durchqueren. Die folgenden Vorschläge sind zur Inspiration gedacht und können bzw. sollen individuell angepasst und miteinander kombiniert werden.
Reiseplanung
Man muss sich vielmehr die Frage stellen: »Was will ich, was erhoffe ich mir von der Reise?« Will ich schnell vom Mittelmer an den Atlantik? Dann reichen drei Tage bolzen dafür aus. Will ich mir auch den einen oder anderen Pass neben der Strecke gönnen, mal innehalten, um Dörfer, Landschaft und Küche zu genießen? Dann können aus drei Fahrtagen schnell mal acht bis zehn werden.
Alles eine Frage des persönlichen Fahrstils und Zielsetzung der Reise. Um einen groben Anhaltspunkt für die Planung zu geben, schauen wir auf die nüchternen Fakten. Die kürzeste Strecke ist rund 900 km lang. Im Durchschnitt sind auf Passstraßen anderenorts noch rund 50 km je Stunde möglich.
In den Pyrenäen ist es aufgrund des kurvigen Streckenprofils eher realistisch, das Stundenmittel bei ca. 40 km oder weniger anzusetzen, um stressfrei durchs Geläuf zu kommen. Macht bei einer Viertages-Tour sechs Stunden reine Fahrtzeit. Ergänzt um Pausen, Tank- und Fotostopps ergibt sich eine Brutto-Fahrzeit von 8 bis 9 Stunden am Tag, je nach persönlichem Gusto. Hier mag nun jeder selbst seine eigenen Werte in die Gleichung eintragen.
Empfohlene Pässe und Sehenswürdigkeiten
Rund 200 Pyrenäengipfel reichen über 3000 Meter. Zahlreiche Pyrenäenpässe verbinden Frankreich mit Spanien.
- Col du Tourmalet: Der 2.117 Meter hohe Col du Tourmalet gehört zu den anspruchsvollsten Anstiegen der Tour de France. Der höchste französische Pyrenäenpass bietet aber auch Motorradfahrern einige Reize. Am besten fährt man ihn von Lourdes an. Auf der Passhöhe geht es ziemlich eng zu und meist weht ein ziemlich starker Wind. Auf Helme, Handschuhe und auf alles andere, was runterfallen oder wegfliegen kann, sollte deshalb geachtet werden. Fahrtechnisch stellt der Tourmalet keine besonders hohen Anforderungen.
- Col d’Aspin: Östlich des Col de Tourmalet befindet sich der Col d’Aspin, ein schön zu fahrender Pass mit beeindruckender Aussicht auf die Riesen der Pyrenäen.
- Col du Pourtalet: Der abwechslungsreiche Col du Pourtalet überrascht mit seinen 1.794 Höhenmetern an jeder Ecke und die Aussicht von der Passhöhe ist phänomenal. Zu den Hot-Spots der Pyrenäen zählen die Dents du Midi, eine markante Felsgruppe, die sich nördlich der Passhöhe des Pourtalet aus den umliegenden Bergen erhebt. Wer den Blick darauf ungestört genießen möchte, fährt auf der spanischen Seite ein Stück talwärts.
- Col d’Aubisque: Der Col d’Aubisque ist ein berühmter Pass in den französischen Pyrenäen, der vor allem durch seine Bedeutung bei der Tour de France bekannt ist, bei der er zu den härtesten Anstiegen zählt. Er verbindet das Tal von Luz-Saint-Sauveur mit dem Val d’Azun und liegt auf einer Höhe von 1.709 Metern. Die gut 17 Kilometer lange, enge Trasse direkt am Steilhang ist stellenweise ungesichert und kommt fast ohne Kehren aus.
- Col de Peyresourde: Der Col de Peyresourde ist mit seinen 1.569 Metern nicht besonders hoch und bietet auch keine extravagante Streckenführung. Dennoch ist er weder aus der Geschichte der Tour de France wegzudenken, noch ist er anspruchslos zu fahren. Der Peyresourde ist etwas für Genießer, auch wenn er manchmal zum Angasen einlädt. Sobald der östlichen Startort Bagneres de Luchon im Rückspiegel verschwunden ist, windet sich die D 618 durch ein Hochtal. Je höher die Straße steigt, desto kurzweiliger wird die Passfahrt. Schon von weitem fallen die Kehren unterhalb der Passhöhe ins Auge. Die letzten Höhenmeter bis zum urigen Holzhaus auf der Passhöhe machen Spaß.
- Col de Larrau: Dieser 1.760 m hohe Pass hat drei Zufahrten: eine in Isaba auf der spanischen Seite und zwei in Frankreich, Larrau und Arette. Der interessanteste Zugang ist der von Larrau. Entlang des Gave de Larrau geht es gemütlich bis zur Abzweigung auf die D 113 nach St. Engrace. Die Landschaft ist bergig, grün und menschenleer. Am Col des Suscousse ändert sich die Streckenführung. Nun geht es kurvig und manchmal fast hakenförmig durch den Wald. Bei der Einmündung in die D 132 ändert sich das Bild erneut. Die Straße wird breiter, der Belag glatter. Doch Vorsicht: Auf einer unübersichtlichen Kuppe biegt die Straße plötzlich nach rechts ab. Eine lange Gerade endet abrupt in einer scharfen Linkskurve mit knackiger Steigung.
- Somport: Der 1.632 Meter hohe Somport gehört dabei zu den Klassikern. Besonders der spanische Teil der Strecke präsentiert sich in gutem Zustand und macht mit Superbikes genauso viel Spaß wie mit Tourern oder Enduros. Die ansteigende Strecke erleichtert das Überholen durch verbreiterte Passagen. Dennoch ist die Strecke verkehrsarm, denn seit 2003 unterquert der acht Kilometer lange Tunnel de Somport die Passstraße. Bis kurz vor die Passhöhe lässt es sich auf dem Somport zügig fahren. Dort lädt das Café vor der Grenze zu einer Pause ein.
- Col de Pailheres: In Usson-les-Bains beginnt die Auffahrt zum 2.001 Meter hohen Col de Pailheres. Die kurvige Strecke windet sich den Berg hinauf und rumpelt über kurze Zwischengeraden, bis eine massive Felswand die ohnehin nicht üppige Fahrbahnbreite weiter einschränkt. Kurz darauf klebt eine Serpentine am Hang, die viele Motorräder in den ersten Gang zwingt.
- Port del Cantó: Der 1.725 Meter hohe Port del Cantó bietet weder ein grandioses Panorama noch einen einprägsamen Scheitel, dafür aber unvergleichliche Kurvenerlebnisse. Dabei spielt es keine Rolle, ob man den Cantó vom westlichen Sort oder vom östlichen Adrall aus in Angriff nimmt. Serpentinen gibt es überall, manche sogar mit mehr als 180 Grad.
- Port d’Envalira: In Andorra findet sich auch der höchste asphaltierte Pass der Pyrenäen, der 2.408 m hohe Port d’Envalira. Er hat keine Wintersperre und ist somit die höchstgelegene ganzjährig befahrbare Passstraße Europas.
- Los Mayos de Riglos: eine Reihe von Felsformationen von faszinierender Schönheit und Einzigartigkeit in der Provinz Huesca.
Weitere Sehenswürdigkeiten
- Flughafen Peyresourde: Wenn man von Frankreich kommend die D-618 über den Col de Peyresourde fährt, lohnt sich dieser kurze Abstecher nicht nur für James-Bond-Fans. Kurz vor der Passhöhe zweigt die D-117 etwas unauffällig ab und führt schwungvoll auf rund 8 km nach Peyresourde, einem nicht sonderlich attraktiven Retorten-Ort auf 1.700 m. Direkt am Ortseingang rechts geht es zu diesem besonderen Flughafen, den viele aus der Anfangssequenz des James Bond-Films »Der Morgen stirbt nie« kennen. Die 600 m lange Start-/Landebahn ist extrem abschüssig und erinnert eher an eine Rodelstrecke. Sehr eindrucksvoll!
- Foz de Arbayún: Ein spektakulärer Canyon, der vom Fluss Salazar geformt wurde.
- Gorges de Galamus: Eine atemberaubende Schlucht, die entlang des Flusses Agly verläuft und sich durch ihre steilen Felswände und ihre beeindruckende, wilde Schönheit auszeichnet.
- Cité de Carcassonne: Die Mischung aus Geschichte, Architektur, Natur und Kulinarik macht Carcassonne zu einem besonderen und faszinierenden Ziel. Die Altstadt, die auf einem Hügel thront, ist von einer massiven, gut erhaltenen Stadtmauer umgeben, die zu den größten und beeindruckendsten Europas zählt. Mit 52 Türmen, Zinnen und doppelt ausgeführten Mauern wirkt die Stadt wie aus einem Mittelalterfilm. Ein Spaziergang durch die engen Gassen der Cité fühlt sich an, als würde man in eine andere Zeit eintauchen. Im Herzen der Festung steht das Château Comtal, ein prächtiges Schloss, das im 12. Jahrhundert erbaut wurde. Es gibt Einblicke in das Leben im Mittelalter und eine fantastische Aussicht auf die Umgebung. Ein wahres architektonisches Meisterwerk ist die Basilika Saint-Nazaire. Diese Kirche vereint romanische und gotische Elemente und ist besonders berühmt für ihre farbenfrohen Glasfenster, die eine eindrucksvolle Lichtstimmung im Inneren erzeugen.
- Bahnhof Canfranc: Der Bahnhof Canfranc (Estación Internacional de Canfranc) ist ein Grenzbahnhof zwischen Spanien und Frankreich im gleichnamigen Ort.
- Parc naturel régional des Pyrénées Catalanes.
Ausrüstung und Vorschriften
- Kommunikation: Frankreich: Ja, sofern sie fest im Helm installiert sind. Die Benutzung einer Bluetooth-Freisprecheinrichtung oder eines anderen Headsets in Fahrzeugen ist in Frankreich seit 1.7.2015 verboten. Sogar Fahrräder und Motorräder sind von der neuen Regelung betroffen.
- Handschuhe: Ja. Fahrer und Beifahrer müssen Handschuhe tragen. Frankreich: Die Handschuhe müssen einer CE-Norm entsprechen und ein CE-Zeichen enthalten. Handschuhe mit herausgetrenntem CE-Zeichen gelten als nicht zertifiziert.
- Reflektoren: In Frankreich ja, in Spanien nein. Frankreich: Helme müssen mit vier reflektierenden Aufklebern versehen sein. Die offizielle Regelung besagt: Ein Motorradhelm muss vier reflektierende Aufkleber haben, einen auf jeder Seite: vorne, hinten, rechts...
Kartenmaterial
Wer gerne gedrucktes Kartenmaterial zur Planung und für die Reise einsetzt, hat es bei der großen Auswahl von geeigneten Landkarten nicht einfach. Mit den »Gelben« von Michelin kann man aber in der Regel nichts falsch machen.
- Für die französische Seite der Pyrenäen benötigt man somit mehrere Einzelkarten der gelben »Michelin local«-Karten:
- Michelin local 342 Hautes-Pyrénées / Pyrénées-Atlantiques
- Michelin local 343 Garonne-Tal, Pays de Foix
- Michelin local 344 Roussillon
- Michelin bietet zusätzlich die grünen »Michelin zoom«-Karten im Maßstab 1:150.000 an, die sowohl die französische als auch die spanische Seite der Pyrenäen abbilden:
- Michelin zoom 146 Östliche Pyrenäen, Andorra
- Michelin zoom 145 Hochpyrenäen
- Michelin zoom 144 Atlantische Pyrenäen, San Sebastian, Biarritz
- Will man weiter zu den Picos de Europe, sind diese zoom-Karten geeignet:
- Michelin zoom 143 Costa de Cantabria / Kantabrische Küste
- Michelin zoom 142 Asturien, Costa Verde
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