Motorradreifen Beschriftung: Eine umfassende Erklärung

Ein Reifen zeigt auf seiner Seitenwand eine Menge Informationen über sich, z. B. seine Größe, seine Bauart, seine zulässige Höchstgeschwindigkeit, seinen Lastindex und sein Alter. Was sie bedeuten, erfährst du hier. Ein Reifen zeigt auf seiner Seitenwand eine Menge Informationen.

Größe, Tragfähigkeit und Geschwindigkeit

Was also bedeutet zum Beispiel die Zeichenfolge 160/60 ZR 17 M/C (69W) genau?

  • Die erste Zahl 160 bezeichnet die Reifenbreite in Millimetern, früher waren auch Zoll-Angaben üblich.
  • Die Zahl nach dem Schrägstrich 60 gibt das Verhältnis von Höhe zu Breite in Prozent an: 60 Prozent von 160 mm bedeuten also 96 mm Höhe.
  • Bei Reifen mit Radialkarkasse und obligatorischem Gürtel (sogenannte Radialreifen) folgt ein R, dem ein Z für die Zulassung über 240 km/h voranstehen kann - beides ist hier zu sehen.
  • Bei einem Reifen mit Diagonalkarkasse ohne Gürtel ("Diagonalreifen") stünde stattdessen ein Bindestrich.
  • Reifen mit Diagonalkarkasse und Gürtel ("Diagonalgürtelreifen") kennzeichnet an dieser Stelle ein B (wie "belt", englisch für Gürtel).
  • Die nächste Zahl, hier 17, ist der Felgendurchmesser in Zoll.
  • M/C zeigt an, dass es sich um einen Motorradreifen handelt.
  • Die folgende Ziffernangabe ist der Lastindex: Je höher die Zahl, desto mehr Last kann der Reifen tragen. Die 69 steht für eine maximal zulässige Last von 325 kg.
  • Der letzte Buchstabe, hier W, gibt die zulässige Geschwindigkeit an; der Reifen ist also für 270 km/h zugelassen.

Geschwindigkeitscodes bei Reifen

Im Einzelnen bedeuten die Buchstaben, die die zulässige Geschwindkeit codieren:

  • J = 100 km/h
  • K = 110 km/h
  • L = 120 km/h
  • M = 130 km/h
  • N = 140 km/h
  • P = 150 km/h
  • Q = 160 km/h
  • R = 170 km/h
  • S = 180 km/h
  • T = 190 km/h
  • U = 200 km/h
  • H = 210 km/h
  • V = 240 km/h
  • W = 270 km/h
  • (W) = >271 km/h
  • Y = 300 km/h

Ein Reifen muss für die in den Fahrzeugpapieren eingetragene Höchstgeschwindigkeit + 10 % geeignet sein. Ein Motorrad, das laut Fahrzeugpapieren 185 km/h erreichen kann, braucht also Reifen mit dem Geschwindigkeitsindex H oder höher (185 x 1,1 = 203,5).

Wie alt ist der Reifen?

Die DOT-Nummer (DOT = Department of Transportation, das US-Verkehrsministerium) gibt codiert das Herstellungswerk, die Reifengröße und den Reifentyp wieder. In dem ovalen Feld dahinter ist die Produktionswoche vermerkt: 1516 bedeutet, dass der Reifen in der 15. Kalenderwoche des Jahres 2016 hergestellt wurde.

Drehrichtung eines Reifens

Mindestens ein Pfeil auf dem Reifen zeigt seine Drehrichtung an, damit das Profil seine Aufgaben (u. a. Wasserabführung) bestmöglich erledigen kann. Mindestens ein Pfeil zeigt die Drehrichtung an.

Aufbau eines Motorradreifens

Selbst das Innenleben des Reifens offenbart sich auf der Außenwand: Der Reifen auf dem Bild hat eine Lage Kunstfaser ("Rayon") und eine Lage Stahl ("Steel") unter der Lauffläche, außerdem eine Lage Kunstfaser in der Seitenwand. Draußen steht dran, was innen zu finden ist.

Zentral für den Aufbau eines Reifens sind die Karkasslagen. Diese bilden das Grundgerüst Ihrer Reifen. Sie bestehen aus mehreren Schichten hochfesten Kunstfasergewebelagen, die in das Gummi eingearbeitet sind. Über den Karkasslagen befinden sich die Gürtellagen. Gürtellagen sind in der Regel aus Stahl gefertigt und liegen direkt unter der Lauffläche. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Form des Reifens unter der Last des Fahrzeugs zu stabilisieren und den Rollwiderstand zu minimieren. Der Wulstkern als innerer Ring des Reifens ist jener Teil, der sicherstellt, dass der Reifen auf der Felge hält. Er besteht aus mehreren Stahldrahtreihen, die so entwickelt sind, dass sie besonders widerstandsfähig gegenüber Druck sind. Die Anzahl der Stahlreihen bestimmt den Grad der Stabilität. Über dem Wulstkern liegt der sogenannte Kernreiter, eine zusätzliche Gummischicht, die zur weiteren Verstärkung des Reifens dient. Direkten Kontakt zum Boden hat letztlich nur die Lauffläche. Um den unterschiedlichsten Untergründen standzuhalten, wird sie aus einer speziellen Gummimischung gefertigt, die je nach Reifentyp (Sommer, Winter, Ganzjahresreifen) variiert.

Karkasslagen eines Diagonalreifens

Diagonalreifen haben mehrere sich kreuzende Karkasslagen, die einen sehr steifen Reifenaufbau bilden, bei hohem Tempo aber ein großes dynamisches Reifenwachstum verursachen und sich außerdem stark aufheizen.

Karkasslagen eines Radialreifens

Bei Radialreifen dagegen verläuft zum Teil nur eine Karkasslage 90 Grad quer zur Laufrichtung.

Motorrad-Reifengrößen erklärt

Es gibt eine Reihe von Faktoren, die die Größe eines Reifens bestimmen. Wie Sie sehen werden, geht es nicht nur um das Verhältnis von Höhe zu Breite.

  • ZR: Das „R“ steht für Radialbauweise.
  • (73 W): Die Zahl steht für die Tragfähigkeit des Reifens und der darauf folgende Buchstabe für die Geschwindigkeitsklasse. Entsprechende Tabellen zeigen, welche maximale Last der Reifen tragen und mit welcher Höchstgeschwindigkeit er gefahren werden kann. In diesem Beispiel bedeutet 73, dass der Reifen eine Last von bis zu 365 kg tragen kann. Das (W) bedeutet, dass er mit über 270 km/h gefahren werden kann.

Von der Reifenkennzeichnungen Ihres Motorrads können Sie wie bereits erwähnt ablesen, zu welcher Konstruktionsart Ihre Motorradreifen gehören. Radialreifen, erkennbar am Buchstaben „R“ auf der Seitenwand, bringen Ihnen einen erhöhten Komfort selbst bei hohen Geschwindigkeiten durch ihre flexiblen Seitenwände mit. Stöße von unebenen Straßen werden besser absorbieren.

Diagonalreifen können ein höheres Gewicht tragen, da ihre Seitenwände steifer sind. Ein Diagonalreifen ist durch einen Bindestrich gekennzeichnet (z.B.: 120/70 - 12). Radialreifen bieten mehr Komfort bei hohen Geschwindigkeiten, da ihre weichen Seitenwände die Stoßwirkung von unregelmäßigen Fahrbahnoberflächen dämpfen. Radialreifen werden für leistungsstarke Fahrzeuge mit sehr steifem Fahrgestell und für sportliche Zwecke benötigt. Ein Radialreifen ist durch den Buchstaben R auf dem Reifen gekennzeichnet.

Ein Diagonal-Gürtelreifen (Bias-Belted) ist durch den Buchstaben B auf dem Reifen gekennzeichnet (z.B.: 180/65 B 16). Diagonal-Gürtelreifen werden so genannt, weil der Reifenquerschnitt durch einen „Gürtel“ verstärkt wird.

Weitere wichtige Aspekte

  • Der Geschwindigkeitsindex: Der Geschwindigkeitsindex eines Reifens gibt die maximale Geschwindigkeit an, für die ein Reifen zugelassen ist. Bei Motorradreifen finden Sie diesen Index häufig in Kombination mit dem Lastindex, zum Beispiel als „73W“. Der Buchstabe „W“ steht in diesem Fall für eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 270 km/h.
  • Die Reifenbreite: Die Reifenbreite, angegeben in Millimetern, ist die erste Zahl in der Reifenbezeichnung. Diese Breite ist für die Aufstandsfläche des Reifens entscheidend und beeinflusst damit direkt, wie viel Grip der Reifen auf der Straße hat.
  • Das Reifenprofil: Das Reifenprofil, das durch seine Rillen und Blöcke auf der Lauffläche charakterisiert wird, ist entscheidend, wenn es um den Kontakt zum Boden bei Nässe geht und beeinflusst die Traktion auf unterschiedlichen Fahrbahnoberflächen. Ein tieferes Profil mit ausgeprägten Rillen verbessert die Leistung bei Regen, indem es Wasser effektiver verdrängt und Aquaplaning vorbeugt.
  • Die Kennzeichnung „ZR“: Die Kennzeichnung „ZR“ bei Motorradreifen steht für einen Reifentyp, der für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt ist und zeigt an, dass sie für Geschwindigkeiten über 240 km/h verstärkt sind. ZR umfasst die Geschwindigkeitsklassen V (über 240 km/h), W (über 270 km/h) und Y (über 300 km/h). Bis 1990 wurde ZR verwendet, um Hochleistungsreifen zu kennzeichnen. In modernen Bezeichnungen wird „ZR“ oft in Kombination mit dem direkten Geschwindigkeitssymbol wie „W“ oder „Y“ verwendet, um präzise Geschwindigkeitsgrenzen anzugeben.

Nachdem Sie nun die allgemeinen Grundlagen kennen, können wir einen Blick auf Motorrad-Reifengrößen für bestimmte Einsatzbereiche werfen.

Motorrad-Reifengrößen für den Straßenverkehr

Wenn Sie im Straßenverkehr unterwegs sind, müssen Sie laut Gesetz die vom Hersteller Ihres Motorrads empfohlenen Abmessungen einhalten. Diese Abmessungen sind auf Ihren Originalreifen angegeben, insofern Sie diese nie gewechselt haben.

Aber wie wir noch sehen werden, gelten diese Verpflichtungen nicht, wenn Sie ausschließlich auf anderem Gelände fahren.

Motorrad-Reifengröße für den Geländeeinsatz

Sie sind nur abseits des Straßenverkehrs unterwegs? Dann sind Sie nicht an die gesetzlichen Vorschriften für den Straßenverkehr gebunden. Deshalb können Sie die Reifengröße nach Kriterien wählen, die für Ihren Einsatz relevant sind. Im Enduro- und Motocross-Bereich entscheiden sich manche Fahrer für einen schmaleren Reifen, um ein besseres Handling zu erreichen. Andere wählen einen breiteren Reifen für mehr Grip mit Stollen. Beachten Sie, dass die Abmessungen für diese beiden Offroad-Disziplinen nicht identisch sind. Die Breite von Motocross-Reifen wird an der Unterseite der Stollen gemessen, während die Breite von Enduro-Reifen an der breitesten Stelle, d.h. an der Oberseite der Stollen, gemessen wird.

Nutzen Sie diese Tabelle mit Enduro-/Motocross-Reifengrößen, um die richtigen Abmessungen zu wählen:

ENDURO CROSS
90/90-21 80/100-21
120/80-19 100/90-19
130/70-19 110/90-19
120/90-18 100/100-18
130/80-18 110/100-18
140/80-18 120/90-18

Motorrad-Reifengrößen für Rennstrecken

Für die Rennstrecke montieren einige Fahrer einen breiteren Hinterreifen, um mehr Grip zu erhalten. Wettkampfreifen tragen in der Regel die Abkürzung NHS (Not for Highway Service). Dies bedeutet, dass diese Reifen nicht für den Straßenverkehr zugelassen sind.

Was ist mit Reifengrößen für Retro-Motorräder?

Wenn Sie ein älteres Motorrad besitzen, haben Sie vielleicht Schwierigkeiten, die richtige Größe für Ihren neuen Reifen zu finden, da sich die Nomenklatur im Laufe der Zeit geändert hat.

Hier's how:Kompatibilität von Motorrad-Reifengrößen In dieser Tabelle finden Sie die entsprechenden Maße in Zoll und in Millimetern:
DIMENSIONS IN MM DIMENSIONS IN INCHES
50/100 2.00
60/100 2.25
70/100 2.50
80/80 2.75
80/90 2.75 - 3.00
90/90 3.00 - 3.25 - 3.60
100/90 3.50 - 4.10
110/90 4.00 - 4.10 - 4.60
120/80 4.25 - 4.50 - 4.60
120/90 4.25 - 4.50
130/80 4.50 - 4.60 - 5.10
130/90 4.50 - 4.60 - 5.10
140/80 4.50 - 5.10 - 5.50
140/90 5.10 - 5.50

Beachten Sie außerdem, dass das alphanumerische System noch immer bei bestimmten Reifen von Harley Davidson und anderen amerikanischen Custombikes verwendet wird.

Wenn Sie eine solche Maschine fahren, finden Sie die entsprechenden Maße in dieser Tabelle:

ALPHANUMERIC SIZE MARKINGS METRIC SIZE MARKINGS
MH90 80/90
MJ90 90/90
MM90 100/90
MN90 110/90
MP85 110/90
MR90 120/90
MT90 130/90
MU85/MU90 140/90
MV85 150/80 150/90

Jetzt kennen Sie die wichtigsten Informationen über Motorrad-Reifengrößen.

Zusätzliche Erklärungen

  • Auswuchten: Eine ungleiche Massenverteilung im Reifen verursacht bei der Drehbewegung des Rades Vibrationen.
  • Fabrikatsbindung/Freigaben: Insbesondere bei PS-starken, schnellen Motorrädern sind neben der Reifengröße auch das Fabrikat und/oder das Profil in die Fahrzeugpapiere eingetragen. Davon kann u. U. abgewichen werden, wenn die Bezeichnung auf dem Reifen (z.B. 160/70 B 17 73V) vollständig mit den Angaben in den Fahrzeugpapieren übereinstimmt und der Reifen ein Europa-Prüfzeichen trägt. Oder es liegt eine offiziell bestätigte Freigabe-Bescheinigung vom Fahrzeug- bzw.
  • Luftdruck: Sollte einmal in der Woche bei kalten Reifen gemäß Angaben im Fahrerhandbuch überprüft werden. Zu niedriger Luftdruck verschlechtert das Fahrverhalten und führt zu vermehrter Walkarbeit, was in Reifenschäden enden kann.
  • Multi Compound: Englischer Oberbegriff für Reifen mit unterschiedlich harten Gummimischungen auf der Lauffläche.
  • Profiltiefe: Wichtiges Element der Wasserverdrängung - je tiefer, umso besser. Die StVZO verlangt 1,6 mm Profiltiefe, ein Austausch ist jedoch schon bei spätestens 2 mm Restprofiltiefe empfehlenswert.
  • Silica: Anderes Wort für Kieselsäuregel.
  • Vulkanisieren: Die Verbindung der einzelnen Reifenkomponenten (Karkasslagen, Lauffläche, evtl.
  • Walkarbeit: Verformung des Reifens durch äußere Einflüsse wie Beschleunigen, Bremsen oder die Fahrbahnbeschaffenheit. Dabei bewegen sich die Karkassenlagen, wodurch Reibungswärme entsteht.

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