Der sogenannte Endantrieb eines Motorrades leitet die Kraft vom Getriebeausgang zum Hinterrad. Motorräder verwenden eine von drei Bauarten, um die Kraft ihres Verbrennermotors ans Hinterrad weiterzuleiten: Kette, Kardan oder Zahnriemen. Diese drei Varianten unterscheiden sich nicht nur in ihrer Funktionsweise, sondern besonders auch in Bezug auf den Wartungsaufwand und die Reparaturmöglichkeiten.
Die Kette
Der im Motorradbau am häufigsten verwendete Sekundärantrieb ist die Kette. Ein Kettenantrieb ist nicht nur einfach aufgebaut, sondern vor allem kostengünstig zu produzieren. Sofern die Kette richtig gespannt und geschmiert ist, hat er nur einen geringen Leistungsverlust. Niedriges Gewicht, ein relativ einfacher Wechsel des Kettensatzes sowie die Möglichkeit, die Übersetzung mithilfe von größeren/kleineren Kettenrädern zu ändern, sind weitere Vorteile der Kette. Der größte Nachteil ist ihre aufwendigere Pflege (Schmieren, Reinigen und Spannen) sowie die begrenzte Lebensdauer.
Wartung und Reparatur
Die Kette eines modernen Motorrads läuft wegen des dürftigen Kettenschutzes leider relativ ungeschützt und muss deshalb regelmäßig (alle 300-500 km!) nachgeschmiert sowie gegebenenfalls gereinigt werden. Dank moderner O-Ring-Ketten ist allerdings nur eine Schmierung von außen nötig. Mangelnde Schmierung führt zu hohem Verschleiß, Leistungsverlust sowie stärkeren Lastwechselreaktionen. Eine gut geschmierte Kette kann bis zu 40.000 km halten, ungepflegte Exemplare sind oft schon nach weniger als 10.000 km am Ende ihrer Lebensdauer. Geschmiert wird mit handelsüblichem Kettenspray, das vor Korrosion schützt und die Reibung reduziert. Die Kette sollte vor dem Auftragen sauber und trocken sein.
Da sich eine Kette im Laufe der Zeit kontinuierlich längt, muss man die Spannung regelmäßig prüfen. Ist sie zu stramm, wird die Kette übermäßig gedehnt und eventuell die Federung beeinträchtigt. Die Folgen sind ein extrem hoher Verschleiß und erhöhter Druck auf das Getriebeausgangslager. Im schlimmsten Fall kann die Kette sogar reißen. Eine zu locker gespannte Kette peitscht und schlägt beim Gaswegnehmen, verschleißt dadurch schneller und kann im Extremfall ab- oder überspringen.
Der Zahnriemen
Die Alternative zum Kettenantrieb ist der Zahnriemen, der ein fast identisches Prinzip hat, aber aus einem anderen Material besteht. Sein größter Vorteil ist der geringere Wartungsaufwand. Er muss nicht geschmiert werden, ist leiser, hat aufgrund der Elastizität des Riemens geringere Lastwechselreaktionen und eine Lebensdauer von ca. 40.000 km. Allerdings ist er breiter, benötigt daher mehr Platz und hat einen etwas höheren Leistungsverlust als ein Kettenantrieb. Da er aus mit Nylon oder Kevlar verstärktem Gummi besteht, altert er und kann spröde werden und reißen. Verbaut wird er überwiegend bei Harley-Davidson und Buell, aber auch bei einigen BMWs. Spezialisten bieten auch eine Umrüstung von Kette auf Zahnriemen an, die Kosten hierfür betragen etwa 1.500 Euro.
Wartung und Reparatur
Läuft der Riemenantrieb mit quietschenden Geräuschen, ist das Hinterrad oft nicht richtig justiert. Grundsätzlich sollte der Riemen aber nicht geschmiert werden, da sich sonst Schmutzpartikel sammeln, die schmirgelnd wirken. Wie bei einer Kette muss die Spannung natürlich kontrolliert werden. Ein Nachspannen ist in der Regel aber viel seltener erforderlich, oft erst nach 8.000 km. Die Kontrolle der Spannung erfolgt meist mithilfe eines speziellen Riemenspannungsmessers, der einen entsprechenden Druck aufbaut. Die Vorgehensweise ist je nach Bauart unterschiedlich, deshalb unbedingt die Angaben im Handbuch beachten!
Ein Austausch des Zahnriemens ist nach ca. 40.000 Kilometern vorgesehen und erfordert einen Ausbau der Schwinge. Je nach Modell werden neben dem Riemen auch die Riemenscheiben sowie die Ruckdämpfer gewechselt.
Der Zahnriemenantrieb ist leiser als ein Kettenantrieb. Moderne Zahnriemenantriebe sind gewöhnlichen Kettenantrieben in vielen Punkten überlegen. Auf dem ersten Blick besitzt der Zahnriemenantrieb für Motorräder sogar nur Vorteile: Leiser als die Kette ist der Zahnriemen beinahe wartungsfrei und besitzt obendrein in etwa die doppelte Lebensdauer. Zudem ist der Wirkungsgrad hoch, was insbesondere gegenüber dem Kardanantrieb als Vorzug zu nennen ist.
Die Bestandteile des Riemenatriebs ähneln jenen der Kette: Anstelle der Kettenräder werden Riemenscheiben eingesetzt, der Riemen selbst ersetzt die Kette als solches. Um die Lebensdauer zu erhöhen, sollte der Riemen in einem möglichst großen Radius laufen - dadurch wird er weniger stark geknickt. Hier zeigt sich auch einer der Nachteile des Antriebes: Die hintere Riemenscheibe fällt deutlich größer aus als ein vergleichbares Kettenrad, worunter vor allem die Optik leidet.
Der im Motorradbau verwendete Antriebsriemen wird auch "Synchronriemen" genannt. Die auf der Innenseite befindlichen Zähne bestehen aus Polyurethan oder Neopren und greifen in ein spezielles Zahnrad ein, das am Hinterrad befestigt ist. Die im Vergleich zum klassischen Keilriemen mögliche Verkleinerung des Umschlingungswinkels bietet den Vorteil eines schlupflosen Antriebs und einer damit verbundenen Laufruhe.
Die Lebenserwartung eines Antriebsriemens ist trotz seiner Robustheit kurzlebiger als die eines Kardanantriebs. Der Zahnriemen besteht aus Aramidfasern, wobei an der Innenseite ein abriebfestes Gewebe angebracht ist, um den Verschleiß der Zähne so gering wie möglich zu halten. Genau wie beim Kettenantrieb, gibt es spezielle Zahnriemensprays zur Pflege.
Nachgespannt wird der Zahnriemen ähnlich wie die Kette. Du solltest die Maschine dabei mit Deinem eigenen Körpergewicht belasten. Der obere Trum muss sich üblicherweise einige Millimeter durchdrücken lassen - dann ist der Riemen richtig gespannt. Wie viele Millimeter das sind, hängt vom jeweiligen Zahnriemen ab - hier gibt die Betriebsanleitung des Motorrades Auskunft. Sonstige Wartungsarbeiten fallen nicht an.
Problematisch ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass - anders als bei der Kette - nicht anhand einer Längung festgestellt werden kann, wann der Austausch stattfinden sollte. Wie beim Zahnriemenwechsel in einem Motor wird deshalb aus Sicherheitsgründen prophylaktisch getauscht - zumeist bei 40.000 km. Nachteilig bei der Zahnriemenkonstruktion ist das höhere Gewicht im Vergleich zu Motorradketten sowie die geringere Temperaturbeständigkeit und eine höhere Empfindlichkeit gegenüber mechanischen Einflüssen, wie zum Beispiel das Verdrehen oder Knicken des Riemens.
Der eigentliche Nachteil, der bei den Herstellern zum Zögern beim Einsatz von Zahnriemenkonstruktionen führt, liegt in der benötigten Größe des Bauraums. Zudem ist es für den Zahnriemen deutlich wichtiger, dass die Spannung stimmt und der Riemen korrekt in der Flucht läuft. Bereits erwähnt wurde, dass der Zahnriemen nicht in einem so engen Winkel wie die Kette umgelenkt werden kann, was größere Riemenscheiben erfordert. Aus diesem Grund kann es notwendig werden, Änderungen am Fahrwerk vorzunehmen.
Das Preis-/Leistungsverhältnis eines Sekundärantriebs mittels Synchronriemens ist im Vergleich zu allen anderen Varianten mit Abstand am günstigsten. Die Anschaffungskosten sind erheblich geringer als beim Kardanantrieb und Wartungskosten fallen aufgrund der Wartungsfreiheit überhaupt nicht an. Zudem ist der Antriebsriemen langlebiger als eine klassische Kette. Sogar das Umrüsten von einem Ketten- zum Zahnriemenantrieb ist möglich.
Die Kardanwelle
Bei einer Kardanwelle wird die Kraft über eine Gelenkwelle zum Hinterrad übertragen. Da es sich um ein geschlossenes System handelt, ist der Kardanantrieb ein ebenso sauberes wie wartungsfreundliches Konzept und außerdem sehr langlebig. Die Nachteile sind das hohe Gewicht, ein höherer Leistungsverlust und je nach Bauart eventuell auch stärkere Lastwechselreaktionen.
Wartung/Reparatur
Die Wartung eines Kardanantriebs beschränkt sich normalerweise auf einen Ölwechsel, der nach Herstellerangaben (Spezifikation des Öls, Vorgehensweise etc.) durchgeführt wird. Sofern die Maschine über gut zugängliche Ablass-/Einfüll-Schrauben verfügt, ist das relativ einfach und kann meist auch problemlos von Laien durchgeführt werden. Schwieriger wird das z. B. bei einigen BMW-Boxern, da der Aufwand erheblich größer ist. Der Wechsel erfolgt möglichst bei betriebswarmer Maschine, und das alte Öl wird auf Abrieb kontrolliert. Einfüll- und Ablassschraube werden mit neuem Dichtring und vorgegebenem Drehmoment wieder eingeschraubt.
Ein wachsamer Blick sollte auch regelmäßig dem Endantriebsgehäuse gelten. Tritt hier wegen defekter Dichtringe Öl aus, kann es auf Reifen oder Bremsscheibe gelangen - gefährlich! Die eigentliche Kardanwelle sowie das Kreuzgelenk laufen fast immer trocken und werden werksseitig meist mit MoS2-Fett geschmiert. Ein defekter Kardan macht sich häufig durch eine stärkere Geräuschentwicklung bemerkbar. Ein beschädigtes Kreuzgelenk/Welle lässt sich im Prinzip mit überschaubarem Aufwand tauschen.
Vor- und Nachteile im Überblick
Alle drei Arten die Kraft zu übertragen haben ihre Stärken und Schwächen. Wo welcher Antrieb zum Einsatz kommt ist in erster Linie vom Gesamtkonzept, dem Einsatzgebiet und dem angestrebten Preissegment abhängig, in dem die Maschine mitmischen soll.
| Antriebsart | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Kette | Preiswert, schnell gewechselt, geringes Gewicht, Möglichkeit zur Anpassung der Übersetzung | Hoher Wartungsaufwand, Verschmutzung, kürzere Lebensdauer |
| Zahnriemen | Wartungsarm, lange Lebensdauer, leiser Betrieb | Benötigt mehr Platz, aufwendiger Austausch, höhere Empfindlichkeit gegenüber Beschädigungen |
| Kardanwelle | Wartungsarm, lange Lebensdauer, sauberes System | Aufwendige Konstruktion, hohes Gewicht, höherer Leistungsverlust |
Der Riemenantrieb ist insbesondere für Stadtmotorräder und Cruiser eine optimale Wahl, da er dort mit leiser Performance und niedrigem Wartungsaufwand punktet.
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