Im Sommer stellt sich für Motorradfahrer die Frage, wie man trotz hoher Temperaturen sicher unterwegs sein kann. Lederkombis und Touren-Textilanzüge bieten zwar zuverlässigen Schutz, lassen aber oft die nötige Belüftung vermissen. Viele greifen dann zu T-Shirt, Sneakern und kurzer Hose, was jedoch ein hohes Risiko birgt.
Eine wesentlich bessere Alternative sind Meshjacken, die großflächig auf ein Netzgewebe aus Polyester oder Polyamid setzen. Diese versprechen beste Belüftung und dennoch ausreichend Schutz. Doch wie viel Sicherheit darf man, in ein solches Netz gepackt, tatsächlich erwarten? Dieser Frage mussten sich mehrere Meshjacken in diversen Tests stellen.
Motorrad Textiljacken: Drei Schichten Schutz
Grundsätzlich ist eine Textiljacke in drei Schichten aufgebaut:
- Äußere Schicht: Zumeist aus widerstandsfähigem Cordura.
- Membran: Eine wind- und wasserundurchlässige Membran, wobei man zwischen Z-Liner und 2- oder 3-Lagen-Laminat unterscheidet.
- Innenfutter: Ein wärmendes Innenfutter, das oft herausnehmbar ist.
Ein Z-Liner ist etwas kostengünstiger in der Produktion, hat aber den Nachteil, dass sich die Außenjacke bei Regen vollsaugt und schwer wird. Bei den Membranen unterscheidet man porige und rein physikalische.
Die Norm EN 17092 für Motorradbekleidung
Die mittlerweile für Motorradbekleidung gültige Norm EN 17092 soll es leichter machen, die zu erwartenden Schutzeigenschaften einer Jacke zu erkennen. Dazu findet sich auf dem Etikett einer von drei Buchstaben, nämlich C (Aufprallschutz), B (Abriebschutz) oder A (Aufprall- und Abriebschutz). Je nachdem, wie gut bzw. lange die Schutzkleidung bei einem (simulierten) Sturz hält, kann sie auch mit AA oder AAA ausgezeichnet sein. Letzteres erreichen robuste Textil- und Lederkombis sowie manche Jeans. Meshjacken hingegen sind in der Regel "nur" mit einem A zertifiziert.
Das Mindestmaß sieht so aus, dass Zone 3 (hellblau) gar nicht auf Abriebfestigkeit geprüft wird - also all jene Bereiche, die bei einer Meshjacke typischerweise aus Netzgewebe bestehen. Solche Bekleidung soll laut Norm auf möglichst geringe Ergonomie- und Gewichtsbelastungen ausgerichtet sein und darf sich dafür auf ein Mindestmaß an notwendigem Schutz konzentrieren. Von daher sollten Käufer auf vertrauenswürdige Materialien achten, zum Beispiel Polyamid oder robusteres Polyester (z. B. 600D).
Ausgewählte Modelle im Test
Mehrere Modelle wurden auf ihre Eigenschaften und Schutzwirkung getestet. Hier eine Auswahl:
- Macna Orcano 2.0: Eine leichte Motorradjacke für den Sommer mit Mesh-Material für Kühlung.
- Modeka Khao Air II: Eine vollwertige Tourenjacke mit Membran und wasserdicht.
- Rev’it Swiftblade: Eine sportlich geschnittene Meshjacke mit Verstärkungen aus Echt- und Kunstleder.
- Scott X-Tream Air: Punktet mit hochwertigem Obermaterial und Komfort.
Detaillierte Betrachtung ausgewählter Jacken
Macna Orcano 2.0
Die Macna Orcano 2.0 Meshjacke ist eine leichte Motorradjacke für den Sommer. Front und Rücken bestehen zum größten Teil aus Mesh-Material, sodass schon ein leichter Luftzug für deutliche Kühlung reicht. Das 3D-Meshgewebe ist so konstruiert, dass es eine erhöhte Luftaufnahme ermöglicht, die am Körper vorbeiströmen und ihn dabei kühlen kann. Die Motorrad Airflow Jacke lässt sich an den Oberarmen sowie am Ärmel- und Jackenbund einstellen und trägt sich luftig leicht. An Ellbogen und Schultern sind Macna Risc Level-1-Protektoren verbaut, ein Rückenprotektor gleichen Bautyps lässt sich nachrüsten. Auffällig im Test war der sehr feingliedrige Reißverschluss, der viel Gefühl in den Handschuhen verlangt.
Modeka Khao Air II
Die Modeka Meshjacke ist mit einer Innenjacke mit Membran ausgestattet und wasserdicht. Unter dem 3D-Meshgewebe aus Polyamid versteckt sich eine Innenjacke mit Humax-Membrane mit 10.000 mm Wassersäule. Ihre Schutzklasse-2-Zertifizierung erhält die Sommerjacke durch Level-2-Protektoren an Ellbogen und Schultern, an den Ellbogen und Schultern kommt eine Materialverstärkung zum Tragen. Der Motorradfahrer kann sich die zweifach an den Armen sowie an der Taille über Klett einstellen. Sie lässt sich über einen langen Verbindungsreißverschluss nahtlos mit der gleichnamigen Hose fügen.
Rev’it Swiftblade
Die Swiftblade von Rev’it markiert den Sportler im Motorrad Airflow Jacken Test. Über Versteller an Taille und Oberarmen lässt sich die Meshjacke an den Träger anpassen. Trotz geringen Gewichts sind die Schultern und Ellbogen mit Echt- und Kunstleder verstärkt. Darunter befinden sich angenehm dünne Seesmart-Level-1-Protektoren. Der Rest ist aus Ripstop 600D Material gefertigt.
Scott X-Tream Air
Was bei der Scott X-Tream Air als erstes auffällt, ist das sehr hochwertig wirkende Obermaterial der Airflow-Jacke. Ohne es genau zu wissen, fühlt sich das Obermaterial an Schultern und Ellbogen wie eine Art Wildleder an. Die X-Tream Air lässt sich nur an der Taille verstellen und ist daher eher leger geschnitten. Die Sommerjacke mit Schutzklasse AA besitzt an Schultern und Ellbogen hochwertige Level-1-D3O-Protektoren. Zum großen Sortiment an Scott-Hosen passt der lange Verbindungsreißverschluss.
Weitere Optionen und Aspekte
Neben den genannten Modellen gibt es noch zahlreiche weitere Optionen auf dem Markt. Einige Fahrer bevorzugen 3-Lagen-Laminatanzüge als Kompromiss, während andere auf Mesh-Anzüge mit zusätzlichen Schlechtwetter-Overlays setzen. Auch die Kombination aus Motorradjeans und Meshjacke ist eine gängige Wahl. Wichtig ist, die individuellen Bedürfnisse und Einsatzbedingungen zu berücksichtigen.
Weitere erwähnenswerte Punkte:
- Belüftung: Große Mesh-Flächen sind entscheidend für eine gute Belüftung.
- Passform: Eine gut sitzende Jacke flattert nicht und bietet optimalen Schutz.
- Protektoren: Schulter-, Ellbogen- und Rückenprotektoren sollten vorhanden oder nachrüstbar sein.
- Material: Auf abriebfeste Materialien wie Polyamid oder robustes Polyester achten.
- Zusatzfeatures: Herausnehmbare Futter, wasserdichte Membranen und Verstellmöglichkeiten erhöhen den Komfort und die Flexibilität.
Testergebnisse und Kaufberatung
Die Motorrad-Sommerjacken zeigen, wie unterschiedlich Komfort, Schutz und Funktion je nach Einsatzbereich ausfallen können. Während die Macna Orcano 2.0 mit einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis vor allem hitzegeplagte Stadtfahrer anspricht, bietet die Modeka Khao Air II durch ihre integrierte Membran echte Touring-Qualitäten und Allround-Tauglichkeit. Rev’it Swiftblade überzeugt mit sportlicher Optik und doppelter „AA“-Zertifizierung, richtet sich aber klar an Performance-orientierte Fahrer. Die Scott X-Tream Air punktet mit hochwertiger Haptik und viel Komfort - ideal für Abenteuerlustige und Naked-Bike-Fans.
Empfehlungen und Tipps von Motorradfahrern
Viele Motorradfahrer schwören auf Meshjacken in Kombination mit zusätzlichen Schichten für kältere Tage oder Regenfahrten. Die Wahl der richtigen Motorradbekleidung ist eine individuelle Entscheidung, die von den persönlichen Vorlieben, dem Fahrstil und den typischen Einsatzbedingungen abhängt. Es lohnt sich, verschiedene Modelle auszuprobieren und sich von Fachleuten beraten zu lassen.
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