Die Steuerkette ist ein wesentliches Bauteil vieler Motoren und läuft oft für lange Zeit wartungsfrei. Reißt sie aber, kann das zum Totalschaden des Motors führen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Schäden an der Steuerkette erkennen können und was im Falle eines Defekts zu beachten ist.
Aufgabe der Steuerkette
Im Viertaktverbrennungsmotor ist es unerlässlich, dass die Ein- und Auslassventile des Motors im exakten Timing mit der Kurbelwelle agieren. Die Steuerkette überträgt die Drehbewegung der Kurbelwelle auf die Nockenwelle(n). Dabei dreht sich die Kurbelwelle immer exakt mit der doppelten Drehzahl der Nockenwelle. Nur dann ist gewährleistet, dass sich die Ventile des Motors zum richtigen Zeitpunkt öffnen und schließen.
Steuerkette oder Zahnriemen?
Eine Steuerkette zur Verbindung von Kurbelwelle mit der Nockenwelle wird schon seit 1910 verwendet. Erst seit den 1980er-Jahren und dem Aufkommen von Plastik und Gummiteilen, wird die metallische Steuerkette größtenteils durch einen Zahnriemen aus Gummi (oder Polyurethan oder Kautschuk) ersetzt.
Die Verbreitung des günstiger zu verbauenden Zahnriemens erfolgt heute bei gut zwei Drittel der angebotenen Automodelle. Insbesondere bei kleineren Motoren greift man darauf zurück, weil der Zahnriemen weniger Platz benötigt als eine Steuerkette. Manche Hersteller wie BMW, Mercedes oder auch Porsche bei seinen Boxermotoren, lehnen einen Antrieb mittels Zahnriemen aus Tradition ab und halten überwiegend der Steuerkette die Treue. Vorzufinden ist sie heute vor allem bei leistungsstarken Triebwerken, da sie höhere Kräfte übertragen kann.
Wartung und Pflege der Steuerkette
Die meisten Hersteller geben für eine Steuerkette - anders als beim Zahnriemen - keine Wartungsintervalle an. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Lebensdauer einer Steuerkette unbegrenzt ist. Die einfacheren Simplex-Steuerketten sind in der Regel anfälliger. Höhere Belastungen vertragen Duplexketten (doppelte Kettenreihe). Vorgaben, wann eine Steuerkette gewechselt werden soll, gibt es bei den meisten Motoren ohnehin nicht.
Denn der Verschleiß des Kettenantriebs hängt stark von der individuellen Nutzung ab (siehe Ursachen von Steuerkettenschäden). Spätestens ab einer Laufleistung von 200.000 Kilometern ist es jedoch ratsam, die Steuerkette kontrollieren zu lassen. In einigen Fällen hält der Kettenantrieb eine halbe Million Kilometer. Es gibt aber auch fragile Motoren, die weit weniger als 100.000 Kilometer mit einer Steuerkette aushalten.
Zur Pflege der Steuerkette gehört, dass sie immer ausreichend geschmiert ist. Daher sind die Kontrolle des Ölstandes und regelmäßige Ölwechsel bei Steuerkettenmotoren äußerst wichtig. Experten empfehlen je nach Nutzungsprofil (Kurzstrecke/Langstrecke) die Ölwechselvorgaben der Hersteller zu unterbieten und auch Longlifeöle alle 10.000 bis spätestens 15.000 Kilometer zu wechseln. Auch andere wichtige Komponenten im Steuerkettenantrieb sind auf sauberes Öl angewiesen. Denn damit die Steuerkette ihren Dienst möglichst reibungsarm verrichten kann, benötigt es außerdem Gleitschienen und Kettenspanner. Vor allem der Kettenspanner kann für Probleme im Antrieb sorgen. Übt das mit Öldruck arbeitende Bauteil nicht den korrekten Druck auf die Kette aus, läuft diese nicht mehr straff und präzise über die Zahnräder.
Wer seinen Motor mit dem richtigen Öl versorgt und dieses regelmäßig wechselt, häufige Kurzstrecken vermeidet und viele Strecken mit einer konstanten Motorlast zurücklegt, hat beste Chancen, dass die Steuerkette lange durchhält.
Was kann an der Steuerkette kaputtgehen?
Wie jedes Bauteil unterliegt auch eine Steuerkette Verschleiß durch mechanische Beanspruchung. Die Hersteller dehnen zwar bereits vor der Erstmontage die Ketten, dennoch tritt eine Längung der Kette im Laufe der Zeit auf. Eine Längung außerhalb der Toleranzen sorgt bereits für falsche Steuerzeiten, so dass der Motor nicht optimal läuft (erhöhte Emissionen und Verbrauch, Ruckeln bei Lastwechseln, Leistungsverlust). Zudem erzeugt eine gelängte Kette oftmals ein Rasseln. Es kann sogar zum Überspringen einzelner Zähne auf den Zahnrädern führen, was in der Regel einen Motorschaden verursacht.
Neben der Steuerkette selbst sind auch weitere Bauteile wie Kettenspanner und Führungsschienen von Verschleiß betroffen. In einigen Fällen kann es ratsam sein, diese Bauteile wechseln zu lassen, um weiterhin einen optimalen Lauf der Steuerkette zu gewährleisten. Oft muss der Motor dafür jedoch so weit demontiert werden, dass der Austausch der Steuerkette gleich mit erfolgen sollte. Häufig werden Austauschteile als komplette Steuerketten-Ersatz-Sets angeboten. Diese enthalten dann alle relevanten Teile zum Austausch von Kette, Kettenspanner und Gleitschienen. Bei Boxer- und V-Motoren müssen zwei Steuerketten getauscht werden.
Diagnosegeräte erkennen über den Abgleich von Kurbelwellen- und Nockenwellensensor eine Kettenlängung. Allerdings sagen Hersteller wie VW, dass diese Möglichkeit nicht grundsätzlich genutzt wird, sondern nur "beanstandungsbezogen".
Zusammengefasst sind die typischen Verschleißteile bei einem Steuerkettenantrieb:
- Steuerkette
- Gleit- und Spannschienen
- Kettenspanner
- Kettenräder
Symptome: Daran erkennen Sie einen Steuerkettenschaden
Eine Längung der Steuerkette ist im Laufe des Lebens eines Motors normal und nicht automatisch kritisch. Verstellbare Nockenwellen können die Längung bis zu einem gewissen Grad ausgleichen. Liegt die Längung aber bereits außerhalb der vom Hersteller vorgegebenen Toleranz, treten oft Symptome auf. Das bekannteste ist das Rasseln oder Klappern der Steuerkette.
Weitere Symptome gelängter Steuerketten:
- Startschwierigkeiten: Auffallend lange Dauer, bis der Motor anspringt
- Leistungsverlust, mangelnder Durchzug, Zündaussetzer, unrunder Motorlauf
- Steuerkette rasselt beim Kaltstart
- Permanente rasselnde, klackernde oder schabende Geräusch bei laufendem Motor
- Starke Klapper- und Schlaggeräusche: Anbauteile wie die Umlenkrolle könnten gebrochen sein.
- Motorkontrollleuchte leuchtet: Das interne Diagnosesystem hat durch den Abgleich von Kurbelwellen- und Nockenwellensensor einen Längung der Steuerkette entdeckt
Ursachen von Steuerketten-Problemen
Oft ist nicht die Steuerkette selbst das Problem, sondern Bauteile im Steuerkettentrieb wie Kettenspanner, Nockenwellenversteller oder die mangelnde Einhaltung und Sorgfalt bei den Wartungsintervallen. Auch häufige Kurzstreckenfahrten verschlechtern die Schmiereigenschaften des Öls und belasten so die Komponenten. Denn veraltetes Öl, in dem sich viele Schwebstoffe durch Metallabrieb oder Verkokung befinden, gewährleisten keine optimale Schmierung. Das führt nicht nur zu stärkerem Abrieb an der Kette und Kettenrädern, sondern kann auch die Funktion der Nockenwellenversteller beeinträchtigen. Doch auch mangelhaft legierte Metalle an den Kettenrädern führten bereits zu Steuerkettenproblemen.
Longlife-Öle sehen Experten oft kritisch
Die teils sehr langen, variablen Wechselintervalle durch die von den Herstellern gern eingesetzten sogenannten Longlife-Öle sehen viele Experten kritisch. Stattdessen plädieren Fachfirmen besonders bei älteren Motoren für feste Ölwechselintervalle. Daher kann es in einigen Fällen ratsam sein, sich bei Werkstätten zu informieren, die Erfahrungen mit dem betroffenen Motortyp haben. Auch wenn deren Empfehlungen von den Wartungsvorgaben der Hersteller hinsichtlich Intervalllänge und Ölspezifikation abweichen. Wer sein Motoröl jährlich wechselt, der sollte dies etwa zur Hälfte des Winters tun. Denn durch Nässe und niedrige Temperaturen sammelt sich im Öl Feuchtigkeit, was die Schmierung verringert.
Erste Hilfe beim Defekt
Sollte man die oben aufgeführte Geräusche vernehmen, gibt es nur einen Weg: Und dieser muss direkt in die nächste Werkstatt führen. Nicht immer wird dann ein Steuerkettenwechsel durchgeführt. Manchmal genügt auch eine Neujustierung des Kettenspanners, um die Steuerkette wieder gleichmäßig laufen zu lassen. Ist die Steuerkette gerissen, gibt es keine andere Möglichkeit als das Fahrzeug per Autotransporter zur nächsten Werkstatt transportieren zu lassen.
Steuerkette wechseln
Da es sich bei einer Steuerkette nicht um ein Anbauteil handelt, muss der Motor an einer Seite geöffnet werden, um an die entsprechenden Bauteile zu kommen. Dies erfolgt an der Stirnseite des Motors, wo sich die Zahnräder von Kurbel- und Nockenwelle befinden. Der eigenständige Wechsel einer Steuerkette ist nur versierten Schraubern zu empfehlen. Denn wie beim Zahnriemenwechsel können auch bei der Steuerkette kleinste Fehler bei der Montage zu schweren Schäden führen.
Ändert man beim Zusammenbau die Stellung der Nockenwelle zur Kurbelwelle auch nur leicht oder merkt nicht, dass sich eines der Zahnräder weitergedreht hat, kann dies zu einem Motorschaden führen. Um das unfreiwillige Weiterdrehen der Zahnräder zu verhindern, benutzen Fachwerkstätten sogenannte Fixierwerkzeuge. Bei einem Privatmann finden sich diese mechanischen Helfer meist nicht in der Werkzeugkiste. Der Materialpreis für eine neue Steuerkette beginnt bei deutlich unter 100 Euro. Ein kompletter Steuerkettensatz kann jedoch über 1000 Euro kosten. Zu den teuersten Komponenten gehören die Nockenwellenversteller, über die aber nicht jeder Motor verfügt. Dazu kommen Kettenspanner, Gleitschienen und Kettenräder. Der Grund für die oft sehr hohen Kosten liegt jedoch vornehmlich an den Arbeitsstunden. Im besten Fall dauert ein Steuerkettentausch bei modernen Motoren drei bis vier Stunden. Je nach Einbaulage kann die Arbeitszeit über 20 Stunden betragen, weil bei einigen Modellen der ganze Motor demontiert werden muss (rückwärtig eingebaute, unzugängliche Steuerkette). Auch V-Motoren erzeugen neben einem höheren Material- auch einen höheren Arbeitsaufwand.
Tipp: Besprechen Sie vor der Steuerkettenreparatur mit der Werkstatt, welche Arbeiten durchgeführt werden und bitten Sie darum, die ausgetauschten Teile nach der Reparatur mitzunehmen.
Erneute Probleme nach Steuerkettenreparatur
Treten bald nach einer Reparatur wieder Probleme wie Rasselgeräusche, unrunder Motorlauf oder Startschwierigkeiten auf, kann eine unsachgemäße Reparatur der Steuerkette die Ursache sein. Die Verwendung von minderwertigen Komponenten sollte bei einer Reparatur vermieden werden. Sollte eine freie Werkstatt die Reparatur durchführen, informieren Sie sich vorab, welche Bauteile verwendet werden und ob diese auch für den Wechsel von Experten empfohlen werden.
Wichtig bei der Reparatur: alle beschädigten Komponenten sollten getauscht werden. Durch eine gelängte Kette oder einen beschädigten Kettenspanner sind auch übermäßiger Abrieb und somit Schäden an den im Kettentrieb arbeitenden Zahnrädern entstanden. Bleiben die alten Komponenten im System, beginnt die Längung der Kette sofort von neuem.
Bekannte Problemfälle
Vor allem die VW EA111-TSI-Motorenfamilie ist für Steuerkettenprobleme bekannt. Die 1,2 und 1,4 Liter großen Benziner sind Konzernweit verbaut, finden sich unter anderem im Golf 5 und 6, der bis 2015 gebauten ersten Generation des Touran, aber auch im Skoda Octavia II oder im Audi A1 (erste Generation).
BMW Steuerkettenprobleme drehen sich speziell um den Diesel mit dem Motorcode N47 war. Der 1,6 und 2,0 Liter große Motor arbeitet etwa im 1er E87 und F20, im 3er E90 und F30 und 5er E60 und F10. Außerdem wurde der Motor bei Mini und auch Toyota verbaut.
Audi verbaut bei verschiedenen V6- und V8-Motoren ebenfalls Steuerketten. Teilweise ist der Kettentrieb aus Platzgründen an die Rückseite des Motors gewandert und nur erreichbar, wenn der gesamte Motor ausgebaut wird.
Kostenvergleich: Steuerkette vs. Zahnriemenwechsel
Ein Vergleich zwischen den Kosten für den Austausch einer Steuerkette und eines Zahnriemens zeigt, dass Steuerketten in der Regel langlebiger sind und seltener ausgetauscht werden müssen. Dies kann langfristig zu geringeren Wartungskosten führen.
| Bauteil | Wechselintervall |
|---|---|
| Zahnriemen | Alle 60.000 bis 100.000 Kilometer |
| Steuerkette | Kann die gesamte Lebensdauer des Motors überstehen |
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