Wer nicht nur im Sommer bei schönem Wetter unterwegs ist, benötigt eine allwettertaugliche Motorrad-Kombi. 8 dieser Universal-Textilanzüge von 400 bis 1.600 € testete MOTORRAD. "Allwettertauglich" definierten wir ganz grob als geeignet für warme wie auch niedrige Temperaturen, für Nässe und für Sonnenschein. Für Schutz sorgt dabei in der Regel eine abriebfeste Außenschicht, für Wärme ein herausnehmbares Thermofutter, für Nässeschutz eine entnehmbare oder ins Außenmaterial integrierte Membran und für kühlende Frischluft großflächige Belüftungsöffnungen.
Im Testfeld gab es insbesondere bei den letzten beiden Aspekten große Unterschiede, Gemeinsamkeiten zeigten sich derweil beim Mut zu helleren Farben und in der Tendenz, die herausnehmbaren Thermofutter so zu gestalten, dass sie auch separat als Alltags- oder zumindest Notfalljacke getragen werden können.
Preise und Vergleichbarkeit
Mit Preisen von 400 bis 1.600 € liegen die getesteten Kombis sehr weit auseinander. Ziel des Tests ist deshalb auch weniger der knallharte Vergleich der Testteilnehmer als vielmehr ein Eindruck, was welcher Anzug bietet und wie viel man dafür zu zahlen bereit sein muss.
Dass eine günstige Kombi an der einen oder anderen Stelle sparen muss, dürfte klar sein. Die interessantere Frage ist jedoch, ob sie angesichts des niedrigen Preises dennoch die an sie gestellten Erwartungen erfüllen kann. Wie die Endwertung zeigt, schaffen das tatsächlich alle Kombis, selbst die mit Abstand günstigste von FLM: 229,99 € für die Jacke und 179,99 € für die Hose - damit erhalten Motorradreisende bei Polo eine voll ausgestattete Tourenkombi für zusammen gerade einmal 410 €. Trotz Einbußen bei Komfort, Belüftung und Bedienung macht sie auf kleineren Touren allemal einen guten Eindruck.
Im Bereich von 600 bis 700 € findet sich zunächst die Bogotto-Kombi, die bei kühleren Temperaturen schön warm hält, bei Kombination der Schichten aber die Bewegung einschränkt. Preislich knapp darüber steht die Kombi von iXS, die wesentlich mehr Belüftung bietet und nur knapp die Bewertung "sehr gut" verfehlt. Und schließlich findet sich hier noch die Lösung von Modeka, die zugunsten von Meshgewebe auf herkömmliche Belüftungsöffnungen verzichtet, insgesamt trotz des niedrigen Preises aber sehr gut ist und damit zum Kauftipp gekürt wird.
Alpinestars und Scott liegen um die 1.000 €, Erstere lässt aufgrund der kleinen Level-1-Protektoren Punkte liegen, der Scott bleibt derweil nur deshalb die Note "sehr gut" verwehrt, weil sie mehr Adventure- als Tourenkombi ist und dadurch sehr robust ausfällt. Weitere 400 bis 600 Euro darüber kommen wir zu den Testsiegern: Held und Rukka teilen sich punktgleich den ersten Platz, wobei sie die Punkte unterschiedlich sammeln.
Adventure-Textilkombis im Test
Textilkombis gefallen mit Vielseitigkeit und Tragekomfort. Spezielle Adventure-Kombis müssen aber noch mehr können: Hitze, Kälte, Wasser und auch Dreck dürfen ihnen nichts anhaben. Ein Dutzend Anzüge von rund 500 bis knapp 1.000 Euro im Test.
Gehören Nässe- und Kälteschutz noch zu den einfacheren Disziplinen einer Adventure-Textilkombi, müssen die Anzüge auch exzellente Belüftung bieten. Möglichst auch bei wenig Fahrtwind, denn Geländeabenteuer sind schweißtreibend. Dadurch fehlt manchen Anzügen auch ein integriertes Thermofutter. Ein Umstand, den wir aufgrund der unterschiedlichen und gleichermaßen gültigen Philosophien der Hersteller nicht bewerten wollen. Denn entweder können universelle Zwischenschichten genutzt werden oder die Hersteller bieten die Einsätze separat an.
Wer abseits der Straße unterwegs ist, freut sich außerdem über viele Taschen. Weitere nette Details sind Verstärkungen an den Waden, die vor allem für das Stehendfahren gedacht sind. Über manche Kleinigkeiten freuen sich Reisende aber auch im Alltag: Hosenträger, Kapuzen, abtrennbare Sturmkrägen, einfach bedienbare Magnetverschlüsse. Trotz Preislimits von 1.000 Euro pro Set verdienen sich viele Anzüge eine Empfehlung und distanzieren sich durch Ausstattung und Materialqualität deutlich von der Einsteigerklasse und klassischen Touren-Textilklamotten. Je nach Testmuster bleiben da nur wenig Wünsche offen.
Einzelne Modelle im Überblick
Hier eine Zusammenfassung einiger getesteter Modelle:
- Alpinestars Andes Pro Drystar: Hohe Bewegungsfreiheit, guter Protektorensitz, sehr gute Belüftung.
- Bering Bronco: Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, guter Wind- und Wetterschutz, viele Einstellmöglichkeiten.
- Büse Porto: Verblüfft mit Luftigkeit, beweglich, gute Isolierung.
- Difi Sierra Nevada Edt Aerotex: Relativ günstig, guter Wetterschutz und gute Belüftung.
- FLM Reise Textil 2.0: Guter Wind- und Wetterschutz, gute Belüftung, viele Taschen.
- Germot Allround: Enorme Größenauswahl, sehr gute Passform, sehr hohe Bewegungsfreiheit.
- Held Hakuna II/Matata II: Sehr gute Belüftung, guter Windschutz, vielfach verstellbar, viele Taschen.
- iXS Adventure GTX: Sehr viele Taschen, zahlreiche Verstellmöglichkeiten, umfassende Protektorenausstattung.
- Macna Equator/Fulcrum: Gute Weitenverstellung, angenehmes Tragegefühl, guter Wind- und Wetterschutz.
- Modeka Talismen: Sehr gute Protektorenausstattung, sehr guter Wetterschutz, sehr gute Belüftung.
- Rev’it Offtrack: Hohe Bewegungsfreiheit, guter Windschutz, sehr gute Belüftung, gute Protektorenausstattung.
Tabelle: Zusammenfassung der getesteten Adventure-Textilkombis
| Marke | Modell | Preis (ca.) | Bewertung | Besondere Merkmale |
|---|---|---|---|---|
| Alpinestars | Andes Pro Drystar | 699,90 € | Gut | Hohe Bewegungsfreiheit, sehr gute Belüftung |
| Bering | Bronco | 669,80 € | Gut | Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, viele Extras |
| Büse | Porto | 949,90 € | Sehr Gut | Sehr beweglich, gute Isolierung |
| Difi | Sierra Nevada Edt Aerotex | 599,90 € | Befriedigend | Relativ günstig, Rallye-Styling |
| FLM | Reise Textil 2.0 | 699,98 € | Gut | Guter Wetterschutz, viele Taschen |
| Germot | Allround | 469,80 € | Befriedigend | Enorme Größenauswahl |
| Held | Hakuna II/Matata II | 729,90 € | Gut | Sehr gute Belüftung, viele Taschen |
| iXS | Adventure GTX | 999,90 € | Gut | Viele Taschen, umfassende Protektorenausstattung |
| Macna | Equator/Fulcrum | 569,90 € | Befriedigend | Gute Weitenverstellung, reflektierend |
| Modeka | Talismen | 859,80 € | Sehr Gut | Sehr gute Protektoren, viele Taschen |
| Rev’it | Offtrack | 649,98 € | Gut | Hohe Bewegungsfreiheit, sehr gute Belüftung |
Rukka Rimo-R im Praxistest
Rukka bezeichnet die Rimo-R Jacke und Hose als Sommerkombi für Enduro- und Reiseendurofahrer. Mit den unterschiedlichsten Textilkombis habe ich schon Reiseenduro-Touren in Angriff genommen, doch nur wenige konnten mich vor allem bei härterer Gangart im Gelände komplett überzeugen. Doch wie schaut es im oberen Preissegment aus? Liefert Edel-Bekleidungshersteller Rukka das richtige?
Als "leichte, atmungsaktive, wind- und wasserdichte Sommerjacke mit sehr guter Belüftung" wird die Rimo-R Jacke von Rukka beworben. Sie ist so geschnitten, dass sowohl eine separate Protektorweste unterhalb Platz findet, aber auch Rukka D30 Protektoren in die entsprechenden Taschen (Schulter, Ellenbogen, Rücken) eingezogen werden können. Die Jacke selbst besteht aus Gore-Tex® 2 Lagen Laminat mit leichtem und robustem Polyester Oberstoff. AirVents vorn, seitlich, an den Schultern, unter den Armen und im Rücken sollen bei heißen Temperaturen für ausreichende Belüftung sorgen. 500D CORDURA verstärkt das Material an anfälligen Stellen und vier Außentaschen bieten Stauraum am Körper.
Die zur Jacke passende Rimo-R Hose bietet die gleichen Qualitäten: atmungsaktiv, wind- und wasserdicht durch GORE-TEX 2 Lagen Laminat, AirVents an den Oberschenkeln und 2 wasserdichte Außentaschen + 2 aufgesetzte Cargo-Taschen. Zusätzlich sind hitze- und abriebfeste Ledereinsätze an Gesäß auf der Bein-Innenseite als Hitzeschutz angebracht. Was mir auch sofort gefallen hat, ist die Weite des Beinabschlusses. Es mag zwar stylischer sein, die Hose in die Stiefel zu stecken, doch gerade bei abwechslungsreichen Touren bevorzuge ich die Hose über den Stiefeln, weil so mehr Schutz vor eindringender Nässe und Kälte geboten wird.
Gleich der erste Test der Vielseitigkeit der Rimo-R Kombi. Der Sitz ist gut, nirgendwo kratzt oder zwickt es und trotz der Wasserdichtigkeit und Abriebfestigkeit fühlt sich das Außenmaterial sehr weich und geschmeidig an. In Kombination mit der von mir darunter getragenen Rukka RPS AFT D3O Protektorenweste bietet die Kombi sehr viel Bewegungsfreiheit und fühlt sich leicht an. Ein großer Vorteil bei bewegungsintensiven Enduro-Touren. Vor allem der tiefe Sand in Brandenburg fordert mich und sorgt auch für den ein oder anderen Bodenkontakt.
Die Rimo-R ist meiner Meinung nach keine Sommerkombi. Das schränkt sie zu sehr ein. Sie mag vielleicht das dicke Futter echter Winterkleidung missen, dafür funktioniert sie brilliant mit dem sogenannten "Zwiebelsystem". Vor allem die Wasserdichtigkeit in Kombination mit der Atmungsfähigkeit und dennoch dünnem Material ist der Gamechanger. Bei warmen Temperaturen wird einfach nur mit Protektorweste und Überjacke gefahren, bei extremer Hitze wie bei der Seeker Raid in Bosnien sogar nur mit Protektorweste. Ohne Problem kann man bei Kälte aber auch mehrere Schichten unterhalb anziehen, ohne sich mit Regenüberzügen oder dergleichen rumzuplagen. Im nass-kalten Island schlägt sich die Rimo-R Kombi mindestens so gut, wie die Regenüberzüge der Kollegen.
Als echten Nachteil kann ich nur den beachtlichen Preis für die Rimo-R Jacke und Hose nennen, doch wer eine Enduro-Kombi mit sehr breitem Einsatzbereich sucht, für den könnte sich die Investition rentieren. Mich wird meine Rimo-R Kombi auf jeden Fall weiter auf Abenteuern begleiten.
Weitere Testkriterien und Aspekte
Über rund vier Wochen wurden die Anzüge begutachtet, gefahren, auseinander- und wieder zusammengebaut. Vor den ersten Fahrtests wurden alle Anzüge bereits mehrfach Probe getragen und die beste Passform der zugeschickten Testmuster ausgewählt. Dabei wurde außerdem die Protektorenausstattung erfasst, zum Teil waren unsere Kombis bereits mit aufpreispflichtigen Nachrüstprotektoren ausgestattet.
Am Col de l’Espigoulier wurden insbesondere der Wetterschutz, die Bewegungsfreiheit, aber auch die Belüftung ohne Membran und Thermofutter getestet. Dazu passend sammelten unsere Dauertestmotorräder Yamaha Ténéré 700 und Moto Guzzi V85 TT viele Kilometer.
Da nicht alle Anzüge in den Genuss eines Regentages kamen, musste ein standardisierter Nässetest in der MOTORRAD-Tiefgarage nachgeholt werden. Alle subjektiven Faktoren wurden von zwei Testfahrern anhand zuvor festgelegter Protokollkriterien bewertet, zum Teil noch ergänzt durch Eindrücke anderer Redakteure.
Abschließend wurde eine Auswahl der verbauten Protektoren auf dem Sas-Tec-Fallprüfstand in Markgröningen getestet. Alle hielten die Grenzwerte ein, teilweise unterboten sie sogar die für ihre Zertifizierung (Level 1 oder 2) geforderten Zahlen deutlich. Kritik gebührt dagegen den vielerorts verbauten Platzhaltern aus Schaumstoff.
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