Die Motorradwallfahrt in Kevelaer feiert ihren 40. Geburtstag, und zum ersten Mal ist der neue Wallfahrtsrektor Stefan Dördelmann dabei. Die Motorradwallfahrt hat sich längst zu einer Kult-Veranstaltung entwickelt, die zeigt, dass auch „harten“ Bikern der Glaube wichtig ist.
Am Samstag wird es ungewöhnlich laut am sonst so besinnlichen Kapellenplatz. Hunderte Biker werden in die City von Kevelaer fahren, um Maria zu grüßen und sich und ihre Maschinen segnen zu lassen.
Ein Highlight im Wallfahrtsprogramm
Für den neuen Wallfahrtsrektor Stefan Dördelmann ist es die erste „Mowa“ in seiner Amtszeit. „Ich freu‘ mich“, sagt er. „Das ist ein Highlight in unserem Wallfahrtsprogramm. Es geht da um eine besondere Zielgruppe, die Sport, Gemeinschaft und Miteinander auch mit Gedenken an Verstorbene verbindet.
Stefan Dördelmann freut sich auf die besondere Wallfahrt. Er hoffe auf schönes Wetter, damit sich die Besucher sowohl am Gnadenbild im stillen Gedenken wie beim Fest hinterher im Forum Pax Christi richtig wohl fühlen. Selbst auf einem Motorrad sitzen wird er nicht, berichtet der Wallfahrtsrektor lachend.
Programm der 40. Motorradwallfahrt
Die 40. Wallfahrt der Motorradfahrer beginnt am Samstag, 6. Juli, ab 13 Uhr mit der individuellen Anreise auf den Kapellenplatz, wo die Teilnehmer um 14 Uhr offiziell mit einer kurzen Andacht begrüßt werden. Es schließt sich ein Rahmenprogramm an, bevor um 17.30 Uhr das Aufstellen zur Lichterfahrt beginnt. Treffpunkt ist auf der Walbecker Straße stadteinwärts.
Die Lichterfahrt rund um Kevelaer startet um 18.30 Uhr, Endpunkt ist der Kapellenplatz. Dort versammeln sich jedes Jahr viele Schaulustige, um die Motorräder zu bestaunen.
Die Anfänge und Entwicklung der Motorradwallfahrt
Seit Anfang der 80er führt der Verein der Motorradfahrer-Wallfahrt Kevelaer e.V. in Zusammenarbeit mit der Kirche die Motorradwallfahrt in Kevelaer durch. Die Hauptveranstaltung dabei ist die Lichterfahrt am Samstagabend mit anschließender Andacht und Segnung der Motorräder und Fahrer auf dem Kapellenplatz. Im Anschluss wird mit Live-Musik ausgiebig gefeiert.
Anfangs auf der Hüls, später bei Scholten, hatte die Motorrad-Wallfahrt auf einer Wiese an der Walbecker Straße eine Heimat gefunden. Dort wurde viele Jahre gerockt, gefeiert und gezeltet. Seit einigen Jahren ist dieser Aufwand nicht mehr zu stemmen. Daher findet seit 2022 die Motorrad-Wallfahrt-Party im Herzen von Kevelaer im Forum Pax Christi statt.
Gemeinschaft und Glaube
Schon mittags, als die ersten Fahrer in der Stadt ankamen, habe sich die Atmosphäre um den Kapellenplatz spürbar verändert, sagt Pastoralreferent Bastian Rütten. „Unter den Fahrern gibt es ein starkes Gemeinschaftsgefühl und es kommt direkt zu vielen Gesprächen“, hat er beobachtet. „Es tut allen gut, hier miteinander sprechen zu können“, ist sich Rütten sicher.
Pastor Sebastian Frye, der als Sozius mit dem Vortragekreuz in der Hand - und hinter der Polizei - die Wallfahrt angeführt hatte, sprach ebenfalls über das Gefühl der großen Gemeinschaft, aber auch über die Momente der Einsamkeit im Leben. „In den schweren Momenten denkt daran, dass es die Gemeinschaft gibt und wie Ihr sie hier erlebt“, sagte er, bevor er die Motorräder und ihre Fahrer segnete.
Über den Segen freute sich auch Ingo van Gemmeren aus Uedem, der mit einem Nachbarn und einem Arbeitskollegen zum dritten Mal mitgefahren war: „Es war einfach toll. Für das kommende Jahr ist bereits eine Neuauflage geplant.
Die Intention der Gründer
Heinz-Peter Angenendt (Mitbegründer Motorradwallfahrt Kevelaer): Die Intention war eigentlich, dass damals noch relativ schlechte Bild der Motorradfahrer irgendwie in ein besseres Licht zu rücken. Angenendt: Die Idee stammte eigentlich von einem Lokalredakteur hier aus Kevelaer. Ich habe nur aufgegriffen und praktisch ausgeführt, was er sich überlegt hatte. Denn es gab alle möglichen Wallfahrten, nur noch keine für Motorradfahrer.
Angenendt: Das liegt an den Leuten, an den Teilnehmern, an den Kevelaern, die die Motorradfahrer schon immer ganz toll aufgenommen haben. Wir haben vielleicht eine harte Schale. Aber in den harten Schalen steckt ja auch ganz oft ein ganz weicher Kern.
Angenendt: Jeder fährt persönlich an und die ersten sind schon mehrere Tage vorher da. Manche zelten hier in Kevelaer. Im Priesterhaus übernachten einige im Garten eines Priesters aus Köln. Einige kommen im Wohnmobil.
Angenendt: Mittags werden Besichtigungen angeboten, zusätzlich gibt es Infostände. Und die sehr begehrten Jahresanhänger werden verkauft! Daneben lassen sich die Sehenswürdigkeiten in Kevelaer besichtigen. Am Abend gibt es dann die traditionelle Begrüßungsfahrt als Highlight.
Angenendt: Auf jeden Fall. Es gibt eine Handvoll Menschen, die von Anfang an dabei sind oder immer mal wiedergekommen sind. Einige sind in diesen 40 Jahren auch wesentlich älter geworden. Klar, dass die dann nicht mehr mit dem eigenen Motorrad anreisen. Es gibt da auf jeden Fall sehr viel Verbundenheit.
Franzen ist seit 1988 bei der Wallfahrt dabei und seit vielen Jahren auch im Verein Motorradwallfahrt aktiv. „Seit 2016 fahre ich als Kreuzfahrer voraus.“ Frye fand die Tour „einfach toll. Sein aufgemotztes Zweirad und seine originelle Kleidung zogen viele Blicke auf sich. Ebenso wie die meisten der zahlreichen Biker, die mit viel Show und knatternden Motoren die Wallfahrt wieder zu einem Erlebnis machten. Einem sehenswerten.
Die starken Biker - Männer und Frauen von jung bis hin zum Oldie - hatten sehr viel mehr im Sinn, als nur Aufsehen zu erregen. Vielmehr war ihnen ein Wiedersehen mit Freunden wichtig und auch ein Wiedersehen mit denen, die ihre Maschinen und sie selbst segneten.
Neben Pfarrer Frye empfingen unter anderem Pastoralreferent Dr. Bastian Rütten und Bruder Wolfgang die motorisierten Wallfahrtsteilnehmer.
Der Segen an der Gnadenkapelle war vielen wichtig. „Ich glaube, dass die Trösterin der Betrübten auch Motorrad gefahren wäre, wenn es das damals schon gegeben hätte“, erklärte Biker Tom mit einem Augenzwinkern. So wie er zündeten viele Fahrer Kerzen für verstorbene Biker an oder auch für sich selbst, und baten um sichere Fahrten. So wie auch Victoria und Carsten aus Wegberg, die erstmals Motorrad-Wallfahrtluft erlebten. Den Segen für eine gute Rückreise nahmen sie auf jeden Fall mit.
Begleitet wurde der Abend auf dem Kapellenplatz und im Forum Pax Christi nicht nur von Motorrädern, Bikes und Trikes, sondern auch von einem bunten Rahmenprogramm, trockenem Wetter und begeisterten Besuchern und Zuschauern.
Der Verein Motorradwallfahrt Kevelaer
Begonnen hat alles mit einigen wenigen christlichen Motorradfahrern aus Kevelaer, welche die Idee hatten, dass man auch mit dem Motorrad nach Kevelaer pilgern kann. Gesagt, getan! Man organisierte einen Platz zum Zelten und sprach Freunden und Bekannte an. So kamen bereits bei der ersten Wallfahrt fast 100 Motorräder zusammen.
Mit den Jahren wuchs der Bekanntheitsgrad der MoWa und jedes Jahr kommen mehr Motorradfahrer, die nicht ohne Gottes Segen auf der Straße unterwegs sein wollten, hinzu. Und damit wird die Organisation dieser Wallfahrt immer aufwendiger. Um dies alles zu bewältigen und der Kirche und den Behörden einen festen Ansprechpartner zu bieten, wurde der Motorradwallfahrt Kevelaer-Verein gegründet.
Heute zählt der Verein rund 60 aktive und ca. 20 passive Mitglieder.
Weihbischof Laurent Lompo und die Brunneninspektion im Niger
Wenn Seine Exzellenz Weihbischof Laurent Lompo auf das Motorrad steigt, dann beginnt ein ganz besonderer pastoraler Dienst, dann fährt der Geistliche aus dem Niger zu den Brunnendörfern in seiner Heimat. Jene Dörfer, die dank der Unterstützung der Kevelaerer Hilfsorganisation „Aktion pro Humanität“ (APH) in den staubtrockenen Wüstenregionen des Sahelstaates gebohrt werden konnten.
Und während hier am Niederrhein Markus Appel und sein Team die sage und schreibe 30. Motorradfahrer-Wallfahrt organisieren (19.-20. Juli), knattert Weihbischof Laurent auf seinem Bike noch einmal Hunderte von Kilometern über sandige Pisten zu „seinen“ Gemeinden, um dann im Juli in Kevelaer wieder dabei zu sein, bei der Motorradfahrer-Wallfahrt (Mowa) 2014.
An einem Samstag setzt sich Laurent Lompo vor dem Bischofssitz in Niamey, der Hauptstadt des Niger, am frühen Morgen so gegen 7.30 Uhr, den Motorradhelm auf den Kopf. Mit seinem Mitarbeiter, dem Sozialarbeiter Dieudonné, hat er sich zur „Brunnen-Inspektion“ verabredet.
17 Brunnen konnte die APH mit großer Unterstützung vieler Helfer nun schon in der Region Makalondi bohren und fertigstellen. Jeder dieser Brunnen versorgt etwa 25.000 Menschen mit Wasser.
Doch vor der nächsten Reise an den Niederrhein müssen erst einmal wieder die Brunnen aus dem letzten Jahr kontrolliert werden. Sind sie technisch intakt? Funktioniert die Wasserverteilung für die unterschiedlichen Gruppen: Frauen und Kinder, Männer, Hirten mit ihren Tierherden? Zahlen alle ihren von den dörflichen Gemeinschaften festgelegten kleinen Obolus? Wird dieser ordnungsgemäß zurückgelegt in die Dorfkasse als Rücklage für Reparaturen etc.?
Bischof Laurent hat sein rot-weißes Gefährt startklar gemacht - wie die blaue Cross-Maschine von Dieudonne auch, eine Spende vom Niederrhein.
Rund 10.000 Kilometer kommen da pro Jahr an „Brunnen-Kilometern“ zusammen. Ein Liter Benzin kostet im Niger viel Geld - Spritgeld, das ein afrikanischer Bischof erst einmal haben muss.
Auch in der Region Makalondi im Niger irritiert es die Menschen durchaus, wenn der Bischof in staubigen Klamotten vom Moped steigt, statt elegant aus dem klimatisierten Auto zu klettern. „Sie gewöhnen sich langsam an den Anblick“, schmunzelt Laurent Lompo und schickt schon mal einen herzlichen Gruß an den Niederrhein.
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