Ursachen für laute Motorräder

Viele Motorradfahrer rüsten ihre Maschinen mit Zubehör-Auspuffanlagen auf, wobei manche legal und manche illegal sind. Manipulationen am Sound sind oft mit wenigen Schrauben möglich. Nervig sind dann diese Brülltüten und Krawalldosen, die sich viele an die Karre pflastern.

Technische Ursachen für Motorradlärm

Es gibt verschiedene technische Gründe, warum ein Motorrad laut sein kann:

  • Auspuffanlagen: Die Abgasanlage ist eine Hauptursache für Motorradlärm. Vom Werk hält sich die Geräuschkulisse an sich in Grenzen. Diese sind von der Bauart her anders und dafür ausgelegt, das Geräusch zu verstärken oder zu verändern. Sie klingen dann in der Regel dumpfer und suggerieren gerne auch mal mehr Leistung als vorhanden ist.
  • Manipulationen: Viele Biker manipulieren ihre Auspuffe und entfernen den sogenannten "DB-Eater", was dazu führt, dass das Motorrad zur Brülltüte wird.
  • Defekte: Es kann vorkommen, dass im Auspuff etwas kaputt geht. Wenn der Auspuff nicht aufschraubbar ist, um reinzusehen, wird wohl ein neuer fällig sein. Meistens kann man aber den Deckel vom Endtopf abschrauben, darunter findet man den eigentlichen Schalldämpfer, der auch gerne und oft Flöte genannt wird, weil es ein Rohr ist, in das man viele Löcher gebohrt oder gestanzt hat.
  • Krümmer: Wenn es nicht am Auspuff liegt, kann es auch am Krümmer liegen, also dem Rohr vom Motor zum Auspuff. Da reicht ein winziges Loch, und du beschallst die ganze Nachbarschaft.

Fahrweise und Lärm

Die Fahrweise spielt ebenfalls eine Rolle bei der Lärmentwicklung:

  • Hohe Drehzahlen: Viele Biker fahren die Gänge gnadenlos aus. Mit einem Motorrad hast du Drehzahlen bis 12.000 Umdrehungen oder mehr und da wird halt jedes Motorrad zur Lärmmaschine.
  • Beschleunigung: Exzessive Beschleunigungen generell vermeiden, auch am Ortsausgang.

Subjektive Wahrnehmung von Lärm

Was als Lärm empfunden wird, ist subjektiv. Der Sound einer Musik kann beispielsweise bei ganz normaler Zimmerlautstärke als Lärm, Krach und nervig oder als angenehm, rockig und ausdrucksstark empfunden werden. Das gilt auch für das Geräusch eines Motorrades, das sich allerdings etwas abseits der Zimmerlautstärke bewegt.

Ob ein Klang als leise und unauffällig wahrgenommen wird oder als laut und nervig, das liegt auch an der Charakteristik der Schallquelle. Eine sirrende Mücke ist zwar leise, kann uns aber um den Schlaf bringen. Unregelmäßige und "Spitze" Töne werden als sehr unangenehm empfunden und damit auch lauter.

Gesetzliche Bestimmungen und Grenzwerte

Die Regelungen zur Geräuschentwicklung von Krafträdern sind in der UNECE-R 41 (aktuell gültig seit 2021: UNECE-R 41.05) definiert. Die dort festgelegten Geräuschgrenzwerte (L urban) für die konstanten und beschleunigten Vorbeifahrten sind abhängig vom sogenannten "Leistung-Masse-Verhältnis" (PMR).

Die Grenzwerte sind also nicht für alle Krafträder einheitlich, sondern in drei Klassen eingeteilt:

  • Klasse I: Bei sehr hoher Masse und/oder sehr geringer Leistung (PMR-Wert maximal 25) beträgt der Grenzwert 73 dB(A).
  • Klasse II: Bei hoher Masse und/oder geringer Leistung (PMR-Wert zwischen 25 und 50) beträgt der Grenzwert 74 dB(A).
  • Klasse III: Bei normaler oder geringer Masse und/oder mittlerer oder hoher Leistung (PMR-Wert über 50) beträgt der Grenzwert 77 dB(A).

80 Prozent der aktuellen Motorräder fallen in die Klasse III, für sie gilt also der Grenzwert 77 dB(A). Sie müssen zusätzliche Bestimmungen zu Geräuschemissionen (Additional Sound Emission Provisions, Abkürzung: ASEP) einhalten.

Auswirkungen von Lärm

Menschen, die über eine längere Zeit einem hohen Lärmpegel ausgesetzt sind, erkranken. „Laut Definition des Bundesumweltministeriums ist Lärm jedes unerwünschte, laute Geräusch". Eine Dauerbelastung von 65 Dezibel birgt ein erhöhtes Gesundheitsrisiko mit Veränderungen des Stoffwechsels, des Hormonhaushalts und der Gehirnstromaktivität.

Tipps zum leisen Motorradfahren

Motorräder lassen sich leise und sozialverträglich bewegen. Hier die wichtigsten Tipps, um möglichst leise von A nach B zu kommen:

  • Ein Motorrad auswählen, dem im Rahmen der Typgenehmigung ein möglichst geringes Fahrgeräusche attestiert wurde (siehe Tabellen).
  • Originale Auspuffanlage und Endschalldämpfer nur austauschen, wenn die Umrüstanlage in allen Betriebszuständen maximal gleich laut oder besser noch leiser ist.
  • Original- oder Austausch-Auspuffanlage nicht verändern. In nahezu allen Fällen einer Veränderung werden die Fahrgeräusche lauter sein als vorher. Außerdem erlischt die Betriebserlaubnis.
  • Drehzahl grundsätzlich möglichst niedrig halten.
  • Wenig Gas geben (so bleibt die Drosselklappe weitgehend geschlossen) und Gang so wählen, dass ausreichend Drehmoment passend zur jeweiligen Fahrsituation bereitsteht, aber eben auch nicht mehr.
  • Innerorts entspannt mit weitgehend geschlossener Drosselklappe (wenig Gas) dahingleiten.
  • Exzessive Beschleunigungen generell vermeiden, auch am Ortsausgang.
  • Mitdenken, Freude schenken: Jeder Mensch hat einen Anspruch auf Ruhe. Das gilt für den Motorradfahrer selbst natürlich auch.

Leise fahren hat noch einen weiteren Vorteil: Meist lässt sich dadurch Sprit sparen. Der Profi zieht den Fahrspaß ohnehin aus der Bewegung, nicht aus der Akustik-Show.

Marktübersicht der Fahr- und Standgeräusche

Die Tabellen geben einen Überblick über die Mehrzahl der aktuell angebotenen Leichtkraftrad- und Motorradmodelle und ihre amtlichen Fahr- und Standgeräuschwerte. Modelle mit gleicher Basis, ähnlichen Modellnamen und gleichen Geräuschwerten wurden zusammengefasst. Die Preise gelten dann als Basispreise bzw. als Preis des günstigsten Modells.

Der Verein „Silent Rider“

Der Verein „Silent Rider“ hat sich gegründet, um gezielt gegen übermäßigen Motorradlärm vorzugehen.

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