Motorräder aus China im Test: Eine neue Ära?

Die Zeiten des Belächelns sind vorbei. Chinesische Hersteller wie Benelli, Brixton, CFMOTO, QJ Motor oder Voge fassen immer mehr und immer besser Fuß. Ganz zu schweigen von den Kooperationen zwischen etablierten Herstellern aus unseren Breiten, die mit chinesischen Firmen zusammenarbeiten, wie etwa KTM (790 Duke / Adventure werden bei CFMOTO gefertigt) oder BMW (F 750 / 850 GS, F 900 R / XR werden in Kooperation mit Loncin - Mutterfirma von Voge - gebaut).

Benelli Leoncino 125: Charmantes Naked Bike

Charmant, hübsch anzusehen und gut zu fahren - mit der Leoncino 125 hat Benelli 2022 alles richtig gemacht, um ein wettbewerbsfähiges Naked Bike auf die Beine zu stellen. Der Preis ist attraktiv, dafür muss man sich aber leider mit dem CBS-System (Kombi-Bremssystem) statt ABS zufrieden geben. Ansonsten gibt es nichts auszusetzen - mit der Benelli Leoncino 125 macht man eigentlich nichts falsch.

QJ Motor SRK 400: Hochwertiges Motorrad mit geschmeidigem Motor

Auf den ersten Blick wirkt die SRK 400 sehr solide. Die Gussteile sind entgratet, Abdeckungen sind bündig verbaut, Kabel schön verlegt und die verbauten Teile wirken hochwertig. Auch der zweite Blick bringt keine Enttäuschungen, die QJ Motor SRK 400 kommt mit LED-Vollausstattung und ein TFT Display ist in dieser Klasse alles andere als selbstverständlich. Die SRK 400 ist also ein hochwertiges Motorrad im außerordentlichen Design, das auch noch mit einem überaus geschmeidigen und kräftigen Motor überrascht. Das Fahrwerk arbeitet brav und unspektakulär.

Voge 500 AC: Retro-Design mit modernen Elementen

Wer bei einem Reihen-Zweizylinder mit 471 Kubik an Honda denkt, liegt schon richtig - Voge nimmt das ausgewogene Triebwerk als Vorbild. Aber was soll´s, der Motor funktioniert auch in der Chinesin bestens und damit ist es ohnehin schon genug mit abkupfern. Vor allem die Optik der 500 AC im gelungenen Retro-Design mit modernen Elementen ist eigenständig und der hohe Lenker begünstigt das einfache Handling. Die restlichen Komponenten wie Nissin-Bremsen samt Bosch-ABS und KYB-Fahrwerk werken unauffällig gut.

CFMOTO 800MT: Mittelklasse-Reiseenduro mit umfangreicher Ausstattung

Wer sich die Ausstattungsliste der 800MT, vor allem der Touring-Version ansieht, wird erstaunt sein, wie viel in einer vergleichsweise günstigen Mittelklasse-Reiseenduro serienmäßig verbaut sein kann. Das Koffersystem punktet sogar mit einer pfiffigen Auskleidung von Koffern und Topcase. Fahrwerk und Bremsen sind gut, der Motor könnte zwar etwas spritziger sein und im Kaltlauf weniger ruckeln, aber insgesamt passt die Performance. Tadellos ist die 800MT aber keineswegs, beim Schaltassistenten müssen die Techniker für 2023 unbedingt nachbessern und die Menüführung könnte intuitiver sein.

Brixton Cromwell 1200: Retro-Bike mit starkem Motor

Brixton will hoch hinaus, nach dem vorjährigen Topmodell Crossfire 500 wurde mit der Brixton Cromwell 1200 für 2022 der Hubraum mehr als verdoppelt! Exakt 1222 Kubik in einem Reihen-Zweizylindermotor, der 82 PS und ordentliche 108 Newtonmeter Drehmoment bei nur 3500 Touren stemmt, stehen zur Verfügung - und benehmen sich richtig gut. Bei den restlichen Komponenten will man sich nichts nachsagen lassen und vertraut auf renommierte Hersteller wie KYB beim Fahrwerk, Nissin bei den Bremsen und Magneti Marelli sowie Bosch bei der Elektronik. Optisch orientiert sich die Brixton nur grundsätzlich an der Klasse der großen Retro-Bikes, geht aber beim Design einen erfrischend eigenständigen Weg.

Keeway V-Cruise: Harley-Feeling für B196-Führerscheinbesitzer

Es sind wohl weniger die jungen Kerle mit A1-Führerschein, die sich von der neuen Keeway V-Cruise angesprochen fühlen, sondern jene, die ihre B-Lizenz durch die kurze B196-Zusatzausbildung erweitert haben. Außer dem stylischen Aussehen sowie der guten Verarbeitung hilft beim Absatz der günstige Preis: Inklusive der Liefernebenkosten sind knapp unter 5.000,-- Euro nötig, um den überwiegend schwarz lackierten Cruiser fahren zu können. Noch günstiger, aber weniger erwachsen, ist nur die Hyosung GV 125 S Aquila (4.330,-- Euro); sie steht mit 470 Einheiten derzeit zwei Plätze weiter vorn in der Neuzulassungsstatistik.

Mini-V2-Motor mit hoher Drehzahl

Der 60°-Keeway-V2 ist aktuell einer der wenigen Mini-V2-Motoren auf dem Weltmarkt. Er weist drei Ventile pro Zylinder sowie Wasserkühlung auf und arbeitet erstaunlich vibrationsarm. Selbst 2.000 Umdrehungen jenseits der Nenndrehzahl von 8.500 Touren sind die Vibrationen nicht wirklich grob. Denn eines ist klar: Wer unter Drehzahlscheu leidet, kommt mit dem 164 Kilogramm wiegenden Mini-Cruiser mit der stattlichen Erscheinung nicht voran.

Hohe Reichweiten durch minimalen Verbrauch

Angesichts unserer langen Distanzfahrten im verkehrsarmen Niederbayern, mit vergleichsweise hohem Durchschnittstempo, mit sehr hohen Drehzahlen waren wir erstaunt über die enorme Reichweite und den geringen Verbrauch. Mit einem Durchschnitt von 2,7 Litern pro 100 Kilometer blieben wir einen guten halben Liter unter dem Normverbrauch. Der 15-Liter-Tank ermöglichte in unserem Fall volle 500 Kilometer Reichweite.

Fahrwerk und Bremsen

Das Fahrwerk passt gut zum kleinen China-Cruiser; man darf natürlich auch nicht Reiseenduro-Komfort erwarten. Die lediglich 4,2 Zentimeter Federweg der beiden hinteren Federbeine können nun mal keine groben Fehler im Straßenbau kompensieren. Die USD-Gabel verrichtet ihren Dienst zufriedenstellend. Die Reifendimensionen selbst sind für eine 125er üppig und passen gut zum insgesamt wertigen Eindruck der Keeway V-Cruise. Auch die Bremsanlage bietet Grund zur Zufriedenheit: vorne und hinten gibt es je eine gut dosierbare und gut wirksame Scheibenbremse, die leicht zu bedienen ist.

Funktionale Details

Nichts zu meckern gibt es weiterhin bei den funktionalen Details wie Schalter, Hebel, das stylische Digital-Rundinstrument oder das LED-Licht vorne und hinten. Einen Hingucker stellen die kreisrunden, recht kleinen Lenkerendenspiegel dar, die unter der Lenkstange montiert sind. Der Blick nach hinten ist aber durch die Fahrer-Unterarme beeinträchtigt und lenkt deshalb stark vom Verkehrsgeschehen ab; unter Sicherheitsaspekten eine fragwürdige Lösung. Gut ist dafür der Sitzkomfort: Der sehr wertig bezogene Fahrersitz ist ordentlich geformt und gepolstert. Lenkergriffe und Fußrasten passen Normalos einwandfrei. Nicht vorhanden ist ein ABS, das für diese Fahrzeugklasse auch nicht vorgeschrieben ist. Sehr wartungsarm zeigt sich der Riemenantrieb zum Hinterrad; auch hier orientiert sich Keeway am großen Vorbild aus Milwaukee, das ja offensichtlich die Gesamtvorlage liefert.

Bezahlbare Elektromotorräder aus China

Für ein interessantes elektrisches Motorrad muss man kein Vermögen ausgeben. Es gibt Bikes aus China, die für überschaubar viel Geld zu haben sind. Auch bei uns in Deutschland. Als 125er-Äquivalent darf man diese Maschinen mit dem seit 1. Januar 2020 existierenden B-196-Führerschein fahren!

Alrendo TS Bravo

Ihre Dauerleistung liegt bei elf Kilowatt. Der 17,2 kWh große Akku kann mit einem Typ-2-Ladestecker geladen werden. Dazu gibt es ein 3-kW-Bordladegerät. Hersteller Alrendo beziffert die Reichweite mit 419 Kilometern. Preis: 12.200 Euro.

Dayi Motor e-Odin

Die Dayi Motor e-Odin ist schon in der zweiten Generation auf dem Markt. Sie überzeugt als Erstes mit ihrer Optik. Die entspricht nämlich einem ausgewachsenen Motorrad. Leistungsmäßig ist die e-Odin am oberen Ende der Möglichkeiten der 125er unterwegs. Für das Einstiegsmodell müssen 5200 Euro angelegt werden.

Horwin CR6 (Pro)

Die Horwin CR6 (Pro) gibt es am längsten auf dem deutschen Markt. Sie ist sogar schon als Gebrauchte zu haben. In der Basisversion CR6 ist die Horwin bis zu 95 km/h schnell und hat überschaubare 3,8 Kilowattstunden Akkukapazität. Die Horwin CR6 kostet 6000 Euro.

Ovaobike MCR-S

Das Topmodell heißt MCR-S. Es bietet elf Kilowatt Dauerleistung und zieht seinen Strom aus zwei Batterien mit zusammen 9,6 kWh Kapazität. 148 km/h sollen maximal drin sein, die Reichweite gibt Ovoabike mit 230 Kilometern an. Sie kostet 15.980 Euro.

Super Soco TC Max

Ihr Mittelmotor schafft 3,9 kW Dauerleistung. Er soll die TC Max via Riemenantrieb auf bis zu 95 km/h beschleunigen. Der Akku hat 3,42 kWh Kapazität. Die Preise beginnen bei 5500 Euro.

Tinbot RS 1

Bei der Tinbot RS 1 überträgt ein spezieller Antrieb mit einer Zahnkette die elf Kilowatt Dauerleistung ans Hinterrad. Laut Hersteller ist die Maschine bis zu 200 km/h schnell, und sie kommt 120 Kilometer weit. Die Tinbot RS 1 soll ab Dezember 2022 erhältlich sein und ca. 9000 Euro kosten.

Tromox Ukko 1

Die Tromox Ukko S ist zum aktuellen Zeitpunkt in Deutschland noch nicht zu haben. Es gibt aber bereits Interesse seitens eines potenziellen Importeurs. Der Mittelmotor der Ukko 1 leistet im Dauerbetrieb vier Kilowatt und überträgt seine Kraft über einen Riemen. Bemerkenswert: Der Akku lässt sich zum Laden entnehmen.

SWM Stormbreaker V 1200: Sportster-Klon aus China

Was Harley-Davidson nicht mehr im Programm hat, kommt jetzt aus China: eine luftgekühlte 1200er-Sportster. Billige Kopie oder gut gemachter Klon? Die SWM Stormbreaker V 1200 sieht verdächtig nach "alter" Sportster aus. Seit dem Frühjahr 2025 werben immerhin 5 oder 6 der über 40 deutschen SWM-Händler damit, die 1200er auf Lager zu haben.

Fahrgefühl und Technik

"Klingt wie eine Sportster, fährt wie eine Sportster und bremst sogar etwas besser als die meisten Sportster." Das Motorrad funktioniert! Erste Kunden haben bereits um 6.000 problemlose Kilometer damit bewältigt, das Garantiefall-Aufkommen ist unauffällig, und die (Sturz-)Teileversorgung klappt. Zeitgleich ereilte mich aus Stuttgart von MOTORRAD-Testchef Andi Bildl die frohe Botschaft, dass nach vielen Wochen Wartezeit endlich ein Test-Exemplar von SWM eingetrudelt ist. Und das muss selbstverständlich auf den Prüfstand, wo es weitgehend deckungsgleiche Kurven ins Diagramm hämmert wie eine Original-Sportster - trotz Euro-5-Homologation. Die Euro-5+-Version will SWM "im Spätsommer 2025" nachlegen.

Leistung und Drehmoment

Dabei übertreffen beide Motoren die Werksangaben: Harley-Davidson nannte fürs letzte offizielle Modelljahr (2020) in Deutschland 67 PS bei 6.000/min und maximal 96 Nm bei 3.500/min. SWM verspricht fürs aktuelle 2025er-Modell offiziell 61 PS bei 5.500/min und 91 Nm bei 4.000/min. Das etwas höhere Drehzahlniveau der SWM ganz "obenraus" ist in der Praxis weder spürbar noch relevant. Wenn überhaupt, ist eine etwas direktere Gasannahme zu vermerken.

Interview mit einem Harley-Profi

Basti Balzer, der Leiter der Service-Annahme von Harley-Davidson Hannover verfrachtete die SWM Stormbreaker V 1200 auf seine Hebebühne, um uns die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede zum Original zu zeigen. Sein Fazit: Motor und Fahrwerk wirken baugleich, das Finish drum herum ist aber etwas grobschlächtiger.

Voge DS 900 X: BMW F 900 GS Adventure auf Chinesisch?

So langsam wird klar, warum Loncin so eng und gern mit BMW Motorrad zusammenarbeitet. Es wirkt, als wäre der Deal, nach einigen Jahren die BMW-Technik für eigene Modelle nutzen zu dürfen - oder es einfach zu machen. Die neue DS 900 X zeigt das klar. Voge ist die Premium-Marke von Loncin, und die DSX ist unter dem eigenständigen Plastikkleid eine F 900 GS Adventure - mit besserer Ausstattung.

Motor und Fahrwerk

Der Twin in der Voge DS 900 X springt spontan an und entlässt einen leicht blechernen Ton. Die recht stramme Kupplung gezogen, der Ersten reingeklonkt, und: abgewürgt! Die Methode, mit Einrücken der Kupplung Gas zu geben und so flott und geräuscharm zu beschleunigen, funktioniert mit der Voge nur bedingt. Eine ausgeprägte Anfahrschwäche, die bis knapp 3.000/min anhält, ist der Grund. Abhilfe: stets über diese Marke drehen. Dann zeigt sich die Quickshifter-Blipper-Kombi geschmeidiger. Ähnliches gilt für den Twin, der von der erwähnten Anfahrschwäche abgesehen ein brauchbarer Begleiter ist. Wenngleich er bezüglich Laufkultur, mechanische Geräusche und Vibrationen nicht mit der Konfiguration samt Abstimmung für die BMW F 900 GS mithalten kann.

Fahrwerk und Handling

Im Hinblick auf Federungskomfort gibt es für die Voge DS 900 X Luft nach oben. Die Grundabstimmung des bis auf die hintere Druckstufendämpfung voll einstellbaren Fahrwerks ist von der straffen Sorte. Besonders in schnellen Wechselkurven braucht es deutliche Impulse am breiten Rohrlenker, der serienmäßige Lenkungsdämpfer dürfte dazu beitragen. Dafür liegt sie in Schräglage souverän und erlaubt mit ihren Pirelli Scorpion II Pellen ordentliche Kurventempi, bevor sie spät mit ihren Rasten aus Aluminiumguss aufsetzt.

Ausstattung

Da legt die Voge DS 900 X die Latte hoch. Sie bietet serienmäßig Features, die woanders gar nicht oder nur gegen Aufpreis zu haben sind. Nachstehend ein Auszug aus der längst nicht vollständigen Liste: Tempomat, Reifendruck- und Temperatur -Anzeige, Griff- und Sitzheizung (jeweils mit Grillfunktion in der höchsten Stufe), sowie Nebelscheinwerfer, die sich bei laufendem Motor und aktiviertem Blinker als Abbiegelicht betätigen. Obendrein gibt es einen Totwinkel-Assistenten in den Rückspiegeln, sowie eine Funktion, die den Hintermann durch aktivierten Warnblinker und blinkendes Bremslicht darauf aufmerksam macht, dass er dicht genug aufgefahren ist und etliches mehr. Gewissermaßen die Kirsche auf der Sahne ist eine per Knopfdruck in der rechten Lenkerarmatur zu aktivierende, ebenfalls serienmäßig eingebaute Frontkamera.

Leistung und Drehmoment im Vergleich (Voge DS 900 X vs. BMW F 900 GS)

Selbst wenn sich beide Antriebe wie eineiige Zwillinge gleichen und Kerndaten wie Bohrung und Hub (jeweils 86,0 x 77,0 Millimeter) oder die Verdichtung (jeweils 13,1:1) identisch sind, gibt es doch deutliche Unterschiede. Bei BMW leistet der Twin 77kW/105 PS bei 8500/min und wuchtet 93 Nm bei 6750/min auf die Kurbelwelle. Die entsprechenden Voge-Werte lauten 70 kW/95 PS bei 8250/min und 95 Nm bei 6000/min. Sie ist also zumindest auf dem Papier drehmoment-orientierter abgestimmt.

Reichweite

Real dürfte die Voge DS 900 X sogar noch etwas mehr wiegen als die BMW, denn sie trägt insgesamt bis zu 30 Liter Benzin durch die Gegend, möglich durch einen Zusatztank mit 10 Liter Inhalt, dessen Lage bisher nicht bekannt ist. Damit soll sie laut Voge über 600 Kilometer weit kommen.

Voge SR4 Max 350 Luxury: Sportroller mit Vollausstattung

Der SR4 Max 350 Luxury - nomen est omen - ist ein Sportroller, der zwar wie viele andere aussieht, es aber nicht ist. Er besticht durch eine außergewöhnliche, umfangreiche Ausstattung. Dazu gehören ein beleuchtetes Helmfach, Keyless-Go, eine elektrisch verstellbare Frontscheibe sowie eine Sitz- und Griffheizung. Auch ein dynamisches Notbremslicht ist serienmäßig vorhanden. Ein Toter-Winkel-Warnsystem sowie eine integrierte Dashcam sind Ausstattungsmerkmale, die in dieser Fahrzeugklasse bislang selten oder gar nicht angeboten werden - auch nicht bei vielen deutlich größeren Motorrädern.

Motor und Fahrleistungen

Mit 34 PS und 35 Nm liefert der Motor eine solide Leistung bei guter Laufruhe. Der SR4 Max 350 Luxury wird von einem 34 PS und 35 Newtonmeter starken Einzylinder angetrieben, der den fahrbereit immerhin 214 Kilogramm schweren Roller ausreichend flott voranbringt. Das Triebwerk entwickelt sein Potenzial vor allem im Bereich zwischen 6.000 und 7.000 Umdrehungen in der Minute. Das Variomatik-Getriebe vermeidet dabei den berüchtigten „Gummiband“-Effekt eines hochdrehenden Motors, dessen Leistung erst mit Verzögerung nachgereicht wird. Bei Landstraßentempo stehen 5.000 Touren auf der digitalen Anzeige. Erst ab etwa 120 km/h lässt der Durchzug des SR4 etwas nach. Bei 140 km/h auf dem Tacho und rot aufleuchtenden 8.000 U/min ist bei einer angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h Schluss. Der Motor erfreut bei alldem durch einen vibrationsarmen Lauf.

Handling und Bremsen

Der vorn auf 15- und hinten 14-Zöllern rollende Voge lenkt willig ein und legt ein spielerisches Handling an den Tag. Er zeigt sich außerdem sehr kurven- und schräglagenfreundlich. Hier macht sich der Griff zu Pirelli-Pneus für die Erstausrüstung bezahlt. Bei Bedarf halten den Maxiscooter früh ansprechende und kräftig zupackende Kombibremse mit zwei Scheiben vorne im Zaum. Entsprechend früh kommt der mit Traktionskontrolle ausgestattete SR4 auch in den Regelbereich des ABS.

Fazit

Nicht nur angesichts der umfangreichen Ausstattung, sondern auch aufgrund der ordentlichen Performance ist der Preis von 6.999,-- Euro angemessen.

CFMOTO 675 SR-R: Sportmotorrad mit Dreizylindermotor

Nicht einmal unter langjährigen Motorradfahrern ist die Marke CFMoto weithin bekannt, doch das wird sich vermutlich rasch ändern. KTM lässt bereits seit Jahren bei ihnen in China günstig seine 790er-Modelle bauen, umgekehrt darf CFMoto den Zweizylindermotor offiziell für seine Modelle benutzen. Ein bemerkenswertes Beispiel ist die neue CFMoto 675 SR-R, ein bildschönes Sportmotorrad mit einem Dreizylindermotor. Die chinesische Marke CFMoto bringt mit der 675 SR-R einen hübschen Sportler nach Europa.

Design

Die Optik der 675 SR-R stammt vom italienischen Design-Studio Modena 40, das auch für die italienische Traditionsmarke MV Agusta tätig ist. Sie zeigt einen sehr modernen Look mit verschachtelter Verkleidung und dezenten Winglets. Ihre schräg stehenden Doppelscheinwerfer samt Tagfahrlichtern sind von LEDs illuminiert, das gewissermaßen frei stehende, schmale LED-Rücklicht setzt einen besonderen Akzent. Die breite Schwinge und der kurze Auspuff passen zur Gesamterscheinung.

Motor und Leistung

Mit 675 cm3 Hubraum folgt er dem Vorbild der Supersportler, die früher laut FIM-Reglement mit drei Zylindern nicht größer sein durften. Allerdings versucht CFMoto erst gar nicht, maximale Leistung aus dem Motor zu quetschen, sondern belässt es bei 95 PS bei 11.000/min. Die Gasannahme sollte einen Hauch spontaner sein, geht aber gerade noch in Ordnung. Verschiedene Fahrmodi bietet die 675 SR-R nicht, da sie über kein "Ride-by-wire" verfügt. Sie hat serienmäßig einen Quickshifter, der aber nur hochschalten kann und gerne etwas sanfter agieren dürfte.

Fahrwerk und Handling

CFMoto hat die 675 SR-R ganz auf Handlichkeit ausgelegt, mit 1400 mm Radstand und mit 64 Grad Lenkkopfwinkel. Sie lässt sich spielerisch abwinkeln, fällt fast von allein in Schräglage und auch Korrekturen in der Kurve lässt sie ohne Protest zu. Das Herausbeschleunigen fällt dem Dreizylindermotor leicht, er zieht sauber hoch bis zum Drehzahlbegrenzer, wo er dann allerdings ziemlich abrupt abregelt.

Bremsen und Reifen

Eine echte Überraschung sind die Reifen des chinesischen Herstellers CST: Die Migra S3N in den bei Supersportlern üblichen Dimensionen 120/70-17 vorn und 180/55-17 hinten bieten guten Grip, auch wenn die zweistufige Schlupfregelung ausgeschaltet ist. Die beiden radialen Vierkolben-Bremszangen von J.Juan mit 300 mm großen Bremsscheiben verzögern bissig, mit klarem Druckpunkt und ohne Fading.

Display und Elektronik

Das fünf Zoll große TFT-Display offeriert einiges an netten Spielereien, zum Beispiel Laptimer, Apple Car Play bzw. Android Auto, Navigation, Geofencing und die Upgrades kommen "over-the-air".

Technische Daten im Überblick

ModellLeistungHubraumBesonderheiten
Benelli Leoncino 125-125ccCBS-System
QJ Motor SRK 400-400ccLED-Vollausstattung, TFT Display
Voge 500 AC-471ccRetro-Design, Nissin-Bremsen, Bosch-ABS, KYB-Fahrwerk
CFMOTO 800MT--Umfangreiche Ausstattung, Koffersystem
Brixton Cromwell 120082 PS1222ccKYB-Fahrwerk, Nissin-Bremsen, Magneti Marelli/Bosch-Elektronik
Keeway V-Cruise-125ccMini-V2-Motor, Riemenantrieb
Alrendo TS Bravo11 kW-Elektromotorrad, 17,2 kWh Akku
Dayi Motor e-Odin6-10 kW-Elektromotorrad, Optik eines ausgewachsenen Motorrads
Horwin CR6 (Pro)--Elektromotorrad, Gebraucht erhältlich
Ovaobike MCR-S11 kW-Elektromotorrad, 9,6 kWh Akku
Super Soco TC Max3,9 kW-Elektromotorrad, Riemenantrieb
Tinbot RS 111 kW-Elektromotorrad, Zahnkettenantrieb
Tromox Ukko 14 kW-Elektromotorrad, Riemenantrieb, entnehmbarer Akku
SWM Stormbreaker V 120061 PS (offiziell)1200ccSportster-Klon, Euro-5-Homologation
Voge DS 900 X95 PS-BMW F 900 GS Adventure-ähnlich, umfangreiche Ausstattung
Voge SR4 Max 350 Luxury34 PS350ccSportroller, Vollausstattung
CFMOTO 675 SR-R95 PS675ccDreizylindermotor, Sportmotorrad

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