Die Diskussion über Ballonreifen an Motorrädern ist vielschichtig und berührt Aspekte des Fahrkomforts, des Handlings und der allgemeinen Fahrstabilität. Die Optik liegt da wohl im Auge des Betrachters.
Vorteile von Ballonreifen
Oh schnell gesagt: Sie fahren sich etwas komfortabler, rollen bei gleichen Druck leichter ab, als schlanke Reifen, bieten deutlich mehr Widerstand gegenüber Bodenunebenheiten und Durchschlägen.
- Komfort: Auf ruppiger Oberfläche gibt die Kombination fetter Schlappen + niedriger Druck eine Menge Federung und Bodenunebenheit werden recht gut weggeschluckt. Durch letztere Eigenschaft sollte ein breiter Reifen auf schlechter Oberfläche schneller sein als ein schmaler, harter!
- Handling: Bei kleinem Nachlaufwert reagieren Zweiräder wesentlich sensibler auf Lenkbewegungen und sind daher sehr wendig. Sie fallen sozusagen fast von alleine in die Kurve.
- Fahrstabilität: Ein großer Nachlauf bringt Ruhe ins Fahrwerk, verleiht dem Motorrad eine bessere Richtungsstabilität und Unebenheiten werden besser weggesteckt.
Nachteile von Ballonreifen
Trotz der genannten Vorteile gibt es auch einige Nachteile, die bei der Wahl von Ballonreifen berücksichtigt werden sollten.
- Gewicht: Höheres Gewicht ist ein wesentlicher Nachteil.
- Fahrverhalten: Bei Kurven schwabbelt der Reifen ziemlich, es ist Vosicht geboten.
- Einschränkungen: Die Big Apples begrenzen aber die Auswahl an Rahmen.
Reifendruck und Fahrverhalten
Witzigerweise erlebe ich es aber immer andersrum, der breitere Reifen mit weniger Querschnitt wird mit mehr Druck gefahren als der "Ballonreifen". Die Steifigkeit ist sehr wohl vernachlässigbar. Unter 50 KG Gewicht knickt jede Karkasse ohne Luftdruck ein. Also unter weit weniger als 10% der Traglast.
Die 0,7 bar gelten aber wohl für den kalten reifen? Den durch die Erwärmung wird der Druck steigen. Und kalte Slicks sind das was kein Rennfahrer gebrauchen kann.
Ja klar - Luftdruckangaben sind immer kalt. Je leichter das Auto und je breiter die Schlappen, desto niedriger muss der Druck sein. Ich bin ja kein Tuning-Spacko, der meint härter wäre schneller.
Reifenbreite und Fahrstabilität
Breite Reifen halten länger, überfahren Rillen und Schienen auf der Strasse besser. Die Reifen am Motorrad müssen aber zum Nachlauf der Vorderradgabel passen. Deswegen ist der Reifenkauf kein Wunschkonzert.
Breite Typen reagieren natürlich viel mehr auf Fahrbahnunebenheiten als die schmalen Kollegen. Hohe Flanken bescheren auch ein hohes Eigenleben des Reifens, dem man mit höherem Reifendruck entgegenwirken kann.
Ein breiter Reifen hat einen kurzen, breiten Latsch, ein schmaler einen schmalen, langen. Nicht unbedingt, eben weil die Steifer ist, kann man mit weniger Druck fahren.
Alternativen zu Vollfederung
Ballonreifen statt Federung: gute Alternative für Trekking-/Touren-Pedelec? Ballonreifen sind eher für die kleinen Schläge gut als für die ganz großen. Sie sind auch teils bei hohem Tempo besser als bei niedrigem, bspw. Kopfsteinpflaster. Da sind sie meiner subjektiven Erfahrung nach sogar effektiver als eine (preiswerte) Federgabel, da die Federgabel die hohe Schlagfrequenz schlecht ausgleichen kann.
Ballonreifen haben mit wenig Luftdruck den selben Rollwiderstand wie hart aufgepumpte schmale Reifen. Das wurde bereits untersucht. Durch die breite Auflagefläche verformt sich der Reifen weniger in der Längsrichtung. Diese Verformung kostet mehr Energie als der Widerstand der größeren Auflagefläche des Breitreifens.
Erfahrungen mit Ballonreifen
Ich fahre jetzt seit ca. 1700 km ein Patria-Rohloff mit 60er Balloonbereifung und möchte es nie mehr gegen ein Fahrrad mit Vollfederung und schmäleren Reifen tauschen wollen. Ich fliege mit dem Ballonbereifung über Asphalt, Bordsteine, gepflasterte Wege, Feldwege, Splitt- und Schotterwege und machmal auch durch Schlamm.
Anfangs hatten sie auf Asphalt kaum Grip und ich hatte in Kurven ein schwimmendes Gefühl. Wenn man dem Ladenbesitzer sagt, dass man solche Reifen evtl. kaufen möchte, sollte dieser wohl einer Probefahrt nichts entgegensetzen.
Schmälere Reifen: Vorteile und Nachteile
Um ein umfangreiches Thema einfach zu machen: Schmale Reifen fördern das Handling. Sieht zwar an der Eisdiele nach nix aus, fährt sich aber besser. Auf meiner Erna war vorn ein 110er, hinten ein 130er. Das ist wie Fahrrad fahren in Kurven. Sie fiel schon fast von selber in Schräglage. Auch das schnelle Umlegen von rechts nach links war überhaupt kein Problem.
Breitere Reifen benötigen bei gleicher Kurvengeschwindigkeit eine größere Schräglage, daher fühlen sich schmalere Reifen handlicher an. Der wesentliche Grund für die breiten Reifen heute ist einzig und allein die Optik.
Wulstreifen: Eine historische Perspektive
Wenn man sich in der Szene umhört sind Wulstreifen lebensgefährlich, verursachen schwere Stürze durch schlagartiges Abspringen von der Felge und sind nur zu Showzwecken zu gebrauchen.
Wulstbereifung wurde meines Wissens in Deutschland entwickelt, um die englischen Patente von Dunlop zu umgehen. Es sind mir keine Berichte von Fahrern bekannt, bei denen die Reifen von den Felgen gesprungen sein sollen. Solange sie mit dem richtigen Druck gefahren werden, gibt es keinen Grund zur Sorge. Der einzige historisch überlieferte Nachteil ist der höhere Rollwiderstand und die ggf. mühsamere Montage.
Wichtig sind 3,5 Bar Druck, auch wenn dann Komfort flöten geht. Da Wulstreifen keinen Draht im Mantel haben, gehen die dann schon eher fliegen.
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