Motorradfahren mit Behinderung: Möglichkeiten und Perspektiven

Auch viele Menschen mit Behinderung begeistern sich für Motorräder. Dank technischer Innovationen und spezialisierter Unternehmen ist es heute möglich, diese Leidenschaft trotz körperlicher Einschränkungen auszuleben. Der Verein Einarmhelden & Einbeinhelden hilft ihnen, ihrer Leidenschaft nachzugehen.

Einarmhelden.de: Eine Plattform für Motorradfahrer mit Handicap

Einarmhelden.de zeigt Menschen mit einer körperlichen Behinderung, wie sie den Weg bzw. den Weg zurück auf das Motorrad finden. Mit Tipps, Tricks und Videos zeigen wir Euch, was notwendig ist um sogar barrierefrei auf dem Motorrad unterwegs zu sein. Ebenso gibt es Empfehlungen zu Fahrschulen, Prüfstellen und Firmen, die Motorräder speziell auf die Bedürfnisse der jeweiligen Einschränkung bzw. Anforderungen umbauen.

Der Weg zum Motorradführerschein mit Behinderung

Als erstes musste mein Motorrad so umgebaut werden, dass ich es mit einer Hand bedienen kann. Deshalb sind Kupplung und Bremse bei mir auf der linken Lenkerseite. Und ich habe eine spezielle Unterarmprothese, die sich bei einem Sturz vom Lenker löst, damit ich nicht hängen bleibe.

Das Ganze fing mit einem verkehrsmedizinischen Gutachten an. Das hat bestätigt, dass ich mit meiner Behinderung fahren kann. Mit 15 habe ich mich dann bei der Fahrschule angemeldet. Nachdem ich den Theorieunterricht und ein paar Fahrstunden hinter mir hatte, musste ich eine Fahrprobe beim TÜV machen. Da habe ich gezeigt, dass ich mit meiner Prothese und den Umbauten am Motorrad sicher fahren kann. Danach kamen ganz normal die Theorieprüfung und dann die praktische Prüfung.

Egal um welche Behinderung es geht, müssen alle notwendigen Umbauten, Prothesen oder Orthesen im Führerschein eingetragen werden. Das ist nicht anders, als wenn jemand eine Brille zum Autofahren braucht.

Technische Lösungen und Umbauten

Eine Technik, die schon seit vielen Jahren im Automobilbereich Menschen mit Behinderungen das Autofahren erleichtert, hält nun auch bei den Motorrädern Einzug.

Honda Doppelkupplungsgetriebe (DCT)

Honda verbaut als erster und einziger Hersteller ein Doppelkupplungsgetriebe. Dieses macht das Schalten mit dem Fuß überflüssig und ermöglicht Gangwechsel per Tastendruck. Die Technik ist serienmäßig zu haben- ohne Umbau. Die Honda NC700X kann auch von Fahrern mit Beinprothese/n gefahren werden.

Beim Honda Doppelkupplungsgetriebe DCT werden die Gänge per Schalter gewählt. Alternativ kann im Automatikmodus gefahren werden.

Im Aufbau ähnelt das Getriebe von Honda dem bekannten Doppelkupplungsgetriebe aus dem Automobilbereich, das neben Volkswagen und Audi von mehreren Herstellern verbaut wird. Es handelt sich dabei um ein echtes Schaltgetriebe, das elektronisch angesteuert wird. Das System arbeitet mit zwei Kupplungen, die abwechselnd den Kraftschluss zwischen den Zahnrad-Gangpaaren und der Ausgangswelle herstellen. Eine Kupplung ist für die Gangstufen 1, 3 und 5 zuständig, die andere für die Gangstufen 2, 4 und 6. Beim DCT entfällt das Schalten mit dem linken Fuß. Das Kuppeln beim Anfahren, beim Gangwechsel und beim Anhalten erledigt die Elektronik. Die Gänge werden per Tastendruck am Lenker gewählt.

Da der Einsatz des linken Fußes nicht notwendig ist, können auch Fahrer mit Prothese oder sonstigen Einschränkungen der Gliedmaßen in den Genuss der Freiheit auf zwei Rädern kommen.

Kurzerhand wurde an Ralf Künsters Motorrad die Fußbremse durch einen zweiten Bremshebel anstelle des fehlenden Kupplungshebels ersetzt. Verwendet wurden dafür die Bauteile des Integra. Da die gesamte Modellreihe auf derselben Technik beruht, ist dieser Umbau unkompliziert, geht schnell und wird von örtlichen Honda-Werkstätten bereits ab 500 Euro bewerkstelligt. Gebremst wird dann wie beim Motorroller mit beiden Händen.

2014 werden von Honda sechs Modelle mit dem Doppelkupplungsgetriebe (DCT) angeboten, fünf Motorräder und ein Motorroller. Bis auf die CTX700N, die serienmäßig mit dem DCT ausgestattet ist, können alle Modelle auch mit manueller Schaltung geordert werden.

Weitere Umbaumöglichkeiten

Für die verschiedensten Behinderungen gibt es heute maßge-schneiderte Umbauten. Mit Spezialkonstruktionen können so beispielsweise auch Menschen mit Querschnittlähmung, Kleinwuchs, Contergan-Schädigung und/oder Armamputationen Motorrad fahren.

Wenn du beispielsweise deine linke Hand nur eingeschränkt nutzen kannst, kann die Schaltung auf die rechte Seite verlegt werden. Wenn die Beine beispielsweise aufgrund einer Querschnittlähmung oder multipler Sklerose eingeschränkt sind, können Fußplatten angebracht werden, um das Abrutschen der Beine zu verhindern. Alle Bedienelemente, die sonst mit dem Fuß gesteuert werden, sind stattdessen im Lenker integriert.

Behinderung Mögliche Umbauten
Armamputation Verlegung der Bedienelemente auf eine Seite, spezielle Prothesen
Beinprothese Anpassung der Fußrasten, elektronische Schaltung
Querschnittlähmung Stützräder, Fixierung der Füße, angepasster Sitz

Hürden und Unterstützung

Wir hören immer wieder von Fahrschulen und Führerscheinstellen, die behaupten, dass Menschen mit Behinderungen nicht fahren dürfen. Das stimmt aber nicht. Viele unserer Mitglieder berichten von Schwierigkeiten bei der Kostenübernahme für Prothesen und Orthesen. Aber genau da kommen wir als Verein ins Spiel und können Unterstützung bieten.

Überall in Deutschland haben wir Mitglieder, die sich regelmäßig treffen und gemeinsam Motorradtouren unternehmen. Unter den mittlerweile 50 Einbeinhelden und Einarmhelden helfen wir uns gegenseitig und tauschen Erfahrungen aus. Wir haben Kontakte zu Motorradwerkstätten und Fahrschulen und wissen, welche Arztpraxen oder Prüfstellen sich gut auskennen.

Sicherheit im Straßenverkehr

Es ist so wichtig, dass alle im Verkehr mehr Rücksicht nehmen, den Schulterblick machen und vor allem das Handy bei der Fahrt weglassen.

Ermutigung und Botschaft

Gebt eure Träume nicht auf und glaubt weiter an euch. Wenn ihr wieder Motorrad fahren wollt, können wir euch helfen. Ich musste viele Hürden überwinden, aber ich würde es immer wieder tun. Lasst euch nicht entmutigen, wenn jemand sagt, dass es nicht geht. Wir sind der Beweis, dass es möglich ist.

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