Ein Schlaganfall kann das Leben eines Menschen von Grund auf verändern. Typische Folgen sind unter anderem Teillähmungen (Arme oder Beine), Seh- und Sprechstörungen, aber auch Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen oder Orientierungsprobleme. Oft beeinträchtigt ein Schlaganfall die Fähigkeit, komplexe Tätigkeiten wie das Autofahren sicher auszuführen. Für Motorradfahrer, deren Leidenschaft und Lebensinhalt das Fahren ist, stellt sich die Frage, ob und wie sie zu diesem Hobby zurückkehren können.
Herausforderungen und Anpassungen
Viele Betroffene stehen vor der Frage, ob sie mit einer Halbseitenlähmung und Gleichgewichtsproblemen überhaupt noch Motorrad fahren können. Einige Motorradfahrer suchen nach Lösungen, wie sie ihr Hobby trotz körperlicher Einschränkungen ausüben können. Ein Bekannter hat bei seinem MP3 alles auf links umbauen lassen. Es gibt zb die Honda NC 700s mit Automatik. So müsste ich mit der rechten Hand "nur" Gas und Vorderradbremse betätigen und könnte mit dem Fu? das Hinterrad bremsen. Nur Licht und Blinker da müsste ich etwas überlegen. Einzige Alternative die ich sehe wäre ein Motorrad Führerschein.
Einige Betroffene ziehen auch alternative Fortbewegungsmittel in Betracht, wie z.B. ein Tandem-Fahrrad oder ein Dreirad, um gemeinsam mit ihrer Partnerin unterwegs zu sein.
Rehabilitation und Therapie
Die Rehabilitation spielt eine entscheidende Rolle bei der Wiedererlangung von Fähigkeiten nach einem Schlaganfall. Als Gehre wieder nach Hause durfte, hatte er doppeltes Glück: Denn es gab keine Unterbrechung in der Behandlung. Letztendlich auch dank seiner Recherchen und Kontaktaufnahmen, die Gehre schon in der Reha-Klinik aufgenommen hatte. Helmut Gruhn hat mit „Back-to-life” eine Schlaganfall-intensiv-Rehabilitation entwickelt, die die Voraussetzung für einen selbstständigen Alltag der Patienten schaffen soll. Grundlage ist das Bobath-Konzept.
Eine erfolgreiche Schlaganfall-Rehabilitation bringt Lebensqualität und Zufriedenheit. Die Freude darüber ist nicht nur bei Herrn Gehre und seiner Familie, sondern auch bei den Therapeuten groß. Das Bobath-Konzept ist die weltweit am meisten genutzte und eine der erfolgreichsten Therapien bei Schlaganfall-Patienten. Namensgeber waren der Neurologe Karel Bobath und seine Frau Berta, die ab 1940 dieses Konzept empirisch entwickelten. Grundlage dabei ist die Regeneration und Neuorientierung des Gehirns.
Fahreignung und Fahrzeugumbau
Wie lange jemand nach einem Schlaganfall nicht Auto fahren darf, ist von Fall zu Fall verschieden. Betroffene sollten sich Zeit nehmen, um den Umgang mit Einschränkungen zu erlernen. Es gibt jedoch Möglichkeiten, herauszufinden, ob Sie nach dem Schlaganfall bereits wieder fit genug sind, um sich ans Steuer zu setzen. Es gibt Zuschüsse für den Erwerb der Fahrerlaubnis, den Fahrzeugumbau oder die Anschaffung eines Neufahrzeugs, welche die Rehabilitationsträger unter bestimmten Voraussetzungen auszahlen. Bei Umrüstungen müssen diese abschließend durch eine anerkannte Prüforganisation abgenommen werden.
Ein verkehrsmedizinisches Gutachten für Personen, die ihre Fahreignung nach einem Schlaganfall nachweisen möchten, kann nicht von der Hausarztpraxis erstellt werden, sondern lediglich durch:
- ärztliches Fachpersonal mit verkehrs- oder rechtsmedizinischer Qualifikation
- Ärztinnen und Ärzte des Gesundheitsamts
- Betriebsmediziner oder -medizinerinnen
- Fachärzte/-ärztinnen für Rechtsmedizin
- die Begutachtungsstelle für Fahreignung (BfF)
Wird die Fahrerlaubnis neu erteilt, kann diese Auflagen und/oder Beschränkungen beinhalten, die über Schlüsselziffern im Führerschein dokumentiert werden. Schlüsselzahlen können zum Beispiel für Hilfsmittel wie Brillen stehen oder notwendige Umbauten am Fahrzeug, wie eine angepasste Kupplung oder Lenkhilfen, verdeutlichen.
Erfolgsgeschichten und Motivation
Trotz der Herausforderungen gibt es viele Erfolgsgeschichten von Menschen, die nach einem Schlaganfall wieder Motorrad fahren. Vor einem Jahr steckte sich Dieter Buck ein großes Ziel und wollte zurück in sein glückliches Leben. Aufgeben war für ihn keine Alternative. Er fühlte sich zu jung, um seine frühere Zeit nur noch in Erinnerungen zu behalten. Was unmöglich schien, ist nach zwei Jahren geglückt.
Der Gründer und Vorsitzende des Vereins hat selbst eine Armbehinderung und kennt alle Regeln und Maßnahmen, die Menschen mit Behinderungen beachten müssen, bevor sie wieder Motorradfahren dürfen.
Jürgen Gehre absolvierte Fahrten auf dem Übungsgelände des Motorsportclubs Klein-Krotzenburg. „Es ist wie im Traum“ erzählt der Biker mit strahlendem Gesicht „Wunderbar“.
Umgang mit Ängsten
Angehörige von Motorradfahrern haben oft große Angst um deren Sicherheit. Manchmal sitze ich einfach da und weine, weil ich einfach unendlich viel Angst habe. Ich habe im Internet Videos von Unfällen gesehen, ich will nicht, dass er früher oder später so endet. Es ist wichtig, offen über diese Ängste zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die sowohl die Sicherheit als auch die Leidenschaft des Motorradfahrers berücksichtigen.
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