Motorradunfall: Ursachen und Präventionsmaßnahmen

Einleitung

Die Motorradsaison startet meistens bereits im März und geht - je nach Wetterlage - bis in den Oktober oder November hinein. Bei besonders milden Temperaturen fahren auch im Winter noch Zweiräder auf der deutschen Straße. Besonders in der warmen Jahreszeit ist das Motorradfahren beliebter denn je. Dennoch wird die Tour mit dem Motorrad öfter, als einem lieb ist, von einem Motorradunfall überschattet.

Häufige Ursachen von Motorradunfällen

Geschwindigkeitsüberschreitung

Wie bereits oben erwähnt: Zu den meisten Motorradcrashs kommt es wegen überhöhter Geschwindigkeit. Passen Sie daher unbedingt Ihren Speed an die aktuelle Situation an - rasen Sie nicht an Baustellen, in Kurven oder anderen unübersichtliche Stellen. Im Sommer bei trockenen Straßen wird die Geschwindigkeit oft unterschätzt.

Die massive Geschwindigkeitsüberschreitung des Motorradfahrers wurde als besonders schwerwiegend bewertet. Die Gerichte prüfen zunächst, ob ein Verstoß gegen Verkehrsregeln vorliegt. Vorfahrtsverletzungen gelten dabei als schwerwiegende Pflichtverstöße.

Eine Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 30 Prozent über dem erlaubten Tempolimit führt in der Regel zu einer Mithaftung des Vorfahrtsberechtigten. Massive Geschwindigkeitsübertretungen können demnach zwar zu einer überwiegenden Haftung des eigentlich Vorfahrtsberechtigten führen. Dies ist etwa der Fall, wenn die Geschwindigkeit mehr als verdoppelt wird.

Entscheidend ist dabei, ob die überhöhte Geschwindigkeit unfallursächlich war. Bei einer massiven Geschwindigkeitsüberschreitung von 50% oder mehr über dem Erlaubten kann die Mithaftung durchaus 30-40% betragen.

Sichtunfälle

42 Prozent der von Autofahrern verursachten Motorradunfälle sind sogenannte "Sichtunfälle". Das bedeutet: Der Autofahrer hat das Motorrad zu spät oder gar nicht wahrgenommen.

Unfälle an Kreuzungen und Einmündungen

Viele Motorradcrashs ereignen sich an Kreuzungen und Einmündungen - also an Stellen, an denen sich oft die Vorfahrt ändert. Nähern Sie sich solchen Stellen vorsichtig und verringern Sie Ihre Geschwindigkeit. Verlassen Sie sich nicht auf Ihre Vorfahrt.

Ein Linksabbieger trägt beim Abbiegen eine besondere Verantwortung gegenüber dem Gegenverkehr. Er muss gemäß § 9 Abs. 3 Satz 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) entgegenkommende Fahrzeuge durchfahren lassen. Der Linksabbieger muss sich vor dem Abbiegevorgang vergewissern, dass kein Gegenverkehr gefährdet wird. Dazu gehört eine sorgfältige Beobachtung der Verkehrssituation. Er muss den Gegenverkehr genau einschätzen und darf erst abbiegen, wenn er sicher ist, dass keine Gefährdung entsteht.

Fahrten in der Gruppe

Auch bei Fahrten in der Gruppe passiert häufig ein Motorradunfall. Die Gruppendynamik führt dazu, dass sich Motorradfahrer hier eher überschätzen.

Fehler beim Abbiegen

Linksabbieger können durch verschiedene Fehler eine Kollision verursachen. Ein häufiger Fehler ist das unzureichende Beobachten des rückwärtigen Verkehrs. Die Straßenverkehrsordnung schreibt eine doppelte Rückschaupflicht vor - einmal vor dem Einordnen und nochmals unmittelbar vor dem Abbiegen. Ein weiterer typischer Fehler ist das zu späte oder unklare Anzeigen des Abbiegevorgangs.

Vorbeugende Maßnahmen

Fahrsicherheitstraining

Egal, ob Sie ein geübter Motorradfahrer sind und regelmäßig auf dem Bike sitzen oder gerade erst Ihr Zweirad bekommen haben: Ein Fahrsicherheitstraining mit Motorrad macht auf jeden Fall Sinn. Dabei lernen Sie, in Gefahrensituationen richtig zu reagieren.

Motorrad-Inspektion

Im Gegensatz zur Hauptuntersuchung ist die Motorrad-Inspektion meist freiwillig. Nur während der Garantiezeit gibt der Hersteller einen Zeitrahmen vor. Wir legen Ihnen die Motorrad-Inspektion auch danach noch ans Herz: Sie ist nämlich deutlich intensiver als die Hauptuntersuchung.

Vorausschauendes Fahren

Sicher ist nur, dass nichts sicher ist. So ungefähr gilt dieses bekannte Sprichwort auch im Straßenverkehr. Daher sollten Sie auf alles vorbereitet sein: zum Beispiel auf überholende Autos auf Ihrer Spur der Landstraße. Bei Kolonnen müssen Sie damit rechnen, dass ein vor Ihnen fahrendes Fahrzeug plötzlich überholt oder wendet. Daher gilt hier besondere Vorsicht, wenn Sie selbst an der Kolonne vorbeiziehen wollen.

Aufmerksamkeit und Geschwindigkeit

Verhalten Sie sich gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern vorausschauend und aufmerksam, sodass Sie eine Gefahrensituation im Notfall einschätzen und eventuell sogar vermeiden können. Eine zu hohe Geschwindigkeit löst schwere Motorradunfälle am häufigsten aus. Passen Sie daher Ihr Tempo stets an die Verkehrsregeln und die Witterungslage an. Bei nasser Fahrbahn sollten Sie sowohl langsamer fahren als auch einen größeren Sicherheitsabstand einhalten.

Tipps für Motorradfahrer

  • Schützen Sie sich bei jeder Fahrt mit einem ECE-Helm, Motorradhandschuhen, -stiefeln, -jacke, -hose, Rückenprotektor und Nierengurt.
  • Achten Sie bei Jacke und Hose auf Protektoren im Bereich der Schultern, Ellenbogen, Rücken, Hüfte, Knie.
  • Für eine bessere Sichtbarkeit im Straßenverkehr sind kontrastreiche Kleidung und Fahrzeuglackierungen hilfreich.
  • Checken Sie die Bremsen, Reifen, Feder-Dämpfer-Elemente, Fahrwerklager, Beleuchtungsanlage, Antrieb (z.B. Kette), Motor vor jeder Fahrt.
  • Üben Sie Bewegungs- und Bedienungsabläufe in Ruhe ein.
  • Auch die Reifen brauchen Zeit, bis sie eine Mindesttemperatur erreicht haben.
  • Halten Sie sich selbst körperlich fit, damit auch bei langen Fahrten unter ungünstigen Bedingungen noch Reserven da sind.
  • Wählen Sie in Linkskurven eine Fahrlinie, die möglichst weit rechts ist. Dadurch halten Sie den Abstand zum Gegenverkehr am größten. Außerdem brauchen Sie in Schräglage mehr Platz.
  • Trainieren Sie die spezielle Blickführung für die Kurvenfahrt: Einlenkpunkt, Scheitelpunkt, Kurvenausgang, weiterer Straßenverlauf. Die Blickführung gehört zur den wichtigsten Lenkungsinstrumenten.

Tipps für Autofahrer

Besonders Autofahrer können zur Verringerung der Häufigkeit von Motorradunfällen beitragen, indem sie einige wichtige Vorsichtsmaßnahmen treffen und bestimmte Verhaltensweisen an den Tag legen. Hier sind einige Tipps, die Autofahrer beachten sollten:

  • Achten Sie immer auf Ihre Umgebung und halten Sie Ausschau nach Motorrädern. Motorräder sind kleiner und schwieriger zu erkennen als Autos, daher ist es wichtig, besonders aufmerksam zu sein.
  • Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Seitenspiegel und Ihren toten Winkel, bevor Sie die Fahrspur wechseln oder abbiegen. Motorräder können sich leicht in den toten Winkeln verstecken.
  • Halten Sie immer ausreichend Abstand zu Motorrädern. Motorräder können schneller beschleunigen als Autos und benötigen weniger Platz zum Bremsen. Geben Sie Motorradfahrern genug Raum, um sicher zu manövrieren.
  • Signalisieren Sie Ihre Absichten deutlich, indem Sie Ihre Blinker benutzen. Motorradfahren basiert oft auf visuellen Hinweisen, um das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer vorherzusagen. Klar erkennbare Blinksignale können ihnen dabei helfen, ihre Fahrt sicher zu planen.
  • Halten Sie sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen und passen Sie Ihre Geschwindigkeit den Straßenbedingungen an. Achten Sie insbesondere in Kurven und bei unübersichtlichen Stellen auf Motorräder, da sie dort leichter übersehen werden können.
  • Seien Sie beim Linksabbiegen besonders aufmerksam, da dies eine häufige Unfallursache ist. Schauen Sie zweimal hin, um sicherzustellen, dass kein Motorrad entgegenkommt, bevor Sie abbiegen.
  • Überprüfen Sie vor dem Öffnen Ihrer Autotür, ob sich Motorräder nähern. Das unachtsame Öffnen von Autotüren kann zu gefährlichen Kollisionen führen.
  • Motorräder können schneller durch den Verkehr fahren als Autos. Seien Sie geduldig und ermöglichen Sie ihnen das sichere Durchfahren des Verkehrs.

Verhalten nach einem Motorradunfall

Sind Sie bei einem Motorradunfall als Ersthelfer vor Ort oder womöglich direkt darin verwickelt, sollten Sie folgendermaßen vorgehen:

  1. Unfallstelle absichern: Betreten Sie die Straße nur, wenn keine Gefahr für sie besteht. Anschließend sollten Sie mit einem Warndreieck aus Ihrem Auto 100 Meter vor der Unfallstelle den Ort absichern. Schalten Sie zudem die Warnblinkanlage an Ihrem Fahrzeug an.
  2. Polizei kontaktieren: Rufen Sie in jedem Fall schnellstmöglich die Polizei unter 110 an. Diese schicken einen Streifenwagen und informieren zudem Notarzt und Krankenwagen, sodass den Menschen, die verletzt sind, schnell geholfen werden kann.
  3. Erste Hilfe: Leisten Sie wenn nötig Erste Hilfe und nehmen Sie in jedem Fall den Motorradhelm des Fahrers ab, sodass Sie ihn in die stabile Seitenlage drehen können. Andernfalls kann er womöglich nicht ausreichend atmen und droht, zu ersticken.
  4. Vor Ort bleiben: Die Polizeibeamten stellen ggf. noch Fragen, für die Sie sicherheitshalber an Ort und Stelle bleiben sollten. Entfernen Sie sich erst vom Unfallgeschehen, wenn Sie nicht mehr benötigt werden.

FAQ: Rechtliche Aspekte bei Unfällen

Bei Verkehrsunfällen mit einem Linksabbieger und einem entgegenkommenden Fahrzeug gilt keine automatische Alleinschuld des Abbiegenden. Das Gericht berücksichtigt alle relevanten Umstände wie Geschwindigkeit, Sichtverhältnisse und Fahrzeugzustand bei der Festlegung der Haftungsverteilung.

Haftungsquote

Die Haftungsquote bestimmt den prozentualen Anteil, zu dem jeder Unfallbeteiligte für die entstandenen Schäden aufkommen muss. Sie wird vom Gericht nach sorgfältiger Abwägung aller Umstände festgelegt. Dabei werden die Verursachungsbeiträge und Verschuldensanteile der Beteiligten gegeneinander abgewogen. Im vorliegenden Fall entschied das Gericht auf eine 50:50-Quote, da beide Fahrer schwerwiegende Verkehrsverstöße begangen hatten.

Sorgfaltspflicht

Die Sorgfaltspflicht beschreibt die rechtliche Verpflichtung aller Verkehrsteilnehmer, sich so zu verhalten, dass andere nicht gefährdet oder geschädigt werden. Sie umfasst unter anderem das Einhalten von Verkehrsregeln, angemessene Geschwindigkeit und vorausschauendes Fahren. Im konkreten Fall hat der PKW-Fahrer seine Sorgfaltspflicht beim Linksabbiegen verletzt, indem er die Geschwindigkeit des Motorradfahrers falsch einschätzte.

Kausalität

Kausalität bezeichnet den ursächlichen Zusammenhang zwischen einem Verhalten und einem eingetretenen Schaden. Im Verkehrsrecht ist die Kausalität entscheidend, um die Haftung der Beteiligten zu bestimmen. Es wird geprüft, ob der Schaden bei rechtmäßigem Alternativverhalten ausgeblieben wäre. Im vorliegenden Fall war die überhöhte Geschwindigkeit des Motorradfahrers kausal für den Unfall, da dieser bei Einhaltung der zulässigen Geschwindigkeit vermeidbar gewesen wäre.

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