Motorradfahren bei schlechtem Wetter bedeutet nicht einfach nur „vorsichtiger zu sein“. Es verändert die Art und Weise, wie du fährst, komplett. Deine Wahrnehmung der Straße ändert sich, ebenso wie das Verhalten deines Motorrads. Und vor allem wird der Spielraum für Fehler auf ein Minimum reduziert.
Motorräder ermöglichen eine direkte Verbindung zur Straße. Doch wenn der Regen fällt, der Wind bläst und die Kälte unter die Jacke kriecht, wird die Straße zu einer echten Herausforderung für deine Sicherheit. Deshalb ist es keine Option zu wissen, wie man reagiert - es ist überlebenswichtig.
Es geht nicht nur um Regen
Entgegen unserer Annahme ist der Regen nicht das einzige Problem, dem wir gegenüberstehen. Schlechtes Wetter besteht aus einer Kombination von Faktoren, die gemeinsam auftreten:
- Regen: Verringert den Grip der Reifen, verlängert den Bremsweg und verbirgt Gefahren unter tückischen Pfützen.
- Wind: Beeinträchtigt die Stabilität, drückt seitlich und kann deine Fahrspur innerhalb von Millisekunden verändern.
- Kälte: Senkt die Reifentemperatur, verringert die Haftung und sorgt dafür, dass Motor und Bremsen länger brauchen, um optimale Leistung zu erreichen.
Jeder dieser Faktoren verändert die Spielregeln, und zusammen können sie deine Fahrt zur Tortur machen, wenn du nicht weißt, wie du damit umgehen sollst.
Die unsichtbaren Feinde des Asphalts
Die wahren Gefahren sind oft nicht die, die man auf den ersten Blick sieht. Bei Regen wird ein Ölfleck zu einer fast unsichtbaren, rutschigen Falle. Nasse Blätter sind genauso gefährlich wie Eis. Kleine Wasserströme, die die Straße überqueren, können dazu führen, dass du innerhalb von Sekunden die Haftung verlierst. Und die Kälte, insbesondere an den Händen, verlangsamt deine Reflexe genau dann, wenn du sie am meisten brauchst.
Der Schlüssel
Bei schlechtem Wetter hat sportliches Fahren Pause. Es gelten zwei Hauptregeln: Sanftheit und Voraussicht.
- Sanft und ruhig beschleunigen: Vermeide ruckartige Bewegungen oder abrupte Manöver.
- Progressiv bremsen: Setze stärker auf die Hinterradbremse, um ein Wegrutschen des Vorderrads zu vermeiden.
- Saubere, runde Linien fahren: Vermeide aggressive Schräglagen oder abrupte Richtungswechsel.
- Den Sicherheitsabstand erhöhen: Verdopple den Abstand zu anderen Verkehrsteilnehmern, um auf der sicheren Seite zu sein.
Die Ausrüstung
Der Unterschied zwischen Leiden und Genießen bei Regen liegt in der richtigen Ausrüstung. Ein schlechter Regenanzug macht jede Tour zur Qual, während gute Ausrüstung dich trocken und konzentriert hält.
- Wasserdichte und warme Handschuhe: Nicht nur für Wärme, sondern auch um den Grip und damit die Reaktionsfähigkeit zu erhalten.
- Hohe, wasserdichte Stiefel: Damit kein Wasser eindringt und der Knöchel stabil bleibt.
- Gut belüftete Helme mit Anti-Beschlag-System: Für stets klare Sicht.
Hier solltest du keine Kompromisse eingehen. Gute Ausrüstung ist kein Luxus, sondern eine direkte Investition in Kontrolle, Sicherheit und Fahrspaß.
Kämpfe nicht gegen dein Motorrad
Wusstest du, dass Motorräder bei schlechtem Wetter ebenfalls „leiden“?
- Der Motor kann anders reagieren, wenn er von Kälte beeinflusst wird.
- Die Bremsen verlieren an Biss, bis sie ihre Betriebstemperatur erreichen.
- Die Kette rostet schneller.
- Die Reifen werden langsamer warm.
Vor der Abfahrt solltest du Reifendruck, Beleuchtung und Flüssigkeitsstände prüfen. Während der Fahrt solltest du auf das Fahrverhalten deiner Maschine achten. Nach der Tour trockne sie, fette die Kette nach und gönn ihr die nötige Pflege.
Motorradfahren im Regen ist nichts für Draufgänger
Motorradfahren im Regen hat nichts mit Mut zu tun, sondern mit Intelligenz. Bei schlechten Witterungsverhältnissen zu fahren ist kein Zeichen von Unvernunft, sondern bleibt den wirklich vorbereiteten Fahrern vorbehalten. Es geht darum zu verstehen, dass jede Kurve, jedes Bremsmanöver und jede Beschleunigung eine andere Herangehensweise erfordert.
Es geht nicht darum, sich den Bedingungen zu ergeben, sondern sich zu einem technisch versierten, präziseren und aufmerksamen Fahrer weiterzuentwickeln.
An regnerischen Tagen zu fahren kann ein besonders schönes Erlebnis sein, denn auch dann genießt man die pure Essenz seines Motorrads, die Freiheit und das Gefühl, von der Natur umgeben zu sein. Das Gefühl, den Regen zu spüren ist aufregend, solange man als Fahrer gut ausgerüstet ist. Andernfalls ist das Fahren mit nasser Kleidung ein Alptraum, da der auskühlende Effekt der Nässe durch den Fahrtwind exponentiell verstärkt wird. Daher ist es in jeder Jahreszeit notwendig, die richtige Kleidung zu wählen, die vor Regen schützt.
Die richtige Motorradkleidung für Regen
- Auch wenn es banal klingen mag, ist es von grundlegender Bedeutung, technische Textilien wie Jacken, Hosen, Handschuhe und wasserdichte Stiefel zu kaufen. Heutzutage gibt es sowohl ausgezeichnete Fasern als auch Membranen, die es dem Motorradfan ermöglichen, sich sowohl im Winter als auch im Sommer wasserdicht zu kleiden. Regenfeste Kleidung bringt wichtige Vorteile mit sich: Zusätzlich zu den „inneren Qualitäten“ - nämlich Tragbarkeit, bequeme Taschen und vor allem die Schutzausrüstung - zwingt einsetzender Regen einen Fahrer nicht dazu, unterwegs anzuhalten, um zusätzlichen Regenschutz anzuziehen. Jedes Teil sollte von Kopf bis Fuß regenfest sein: Jacke, Hose, Handschuhe und Stiefel. Entscheiden sie sich am besten für qualitativ hochwertige Produkte, die eine „echte“ Wasserdichtigkeit garantieren.
- Der einfachste Weg, um zu verhindern, dass Regen den Fahrer durchnässt, ist die Anschaffung von Regenkleidung aus wasserdichtem Kunststoff: Da diese zu 100 % wasserdicht und billig ist, scheint es die beste Lösung überhaupt zu sein - aber es blockiert auch die Transpiration der eigenen Haut. Unser Körper gibt nämlich Wasserdampf ab (wir schwitzen), den hochwertige Kleidung - angefangen bei der Unterwäsche - aus unserer Haut ziehen soll, um sie trocken zu halten. Eine Kunststoffschicht würde den Schweiß jedoch vollständig in der Haut halten. In der Folge saugt sich die Kleidung mit Schweiß voll, was die gleichen Folgen hat wie ein Regenschauer ohne Regenschutz.
- Bei der Auswahl der Kleidung sollte man hochwertige Markenware bevorzugen, damit man sich auf die in den Etiketten angegebenen Eigenschaften auch sicher verlassen kann.
- Wenn Biker mit einer nicht regenfesten Ausrüstung oder mit der traditionellen Lederjacke unterwegs sind, sollte ergänzend eine zusätzliche Regenkombi gewählt werden, die normalerweise nicht viel Platz benötigt. Auch hier gilt, dass der Fahrer die Größe wählen sollte, die am besten zu seiner Motorradbekleidung passt. Am besten ist es, wenn die Hosen atmungsaktiv sind, auch wenn die Nylonhosen billiger sind, aber sie verhindern, dass die Haut transpiriert. Es ist kein großer Fehler, einen solchen Anzug zu kaufen, aber man sollte bedenken, dass er nur bei kurzen Ausfahrten schützt.
- Handschuhe sind am schwierigsten vor Wasser zu schützen, da sie viele Nähte aufweisen. Aus diesem Grund werden selbst die besten wasserdichten Handschuhe oft durch eine lange Fahrt im Regen beschädigt. Wenn es darum geht, das perfekte Paar Handschuhe auszuwählen, sollten man darüber nachdenken, sie zusammen mit der Jacke auszusuchen, da die Handschuhe in der Regel die Ärmel überlappen.
- Oft wird geglaubt, dass gefettete Lederstiefel regenfest sind, aber das ist nur für eine Weile so. Stiefelüberzüge sind dazu gedacht, nicht wasserdichte Schuhe zu schützen.
- Obwohl ein guter Helm bei Regen immer einen guten Schutz bietet, sollten die Fahrer immer die Hinweise des Herstellers bezüglich der Einstellung der Belüftungsöffnungen beachten. In der Tat bieten Integralhelme immer den besten Schutz, und das Fahren mit einem Jethelm im Regen kann sehr schmerzhaft sein. Die beste Lösung ist jedoch der Einbau eines beschlagfreien Innenvisiers.
- Wie verhält man sich, wenn man ohne geeignete Kleidung unterwegs ist und vom Regen überrascht wird? Eine mögliche Notlösung ist es, Müllsäcke zu nutzen. Größere Säcke und Plastiktüten können als Weste getragen werden, indem man einfach drei Öffnungen für die Arme und den Kopf ausschneidet. Einkaufstaschen können sowohl nasse als auch gefrorene Füße wirksam schützen: Es reicht aus, wenn die Fahrer trockene Socken tragen, ihren Fuß in die Tasche und dann in den Stiefel stecken. Die beste Lösung, um die eigenen Hände zu schützen, ist das Tragen von Latexhandschuhen unter den normalen Motorradhandschuhen.
Kommunikationssystem für dem Helm
Ein Kommunikationssystem für dem Helm, das nicht nur im Intercom-Betrieb und beim Handling angenehm sein, sondern auch wetterlichen Widrigkeiten im harten Motorradalltag standhalten soll, ist nicht leicht zu finden. Cardo Systems ist der Erfinder von Bluetooth-Kommunikation im Helm Pionier in dem Gebiet. Alle Produkte werden mit IP67-Norm konstruiert. Dadurch sollen die Gehäuse komplett abgedichtet gegen Wasser und Staub sein. Mit den Baureihen Packtalk, Freecom und Spirit soll bei Wolkenbruch während einer Alpentour oder beim Erklimmen einer Wüstendüne alles intakt bleiben. Ganz nebenbei soll jedes CardoSystem auch noch über kabellos laufende Software-Updates und lange Akkulaufzeiten verfügen, fast alle bieten zudem auch JBL-Sound und eine Sprachsteuerung.
Verhalten bei Regen
Wenn es auch in Zeiten guter Wettervorhersagen auf der Motorradtour zu überraschenden Regenfällen kommt, sollten Fahrer gewappnet sein und wissen, was zu tun ist. Fahren Sie nur als erfahrener Biker im Regen, oder, wenn Sie keine andere Wahl haben - Regenfahrten sind nichts für Fahranfänger. Sitzen die Grundlagen noch nicht vollständig, ist Regen ein Risikofaktor. Auf jeden Fall gilt: Ruhe bewahren und "runder" und defensiver fahren, als im Trockenen. Nutzen Sie jede Gelegenheit, Regenfahrkenntnisse zu sammeln. Passen Sie Ihre Fahrweise den Gegebenheiten an. Bei Regen verlängert sich der Bremsweg und die Reifenhaftung lässt nach. Das bedeutet, dass Sie deutlich vorsichtiger fahren müssen. Geben Sie weniger Gas und bremsen sie frühzeitig und gleichmäßig. Vergessen Sie nicht, dass Sie im Regen schlechter zu sehen sind.
Weitere Gefahren auf dem Asphalt
Seien Sie sich weiterer Gefahren auf dem Asphalt bewusst. Öle und Reifenabrieb auf und im Straßenbelag werden innerhalb der ersten Minuten des Regens gelöst und können die Straßen viel glatter machen, als Sie es vielleicht erwarten. Gleiches gilt für die schmierige Schicht, die sich nach langen Trockenphasen bildet, wenn der Regen sich mit dem Straßenstaub verbindet. Auch Straßenmarkierungen werden bei Regen deutlich rutschiger und damit gefährlicher. Halten Sie sich daher von Trennlinien und anderen Straßenmarkierungen fern, da diese oft glatter sind, als der Asphalt.
Motorrad Check vor der Fahrt
Vergewissern Sie sich, dass Ihr Motorrad in einwandfreiem Zustand ist. Ein Check vor der Fahrt hilft, die meisten Probleme zu erkennen, bevor sie auftreten. Achten Sie speziell auf die folgenden Punkte, wenn Regen vorhergesagt ist:
- Die Reifen sollten über ausreichend Profil verfügen, damit sie das Wasser gut verdrängen können.
- Die Kette sollte gut geschmiert sein, damit das Wasser abperlt.
Fahrdynamik bei Regen
Die Fahrdynamik funktioniert bei Regen nicht anders als auf trockener Straße - mit dem entscheidenden Unterschied, dass Vorgänge wie Beschleunigen, Bremsen, Einlenken und Kurvenfahren deutlich sanfter vonstatten gehen müssen.Wer zackig einlenkt, schreckhaft bremst oder hastig am Gas dreht, kann den Reifengrip auf nasser Fahrbahn schlagartig überfordern. Auch beim Herunterschalten und Einkuppeln (Tipp: Zwischengas!) sollte man sanfter zu Werke zu gehen; in den Kurven lieber einen Gang höher wählen, um mit weniger Drehzahl weich und gleichmäßig aus der Schräglage zu beschleunigen.Bei all dem gilt: bewusst locker bleiben. Gerade beim Übergang von trockener auf nasse Fahrbahn neigt so mancher dazu, sich zu verkrampfen. Und wer verkrampft, spürt die Reaktionen des Motorrads später, vielleicht zu spät. Um auch im Regen sicher anzukommen, sollte man sich immer wieder bewusst entspannen: Schultern fallen lassen, Oberlippe locker, die Hände etwas lösen, die Spannung aus dem Gesäß nehmen.
Bremsen bei Nässe
Damit das Vorderrad bei einer Vollbremsung auf dem feuchten Asphalt nicht gleich wegrutscht, heißt es vorsichtiger am Bremshebel zu ziehen und den Bremsdruck zügig, aber etwas langsamer aufzubauen als im Trockenen. Dabei etwas unter dem persönlichen, trainierten Maximalwert bleiben. Wichtig: hinten kräftig mitbremsen. Bremsverzögerungen bis zu 8,0 m/sek² können bei griffigem Asphalt erreicht werden.
Kurvenfahren bei Nässe
Kurven sind bei Nässe ganz schön heikel. Den Bremsvorgang daher vor der Kurve beenden und sanft einlenken. Den gedachten Scheitelpunkt spät setzen, damit genug Platz zum ebenfalls sanften Beschleunigen bleibt. Auf der falschen Linie lebt es sich gefährlich, zumal der Asphalt dort oft durch Autoreifen glatt poliert ist und weniger Grip bietet.
Bremsweg und Schräglage bei Nässe
Die Messwerte einer Honda CBR 600 F zeigen, wie sich unterschiedliche Straßenbeläge im Regen auf den Bremsweg und die mögliche Schräglage auswirken. Auf griffigem Rennstrecken-Asphalt fällt der Bremsweg kaum länger aus als auf trockener Piste. Auf der nassen Landstraße braucht der Sporttourer für eine Vollbremsung aus 100 km/h aber schon 77 Meter, bei schlechtem Belag sind es noch deutlich mehr. Zudem verringert sich die mögliche Schräglage drastisch.
| Reibwert | Bremsweg 100-0 km/h | Schräglage |
|---|---|---|
| Rennstrecke nass 0,8 | 48 Meter | 39 Grad |
| Landstraße nass 0,5 | 77 Meter | 27 Grad |
| Kopfsteinplaster nass 0,3 | 128 Meter | 17 Grad |
| Stark verschmutzt 0,2 | 193 Meter | 11 Grad |
| (mit sehr haftfähigen Straßensportreifen) |
Aquaplaning beim Motorrad
Vorteil fürs Motorrad: Im Vergleich zu den breiten Autoreifen (rechts) hat der Motorradreifen (links) eine geringere Aufstandsfläche und - noch wichtiger - eine abgerundete Kontur. Diese drängt den Wasserkeil seitlich ab, der Reifen schiebt sich durch die Wasserfront, die Aquaplaning-Gefahr sinkt.
Verhalten bei Gewitter
Im Fall eines Gewitters mit Blitz und Donner sollten Motorradfahrer (wie auch Fußgänger) im Freien generell hohe Standorte wie Berge und Hügel, aber auch Bäume, Masten sowie Metallkonstruktionen wie Zäune oder Gitter meiden. Bilden Sie keinesfalls den höchsten Punkt im Gelände, und halten Sie ausreichend Abstand vom Motorrad. Stellen Sie sich wenn möglich irgendwo unter.
Verwandte Beiträge:
- Warme Unterwäsche für Motorradfahrer: Schutz vor Kälte
- Durchschnittliches Alter Motorradfahrer in Deutschland: Statistik & Fakten
- Jeans für Motorradfahrer: Sicherheit & Style im Test
- Shimano Hollowtech II Tretlager: Ultimative Anleitung, Werkzeug-Tipps & Wartungsgeheimnisse
- Auto- und Motorrad-Zentrum Wollstadt Hattersheim: Ihre Top-Adresse für erstklassige Mobilität!
Kommentar schreiben