Motorradfahren im Winter: Tipps und Ausrüstung

Für viele Motorradfahrer endet die Saison bereits im Oktober. Doch mit der richtigen Vorbereitung kann Motorradfahren auch im Winter großen Spaß machen. Hier sind Tipps und Informationen zur Ausrüstung, um auch bei Kälte und Schnee sicher unterwegs zu sein.

Vorbereitung des Motorrads auf den Winter

Wer sein Motorrad einwintern will, steht vor der alten Frage: Ölwechsel vor dem Winter oder nicht? Wir empfehlen, den Schmierstoff und den Ölfilter auf jeden Fall vor dem Einwintern zu wechseln. Grund dafür sind die im Altöl gebundenen Stoffe wie Säuren, Wasser und Schmutz, die zu Korrosion im Motor führen können. Die Einwinterungszeit ist auch für putzmuffelige Motorradfahrer eine gute Gelegenheit, den inneren Schweinehund zu überwinden und zu diversen Reinigungs- und Pflegemitteln zu greifen. Doch bevor es ans Waschen geht, sollte man den Luftdruck beider Reifen um etwa 0,5 bar erhöhen und vor allem die Metalltanks voll tanken.

Nach einer Geländefahrt völlig mit Schmutz verkrustete Bauteile mit Schmieröl behandeln zu wollen, ergibt keinen Sinn, der grobe Schmutz muss erst runter. Hier hilft zunächst nur viel, viel Wasser und allenfalls ein Dampfstrahler. Danach empfiehlt sich das Motorrad mit Spezialreiniger zu putzen. Der Spezialreiniger für Motorräder wird einfach auf die trockene und kalte Maschine aufgesprüht und nach maximal fünf Minuten Einwirkzeit vollständig mit Wasser abgespült. Dank ihrer hohen Reinigungskraft entfernen sie auch hartnäckige Verschmutzungen wie Insekten, Bremsstaub und Teerflecken.

Für alle weiteren Arbeiten sollte die Maschine ebenfalls trocken sein, also gut abledern und - falls zur Hand - mit Pressluft ausblasen, um die Feuchtigkeit auch von unzugänglichen Stellen zu entfernen. Bevor es ans Schmieren der beweglichen Teile geht, kann man sich zuerst um die Batterie kümmern, dann hat das Motorrad noch Zeit, vollständig abzutrocknen. Dazu beide Batteriepole abklemmen - zuerst den Minuspol, damit kein Kurzschluss entsteht, wenn man mit dem Pluspol versehentlich ein Metallteil berührt - und mit einem Lappen und feinem Schmirgelpapier reinigen. Danach die Batterieklemmen wieder fest anschrauben (Pluspol zuerst).

Da viele Motorräder über elektrische Dauerverbraucher wie Uhr oder Alarmanlage verfügen, empfiehlt es sich, den Minuspol im Winter abzuklemmen. Wer sein Motorrad in einer frei stehenden Garage überwintert, in der zweistellige Minusgrade keine Seltenheit sind, sollte die Batterie ausbauen und dunkel im Keller lagern. Nun sind Kette, Ritzel und Kettenblatt an der Reihe. Bei diesen Arbeiten empfiehlt es sich, eine große Pappe oder ähnliches unterzulegen, um den Boden nicht zu verschmutzen. Grobe Fettrückstände lassen sich zunächst am besten rein mechanisch mit einem alten Lappen oder einer Bürste entfernen. Anschließend Kette und Kettenblatt und - wenn gut zugänglich - auch das Ritzel mit einem Kettenreiniger einsprühen und den Fettentferner einwirken lassen.

Wer möchte, kann bei Bedarf mit einer Bürste nachhelfen. Anschließend die gelösten Fettreste mit einem Lappen abwischen und die Kette mit Kettenpflegespray einsprühen. Bewegliche Teile und Gelenke müssen geschmiert werden. Hierfür empfiehlt sich ein Universalschmiermittel, das Feuchtigkeit unterwandert, verdrängt und einen hochwirksamen Schutzfilm hinterlässt. Welche Teile im Einzelnen betroffen sind, hängt vom Motorradmodell ab. Deshalb seien hier nur Teile wie Haupt- und Seitenständer, Gelenke von Schalthebel, Schaltgestänge und Fußbremse, Handhebel, bewegliche Verbindungen bei mechanisch betätigten Kupplungen und Drosselklappensteller am Vergaser genannt. Auch Zündschloss, Sitzbank- und Helmschloss profitieren von einem Tropfen Öl.

Vorsicht ist beim Ölen von Zügen geboten. Ist das Bike technisch auf den Winter vorbereitet, kommt die Optik an die Reihe. Lackierte Flächen, Chrom und Metallteile können mit einem Pflegespray behandelt werden: Teile einsprühen, kurz einwirken lassen und mit einem sauberen Tuch abreiben. Pflegesprays, die ölig sind, sollten nicht auf Griffe, Sitzbank oder Reifen gesprüht werden. Auch Ledersitze und Satteltaschen sollten imprägniert werden. Auch die Fahrerausrüstung wie Stiefel, Jacken und Hosen sollten vor dem Winter neu imprägniert werden. Schließlich stellt sich die Frage nach einer Abdeckung.

Wenn das Motorrad den Winter über im Trockenen steht, reicht sicher ein einfaches Leintuch. Soll das Motorrad aber im Freien überwintern, kommt man um eine wasserdichte Plane kaum herum. Etwas teurer sind atmungsaktive Abdeckplanen. Diese haben aber den Vorteil, dass Feuchtigkeit, die unter der Plane verdunstet, wieder entweichen kann.

Empfindliche Flächen am Motorrad können vor Fahrtantritt mit einem Sprühöl zumindest ein wenig vor der korrosiven Wirkung von Streusalz geschützt werden. Wer seinem Motorrad etwas Gutes tun will, spendiert ihm nach dem winterlichen Ausritt eine gründliche Wäsche, um soviel Salz wie möglich zu entfernen. Ist die Maschine wieder getrocknet, ist das Sprühöl an der Reihe (siehe oben), und die Kette wird geschmiert. Bei flüssigkeitsgekühlten Maschinen ist ausreichend Kühlerfrostschutz essenziell.

Die richtige Fahrerausrüstung für den Winter

Eine geeignete Fahrerausstattung ist für Motorradfahrer im Winter nicht nur ein Komfortfaktor, es geht auch um die Sicherheit. Empfehlenswert ist ein Aufbau der Bekleidung nach dem Zwiebelprinzip: Warme Unterwäsche, möglichst eine zweite wärmende Schicht, ein Mid-Layer und darüber die eigentliche Motorradbekleidung aus Leder oder Textil mit den Protektoren. Wer die Anschaffung nicht scheut, kann sich eine dezidierte Winterkombi mit extradicker Isolationsschicht zulegen. Zudem gibt es praktische Gadgets wie Heizwesten oder beheizbare Nierengurte, die dem Körper Wärme zuführen.

Eine Sturmhaube - am besten aus Windstopper - schafft eine zugdichte Verbindung vom Oberkörper zum Helm und schützt einen Teil des Gesichts. Mit kalten Fingern lassen sich Hebel, Schalter und Lenker nicht mehr einwandfrei bedienen, die Reaktionsfähigkeit nimmt ab. Zur Ausstattung für Winterfahrer gehören gute, wasserdichte und gefütterte Stiefel mit hohem Schaft und genügend Platz im Innern, damit auch bei dickeren Socken die Zehen bewegungsfähig bleiben.

Windschutz und Heizsysteme

Eine wichtige Maßnahme, um den Einfluss der Witterung zu mindern, ist der richtige Windschutz beim Motorradfahren im Winter. Eine größere, ausladendere Windschutzscheibe schützt Oberkörper und Kopf effektiv vor dem kalten Wind. Auch die Hände, die für Gas, Bremse, Kupplung und Armaturen gebraucht werden, müssen warm bleiben. Heizgriffe Motorrad lassen sich ebenfalls nachrüsten. Eine besonders effektive Möglichkeit ist es, beheizte Griffgummis anzubringen oder Heizpatronen in den Lenkerenden zu installieren. Letztere Lösung ist optisch unauffällig, während klassische beheizbare Motorradgriffe meist aufbauen, aber weniger effizient sind.

Helm und Visier

Ein nach ECE-Norm geprüfter Helm ist Pflicht. Das Helmvisier muss sauber sein und darf keine Kratzer aufweisen, da es bei tief stehender Sonne sonst zu Streulicht und so zu einem gefährlichen "Blindflug" kommen kann. Besonders im Winter kann ein beschlagenes Visier zum Sicherheitsproblem werden. Ein Pinlock-Innenvisier, das beschichtete Visiere in puncto Beschlagfreiheit übertrifft, ist die richtige Wahl.

Fahrtechnik im Winter

Grundsätzlich fährt man im Winter noch vorausschauender Fahren als ohnehin. Häufig liegt Split auf den Fahrbahnen, auch Ansammlungen von Streusalz können in Verbindung mit Wasser einen unsichtbaren Schmierfilm bilden. Jederzeit muss mit überfrorenen Partien (»schwarzes Eis«) gerechnet werden. Und ganz grundsätzlich kommen die Reifen gerade bei Minusgraden nur sehr langsam auf Betriebstemperatur - wenn überhaupt. Eine sensible Gashand ist im Winter ebenso gefragt wie der Verzicht auf allzu spektakuläre Schräglagen. Auch beim Bremsen sollte man Vorsicht walten lassen und abrupte Verzögerungen vermeiden.

Feuchte Straßen und kalter Asphalt vermindern die Griffigkeit der Reifen deutlich. Deshalb sollte in der kalten Jahreszeit für jeden Biker eine besonders vorausschauende Fahrweise gelten. Es ist unglaublich wichtig, die Sinne für wechselnde Straßenverhältnisse zu schärfen und vorausschauend zu fahren - noch mehr als bei der sommerlichen Kurvenjagd. Besonders feuchtes Laub und Rollsplit können schnell Auslöser einer brenzligen Situation sein.

Neben den wechselhaften Bedingungen führen auch die immer kürzer werdenden Tage und die tief stehende Sonne dazu, dass die Sicht und Sichtbarkeit der Motorradfahrer abnimmt. Daher ist es ratsam die Lichtanlage wie Scheinwerfer und Blinker auf einwandfreie Funktionsweise sowie richtige Einstellung zu überprüfen. Bei der Kontrolle ist auch ein Blick auf die Bremsanlage empfehlenswert.

Winterreifen für Motorräder

Zwar gibt es seit 2017 für einspurige Kfz keine Winterreifenpflicht mehr, es sind aber auch keine echten Winterreifen für Motorräder erhältlich. Vereinzelte Hersteller wie Heidenau bieten Varianten ihrer Profile mit einer modifizierten Gummimischung an, die auf kaltem Asphalt mehr Grip bieten soll.

Checkliste für das Motorradfahren im Winter

  • Reifen: Profiltiefe und Reifendruck prüfen, gegebenenfalls Winterreifen mit modifizierter Gummimischung verwenden
  • Batterie: Zustand prüfen und gegebenenfalls laden
  • Kühlflüssigkeit: Frostschutz prüfen
  • Bremsen: Funktion prüfen, Bremsflüssigkeitsstand kontrollieren
  • Kette: Reinigen und schmieren
  • Lichtanlage: Funktion prüfen, Scheinwerfer und Blinker einstellen
  • Empfindliche Flächen: Mit Sprühöl vor Streusalz schützen

Sicherheitstipps für Motorradfahrer im Winter

  • Vorausschauend fahren und genügend Sicherheitsabstand einhalten
  • Konzentriert sein und auf schlechte Straßenverhältnisse achten
  • Vorsichtig fahren und bremsen, Hinterradbremse bevorzugen
  • Auf funktionierende Lichtanlage und Reflektoren achten
  • Sich auf das Fahren auf rutschigem Untergrund vorbereiten

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0