Motorradfahrer Lederkleidung Sicherheit: Ein umfassender Leitfaden

Eigentlich hört es sich gut an: Immer wieder gibt es Meldungen, dass sich die Sicherheit von Motorrädern verbessert. Die Zahl der verkauften Zweiräder mit dem Blockierschutz ABS im Bremssystem wächst, und im Jahr 2006 soll sogar das erste Modell mit Airbag auf den Markt kommen. Doch das ändert nichts daran, dass ein Motorrad keine Knautschzone hat. Das Einzige, was Fahrer und Beifahrer beim Sturz vor Verletzungen bewahrt, ist eine vollständige Schutzkleidung.

Die Bedeutung der passiven Sicherheit

Motorrad-Schutzbekleidung zählt zum Bereich der passiven Sicherheit. Anders als aktive Sicherheitssysteme wie etwa ABS oder Traktionskontrolle, die einen Unfall zu vermeiden helfen, dienen Helm, Lederkombi und Co. dazu, die Folgen eines Unfalls abzumildern. Zur passiven Sicherheit trägt auch ein Airbag bei. Den es bei Motorrädern bislang allerdings nur bei einem einzigen Modell gibt: der Honda GL1800 Gold Wing.

Der Helm: Lebensretter Nummer Eins

Das wichtigste Schutzelement beim Motorradfahren ist zweifelsohne der Helm. Er verringert das Risiko, einen Verkehrsunfall nicht zu überleben, um immerhin 40 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, ein Schädel-Hirn-Trauma zu erleiden, um rund 70 Prozent. Daher ist das Tragen eines „geeigneten Schutzhelms“ beim Motorradfahren in Deutschland seit 1976 vorgeschrieben, die Nichtbeachtung der Helmpflicht wird mit einem Bußgeld in Höhe von 15 Euro geahndet. In einigen Bundesstaaten der USA beispielsweise dürfen Biker noch ohne Helm unterwegs sein.

Ein Helm gilt hierzulande als „geeignet“, wenn er die Norm ECE-R 22.05 erfüllt. Das ist im Innenfutter oder am Riemen an einem E in einem Kreis samt einer Prüfnummer erkennbar. Diese Norm ist allerdings nicht bindend vorgeschrieben. Allerdings sind hierzulande inzwischen auch andere Prüfzeichen zulässig. Die ECE-Norm gilt dagegen für die gesamte EU. So können grundsätzlich auch andere Helme, etwa nach der amerikanischen DOT-Norm, als geeignet gelten, wenn von einer gewissen Schutzwirkung auszugehen ist. Arbeits-, Stahl- und Fahrradhelme sowie die sogenannten Braincaps (Halbschalen, die nur den oberen Teil des Kopfes bedecken) gelten wegen ihrer mangelnden Schutzwirkung jedoch als nicht geeignet zum Motorradfahren.

Bietet die höchste Schutzwirkung: Integralhelm, der den Kopf maximal umschließt. Soll es ein Integralhelm sein, eventuell in der praktischeren Version als Klapphelm? Oder lieber ein bequemer Jet-Helm, mit dem man sich besser den Wind um die Nase wehen lassen kann, da er das Gesicht frei lässt? Das ist Geschmackssache, viele legen hier viel Wert auf eine passende Optik zum Bike. Fest steht indes, dass ein Integral- oder Klapphelm, der den Kopf ganz umschließt, wesentlich mehr Schutz bietet als ein Jet-Helm.

Wird hin und wieder auf der Autobahn gefahren, kommen ohnehin praktisch nur geschlossene Helme infrage. Die lassen den störenden Fahrtwind draußen, sind aber dennoch so gut belüftet sind, dass man einen kühlen Kopf bewahrt. Und die richtige Größe? Die ermittelt man mit einem Maßband. Einmal um den Kopf herum oberhalb der Ohren und auf der Mitte der Stirn gemessen, erhält man den Kopfumfang in Zentimetern. Gibt ein Hersteller die Größen in XS bis XL an, so verfügt er in der Regel auch über eine Zuordnungstabelle. Da Helme allerdings unterschiedlich groß ausfallen, ist vom schnellen Kauf im Internet abzuraten und der Besuch eines Fachgeschäfts inklusive Anprobe zu empfehlen.

Es ist ratsam, die infrage kommenden Helme im Geschäft jeweils wenigstens 10 Minuten lang auf dem Kopf zu behalten. Der Helm sollte dabei angenehm fest sitzen (Test: Beim Kopfschütteln darf der Helm nicht „schlackern“), auf der anderen Seite darf er nicht drücken und so auf Dauer Kopfschmerzen verursachen. Der Vorteil neuerer Helme besteht häufig in einem geringeren Gewicht.

Unabhängig davon gilt: Eine helle, kontrastreiche Farbgebung des Motorradhelms macht ihn auffälliger. Eigentlich sollte es jedoch im Interesse eines jeden Motorradfahrers - oder Beifahrers - liegen, nur mit einem funktionstüchtigen Helm auf Tour zu gehen. Das belegen Statistiken sehr nachdrücklich: Bei rund 40% der Motorradunfälle droht dem Fahrer ein Schädel-Hirn-Trauma.

Übrigens: Ein Motorradhelm sollte nach einem Unfall, oder wenn er auf andere Weise einen Schlag erhalten hat, ersetzt werden. Denn wenn die Außenschale oder das energieabsorbierende Material im Inneren - oft unsichtbar - beschädigt wurden, kann der Helm keinen ausreichenden Schutz mehr bieten. Motorradhelme sollen sicherheitshalber rechtzeitig erneuert werden, denn Helme altern. Damit nimmt dann auch die Schutzwirkung der Helme ab. Nach einem überstandenen Sturz oder Unfall sollte man sich ohnehin sicherheitshalber nach einem neuen Helm umschauen.

Leder vs. Textil: Eine Glaubensfrage?

Untrennbar mit dem Motorrad verbunden ist die Lederkombi. Traditionell stellen Jacken und Hosen aus gegerbten Tierhäuten die typische Kleidung für Zweiradfahrer dar. Seit geraumer Zeit bekommt der Klassiker jedoch Konkurrenz. Zwar gibt es keine Gesamtzahlen über den Anteil von Leder und Textil bei den Verkäufen. Doch zumindest die Statistiken der großen Anbieter bestätigen den Trend deutlich. So kommt die Zubehör- und Bekleidungskette Polo aus Düsseldorf nach eigenen Angaben auf einen Anteil von 65 Prozent für Textilkleidung.

Textil oder Leder - noch immer diskutieren Motorradfahrer über das bessere Material für ihr Outfit. Bei der Frage nach der richtigen Motorradkleidung gehen die Meinungen auseinander. Für helmexpress.com ist die Sache eindeutig: Uns liegt Eure Sicherheit am Herzen, deshalb empfehlen wir klar die Lederkombi. Die Frage, ob denn nun Stoff oder Leder die bessere Motorradkombi sei, beschäftigt auch unsere Kunden und zahlreiche Motorradfahrer in Foren.

Die Vorliebe für Textilfasern hat allerdings in der Regel weniger mit dem Gedanken an die Folgen möglicher Unfälle zu tun. "Es geht dabei vor allem um den Komfort", erklärt Müller. So sind nach Angaben des Institutes für Zweiradsicherheit (ifz) in Essen gerade die Atmungsaktivität und der Kälteschutz besser als beim Leder. Hinzu kommt, dass der Einsatz moderner Materialien gleichzeitig eine Wasserdichtigkeit gewährleisten kann. Die Lederkleidung auf der anderen Seite bietet manche dieser Vorzüge nicht: Im Sommer schwitzt der Motorradfahrer in seiner engen Tierhaut spätestens beim Ampelstopp, bei Kälte schützt das Leder meist auch nicht lange. Und Regen ist ohnehin ein Feind des Naturmaterials: "Zu den Nachteilen der Lederbekleidung zählt sicher, dass man für schlechtes Wetter immer eine zusätzliche Regenkombi dabei haben muss", erklärt Michael Lenzen, Sprecher des Bundesverbandes der Motorradfahrer (BVDM) in Mainz.

Aber Bequemlichkeit ist auf dem Motorrad eben nicht alles. "Leder hat eine höhere Abriebfestigkeit als Stoff", sagt Lenzen. Das bedeutet: Wer stürzt, ist bei der folgenden Rutschpartie über den Asphalt in der Lederhaut meist besser geschützt. Der große Vorteil des Naturmaterials Leder ist die hohe Abriebfestigkeit, wodurch es sich ideal für Motorradkombis eignet. Dadurch dass die Leder-Motorradbekleidung eng anliegt, sitzen die Motorrad Protektoren immer an der richtigen Stelle, was die Schutzwirkung dieser Motorradbekleidung weiter erhöht. Zudem wird durch die enge Passform ein Flattern der Kleidung vermieden und die Aerodynamik verbessert.

Doch auch die Schutzfunktion der Textilfasern wurde weiter verbessert. Nach Angaben des ifz sind aktuelle Textilanzüge nicht mehr mit den zum Teil gefährlichen "Plastikanzügen" vergangener Zeiten zu vergleichen: Heute bestehe kaum noch die Gefahr, dass die Unfallfolgen sich durch Einschmelzen des Materials in die Haut als Folge der Reibungshitze beim Rutschen noch verschlimmern. Und die Entwicklungen gehen weiter. "Mittlerweile erreicht man auch mit hochwertiger Textilkleidung vergleichbare Abriebwerte wie beim Leder", meint Mathias Krone, Vertreter der finnischen Textilkleidungsmarke Rukka in Hamburg. Dafür ist dann aber auch ein hoher Aufwand erforderlich. So kann laut Krone mit Kevlarfasern gearbeitet werden. Die müsse man allerdings in Cordura-Fasern einhüllen, da Kevlar empfindlich gegenüber UV-Licht ist. "Kevlar ist rissfester als Stahl.

Textil-Motorradbekleidung ist für gewöhnlich weiter geschnitten als Leder-Modelle. Das mag für viele komfortabler sein, kann allerdings auch dazu führen, dass die Protektoren verrutschen. Ein Vorteil der Textilkombis ist, dass sie alltagstauglich sind. Ein kurzer Spaziergang während der Tour ist damit bequem möglich.

Während einige argumentieren, dass Textil bei heißen Temperaturen angenehmer sei, sind sich andere bewusst, dass es im Sommer auf der Maschine heiß wird - egal ob in Leder oder Stoff gepellt. „Was ist besser? Der Wintermantel oder die Sommerbluse? Man hat bestenfalls beides im Schrank und wählt nach Bedarf aus, schreibt er dort. Die Textilkombis bringen einig Vorteile mit sich, allen voran der bessere Komfort im Vergleich zur Leder Motorradbekleidung. Und natürlich kostet es manches mal Überwindung, sich bei heißen Temperaturen in die Lederkombi zu pellen. Die höhere Abriebfestigkeit und ideal sitzende Protektoren können dafür sorgen, dass du unbeschadet wieder aufstehen kannst.

Protektoren: Harte Schale oder weicher Kern?

Das Grundmaterial der Bekleidung ist aber nur ein Punkt. Daneben gibt es noch ein anderes Thema, an dem sich die Geister scheiden: Protektoren. Dabei handelt es sich um zusätzliche Polster und Schalen, die an gefährdeten Stellen wie Knien, Ellenbogen oder auch am Rücken in der Motorradkluft getragen werden. Grundsätzlich sind sie eine gute Sache - wäre da nicht die Frage, ob harte oder weiche Protektoren besser sind. Laut Ruprecht Müller haben weiche den Vorteil, dass sie bei einem Sturz Energie besser abbauen. Harte dagegen schützen davor, dass spitze Gegenstände eindringen.Noch ein weiterer Punkt ist bei Protektoren zu beachten: "Man sollte auf jeden Fall auf den richtigen Sitz achten", mahnt Michael Lenzen.

Hochwertige Protektoren etwa für Schultern und Rücken sind nach der europäischen Norm EN 1621-1, -2 und 3 geprüft. Wenn Sie geeignete Motorradschutzkleidung kaufen möchten, nehmen Sie sich Zeit für die Anprobe und lassen Sie sich von einer Fachkraft beraten.

Weitere Aspekte der Motorradbekleidung

  • Motorrad Winterbekleidung: Nutzen Sie Ihr Bike auch bei niedrigen Temperaturen, sollte Ihr Motorradanzug wind- und wasserdicht sein. Ein Thermofutter muss Ihren Körper warm halten.
  • Motorradschutzkleidung für den Sommer: Sind Sie viel bei hohen Temperaturen in der warmen Jahreszeit unterwegs, erkundigen Sie sich nach speziellen Sommer-Motorradjacken und -hosen.
  • Schutzkleidung bei Regen: Um bei nassem Wetter gut ausgerüstet zu sein, helfen spezielle Motorrad-Regenjacken. Sie bestehen zum Beispiel aus wasserabweisendem Leder in Verbindung mit einer GoreTex-Membran im Inneren. Für den Fall, dass der Regen länger anhält, besorgen Sie sich eine Regenkombi zum Überziehen.

Generell sollten bei der Motorradschutzkleidung Reißverschlüsse verdeckt sein, damit sie nicht aufreißen. Mit einem Nierengurt schützen Sie zusätzlich gegen den Fahrtwind. Achten Sie darauf, dass die Sohle stabil und rutschfest ist. Für sportliche Biker gibt es spezielle Racing-Stiefel. Sie haben einen Innenschuh aus einem stabilen Kunststoff-Verbundmaterial. Wenn Sie Ihre Chopper-Motorradstiefel anprobieren, müssen Sie eng anliegen und fest sitzen.

Die richtigen Motorradhandschuhe machen Ihre Motorradschutzkleidung erst komplett. Hier reicht die Bandbreite von Sommer- über Winterhandschuhe bis hin zu Offroad- und Racing-Handschuhen. Motorradhandschuhe aus Leder für den Sommer sind dünn gefüttert und haben keine Klimamembran. Motorrad-Winterhandschuhe schützen mit speziellen Vliesstoffen und anderen Fasern im Inneren besonders gut gegen Kälte.

Unfall ohne Schutzkleidung

Obwohl gesetzlich - anders als bei der Helmpflicht - das Tragen von Motorradschutzkleidung nicht vorgeschrieben ist, ist in der Rechtsprechung eine Tendenz zu beobachten, schuldlos geschädigten Motorradfahrern wegen des Nichttragens von Schutzkleidung Ansprüche zu kürzen.

So hat das OLG Brandenburg (Az.: 12 U 29/09) einem Motorradfahrer das beantragte Schmerzensgeld nicht in vollem Umfang zugestanden, weil es meinte, der Motorradfahrer habe zur Schwere seiner Verletzungen selbst mit beigetragen. Nach Auffassung des Gerichts ist ein Mitverschulden des Verletzten auch dann anzunehmen, wenn "er diejenige Sorgfalt außer Acht lässt, die ein ordentlicher und verständiger Mensch zur Vermeidung eigenen Schadens anzuwenden pflegt". Daher ist es nur konsequent, dem Verletzten kein so hohes Schmerzensgeld zu bezahlen wie er erhalten würde, wenn er mit Schutzkleidung unterwegs gewesen wäre.

Wichtig: Fehlende Motorradschutzbekleidung kann von einigen Versicherungen sogar als grobe Fahrlässigkeit betrachtet werden. In diesem Fall würde der Versicherer auch dann nicht zahlen, wenn der Versicherte den Schaden nicht verursacht hat.

Fazit

So schwer die "Glaubensfrage" bei der Materialwahl auch zu entscheiden ist, in einem Punkt sind sich alle Experten einig: Ohne komplette Schutzkleidung mit Jacke, Hose, Handschuhen, Stiefeln und Helm sollte niemand starten. Und Geld sollte an anderer Stelle gespart werden - nicht bei der Fahrerausstattung.

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