27,5 Zoll - das ist das neue Standardmaß für Mountainbikes. In diesem Artikel werden vollgefederte 27,5-Zoll-Mountainbikes genauer betrachtet, um ihre Qualitäten zu testen und einen umfassenden Überblick zu bieten.
Die Testbedingungen
Das Testteam bestand aus erfahrenen Bike-Guides und Touren-Bikern. Alle Räder wurden auf einer einheitlichen Teststrecke gefahren, die aus Schotterwegen und anspruchsvollen Singletrails bestand, die teilweise mit Wurzeln und Felsen durchzogen waren. Einige sehr steile Passagen bergauf ließen eine gute Analyse des Kletterverhaltens am Limit zu. Bergab mussten die Bikes dann wurzelige, felsige und schotterige Singletrail-Passagen bewältigen. Direkt im Anschluss an die Testfahrten füllten alle Tester einheitliche Fragebögen aus. Nachdem alle Bikes gefahren waren, wurden die Ergebnisse im Team diskutiert. Alle Bikes wurden ohne Pedale gewogen.
Die Vielseitigkeit der 27,5-Zoll-All-Mountain-Modelle
Die 27,5-Zoll-All-Mountain-Modelle haben in puncto Vielseitigkeit im Vergleich zu den Vorjahren noch zugelegt. Dank cleverer Fahrwerksmechanik haben sich die meisten Modelle bergauf als gute Kletterer bewährt. Bergauf wie bergab am ausgewogensten schnitten das Stumpjumper FSR Comp EVO 650B und das Rocky Mountain Thunderbolt 750 ab. Erfreulich: Für solide, gut funktionierende Touren-Bikes muss man nicht in den höchsten Preisklassen stöbern. Der Spaß beginnt bei rund 1500 Euro. Nach oben sind dem Budget freilich keine Grenzen gesetzt.
Im Test wurde der Charakter jedes Bikes so gut wie möglich analysiert mit dem Hinweis, welches Rad sich für welchen Fahrertyp eignet. Wer garantiert sein Traum-Bike finden möchte, sollte sich eine Vorauswahl zusammenstellen und vor dem Kauf testen - am besten im Gelände.
Die Vor- und Nachteile verschiedener Reifengrößen
Jahrzehntelang dominierte in der Mountainbike-Szene eine einzige Normgröße für Räder, nämlich 26-Zoll. Das änderte sich erst, als vor ein paar Jahren die ersten 29-Zoll-Räder auf den Markt kamen, die beispielsweise wegen ihres bessern Überrollverhaltens viele Biker begeisterten. Doch sie setzten auch eine neue Geometrie voraus und forderten Einschränkungen beim Federweg und von FahrerInnen unter etwa 175 Zentimeter. Demgegenüber erhebt seit Neuestem eine dritte Größe mit 27,5 Zoll (auch 650B genannt) den Anspruch auf den goldenen Mittelweg. Sie hat gleichzeitig dazu geführt, dass in Zukunft mehr Individualität bei der Radgröße möglich ist - je nach Einsatzgebiet und Körpergröße.
Vorteile der 29-er
Die Vorteile eines 29-er-Reifens liegen kurz zusammengefasst darin, dass die Räder leichter Unebenheiten im Gelände meistern und ein besseres Rollverhalten an den Tag legen. Zudem bietet sie mehr Traktion aufgrund der größeren Auflagefläche, ferner liegt die Sitzposition zwischen den großen Reifen tiefer und damit auch der Schwerpunkt - das subjektive Sicherheitsgefühl, berichten 29-er-Fans immer wieder, sei merklich höher, zumal die Reifen insgesamt eine größere Laufruhe böten.
Nachteilig wirkt sich die Größe jedoch auf das Gewicht aus. 29-er lassen sich schwerer beschleunigen als 26-er-Reifen, die wiederum auch in engem Gelände insgesamt wendiger und spritziger sind. 29-er werden daher hauptsächlich etwa von Marathon- und Tourenfahrern geschätzt und bieten sich auch für einfaches Gelände an. Sie verlangen andererseits nach einer neuen Geometrie, 29-er lassen sich nicht in Federgabeln für 26-er einbauen. Grenzen gibt es auch beim Federweg. Fullys etwa mit Federwegen über 150 Millimetern sind kaum zu realisieren, speziell bei kleinen Rahmengrößen für FahrerInnen unter etwa 1,75 Meter Körpergröße, von denen zudem kaum eine sportliche Sitzposition (Sattel höher als Lenker) zu realisieren ist.
27,5 Zoll
Nicht zuletzt am letzten Punkt setzen die Befürworter der 27,5-er an. Denn sie sollen die Vorteile der 26-er und 29-er in sich vereinen. Kaum schwerer und größer als ein 26-er, sind die Abstriche hinsichtlich Beschleunigung, Spritzigkeit sowie Wendigkeit eher marginal. Da auch die Rahmengeometrie nicht so stark verändert werden muss, ist eine sportliche Sitzposition möglich. Gleichzeitig jedoch legen sie wie 29-er ein besseres Überrollverhalten und mehr Traktion an den Tag, verzeihen Fahrfehler leichter und bieten ein Plus an subjektivem Sicherheitsgefühl und Komfort - kurzum: 27,5-er sollen das Beste aus zwei Welten vereinen, und zwar hauptsächlich bei kleineren bis mittleren Körpergrößen.
Zudem lassen sich die Reifen in viele 26-er-Räder einbauen, das heißt, nicht immer muss gleich, wie bei einem 29-er, ein neues Rad angeschafft werden. Je nach Streckenprofil kann der 26-er-Reifen durch den 27,5-er ausgetauscht werden - für enge Strecken etwa wählt man Ersteren, für tiefes, unebenes Gelände mit steilen Abfahrten Letzteren aus. 27-er lassen sich außerdem viel leichter auf nahezu alle Federwegklassen ausrichten, Einschränkungen wie bei den 29-ern gibt es also nicht.
Kein Wunder also, dass viele Hersteller derzeit - nach den Problemen, die sie bei der Geometrie-Entwicklung für die 29-er überwinden mussten - in den Reifen ein großes Zukunftspotenzial sehen. Derzeit wird sie vor allem noch Kunden mit kleinen Rahmengrößen (S oder sogar XS) als bessere Alternative zu einem 26-er besonders ans Herz gelegt, während 29-er großen FahrerInnen sowie Marathon-/Tourenfahrern als ideale Reifengröße empfohlen wird.
Ausblick
Für die Zukunft bedeuten dies, dass neben der Rahmengröße auch die Reifengröße bei der Anschaffung eines neuen Mountainbikes in den Blick genommen werden muss. Wahrscheinlich speist sich genau daraus auch der Unmut vieler Biker, denen die neue Reifengröße nicht mehr als ein Marketing-Trick zu sein scheint. Dabei erwachsen für den Kunden aus der größeren Auswahl auch bessere Chancen, das Rad im Hinblick auf die Einsatzgebiete sowie, nicht zu vergessen, die Körpergröße perfekter als in der Vergangenheit, in denen es nur eine Normgröße gab, zu optimieren. Das größte Zukunftspotenzial haben aktuell aber sicher die 27,5-er, da sie auch für die Hersteller mehr Optionen hinsichtlich der Rahmenkonstruktion sowie der Federwege bieten. Langfristig, so schätzen daher Experten, wird es 26-er nur noch im dreistelligen Bereich geben, also für sogenannte Einsteiger-Räder.
Weitere wichtige Aspekte beim Kauf eines Fully Mountainbikes
Neben den Reifengrößen gibt es noch weitere Aspekte, die beim Kauf eines Fully Mountainbikes beachtet werden sollten. Dazu gehören unter anderem der Federweg, die Federungssysteme, die Laufradgröße, die Reifen, der Rahmen, die Schaltung, der Lenker, die Bremsen und der Sattel.
Federweg
Je nach Einsatzzweck und Vorlieben sollte die Federwegslänge bestimmt werden. Grundsätzlich kann man sagen: je mehr Federweg, desto mehr Sicherheit, mehr Komfort und schwerer wird das Rad. Grob lassen sich die Bikes nach folgenden Federwegen einteilen:
- 80 bis 120 mm - für entspannte Touren in mäßigem Gelände - ca. 50/50
- 120 bis 140 mm - für längere Ausflüge in mittelschwerem Gelände - ca. 50/50
- 150 bis 170 mm - für anspruchsvolles Gelände bergab und auch bergauf - ca. 40/60
- 180 bis 240 mm - für angelegte Strecken (Bikepark), Liftbeförderung notwendig- 0/100
Federungssysteme
Es gibt zwei verschiedene Federungssysteme: Stahl- oder Luftfederung. Die Luftfederung hat sich in der absoluten Mehrheit bei den Fullys durchgesetzt. Sie ist leicht, zuverlässig und über den Luftdruck kann die Federung einfach auf das Körpergewicht abgestimmt werden. Stahlfederdämpfer machen ab einem Federweg von 160 mm Sinn, da sie für diese Schwerstbeanspruchung die bessere Performance liefern. Allerdings sind sie schwerer als Luftsysteme und die richtige Federhärte muss auf das Körpergewicht angepasst werden.
Laufradgröße
26“ war viele Jahre das Standardmaß bei den Laufrädern, welches aber nur noch selten auf neuen Fullys zu finden ist. Es wurde von 27,5“ und 29“ abgelöst. Langhubige MTBs sind meist mit den leichteren und etwas steiferen 27,5“-Laufrädern ausgestattet, um ein möglichst wendiges, schnelles Handling zu gewährleisten. Kurzhubige Fullys werden eher mit 29“ angeboten, um ein besseres Überrollverhalten, eine bessere Traktion und Laufruhe zu gewährleisten.
Reifen
Aktuell bieten die Hersteller bei MTB-Reifen ein Spektrum von 2.0 Zoll bis hin zu 3.0 Zoll Breite an. Hier ist der Einsatzbereich entscheidend! Faustregel: Je mehr Grip und Traktion der Fahrer benötigt, desto breiter sollte der Reifen gewählt werden. Mehr und mehr haben sich beim Fully breitere Reifen von 2,25 bis 2,5 Zoll durchgesetzt, die bessere Traktion und geringeren Rollwiderstand im Gelände bieten.
Rahmen
Je nach Budget und Ambition kann das Rahmenmaterial gewählt werden. Zu unterscheiden ist zwischen Aluminium und Carbon:
- Aluminium: stabil und alltagstauglich, einfach in der Herstellung, günstigere Variante
- Carbon: geringeres Gewicht, höhere Steifigkeit, sehr hochwertige Verarbeitung
Im High-End-Bereich dominieren Carbon-Rahmen. Und das nicht ohne Grund: Carbon hat ein sehr geringes Gewicht und ist dauerhaft sehr haltbar. Einziges Manko: Ein guter Carbon-Rahmen kostet deutlich mehr als ein Rahmen aus Aluminium.
Schaltung
Bei der Wahl der richtigen Schaltung gibt es drei Optionen, die sich nach der Anzahl der Kettenblätter vorn, also am Antrieb, richtet:
- Einfach-Schaltung (1 Kettenblatt am Antrieb): mit bis zu 12 Gängen (hinten), einfache und schnelle Schaltvorgänge
- Zweifach-Schaltung (2 Kettenblätter am Antrieb): mindestens 20 Gänge für eine größere Vielfalt am Berg
- Dreifach-Schaltung (3 Kettenblätter am Antrieb): mit bis zu 30 Gänge für eine größtmögliche Bandbreite zum leichten Treten
Dreifach wird kaum noch verwendet, da inzwischen bessere Übersetzungsverhältnisse bei Einfach- und Zweifach-Schaltung entwickelt wurden.
Lenker
Im Gegensatz zu beispielsweise Rennradlenkern ist die Breite bei Fullsuspension MTBs größer. Die Wahl der Breite richtet sich wiederum nach dem Einsatzgebiet. Hier trifft das Hebelgesetz zu: Je breiter ein Lenker ist, desto weniger Kraft benötigt man, um das Rad zu manövrieren.
Bremsen
Die V-Brake Ära wurde zuletzt durch die sogenannten Disc-Brakes, also Scheibenbremsen, abgelöst. Sie überzeugen mit größerer Zuverlässigkeit, besserer Dosierbarkeit und hoher Standfestigkeit.
Sattel und Sattelstütze
In den meisten Fällen sind an den Fullys hochwertige und komfortable Sättel verbaut. Immer häufiger werden beim Fully auch höhenverstellbare Sattelstützen verbaut. Diese dienen dazu, schnellstmöglich die Sattelhöhe zu verstellen, ohne dabei vom Rad absteigen zu müssen.
Damen-Fully
Da Frauen eher kleiner sind als Männer und durchschnittlich geringere Kraft aufbringen, bieten verschiedene Hersteller sogenannte Damen-MTB-Fullys an. Sie berücksichtigen die anatomischen Eigenschaften der Frau und optimieren entsprechend die Modelle: kleinere Rahmengrößen, geringerer Abstand zwischen Sattel und Lenker, niedrigeres Oberrohr, auf das geringere Körpergewicht angepasste Federungselemente, schmalere Lenker und Damensattel, weiblichere Formen und Farben am Rad.
Empfehlungen für E-Mountainbikes Fullys
Vollgefederte E-Mountainbikes, kurz Fullys genannt, spielen dort ihre Vorteile aus, wo andere Räder an ihre Grenzen stoßen. Steile Trails durch Wälder, unwegsame Schotterpisten oder Berghänge, die Bedingungen können für sie nicht rau genug sein.
Testsieger: Canyon Neuron:ON CF 7
Das Canyon überzeugte die Tester vor allem, weil es sich am meisten nach Mountainbike anfühlte. Dabei hat der kraftvolle Motor der Bosch Performance Line CX mit 85 Newtonmeter das Fully mühelos alle Berge “hochgeschoben”. Später stellte sich genau dieses Fully bei den Testern als unangefochtener “Liebling” heraus.
Preis-Leistung: Decathlon Rockrider E-Expl 520 S
Auch wenn das E-Mountainbike von Decathlon “nur” den fünften Platz belegt, konnte es durch sein Fahrgefühl die Herzen der Tester gewinnen. Das Decathlon-E-Bike wusste zu überraschen, denn das mit 2.999 Euro deutlich günstigste Fully gab ein durchaus natürliches und kraftvolles Gefühl an Unterstützung. Das Decathlon-Fully eignet sich optimal für E-Mountainbike-Einsteiger.
Weitere empfehlenswerte E-Fullys
- 2. Platz: Rose Root Miller Plus 3
- 3. Platz: Stevens E-Inception ED 8.7.2 GTF
- 4. Platz: Giant Stance E+ 1
Tabelle: Testergebnisse im Detail
| Modell | IMTEST Ergebnis | Preis-Leistung | Reichweite (km) |
|---|---|---|---|
| Canyon Neuron:ON CF 7 | gut (2,0) | - | 94 |
| Decathlon Rockrider E-Expl 520 S | befriedigend (3,1) | Preis-Leistungssieger | 54,8 |
| Rose Root Miller Plus 3 | gut (2,2) | - | 78 |
| Stevens E-Inception ED 8.7.2 GTF | gut (2,3) | - | 70,5 |
| Giant Stance E+ 1 | befriedigend (2,8) | - | 66,96 |
Sicherheitshinweise für E-Mountainbike-Fahrer
Neben einem Helm sorgen weitere Sicherheitsausrüstungen wie Knie- und Ellenbogenschützer für guten Unfallschutz auf Trails. Je nach Beschaffenheit des Trails können auch Rumpfprotektoren oder ein Vollvisierhelm sinnvoll sein. Zur besseren Erkennung für andere sollte bunte oder auffällige Kleidung gewählt und zur akustischen Warnung eine Klingel am Fahrrad angebracht sein. Für eine klare Sicht ist eine Schutzbrille zu empfehlen, um die Augen vor Insekten, Schmutz und Staub zu schützen.
Touren sollten gut vorbereitet sein. Zur Grundausstattung gehört ein kleines Erste-Hilfe-Set, ein Flickzeug sowie ein Ersatzschlauch inklusive Montagematerial, um für eine Panne gerüstet zu sein. Für Notfälle sollte ein vollgeladenes Handy oder eine Powerbank mitgeführt werden.
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