Mountainbike aus Bambus im Test: Exotisches Custom-Bike mit Öko-Charme

Es klingt unglaublich: Im sanft gewellten, vietnamesischen Hochland wächst Bambus heran - gekrault vom Wind, genährt von Sonne und fruchtbarer Erde. Und dann wird dieser Bambus nach fünf Jahren geerntet und zu Mountainbikes verarbeitet. Rein pflanzlich, quasi.

"Klar, das sind keine Bikes, mit denen man den 601 am Gardasee runterbrennen sollte", bremst Importeur Heinz Becher allzu große Erwartungen. Allerdings: "Normale Touren sind kein Problem. Auf Bambus kannst Du mit dem Hammer draufhauen, da passiert nix."

Handarbeit und Ausstattung

Fast 40 Stunden Handarbeit stecken in jedem Rahmen, die Bambus-Rohre sind mit Kokosfasern und Epoxydharz miteinander verbunden. Die Ausstattung des Test-Bikes unterstreicht den Einsatzbereich: entspanntes Cruisen. Der Vorbau ist kurz, der Sattel bequem, ein Umwerfer konstruktionsbedingt nicht vorhanden.

Die erste Fahrt

Aufsteigen, beschleunigen. Zunächst ganz, ganz große Skepsis. Hält das Ding? Die Kilometer lassen den Mut wachsen, wie der Regen den Bambus. Das Bike rollt souverän dahin und unterscheidet sich erst einmal wenig von konventionellen Artgenossen.

Harter Antritt, Kurvenkombination, Vollbremsung, Antritt, Sprung, Wurzelteppich. Hossa! Das Bambus-Geröhr verwindet sich. Nicht dramatisch, aber doch spürbar. Das Rahmenmaterial ist zu pflanzlich, um optimal konifiziert zu sein. Also lieber das Tempo drosseln und abbiegen in seichteres Gelände. Dort fühlt sich das Bike pudelwohl.

Der Öko-Flitzer kann vieles, wenn auch nichts so gut wie die Kollegen aus nicht nachwachsenden Rohstoffen. Bike oder Design-Gag? Ein Bike, definitiv. Übrigens: keine Angst vor Pfützen. Die Bambus-Rohre treiben weder aus, noch wächst der 26-Zöller plötzlich zum Twentyniner heran.

Fazit

Alltagstauglicher als erwartet. Trotzdem nur eingeschränkt für raues Gelände zu empfehlen.

Pluspunkte

  • Exklusive Optik
  • Robustes Material
  • Komfortable Sitzposition
  • Gefertigt von einer Non-Profit-Organisation
  • Netter Öko-Touch

Minuspunkte

  • Schwer
  • Eingeschränkter Einsatzbereich
  • Geringe Steifigkeit
  • Keine Flaschenhaltergewinde
  • Acht Wochen Lieferzeit

Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung

MyBoo vermarktet seine Räder mit Bambusrahmen als nachhaltig, der schnellwachsende Rohstoff bindet CO2. Mit Bambus arbeite MyBoo doppelt nachhaltig: sozial und ökologisch. Ökologisch, "weil Bambus einer der am schnellsten nachwachsenden Rohstoffe ist. Dabei bindet er viel CO2", sagt Habke. Zweieinhalb Jahre nach dem Anbau sei das Süßgras bereits 25 Meter hoch und genügend verholzt, um es für die Weiterverarbeitung zu schlagen.

Sozial, weil MyBoo die fertigen Rahmen aus Ghana bezieht, wo 35 Männer und Frauen Arbeitsplätze "unter fairen Arbeitsbedingungen" haben. Sie ernten den Bambus vor Ort und fertigen die Rahmen. "Ein Teil der dabei erzielten Gewinne fließt in Bildungsprojekte", sagt Habke.

Das My Boo my Daka Crossbike

My Boo setzt für den Rahmen seines my Boo my Daka aufs Naturmaterial Bambus. Die Kieler versprechen für das ungewöhnliche Rohrmaterial eine Stabilität, die an Stahl heranreicht - bei den Dämpfungsqualitäten von Carbon. Der nachhaltige Herstellungsprozess beansprucht 80 Arbeitsstunden. So fließt ein Teil der Verkaufserlöse jedes my-Boo-Fahrrads in ein Schulprojekt in Ghana.

Das my Daka versteht sich als Crossbike mit Mountainbike-Anleihen. MTB-inspiriert ist auch der 1 x 11-Antrieb (my Boo setzt hier auf leistungsstarke Shimano-SLX-Parts) und die Rock-Shox-Federgabel mit 100 mm Federweg. Nach ersten, vom Shimano-SLX-Schaltwerk zügig erledigten Gangwechseln, bringt man das Bambusbike gut auf Tempo. Hierbei macht sich die hohe Rahmensteifigkeit des my Boo positiv bemerkbar.

Etwas spritziger dürfte das my Daka indes gern sein: Giftige Anstiege verlangen nach höherem Krafteinsatz - ein Tribut ans recht hohe Gewicht von 14 Kilo. In Abfahrten überzeugt die Laufruhe des my Daka, ebenso wie die gute Dämpfung des Bambuschassis und der Komfort, den die Rock-Shox-Gabel bereitstellt. Mit dem my Boo erwirbt man ein sportives 27,5”-Crossbike für die City und leichtes Gelände.

My Boo my Volta EP6: Bambus-Rad mit eleganter Rahmenlinie

Mit neuem Rahmendesign überrascht my Boo: der Tiefeinsteiger my Boo my Volta EP6 sorgt nicht nur für leichteren Einstieg, auch die Rahmenverarbeitung des neuen my Volta modifizierten die Holzradbauer. Als Antriebsaggregat kommt im my Boo my Volta der neue Shimano EP6 zum Einsatz. Beim novellierten Wave-Rahmen besticht nicht nur die Form, die aus Sisal gewickelten "Muffen" sind nun weniger opulent und deren Oberfläche glatter. Ein neues Verarbeitungsverfahren ermöglicht eine elegantere Rahmenlinie, damit soll auch die Stabilität des Wave-Rahmens für Trekkingrad-Belange sichergestellt werden. Gerade für Wave-Rahmen eine technische Herausforderung.

Ergo rasen wir zum Test eine steile Abfahrt hinunter, versuchen das my Volta aus der Reserve zu locken und zum Flattern zu bringen. Der Wave-Rahmen aus Bambus wehrt sich erstaunlich gut gegen die Provokationen und erfüllt die üblichen Anforderungen, die ein Trekkingrad mitbringen muss, aus unserer Sicht ausreichend: z.B. bei schneller Fahrt mit einer Hand am Lenker und zusätzlichem Gepäck auf dem Rücken. Mit beladenem Gepäckträger benötigt das my Volta eine sichere Hand und routinierte Fahrweise. So lässt es sich auch durch abschüssige Kurvenkombinationen souverän steuern.

Bergauf unterstützt der neue EP6 kräftig und flott an den steilen Schlüsselstellen. Der Eco-Modus eignet sich gut für flache Strecken oder zum Cruisen durch die Stadt. Deutlich kräftiger fällt der Normal-Modus aus, der sich für effizientes Pedalieren im moderat welligen Gelände empfiehlt. In der höchsten Stufe zeigt der EP6, dass er im Trekking E-Bike richtig platziert ist und unterstützt prächtig.

Das Volta EP6 aus Bambus ist ein rundum komfortables E-Trekkingbike. Die kleine Schwäche beim Gepäcktransport macht das Nachhaltigkeitskonzept des my Boo Volta EP6 wieder wett.

Ergebnis:

Punkte: 747 // Note: gut👍

  • 👍 Das gefällt aus nachwachsendem Rohstoff Bambus produzierter Rahmen gutes Handling dank tiefem Einstieg und ausgeglichenem Fahrverhalten am Quersteg einfach mit einer Hand anzuheben
  • 👎 Das gefällt weniger neigt bei beladenem Gepäckträger zum Rahmenflattern
  • 💗 Das perfekte Rad für......

Weitere Hersteller von Bambus-Fahrrädern

Neben My Boo gibt es noch weitere Hersteller von Bambus-Fahrrädern:

  • Stark Bamboo Bikes: Der Bambusrahmen kommt aus Vietnam. Die Fahrradrahmen fertigt ein Kooperationspartner in Vietnam. Die Endmontage der Fahrräder findet in Darmstadt statt. Das Einsteigermodell City gibt es ab 890 Euro, die Modelle Track und Urban jeweils ab 990 Euro.
  • Urbam: Ebenfalls aus Vietnam stammt der Bambus, aus dem Urbam seine Bambus Fahrräder fertigt. Wie der Name schon sagt, stellt Urbam urbane Räder her, vom Hollandrad bis zum Trekkingbike oder Commuter, für Damen und Herren.
  • Bambooride: Bambooride hat seinen Sitz in Purkersdorf in Österreich. Die Rahmen werden nach Angaben des Herstellers in Uganda gefertigt, die Metallteile in Deutschland. Die Citybikes für Damen und Herren sind ab 1500 Euro erhältlich.
  • Faserwerk: Der Eineinhalb-Mann-Betrieb in Bremen fertigt jedes Fahrrad komplett nach den individuellen Wünschen und Bedürfnissen seiner Kunden. Die Rahmen dafür baut er selbst, das Material bezieht er aus verschiedenen asiatischen Ländern.

Vorteile von Bambus als Rahmenmaterial

Viele Bambusarten wachsen extrem schnell (bis zu einen Meter pro Tag!) und können bereits nach drei bis fünf Jahren geerntet werden. Weil Bambus extrem schnell wächst, können jährlich große Mengen gefällt werden, ohne den Bestand zu gefährden. Viele Bambusarten haben großflächige Wurzelsysteme, aus denen ständig neue Pflanzen nachwachsen. Daher stirbt durch das Fällen eines Bambushalms nicht die ganze Pflanze - wie es bei Bäumen der Fall ist.

Nachteile und Herausforderungen

Und dennoch ist das Bambus-Fahrrad noch nicht perfekt: Für Bremse und Antrieb gibt es zur Zeit noch keine Alternative zu Stahl und Aluminium. Anders ist es bei den Verbindungen der Rohre. Sie werden derzeit in der Regel aus Hanf und Kunstharz auf synthetischer Basis gefertigt.

Hier eine zusammenfassende Tabelle der Vor- und Nachteile von Bambus-Mountainbikes:

Vorteile Nachteile
Nachwachsender Rohstoff Eingeschränkter Einsatzbereich
CO2-Bindung Höheres Gewicht
Soziale Projekte (z.B. in Ghana) Geringere Steifigkeit
Einzigartige Optik Teurere Anschaffung
Gute Dämpfungseigenschaften Begrenzte Verfügbarkeit

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0