Mountainbike fahren trotz Rückenproblemen

Der Frühling steht vor der Tür. Jetzt ist es an der Zeit, das Fahrrad wieder aus der Garage zu holen, die Reifen aufzufüllen und die Kette zu schmieren: Radfahren hebt die Laune, ist gesund und kräftigt den Körper. Wenn der milde Wind um das Gesicht weht und man an der frischen Luft endlich wieder tief einatmen kann, macht das Radfahren noch mehr Freude.

Radfahren gilt als eine besonders rückenschonende Bewegungsart. Trotzdem leiden manche beim Biken an Schmerzen im unteren Rücken.

Die Initiative Gesunder Rücken (AGR) e. V. bietet nützliche Ratschläge, wie diese sanfte Aktivität positiv auf unser Wohlbefinden einwirkt und wie das Fahrrad richtig eingestellt wird. Zudem gibt die AGR Hilfestellung beim Kauf von rückenfreundlichen Produkten, einschließlich Fahrradzubehör wie Sättel, Griffe, Pedale und Spiegel.

Mit einem hohen Maß an Elan in den Frühling - das ist das Ziel von 46 Prozent der Deutschen. Laut einer Befragung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) planen sie, öfter Fahrrad zu fahren. Ob als Wochenendausflug mit der Familie, zum Einkaufen oder zur Arbeit - Radfahren ist für viele eine hervorragende Methode, um Bewegung in den Alltag einzubauen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät zu mindestens 150 Minuten Bewegung pro Woche - eine Zeit, die sich leicht ansammeln lässt, wenn man die täglichen Wege mit dem Fahrrad bewältigt.

"Radfahren ist ideal zur Stressbewältigung - wer zusätzlich in angenehmer Gesellschaft durch die Natur radelt, profitiert mental und gesundheitlich", so Ulrich Kuhnt, Sportwissenschaftler, Vorsitzender des Direktoriums des Bundesverbandes deutscher Rückenschulen (BdR) e. V. und Leiter der Rückenschule Hannover. Darüber hinaus fördert die dynamische, ausdauernde Bewegung die Atmung und stimuliert den Kreislauf. "Dadurch wird der Stoffwechsel aktiviert und das Immunsystem gestärkt", erläutert der Sportwissenschaftler.

"Das Radfahren trainiert viele Körperbereiche: Die zirkuläre Bewegung der Beine versorgt den Gelenkknorpel in den Knien und Hüften", erklärt Sportwissenschaftler Kuhnt. "Im Gegensatz zu Stoßbelastungen, wie sie beispielsweise beim Laufen auftreten, handelt es sich um eine sehr sanfte Aktivität, die auch Menschen mit vorbestehenden Rückenerkrankungen zugutekommt." Aber mehr ist nicht unbedingt besser: Untersuchungen mit Radprofis haben gezeigt, dass langes, intensives Radfahren in einer stark gebeugten Haltung auch zu Schmerzen im unteren Rücken führen kann.

Für die Gesundheit des Rückens ist entscheidend, wie gut das Fahrrad zur eigenen Körperstruktur passt und ob es richtig eingestellt ist. "Die falsche Sitzposition auf dem Fahrrad führt zu Knie- und Rückenschmerzen, Schulter- und Nackenmuskulatur können verspannen", warnt der AGR-Experte.

In den vergangenen Jahren hat sich viel auf dem Fahrradmarkt getan - der Fokus wird stärker auf individuell ausgestattete Räder gerichtet. Inzwischen gibt es viele Komponenten, die die Rückengesundheit unterstützen: ergonomische Lenker, Vorbauten, Griffe, Sättel, Pedale, Spiegel. Ein ergonomisches Fahrrad per se gibt es nicht - erst passendes Zubehör und die korrekte Einstellung machen den Unterschied. Das sogenannte "ergonomische Dreieck" aus Sattel, Lenker und Pedalen sollte auf den individuellen Körperbau abgestimmt werden.

"Auch die richtige Rahmengröße ist für eine gesunde Fahrposition entscheidend", sagt Kuhnt.

So hilft etwa ein gepolsterter, waagerecht ausgerichteter Sattel bei einer rückenfreundlichen Haltung. Fördert der Sattel durch eine spezielle Konstruktion die günstige Beckenposition, werden sogar die Rückenmuskeln während der Fahrt aktiviert. Ein etwas erhöhter, gebogener Lenker verbessert die Armhaltung. Gepolsterte, ergonomische Griffe verhindern, dass die Hände aufgrund mangelnder Durchblutung "einschlafen", zudem beugen sie Nackenverspannungen vor. Fahrradspiegel erhöhen nicht nur die Fahrsicherheit, sie unterstützen auch die Gesundheit des Fahrers. So kann dieser die Umgebung besser einsehen, ohne ständig den Schulterblick anzuwenden. Das kann helfen, Beschwerden im Nacken, in den Schultern und im Rücken deutlich zu reduzieren.

Ein kompetenter Händler passt mithilfe des AGR-zertifizierten Ergotec Scanners die einzelnen Komponenten auf die persönliche Körperhaltung und den physiologischen Bewegungsablauf an. Per Videoanalyse sieht der Kunde, wie sich dadurch seine Haltung auf dem Rad positiv verändert.

Für die perfekte Sitzhaltung können Radler auch selbst viel tun - sie sollten regelmäßig überprüfen, ob die Einstellung noch passt. Vor allem bei Jugendlichen, die sich noch im Wachstum befinden, ist die Kontrolle wichtig. Mit einfachen Schritt-für-Schritt-Anleitungen finden Radfahrer je nach Fahrradtyp zur passenden Einstellung. AGR-zertifizierte Hilfsmittel finden Sie unter www.agr-ev.de/fahrrad.

Die Aktion Gesunder Rücken berät seit mehr als 25 Jahren zum Thema Rückengesundheit und zeichnet als unabhängige und vertrauenswürdige Entscheidungshilfe rückenfreundliche Produkte mit dem AGR-Gütesiegel aus.

Das Fahrrad ergonomisch einstellen

Mit den vier wichtigsten Tipps der Aktion Gesunder Rücken (AGR) e. V. geht es ganz leicht:

  • Zum Überprüfen der Sitzhöhe stellen Sie das Pedal an den tiefsten Punkt und die Ferse darauf. Wenn Sie im Sattel sitzen, sollte das Bein leicht gebeugt sein, niemals durchgestreckt.
  • Der Sattel sollte waagerecht ausgerichtet sein. Neigt er sich zu stark nach vorn oder nach hinten, können Rückenschmerzen entstehen.
  • Das Handgelenk sollte nicht abknicken, sondern eine gerade Linie von der Hand bis zum Ellbogen bilden. Passen Sie die Lenkerhöhe und -neigung entsprechend an.
  • Die Abstände zwischen Lenker, Sattel und Pedale sollten optimal aufeinander abgestimmt sein, damit kein Rundrücken und kein Hohlkreuz beim Fahren entstehen.

Unsere Muskel brauchen immer einen Gegenpart damit sie Ihre Arbeit verrichten können. So braucht zum Beispiel unser Bizeps den Trizeps als Gegenpart und unsere Rückenmuskulatur die Bauchmuskulatur. Die Rücken- und Bauchmuskulatur stabilisiert und positioniert die Wirbelsäule und das Becken. Sie hält den Kopf und ermöglicht uns den aufrechten Gang. Durch den Rundrücken werden die Bandscheiben der Hals- und Lendenwirbel stark komprimiert.

Um Probleme im Lendenwirbelbereich zu vermeiden, ist es wichtig das Becken leicht nach vorne zu kippen. Die Rückenmuskulatur bringt somit die Wirbelsäule in ihre natürliche S-Form. Der Kopf sitzt gerade und wird nicht in den Nacken überstreckt. Durch die Tretbewegung wird das Becken leicht hin und her bewegt. Das führt dazu, daß die Bandscheiben durch Druck und Entlastung im Wechsel, mit Nährstoffen versorgt werden. Das funktioniert wie bei einem Schwamm.

Welche verschiedenen Radtypen gibt es und worauf kommt es bei der Auswahl an?

1. Schritt: Auswahl des geeigneten Radtyps und der Rahmengröße

Der Händler muss über einen ausreichend großen Testfuhrpark, z.B. Stadträder (Cityräder), Trekkingräder, Mountainbikes, Rennräder, Liegeräder, oder auch Falträder, verfügen. Zumindest unterschiedliche Stadt- und Trekkingräder sollten angeboten werden. Auf dem Markt gibt es viele Radtypen und -bezeichnungen. Hinzu kommen Mischformen, sodass die Grenzen häufig verschwimmen.

Erläuterungen zu den wichtigsten Radtypen:

  • Stadträder, auch Cityräder genannt, sind relativ schwere Räder mit oder ohne Gangschaltung. Dieser Fahrradtyp ermöglicht bequemes Fahren in der Stadt bei aufrechter Sitzposition. Die aufrechte Sitzposition erschwert das Zurücklegen langer Strecken. Stadträder können relativ hohe Lasten befördern und besitzen nur selten eine Kettenschaltung. Eine Sonderform der Cityräder stellen die sogenannten Hollandräder dar, die u.a. einen geschlossenen Kettenkasten besitzen.
  • Trekkingräder, auch Crossbikes oder ATB (All Terrain Bikes) genannt, sind, vereinfacht gesagt, eine Kreuzung aus Rennrad und Mountainbike mit kompletter Straßenausstattung (Gepäckträger, Licht, Schutzblechen und Ständer). Diese Räder sind für universelles Vorankommen in der Stadt und auf Touren gedacht. Die Bereifung ist breiter und profilierter als bei Rennrädern, aber deutlich schmaler als bei Mountainbikes. Trekkingräder sind in der Regel mit Gepäckträgern ausgestattet - allerdings unter voller Beladung nicht so fahrstabil wie Reiseräder.
  • Reiseräder sind speziell für Radreisen hergestellte Fahrräder. Optisch gleichen sie einer Mischung aus Renn- und Trekkingrad. Mit robusten und langlebigen Teilen ausgestattet, sind sie darauf ausgelegt, hohe Lasten zu transportieren. Reiseräder sind eher auf ein gemäßigtes Fahrverhalten ausgelegt.
  • Mountainbikes (kurz MTB) ermöglichen durch ihre kompakte Bauweise und stabile Ausführung das sportliche Fahren auf unbefestigten Wegen und im offenen Gelände. Das Mountainbike hat sich in den vergangenen Jahren in eine Vielzahl unterschiedlicher Spezien aufgespalten. So variieren z.B. die Laufradgrößen, die Reifenbreiten und die Art der Federung.
  • Rennräder dienen dem Straßenradsport und dem Zurücklegen langer Strecken bei hohem Tempo. Die Rahmengeometrie Rahmen- und Sitzhöhe Die Rahmenhöhe (Angaben hierzu erfolgen in Zentimeter oder Zoll) ist der Abstand zwischen der Mitte des Tretlagers und der Oberkante des Sitzrohres. Die korrekte Sitzhöhe ergibt sich aus dem Abstand von der Oberkante des Sattels bis zu der Pedal-Tiefstellung, die man gerade noch mit der Ferse erreicht. Ihre Einstellung ist grundlegende Voraussetzung für ermüdungsfreies Fahren. Eine zu niedrige Sitzhöhe ist kraftraubend und kann zu Knieproblemen führen.

Rahmen- und Sitzlänge

Die effektive Länge des Rahmens ist der horizontale Abstand zwischen der Mitte der Sitzrohroberkante bis zur Mitte des Steuerrohrs, in dem der Gabelschaft steckt. Diese Länge ist maßgeblich für die Sitzlänge, also der Reichweite zwischen Sattel und Lenker. Die richtige Sitzlänge ermöglicht bei leicht geneigter Sitzposition (max. 30 Grad) die Streckung der Wirbelsäule in ihrer natürlichen Doppel-S-Form. Nur so kann die Rückenmuskulatur den Oberkörper halten und den Druck auf die Hände und Arme verringern. Ist der Rahmen zu lang oder zu kurz, kann man selbst mit unterschiedlich langen Vorbauten und durch Satteleinstellung nicht mehr die gewünschte Sitzposition erreichen. Neben den ergonomischen Aspekten hat die Rahmenlänge auch Einfluss auf die Fahrdynamik.

Stack und Reach: Neue Größen bei der Auswahl der Rahmengröße

Nach Meinung der Fahrradexperten hat die Rahmenhöhe als Bezugsgröße ausgedient. Wer wirklich wissen will, ob ein Rahmen die richtige Größe hat, orientiert sich heute an Stack und Reach. Diese Begriffe bezeichnen den Abstand zwischen der Mitte des Tretlagers und der Oberkante des Steuerrohrs. Stack ist der vertikale Abstand, also die Höhe. Reach ist der horizontale Abstand, also die Länge. Räder mit viel Stack und wenig Reach sind also höher und kürzer. Die Position des Fahrers ist aufrechter, während wenig Stack und viel Reach zu einer mehr gestreckten und nach vorn gebeugten Oberkörperhaltung führt.

2. Schritt: „Bikefitting“ - individuelle Anpassung des gewählten Radtyps

Nach der Auswahl des Radtyps und der Rahmengröße erfolgt das „Bikefitting“, also die individuelle Feinabstimmung durch die Komponenten.

Lenker und Lenkervorbau

Sitzposition und Lenkerform sind aufeinander abzustimmen: Beim Lenker sollte auf eine ergonomische Biegung geachtet werden, sodass Unterarme und Handgelenke einen geraden Übergang bilden. Je flacher und gestreckter die Sitzhaltung ist, desto gerader darf der Lenker sein. Gerade Lenker sind bei sportiven Rädern sinnvoll. Sie unterstützen direktes Lenkverhalten, führen aber zu einer höheren Belastung der Arm- und Schultermuskulatur. Es ist darauf zu achten, dass beim Lenkergriff die Handgelenke nicht abknicken und so möglicherweise falsch belastet werden. Für Langstrecken sind daher Lenker mit unterschiedlichen Griffpositionen zu empfehlen. Beim sportlichen Radfahren ist der Lenker niedriger als der Sattel und beim genussorientierten Fahren befindet sich der Lenker oberhalb des Sattels. Die Lenkerbreite sollte zur Schulterbreite passen und auf den Fahrzweck abgestimmt sein. Grundsätzlich ist der Lenker nur dann richtig positioniert, wenn sich die Rückenmuskulatur in einer gewissen leichten Anspannung befindet. Diese Vorspannung stabilisiert die Wirbelsäule und schützt sie vor Überlastungen. Eine sehr aufrechte „Hollandrad-Position“, in der Lenker und Griffe nah am Körper sind, ist eher rückenbelastend.

Der Lenkervorbau ist das Verbindungselement zwischen Gabelschaft und Lenker. Durch eine Verstellung des Vorbauwinkels werden sowohl der Abstand zwischen Oberkörper und Lenker als auch die Lenkerhöhe verändert.

Griffe

Anatomisch geformte Griffe mit dämpfenden Eigenschaften tragen zur Vermeidung von Stößen und Druck auf die Nervenwurzeln bei. (Im Bereich des Kleinfingerballens läuft der Nervus ulnaris nah unterhalb der Hautoberfläche. Durch diese Lage ist er Druckbelastungen gegenüber sehr empfindlich.) Eine große Auflagefläche ist ideal, damit der Druck und eventuell auftretende Taubheitsgefühle im Ringfinger und kleinen Finger minimiert werden. Besonders geformte Multipositionslenker und Griffe mit Barends/Hörnchen ermöglichen unterschiedliche Hand- und Griffstellungen, sodass eine schnelle Ermüdung von Armen und Handgelenken vermieden werden kann und der Schulter-/Nackenbereich weniger schnell verspannt.

Tipp: Ausführliche Informationen zu Fahrradgriffen finden Sie auf der Seite www.agr-ev.de/fahrradgriffe

Sättel

Der Händler sollte Sättel und Sattelstützen in unterschiedlichen Varianten anbieten. Der Sattel sollte über eine Entlastungszone im Damm- und Genitalbereich verfügen um eine rückengerechte Stellung des Beckens auf dem Sattel zu ermöglichen (Beibehaltung der Lordose im Lendenwirbelbereich). Eine individuelle Auswahl des Sattels (Form, Größe, Härte) und Einstellung der Position (Höhe, Neigung, Längsposition) ist fachgerecht vorzunehmen. Empfehlenswert ist eine Sitzknochenvermessung zur Sattelauswahl.

Tipp: Ausführliche Informationen zu Fahrradsätteln finden Sie auf der Seite www.agr-ev.de/fahrradsaettel

3. Schritt: Individuelle Federung/Dämpfung

Die Federung vermindert Stöße und Schläge, die durch Fahrbahnunebenheiten hervorgerufen werden. Die Deutsche Sporthochschule in Köln hat sich mit den Auswirkungen von Federungen auf die Wirbelsäule beschäftigt und festgestellt, dass bei vollgefederten Fahrrädern die Stöße um 35% gemindert werden. Dadurch wird die Wirbelsäule von kritischen Stoßbelastungen entlastet. Eine Vollfederung schont außerdem den gesamten Halteapparat des Radfahrers. Zusätzlich wird die Fahrsicherheit verbessert.

Der Händler sollte Lösungen anbieten, die eine individuelle Federung/Dämpfung ermöglichen.

Unterschiedliche Federungssysteme:

  • An das Körpergewicht anpassbare Federgabel
  • Federung in der Sattelstütze oder direkt durch flächige Dämpfungselemente im Sattel
  • An das Körpergewicht anpassbare Hinterradfederung
  • Vollfederung (Federgabel und Hinterradfederung)

Anforderungskriterien an die Federung/Dämpfung eines Rades:

  • Die Federkinematik muss so gewählt sein, dass eine geringe Wechselwirkung zwischen Antrieb und Federung gewährleistet ist.
  • Eventuelles Gepäck muss mitgefedert und daher am Rahmen befestigt sein.
  • Die Wirkungsweise der Federung und die Fahrsicherheit (Gewichtsverteilung) dürfen durch die Beladung nicht beeinträchtigt werden.
  • Auch auf eine speziell ausgewählte Bereifung mit dosierbarem Reifendruck unter Berücksichtigung der Fahrdynamik sollte geachtet werden.

Rückenschmerzen sind beim Mountainbikefahren die häufigsten „nichttraumatischen“ Gesundheitsprobleme - das muss einfach nicht sein. Ein paar einfache Maßnahmen können das Problem lösen und ihr müsst nicht mehr beim Schuhebinden vor Schmerzen aufstöhnen. Da ich selbst Mountainbiker und Sportphysiotherapeut in Peebles, Schottland, bin - dem wohl beliebtesten Mountainbikeziel Großbritanniens - begegnen mir regelmäßig Fahrer, die diverse unterschiedliche Verletzungen und Beschwerden haben.

Es gibt mehrere Gründe für Rückenschmerzen, die mit dem Mountainbiken zu tun haben. Wenn man Tagestouren in die Berge oder auf den Hometrails unternimmt, oft in sehr abgelegenen Gegenden, ist es auch für die Sicherheit wichtig, gerüstet zu sein, falls man was am Bike reparieren muss oder falls sich das Wetter ändert. Natürlich braucht man auch genug zu essen und zu trinken, Erste-Hilfe-Zeug und manchmal sogar ein Rettungsdecke. Auch die Position des Rucksacks beim Fahren sollte bedacht werden. Den Großteil der Last des Rucksacks trägt der mittlere Rücken, wodurch der untere Rücken als eine Art Federung zwischen dem kräftigen, stabilen Becken- und Hüftbereich und dem Rucksack fungiert. Dass man nach einer langen Tour Rückenschmerzen hat, ist nichts Ungewöhnliches.

Eine schwache Rumpfmuskulatur ist eine sehr weit verbreitete Ursache für Schmerzen am unteren Rücken. Beim Biken bildet euer Rücken eine Art Hängebrücke, wobei die Schultern und das Becken die Pfeiler bilden. Der mittlere Rückenbereich wird noch durch den Brustkorb unterstützt und der untere Rücken ist der verletzliche Schwachpunkt. Und wenn dann noch ein schwerer Rucksack dazukommt, verwundert es nicht, dass so viele Fahrer Rückenprobleme haben.

Eine schlechte Beweglichkeit der Hüften steht auch auf der Liste der Rückenschmerzursachen. Manche Fahrer haben eine verspannte Hüftmuskulatur, das betrifft vor allem die Hüftbeuger, Gesäß- und Piriformis-Muskeln. Wenn diese Muskeln dauerhaft verspannt sind, führt das zu verstärkter seitlicher Beckenbewegung, und dann muss der untere Rücken härter arbeiten, um das zu kompensieren - was wiederum zu Rückenschmerzen führt.

Eine falsche Position auf dem Bike ist ebenfalls ein weit verbreitetes Problem. Die falsche Fahrradgröße (insbesondere ein zu großer Rahmen, was zu Überstrecken führt) und die falsche Sattelhöhe sind zwei häufige Fehler, die zu Rückenschmerzen und anderen Beschwerden wie etwa Hüftschmerzen führen können. Das Bike muss zum Fahrer passen.

Findet Möglichkeiten, das Gesamtgewicht des Rucksacks zu reduzieren. Wasser wiegt 1 kg pro Liter. Wenn ihr also Flaschenhalter habt, packt da z. B. zwei volle 750-ml-Flaschen rein, aus denen ihr entweder direkt trinkt oder die ihr im Lauf der Tour in die Trinkblase umfüllt. Rucksäcke mit Hüfttaschen helfen, die Last auf dem Rücken zu reduzieren, Hüfttaschen wie der SOURCE Hipster Hydration Belt oder der EVOC HIP PACK RACE sorgen erst recht dafür, dass das Gewicht sich weiter unten konzentriert, was gut ist. Spezielle Tops mit Stauraum können einen Rucksack ersetzen oder ergänzen. Es gibt eine Menge neuer Produkte, die es euch ermöglichen, die wirklich wichtigen Dinge auch ohne Rucksack zu transportieren.

Die an Rennradfahrer erinnernden Jerseys mit Taschen hinten mögen auf einem Mountainbike nicht allzu cool aussehen, doch weil die Taschen niedriger sind als ein Rucksack, verteilt sich damit das Gewicht besser. Vielen von uns hat man mal beigebracht, dass man Anstiege im Sitzen fahren soll. Wenn man dabei einen schweren Rucksack aufhat, belastet das den unteren Rücken noch mehr. Ganz normal im Stehen zu fahren reduziert die Belastung im unteren Rückenbereich, denn die Wirbelsäule ist in einer neutraleren Position.

Eine starke Rumpfmuskulatur hilft, euren Rücken beim Fahren zu schützen, indem sie ihn in einer neutralen (natürlichen) Position hält. Außerdem stärkt sie die „Brücke“ zwischen der Brustwirbelsäule und dem Becken, also die Gegend, wo Rückenschmerzen am häufigsten auftreten. Drei Übungen, die helfen, euren Rumpf zu stärken, sind Plank, Schulterbrücke und Side Plank Star. Es ist allerdings entscheidend, dass man sie richtig ausführt, wenn man damit etwas erreichen will.

Beweglichere Hüften können eure Leistung verbessern und die Verletzungsgefahr verringern. Flexibel bleiben ist absolut essenziell. Das ist eigentlich selbstverständlich: Sicherzustellen, dass das Bike einem gut passt, ist essenziell für die Performance und zum Vermeiden von Gesundheitsproblemen.

Findet einen guten Bikeshop, der Erfahrung mit Mountainbike-Fitting hat. Wenn es nicht so läuft, wie es soll, und ihr eure Rückenschmerzen oder andere Beschwerden nicht loswerdet, dann können erfahrene Sportphysiotherapeuten die Ursache eures Problems herausfinden und euch gezielt helfen. Sie können euch praktisch behandeln mit Methoden wie Myofascial Release, Mobilisierung oder Tiefenmassage, und euch damit helfen, wieder zur normalen, schmerzfreien Funktion zurückzukehren. Sie können euch auch helfen, selbst etwas für euren Rücken zu tun oder euch Übungen zeigen, die gegen allgemeine Steifigkeit oder andere Wehwehchen helfen.

Mein abschließender Rat lautet: Akzeptiert den Schmerz beim Mountainbiken nicht einfach als Normalzustand. Alle Fahrer, die mit Rückenschmerzen in unsere Klinik kamen, haben sich davon erholt und sind jetzt schmerzfrei. Bei manchen dauert es länger, das Problem zu lösen, weil es mehrere Ursachen hat und dadurch komplizierter ist - aber trotzdem ist Abhilfe möglich!

Bei Schmerzen in den Gelenken ist eine Bewegungstherapie entscheidend. Wer viel sitzt, übergewichtig ist oder den Rücken falsch belastet, setzt den Bandscheiben zu. Halten sie der Belastung nicht mehr Stand, kommt es zum Bandscheibenvorfall. Dr. Heino Arnold ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Sportmedizin. Mit dem Radsport im besonderen sowie Radfahren allgemein ist er seit Jahren eng verbunden. Seine Erfahrung beruht neben der intensiven Ausübung als Ausgleichssport aktuell auf die langjährige Laufbahn im Amateurradsport.

Mit vorgeschädigtem Rücken sollte man allzu große Belastungen vermeiden. Beim Radfahren stärkt man vordergründig die Beinmuskulatur. Zudem verbessert man die Kondition und beim Mountainbike fahren auch die Koordination. Für Stärkung der Rücken- und Rumpfmuskulatur gibt es jedoch geeignetere Sportarten, z.B. Rudern oder Schwimmen. Bei lumbalen Vorfällen ist eine gestreckte Sitzposition zu vermeiden, bei zervikalen Vorfällen eine tiefe Lenkerposition mit nachfolgender Überstreckung der Halswirbelsäule.

Treiben Sie regelmäßig, maßvollen Sport. Verbinden Sie verschiedene Sportarten. Achten Sie auf eine gleichmäßige Ausdauerbelastung. Das ist zielführend für die meisten Aspekte des Ausgleichssports. Und beim Radfahren gilt: Egal welcher Antrieb -achten Sie auf die Sitzposition, den passenden Sattel, die geeignete Rahmengeometrie und meiden Sie insbesondere bei Vorerkrankungen allzu einseitige Beanspruchung durch extremes Gelände oder Bergauffahrten.

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