Mountainbike Bremsen im Test: Sicherheit und Fahrspaß im Fokus

Wer bremst, verliert - aber wer später bremst, ist länger schnell. So oder so braucht es dafür eine geile Bremse. Fakt ist: Bikes werden immer potenter, die Strecken härter und wir schneller - da müssen auch die Bremsen mithalten. Wer richtig schnell sein will, muss auch schnell langsam werden können.

In Erzählungen spielen immer nur die schnellste Zeit und das krasseste Tempo eine Rolle. Aber um dahin zu kommen, muss man auch genauso hart wieder verzögern können. Starke Bremsen helfen, maximale Verzögerung auf den Boden zu bringen und die Kontrolle auf immer anspruchsvolleren Strecken zu behalten. Aber nicht nur für Racer und Sekundenjäger ist eine starke Bremse, die wenig Fingerkraft erfordert, wichtig.

Gerade Einsteiger tendieren dazu, mehr auf der Bremse zu hängen - das geht nicht nur aufs Material, sondern auch auf die Unterarme. Wer viel Kraft zum Bremsen braucht, kriegt schnell Arm-Pump. Das kostet Sicherheit und zwingt euch dazu, langsamer zu werden oder sogar stehen zu bleiben, während eure Kumpels davon ziehen - mies. Die Lösung dafür lautet starke Bremsen, die dennoch gut zu dosieren sind. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Keine Sorge, es gibt sie.

Bremsen sind in Sachen Sicherheit das wichtigste Element an Ihrem Mountainbike. Vor allem im Downhill- und Freeride-Bereich spielt das Bremssystem eine besondere Rolle. Hier geht es aber nicht nur um die Sicherheit, sondern auch um mehr Spaß: Nur mit einer gut funktionierenden und präzisen Bremse lässt es sich richtig fahren. In unserem Onlineshop finden Sie eine große Auswahl an Mountainbikebremsen, sowie Ersatz- und Verschleißteilen für Ihr Bike. Es stehen unterschiedliche Systeme zur Auswahl: Scheibenbremsen sowie hydraulische und mechanische Felgenbremsen.

Was zeichnet die beste MTB-Scheibenbremse aus?

Doch was zeichnet die beste MTB-Scheibenbremse eigentlich aus? Sie muss zuverlässig, einfach zu warten, leicht und am besten auch noch erschwinglich sein. Reine Power hilft nicht, solange sie nicht fein dosierbar ist.

Im Testfeld hatten wir sowohl Budget-Bremsen, die üblichen Verdächtigen, die sich an den meisten Serien-Bikes finden, als auch echte Boutique-Bremsen, die eurem Kontostand alles abverlangen. Was alle Scheibenbremsen gemeinsam haben? Vier Bremskolben und eine hydraulische Betätigung - also mit einer Flüssigkeit. Das Testfeld bewegt sich preislich zwischen erschwinglichen 240 und stolzen 1.300 €, wobei sich das Gros der Teilnehmer zwischen 400 und 700 € einpendelt. Die Preise haben wir jeweils als unverbindliche Preisempfehlung im Set, also 2 Bremsen, aber ohne Bremsscheiben verglichen. In der Realität liegen einige Bremsen natürlich auch im Set und auf dem freien Markt deutlich unter UVP. Shimano-Bremsen, die seit langem unverändert auf dem Markt sind, bekommt man beispielsweise fast um die Hälfte der UVP.

Die Vielfalt der Bremssysteme fürs Mountainbike

Egal, ob Sie umrüsten oder Ersatz- beziehungsweise Verschleißteile für Ihr Bike suchen: Bei Bike-Discount finden Sie alles rund um Mountainbikebremsen und haben eine große Auswahl innerhalb der verschiedenen Bremssysteme: von ganzen Sets bis zur kleinen Schraube.

Scheibenbremsen am Mountainbike

Das Prinzip einer Scheibenbremse ist schnell erklärt: Beim Betätigen der Bremse drücken Bremskolben die Bremsbeläge auf die Bremsscheibe, die fest mit der Radnabe verbaut ist. Es ist dasselbe Prinzip wie beim Auto. Die kinetische Energie des rotierenden Rades wird so mittels Reibung in Wärme umgewandelt. Die Vorteile dieser Mountainbikebremsen sind bessere Bremsleistung bei Nässe, Unempfindlichkeit bei Felgenschlägen und Schonung der Felge im Allgemeinen. Das Zusammenspiel von Bremsbelägen und Bremsscheibe arbeitet effektiver als das System Gummimischung und Felgenflanke bei der Felgenbremse. Nicht nur die verbauten Materialien bringen hier Vorteile mit, sondern auch die präzisere Konstruktion der Scheibenbremse: Der Abstand zwischen Bremsbelag und Bremsscheibe beträgt nur wenige Millimeter.

Scheibenbremsen können auf zwei Arten betrieben werden: hydraulisch oder mechanisch. Das hochwertigere Bremssystem ist dabei das hydraulische: Es ermöglicht die präzise Dosierung der Bremsleistung, ist leichtgängig, robust und bedarf wenig Wartung. Wenn es allerdings kaputtgeht, ist die Reparatur relativ kompliziert und setzt Spezialwerkzeug voraus. Das sollten Sie bedenken, wenn Sie auf eine lange Tour gehen und eine Reparatur in einer Werkstatt unterwegs nicht möglich ist. Eine mechanische Scheibenbremse kann zwar mit der Bremsleistung und der Präzision der hydraulischen Kollegen nicht ganz mithalten, ist in Sachen Reparatur aber einfacher zu handhaben.

Standards bei Mountainbike Scheibenbremsen

Für die Montage des Bremssattels beziehungsweise der Bremsscheibe gibt es definierte Standards, sodass Sie beim Kauf das Bremssystem bekommen, das ans Mountainbike passt. Für die Aufnahme des Bremssattels sind als Standards vor allem Postmount und IS2000 verbreitet. Mit Adaptern kann die Aufnahme der Bremsscheibengröße angepasst werden. Die Standards für die Befestigung der Bremsscheibe lauten Centerlock und IS2000.

Der optimale Durchmesser einer MTB Bremsscheibe

Ein entscheidender Faktor für die Bremsleistung ist die Größe der Bremsscheibe. Hier sind vor allem Gewicht und Einsatzzweck entscheidend: Je schwerer Mountainbike, Fahrer und Zuladung sind, je höher das Tempo und die Steigungsunterschiede der Strecke, desto größer sollte die Scheibe sein. Größere Bremsscheiben kühlen besser ab und können mehr Energie umsetzen. Denn es gilt, das „Fading“ der Bremse, also das Schwinden der Bremskraft aufgrund des sinkenden Reibwertes der Bremsbeläge auf der heiß werdenden Bremsscheibe, zu vermeiden.

Hydraulische Felgenbremsen beim Mountainbike

Eine hydraulische Felgenbremse erzielt im Vergleich zu einer herkömmlichen Felgenbremse eine bessere Bremswirkung - die Bremskraft ist dabei sehr gut dosierbar. Der Bremsbelag, das Hauptverschleißteil, ist einfach zu wechseln. Insgesamt ist eine hydraulische Felgenbremse relativ wartungsarm. Wenn doch etwas kaputtgeht, ist die Reparatur aufwendig - ähnlich wie bei der hydraulischen Scheibenbremse.

Die Felgenbremse ist von der Felge abhängig. Wenn diese nicht rund läuft, kann der Bremsschuh nicht mehr an allen Stellen der Felge den gleichen Druck ausüben, die Bremswirkung ist eingeschränkt. Auch bei Nässe und Schmutz ist die Bremsleistung reduziert, weil der volle Kontakt der Bremsbeläge zur Felge Ihres Mountainbikes nicht gegeben ist.

V-Brake Felgenbremsen

V-Brakes sind Felgenbremsen - um genauer zu sein Cantileverbremsen - bei denen der Bremszug oben seitlich in einem Rohrwinkel herausgeführt wird. Eigentlich ist der Begriff „V-Brake“ ein Markenname von Shimano, er wird mittlerweile auch allgemein für Bremsen derselben Bauart anderer Hersteller verwendet. V-Brakes bieten ausreichend Bremskraft für Touren- und Trekkingräder und sind die preiswerteste Lösung unter den verschiedenen Bremssystemen für Mountainbikes. Zudem sind sie in der Wartung einfach zu handhaben.

Wird der Bremshebel gezogen, ziehen sich die beiden Bremsarme zusammen und pressen die an den Armen befestigten Bremsschuhe mit den Belägen gegen die Felge. Die V-Brakes-Bremsbeläge bestehen aus einer speziellen Gummimischung - hier gibt es weichere und härtere Mischungen für unterschiedliche Ansprüche. Weichere Mischungen verhalten sich beispielsweise bei Nässe besser, nutzen sich aber schneller ab. Wichtig ist vor allem, die Bremsbeläge regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls auszutauschen.

Detaileinblicke in moderne Bremsanlagen

1999 montierte ich die erste Scheibenbremse an mein Mountainbike - eine Magura Louise mit manueller Belagsnachstellung und 160 Millimeter Bremsscheiben, gefolgt von einer Magura Gustav M, getuned mit Stahlflexleitungen. Gut zwei Dekaden später hat sich optisch wie technisch doch so einiges an den Bremsanlagen verändert, etwa eine automatische Belagsnachstellung, teilweise werkzeuglose Druck- und Hebelweitenverstellung, verschiedenste verfügbare Bremsbelagsmaterialien, Bremsscheibengrößen je nach Einsatzbereich von 140 bis mittlerweile 225 Millimeter Durchmesser, Bremsscheiben in unterschiedlichsten Materialausführungen, statt DOT Bremsflüssigkeit oder Mineralöl kommen mittlerweile auch schon Bio Öle zum Einsatz … um nur einige der Veränderungen aufzuzählen.

Eine Bremse ist zwar ein komplexes Bauteil, doch eigentlich hat sie nur eine Aufgabe zu erfüllen: Wenn man es möchte, muss sie einen sicher abbremsen und gegebenenfalls zum Stehen bringen. Genau diesen Anspruch haben wir bei unserem Test an jede Bremse gestellt. Unsere Teststrecke hat bestimmt schon 100 verschiedene Bremsen, Beläge, Scheibengrößen etc. gesehen. Die Strecke ist etwa drei Kilometer lang, man legt dabei 240 Tiefenmeter zurück, und der Untergrund ist asphaltiert. Mit jeder Bremse absolvierten wir mehrere Abfahrten. Nach dem Einbremsen führten wir Bremsungen bei 30 bis 70 km/h durch. Anschließend musste sich jede Bremse bei einer Dauerbremsung von oben bis unten beweisen. Um die Verzögerung aller Bremsen vergleichen zu können, wurde jede mit einer 200/203 Millimeter Scheibe bestückt.

Einzelbetrachtungen ausgewählter Bremsmodelle

Magura MT7

Die MT7 kann mit Loïc Bruni, einem der schnellsten Downhiller, werben. Zudem hat man für den bzw. mit dem mehrfachen Weltmeister auch einen extra Bremshebel entworfen. Doch nicht nur die Stars haben bei Magura die Möglichkeit des Customizing, sondern jeder Kunde. Mit den Storm HC, MDR-P bzw. -C stehen alleine schon drei verschiedene Scheibentypen zur Auswahl, die mit drei unterschiedlichen Belägen kombiniert werden können. Für die farbliche Anpassung gibt es verschiedene Cover, Blenden am Bremssattel, und natürlich gibt es auch verschiedene Bremshebel.

Der Powerstopper hat einen vergleichsweise weicheren Druckpunkt, überzeugt uns aber mit einer hohen Leistung und Standfestigkeit. Erst bei Vollbremsungen über 60 km/h setzt merkliches, wenn auch nicht hohes Fading ein. Der Dauerbremsung zeigte die MT7 ihre „kalte Schulter“ und unterstreicht so ihre Zuverlässigkeit. Auffällig ist, dass die Bremse gerne zum Schleifen neigt, auch wenn der Bremssattel exakt ausgerichtet ist. Der Hebel lässt sich in einem weiten Bereich und somit gut für alle Handgrößen einstellen. Das Duo Loïc Bruni und Magura MT7 scheint zu funktionieren. Die Bremse überzeugt im Test mit einer hohen Leistung und Standfestigkeit. Kleiner Kritikpunkt ist, dass sie zum Schleifen neigt.

Hope Tech 3 E4

In puncto Individualisierung und Exklusivität ist Hope klar der Spitzenreiter. Sechs Eloxalfarben stehen bei Bremsscheibe bzw. Bremsanlage zur Auswahl, doch selbst in Schwarz oder Silber sind die CNC gefrästen Bauteile ein Hingucker. Bremsscheiben gibt es ab der kleinen 140er bis hin zur großen 225er. Trotz der brachialen Optik und des verhältnismäßig günstigen Preises fällt das Gewicht der Tech 3 E4, insbesondere von Bremshebel und -sattel, sehr gering aus.

Der Tech 3 Hebel bietet sämtliche Einstellmöglichkeiten, alles per Rändelschraube und ohne Werkzeug. Der Bremshebel ist ergonomisch geformt, liegt aber etwas „kantiger“ in der Hand. Eine individuelle Einstellung ist gut möglich. In puncto Leistung kommt die Hope nicht auf das Niveau der anderen Stopper, Fading war aber keines bzw. nur kaum zu spüren. Der Dauerbremsversuch lieferte identische Eindrücke. Hope hat mit der Tech 3 E4 eine der leichtesten, individuellsten und auch günstigsten Bremsen im Test.

Hayes Dominion A4

Die Dominion A4 ist bereits seit 2018 auf dem Markt und hat einige Features zu bieten. Der Bremssattel verfügt über zwei Entlüftungs Ports und kann separat gespült werden. Zudem gibt es am Sattel die sogenannte Crosshair Technology, die ein schleiffreies Ausrichten erleichtert. Erwähnenswert ist noch, dass man beim Kauf zwischen einem langen bzw. kurzen Bremshebel, je nach Vorliebe und Handgröße, wählen kann. Serienmäßig kommt die Bremse mit dem semimetallischen Bremsbelag, der gesinterte metallische Belag ist aber im Lieferumfang.

Die Ergonomie des Hebels ist gut, die Einstellung der Weite groß und für alle Handgrößen geeignet. Die Bremsleitung im Praxistest hat uns voll überzeugt - die Dominion A4 liefert mit die meiste Power. Selbst bei Vollbremsungen bei ca. 65 km/h war kaum ein Fading vorhanden, Geräusche blieben aus. Erst bei der Dauerbremsung fing sie gelegentlich an zu singen und der Druckpunkt wanderte dabei merklich. Die Standfestigkeit war aber über den gesamten Testverlauf gegeben. Die Dominion A4 von Hayes hat uns beim Test mit hoher Leistung, guter Standfestigkeit und angenehmer Ergonomie überzeugt. Sie zählt klar zu unseren Favoriten.

Sram Code RSC

Natürlich steht die Optik einer Bremse erst mal hinten an, doch wenn andere Kriterien ausgewogen sind, kann man sich auch davon leiten lassen. Die Code RSC mit ihren Oil slick Schrauben ist definitiv ein Hingucker. Für das Lenkerklemmsystem Matchmaker X gibt es mittlerweile sämtliche Adapter oder Hebel, und alles lässt sich an dieser einen Schelle sauber montieren. Am Hebel selbst kann man Hebelweite und Druckpunkt individuell und in großen Bereichen einstellen. Einzig beim Gewicht hat die Konkurrenz die Nase vorne.

Die bunt schillernde Code brauchte deutlich mehr Einbremszeit, bis sie ihre volle Leistung entfaltete. Dann jedoch war ordentlich Bremspower vorhanden; selbst bei einer Vollbremsung aus 65 km/h war kaum Fading zu spüren. Das Dauerbremsen war die Disziplin der Code - sie überzeugte vollends, ohne jegliche Auffälligkeiten. Die Schöne und zugleich das Biest - Sram hat mit der Code RSC eine ästhetische, aber auch leistungsstarke Bremse.

Shimano XTR M9120

Die M9120 ist eine Bremse, vollgepackt mit Innovationen. Die Bremsbeläge verfügen zur besseren Wärmeableitung über Kühlrippen, die Kolben sind aus Keramik, und die Servo Wave Technologie am Bremshebel ermöglicht eine effiziente Nutzung des Hebelwegs. Die Bremsscheibe ist in Sandwichbauweise mit einem Aluminiumkern gefertigt, ebenfalls um die Wärmeableitung zu verbessern. Die Scheibe sticht zudem durch ihr geringes Gewicht aus der Masse hervor.

Zur individuellen Anpassung lassen sich am Bremshebel Hebelweite und Druckpunkt einstellen. Top, wie von Shimano Bremsen gewohnt, ist die perfekte Hebelergonomie. Der Druckpunkt ist definiert, die Leistung gut dosierbar und hoch. Bei Vollbremsungen ab 50 km/h aufwärts setzt deutliches Fading ein. Bei diesen Bremsversuchen verschenkte die XTR auch den Testsieg, da sich ein Belag von der Trägerplatte löste. Bei einer Wiederholung des Tests gab es aber keine Probleme mehr. Ein bekanntes Verhalten von Shimano Bremsen ist das merkliche Wandern des Druckpunkts - so auch bei der XTR.

Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre … hätte die Shimano XTR M9120 den Testsieg geholt. Die Bremse ist in allen Belangen top, doch der Ausfall des Belages hinterlässt einen faden Beigeschmack.

Trickstuff Direttissima

„Made in Freiburg“ ist auf der Innenseite des Bremssattels zu lesen; und auch „Made with love“ würde wohl gut auf der Bremse passen. Es ist schön, die Direttissima an dem Bike zu haben. Die gefrästen Bauteile wirken edel, aber auch minimalistisch. Natürlich lässt sich die Hebelweite verstellen, doch ist für die einmalige Anpassung ein Inbus nötig. Die Farbenvielfalt hat Trickstuff abgelegt - die Bremse ist in Schwarz und/oder Silber konfigurierbar.

Passend zur hochwertigen Bremse gibt es die Dächle Scheibe mit der Grad Fase am äußeren Umfang für einen leichteren Radeinbau. Das Gefühl am Bremshebel ist anders als beim Vorgänger. Der Druckpunkt ist gut definiert, aber nicht mehr so hart. Auch der Hebel ist „runder“ geworden und liegt sehr gut in der Hand. Bei den Vollbremsungen zeigt die Trickstuff eine sehr hohe Leistung. Diese, gepaart mit hoher Standfestigkeit, bedeutet: eine Bremse fürs Grobe und Steile. Einziges Manko ist der Druckpunkt, der zum Ende hin fast ganz nach außen wanderte, was ein Schleifen der Bremse zur Folge hatte. Beim Dauerbremsen zeigte die Bremse ein ähnliches Bild: gute Leistung, standfest, aber mit wanderndem Druckpunkt.

Trickstuff hat sich mit der Direttissima selbst übertroffen. Die Bremse ist sehr edel, lässt sich sehr angenehm bedienen und hat eine hohe Bremsleistung. Bei zunehmender Hitze wandert aber der Druckpunkt.

Weitere Testkandidaten und ihre Eckdaten (BIKE 5/2021)

Im BIKE Magazin 5/2021 wurden folgende Bremsen getestet:

  • FORMULA Cura 4
  • HAYES Dominion A2
  • HOPE Evo Tech 3 E4
  • MAGURA MT7 Pro
  • SHIMANO Deore 6120
  • SHIMANO XTR 9120
  • SRAM Code RSC
  • TRICKSTUFF Piccola
  • TRICKSTUFF Piccola HD
  • TRP DH-R Evo

Die Testkriterien umfassten Praxis- und Labordaten, wobei besonderes Augenmerk auf Dosierbarkeit, Bremskraft und Standfestigkeit gelegt wurde.

Hier eine Übersicht der getesteten Bremsen mit Gewicht und Preis (Angaben für eine Bremse inkl. Anbauteile):

Bremse Gewicht (Gramm) Preis (Euro)¹
FORMULA Cura 4 417 207
HAYES Dominion A2 440 297
HOPE Evo Tech 3 E4 399 280
MAGURA MT7 Pro 433 275
SHIMANO Deore 6120 463 120
SHIMANO XTR 9120 395 304
SRAM Code RSC 474 322
TRICKSTUFF Piccola 280 515
TRICKSTUFF Piccola HD 345 488
TRP DH-R Evo 500 274

¹ Preisangaben gelten für eine Bremse inkl. Anbauteile.

Die Bedeutung des Bremsmediums

Hydraulisch betätigte Bremsen bedeutet, dass diese die Kraft durch eine Flüssigkeit übertragen. Derzeit sind zwei Arten von Bremsflüssigkeit vertreten: Mineralöl und DOT. Der Vorteil von Flüssigkeiten: Sie lassen sich im Gegensatz zu Luft nicht komprimieren, die Kraftübertragung findet also nahezu verlustfrei statt. Aus diesem Grund ist auch penibles Entlüften - also kleinste Lufteinschlüsse aus dem Bremssystem zu entfernen - so wichtig. Noch ein Faktor: Bremsflüssigkeit siedet viel später als Wasser.

DOT-Bremsflüssigkeit

DOT-Bremsflüssigkeit kommt ursprünglich aus dem Kfz-Bereich. Kleiner Fun-Fact: Sie trägt den Namen vom US-Verkehrsministerium - Department of Transportation. Die DOT-Flüssigkeit ist in Nummern unterteilt, wobei hauptsächlich DOT 4 und 5.1 bei MTBs vertreten sind. Je höher die Zahl, desto höher ist die Siedetemperatur der Flüssigkeit. Das wichtigste Merkmal von DOT-Bremsflüssigkeit ist, dass sie hygroskopisch ist. Das heißt, DOT bindet Wasser (unter anderem aus der Luft) und bildet eine homogene Flüssigkeit. Dadurch ändern sich die Eigenschaften von DOT und der Siedepunkt (regulär bis zu 260° C) sinkt. Darum sollte die Bremsflüssigkeit regelmäßig getauscht werden. Zudem ist DOT gesundheitsschädlich und aggressiv gegenüber Lack, Haut und Klamotten. Hier macht nicht unbedingt die Menge, aber die Dauer das Gift: Spült man DOT gleich mit ausreichend Wasser ab, ist es kein Problem.

Mineralöl als Bremsflüssigkeit

Mineralöl als Bremsflüssigkeit ist die Alternative zu DOT. Das Mineralöl wird aus Erdöl gewonnen und hat in der Regel einen niedrigeren Siedepunkt von 190° C. Es ist nicht gesundheitsschädlich oder schlecht für den Lack, nur der Kontakt mit den Bremsbelägen sollte unbedingt vermieden werden. Mineralöl zieht kein Wasser an, bindet es aber auch nicht: Wie beim Salatdressing schwimmt das Öl einfach oben - eine typische Emulsion.

Die Wahl der Bremsflüssigkeit obliegt in jedem Fall dem Hersteller, einfaches Wechseln zwischen den verschiedenen Flüssigkeiten ist nicht möglich. Dabei können Dichtungen und auch Bremsleitungen zu Schaden kommen. Der Einfluss aufs Bremsgefühl ist zudem marginal. Mineralöl sollte ebenso herstellerspezifisch gewählt werden, wie DOT nur mit der richtigen Nummer verwendet werden kann.

Bremsbeläge und Bremsscheiben im Detail

Prinzipiell gilt, dass jeder Bremsenhersteller auch seine eigenen Beläge anbietet. Meist sogar in unterschiedlichen Ausführungen. Zudem sind Nachrüst-Beläge von Drittherstellern wie z. B. Sinter, GALFER oder Kool-Stop verfügbar. Hiermit lässt sich häufig vergleichsweise günstig die Bremspower steigern. Zudem gibt es meist zwei Arten von Belägen: metallische und organische. Wobei sie sich in den Grund-Bestandteilen nicht unterscheiden. Diese sind Reibmaterial, Gleitmittel und Fasern. Das Reibmaterial ist für die Reibung verantwortlich und erzeugt dadurch auch die Bremspower, die man am Ende spürt. Das Reibmaterial besteht aus einem Mix aus harten Materialien wie Metalloxiden und Carbiden und sorgt somit auch für den meisten Verschleiß an der Bremsscheibe. Das Gleitmittel wiederum versucht, den Verschleiß zu begrenzen und den Reibungskoeffizienten stabil zu halten. Die Fasern unterscheiden sich in organischen Materialien wie Kevlar und Carbon oder metallischen Materialien wie Kupfer oder Stahl. Um die Masse zu verbinden, sind noch Binde- und Füllmaterial wie Harze enthalten.

Die Herstellung der Beläge erfolgt grundsätzlich bei allen Belägen gleich: Die Masse wird unter Hitze und hohem Druck auf die Trägerplatte gepresst.

Die Bremsscheiben für MTB-Bremsen bestehen alle aus Stahl - zumindest die Reibfläche, an der die Beläge anliegen. Die Dicke der Bremsscheiben variiert hingegen und ist vor allem mit der Wärmeableitung gekoppelt. Mehr Material kann mehr Hitze vom sensiblen Bremssattel abtransportieren. Dieser Effekt besteht zwar in der Theorie, konnte aber bei unserem Labortest nicht final bestätigt werden.

Shimano setzt zum Beispiel bei den XTR ICE-TECH-Bremsscheiben auf einen Kern aus Aluminium, der die Wärmeableitung und das Gewicht verbessern soll. Das Labor hat gezeigt: Die Sandwich-Struktur der Bremsscheibe ergibt Sinn und die Shimano XTR-Bremsen bleiben am kältesten. Besonders mit Sinter-Belägen wird der Effekt noch verstärkt.

Noch ein wesentlicher Unterschied bei den Bremsscheiben: Es gibt ein- und zweiteilige. Letztere sind auf einem „Stern“ in der Mitte vernietet und schwimmend gelagert. So wird verhindert, dass sich die Reibscheiben bei Wärme ungleichmäßig ausdehnen und verziehen können.

Kommt es zur Befestigung der Bremsscheiben am Rad, ist der Markt zwischen Shimano und dem Rest der Bremsenwelt gespalten. Stichwort 6-Bolt vs. Centerlock. Für uns hat sich die Variante mit den 6 Schrauben als besser herausgestellt. Zwar ist die Montage etwas aufwändiger, dafür haben die Bremsscheiben kein Spiel auf der Nabe.

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