Mal eben dranschrauben, etwas auffrischen, oder sich einfach mal was Neues gönnen. Wer mit dem Gedanken spielt, Hand an sein Bike zu legen, kann böse Überraschungen erleben und im Standard-Dschungel versumpfen. Was Sinn macht und auf welche Details Sie beim Umbau und Nachrüsten achten müssen, erfahren Sie in diesem Artikel.
Warum Mountainbike Bremsen Umrüsten?
Gründe für den Umbau einer Scheibenbremse gibt es genügend: Größere Scheiben, standfester oder optisch besser passend. Damit alles passt, sollten Sie auf einiges achten.
Wenn Sie mit Ihrem Bike zufrieden sind und es gut in Schuss ist, gibt es auch kaum einen Grund dieses zu ersetzen, zumal in vielen Fällen modernere Elemente leicht nachgerüstet werden können.
Vorteile von Scheibenbremsen
- Deutlich höherer Wirkungsgrad als Felgenbremsen
- Äußerst zuverlässig und wartungsarm
- Bessere Bremsleistung bei Nässe
- Unempfindlichkeit bei Felgenschlägen
- Schonung der Felge
Voraussetzungen für die Nachrüstung von Scheibenbremsen
In vielen Fällen ist es möglich, dass diese beliebten Geschwindigkeitsreduzierer nachgerüstet werden, Sie müssen zuerst nur die Voraussetzungen an Ihrem Bike überprüfen. Hierfür muss Ihr Fahrrad an der Federgabel und am Hinterbau des Rahmens über Discaufnahmen verfügen. Dasselbe gilt für die Nabe. Am Hinterbau muss außerdem, genau wie am Oberrohr, eine Bremsleitungsführung vorhanden sein.
Wenn Ihr Zweirad über alle Merkmale verfügt, können die Scheibenbremsen nachgerüstet werden. Falls nicht, müssten Sie die entsprechenden Bauteile austauschen, da einzelne Aufhängungen nicht erhältlich sind.
Montage von Scheibenbremsen
Grundsätzlich gilt: Bauen Sie die neuen Bremsen immer genau nach Herstelleranleitung ein und halten Sie sich an die Vorgaben. Der Einbau kann sich bei den verschiedenen Herstellern immer etwas unterscheiden. Aus diesem Grund gibt es keine allgemein gültige Anleitung.
- Beginnen Sie mit der Montage der Scheibenbremsen auf der Fahrradnabe und beachten Sie dabei deren Laufrichtung. Diese ist für gewöhnlich mit einem kleinen Pfeil gekennzeichnet.
- Die ebenfalls mitgelieferten Adapter werden nach Anleitung am Rahmen befestigt. Hierbei ist darauf zu achten, dass Sie den vorderen Adapter nicht mit dem hinteren Adapter vertauschen.
- Im nächsten Schritt werden die Bremshebel am Lenker angebracht und die Bremsleitungen verlegt.
- Wenn Sie als nächstes die Transportsicherungen an den Bremsbelägen entfernen darf danach NICHT der Bremshebel betätigt werden. Anderenfalls könnten die Bremsenflüssigkeit verlieren, Luft ziehen und kaputt gehen.
- Anschließend werden die Räder angebaut. Bei der Montage des Bremssattels ist darauf zu achten, dass dieser ebenfalls mittig, und zwar zur Bremsscheibe, ausgerichtet wird.
Wichtige Aspekte bei der Montage
Hebelmontage
- Richtige Position: Schieben Sie den Bremshebel zwischen Schalthebel und Griff auf den Lenker. Bei einigen Bremsen empfiehlt es sich, Bremse und Schalter umgekehrt zu positionieren.
- Richtiger Winkel: Nachdem Sie den Lenkergriff montiert haben, stellen Sie den Bremshebel so ein, dass Ihre ausgestreckte Hand bei gewohnter Sitzposition leicht nach oben abknickt.
- Hebelweite/Druckpunkt: Via Madenschraube oder Stellrad stellen Sie die Hebelweite ein. Im Moment, wenn der Druckpunkt voll greift, sollte der Hebel parallel zum Lenker stehen.
- Abstand vom Griff: Um den Hebel mit einem Finger betätigen zu können, müssen Sie die Befestigungsschelle nach innen schieben. Als Maß dienen je nach Bremse ein bis zwei Finger.
Bremssattel und Scheibe
- Sattel anbringen: Setzen Sie, falls nötig, erst den passenden Adapter, dann den Bremssattel auf die Bohrungen an Gabel oder Rahmen. Schrauben leicht reindrehen, nicht anziehen!
- Disc montieren: Ziehen Sie die sechs Torx-Schrauben "über Kreuz" an. Heißt: Sie drehen eine leicht an, dann die gegenüberliegende. Weiter im Uhrzeigersinn und schließlich fest ziehen.
- Centerlock: Centerlock-Discs können nur an speziellen Naben montiert werden. Dazu nehmen Sie das Kassetten-Werkzeug und ziehen den großen Schraubring fest.
- Der noch lockere Sattel richtet sich nun aus und kann danach fest angezogen werden.
- Spaltmaß begutachten: Schleift die Disc? Dann blicken Sie zwischen die Beläge, lösen eine Schraube leicht und drücken den Sattel mit Fingerspitzengefühl in die perfekte Position. Anziehen, fertig.
- Adapter: Je nach Rahmen, Gabel und gewünschter Scheibengröße benötigen Sie unterschiedliche Adapter. Der Pfeil verrät die Montagerichtung, die oft kryptische Bezeichnung das Maß.
Leitung kürzen
- Leitung lösen: Ziehen Sie die Gummistulpe, die die Sechskantschraube abdeckt, ab und lösen Sie die Schraube mit einem Maulschlüssel. Vorsicht: austretende Bremsflüssigkeit auffangen.
- Länge festlegen: Die Leitungslänge sollten Sie im Optimalfall so wählen, dass diese bei vollem Lenkeinschlag noch etwas Spiel hat. Markieren Sie die Stelle mit Daumen und Zeigefinger.
- Leitung kappen: Für die Montage ist ein gerader Schnitt wichtig. Nehmen Sie ein scharfes Teppichmesser, legen Sie die Leitung auf einen Holzblock und schneiden Sie das Ende im 90°-Winkel ab.
- Montage-Kit: Schieben Sie die Stulpe und die Überwurfmutter auf die Leitung, dann den Schneidring ("Olive"). Jetzt treiben Sie die Stützhülse mit einem Hammer bis zum Anschlag in die Leitung.
- Leitung ansetzen: Drücken Sie die Leitung samt Schneidring in die Gewindeöffnung am Bremshebel und drehen Sie die Mutter anschließend von Hand in das Gewinde.
- Festziehen: Nach dem Anziehen der Mutter darf sich die Leitung nicht aus dem Hebel ziehen lassen.
Mountainbike Bremssysteme im Überblick
Egal, ob Sie umrüsten oder Ersatz- beziehungsweise Verschleißteile für Ihr Bike suchen: Bei Bike-Discount finden Sie alles rund um Mountainbikebremsen und haben eine große Auswahl innerhalb der verschiedenen Bremssysteme: von ganzen Sets bis zur kleinen Schraube.
Wie funktioniert eine Scheibenbremse am Mountainbike?
Das Prinzip einer Scheibenbremse ist schnell erklärt: Beim Betätigen der Bremse drücken Bremskolben die Bremsbeläge auf die Bremsscheibe, die fest mit der Radnabe verbaut ist. Es ist dasselbe Prinzip wie beim Auto. Die kinetische Energie des rotierenden Rades wird so mittels Reibung in Wärme umgewandelt.
Die Vorteile dieser Mountainbikebremsen sind bessere Bremsleistung bei Nässe, Unempfindlichkeit bei Felgenschlägen und Schonung der Felge im Allgemeinen. Das Zusammenspiel von Bremsbelägen und Bremsscheibe arbeitet effektiver als das System Gummimischung und Felgenflanke bei der Felgenbremse.
Nicht nur die verbauten Materialien bringen hier Vorteile mit, sondern auch die präzisere Konstruktion der Scheibenbremse: Der Abstand zwischen Bremsbelag und Bremsscheibe beträgt nur wenige Millimeter.
Hydraulische vs. Mechanische Scheibenbremsen
Scheibenbremsen können auf zwei Arten betrieben werden: hydraulisch oder mechanisch.
- Hydraulisch: Ermöglicht die präzise Dosierung der Bremsleistung, ist leichtgängig, robust und bedarf wenig Wartung. Wenn es allerdings kaputtgeht, ist die Reparatur relativ kompliziert und setzt Spezialwerkzeug voraus.
- Mechanisch: Kann zwar mit der Bremsleistung und der Präzision der hydraulischen Kollegen nicht ganz mithalten, ist in Sachen Reparatur aber einfacher zu handhaben.
Standards bei Mountainbike Scheibenbremsen
Für die Montage des Bremssattels beziehungsweise der Bremsscheibe gibt es definierte Standards, sodass Sie beim Kauf das Bremssystem bekommen, das ans Mountainbike passt. Für die Aufnahme des Bremssattels sind als Standards vor allem Postmount und IS2000 verbreitet. Mit Adaptern kann die Aufnahme der Bremsscheibengröße angepasst werden. Die Standards für die Befestigung der Bremsscheibe lauten Centerlock und IS2000.
Optimaler Durchmesser einer MTB Bremsscheibe
Ein entscheidender Faktor für die Bremsleistung ist die Größe der Bremsscheibe. Hier sind vor allem Gewicht und Einsatzzweck entscheidend: Je schwerer Mountainbike, Fahrer und Zuladung sind, je höher das Tempo und die Steigungsunterschiede der Strecke, desto größer sollte die Scheibe sein. Größere Bremsscheiben kühlen besser ab und können mehr Energie umsetzen.
Denn es gilt, das „Fading“ der Bremse, also das Schwinden der Bremskraft aufgrund des sinkenden Reibwertes der Bremsbeläge auf der heiß werdenden Bremsscheibe, zu vermeiden.
Vor- & Nachteile von Scheibenbremsen
Vorteile
- Durch ihre höhere Flächenpressung haben Scheibenbremsen bei Nässe eine bessere Bremsleistung.
- Man braucht bis zu 20% weniger Handkraft, um dieselbe Bremsleistung zu erzielen - vorteilhaft nicht nur für Frauen und ältere Personen.
- Die Felgen verschleißen nicht mehr.
- Bei einem "Achter" schleifen die Felgen nicht mehr an der Bremse.
- Bei langen Abfahrten im Gebirge können die Felgen nicht mehr überhitzen.
- Die Bremsscheiben verdrecken nicht so schnell. In der Regel halten Bremsbeläge für Scheibenbremsen länger als Beläge für Felgenbremsen.
- Sie eignen sich besser für sehr dicke Reifen.
Nachteile
- Scheibenbremsen sind schwerer als Felgenbremsen und technisch meist komplexer.
- Sie kosten mehr als Felgenbremsen, insbesondere, wenn es hydraulische Scheibenbremsen sind.
- Statt der Felgen können jetzt die Bremsscheiben bei schwerbeladenen Touren oder bei langen Abfahrten überhitzen.
- Scheibenbremsen können beim Radtransport leicht beschädigt werden.
- Naben und Speichen werden stärker belastet.
- Scheibenbremsen müssen eingebremst werden, was für den Laien nicht immer ganz einfach ist.
Mechanische oder hydraulische Scheibenbremsen?
Mechanische Scheibenbremsen werden, ähnlich wie klassische Felgenbremsen, über einen Bowdenzug gebremst. Hydraulische Scheibenbremsen werden dagegen mit Bremsflüssigkeit gebremst. Weil ihre Reibungsverluste geringer sind, sind auch Dosierbarkeit und Bremskraft besser. Diese Vorteile werden mit den Nachteilen höherer Kosten und höherer mechanischer Komplexität erkauft.
Die meisten mechanischen Bremsen arbeiten einseitig mit nur einem Kolben. Der bewegliche Kolben drückt die Scheibe gegen den fest im Bremssattel verankerten inneren Belag. Dagegen arbeiten hydraulische Bremsen in der Regel mit zwei Kolben, die die Bremsscheibe von beiden Seiten symmetrisch anbremsen.
Hydraulische Bremsen sind meist sehr zuverlässig, benötigen aber für die Wartung Spezialwerkzeug. So müssen sie beispielsweise bei der Erstmontage, und häufig auch später bei der Wartung, entlüftet werden. Verglichen damit, sind die Bremszüge mechanischer Bremsen anfällig für Rost und Schmutz, aber sie lassen sich leichter reparieren.
Hydraulische Bremsflüssigkeiten
Manche Hersteller verwenden DOT-(Auto-)Bremsflüssigkeit, andere Hersteller Mineralöl. Die zwei Arten der Bremsflüssigkeit sind nicht miteinander kompatibel.
Avid/SRAM, Formula, Hayes und Hope verwenden entweder DOT 4 oder 5.1, die jeweils auf Glykolbasis arbeiten. Achtung: DOT 5 ist auf Silikonbasis aufgebaut und nicht mit DOT 4 oder 5.1 kompatibel! DOT-Flüssigkeit hat den Vorteil eines hohen Siedepunkts, hat aber den Nachteil sowohl giftig als auch hygroskopisch zu sein. Das bedeutet, dass sie Wasser aus der Luft aufnimmt. DOT-Flüssigkeit ist sowohl für die Haut wie für Fahrradlack ätzend und sollte daher möglichst schnell abgewischt werden, wenn sie mal austritt. Der Siedepunkt von DOT 5.1 liegt etwas höher, dafür ist DOT 4 fast überall zu bekommen. Man kann beide untereinander austauschen.
Mineralöl ist dagegen chemisch neutral und zieht kein Wasser. Es kann auf Jahre im Bremssystem verbleiben, ohne ausgetauscht werden zu müssen. Es wird von Magura, Shimano und Tektro eingesetzt. Laut Auskunft unserer Mechaniker kann man bedenkenlos das bei Magura und Shimano verwendete Mineralöl untereinander austauschen.
Was passiert, wenn man aus Versehen ein Mineralöl-System mit DOT entlüftet oder umgekehrt?
Wenn man bei der Wartung die falsche Bremsflüssigkeit einfüllt, dann ist das etwa so wie der größte anzunehmende Unfall. Die Kombination DOT-Flüssigkeit und Mineralöl-Bremse sorgt dafür, dass die Dichtungen „angefressen“ und weich werden. Sie sind damit zerstört, sämtliche Dichtelemente muss man gegen neue austauschen und die Bremse danach neu zusammenbauen.
Einteilige vs. Zweiteilige Bremsscheiben
IS oder 6-Loch-Scheiben bestehen oft aus einem Stück Edelstahl. Das ist einfach und zuverlässig. Centerlock-Bremsscheiben haben dagegen immer ein inneres Profil aus Alu, um das Vielzahnprofil der Nabe aufzunehmen. Wenn das Profil etwas größer ausgeformt wird und über mehrere Arme verfügt, heißt es „Spider“.
Die äußere Scheibe aus Stahl wird mit der Spider vernietet. Auch 6-Loch-Scheiben werden oft mit einer Spider hergestellt. Gerade bei großen Scheiben verleihen Spider zusätzliche Stabilität und können bei großer thermischer Belastung vorteilhaft sein. Wenn sich eine Bremsscheibe zu stark erhitzt, kann sie sich verformen. Spider-Konstruktionen sind allgemein etwas resistenter gegen derartige Verformungen.
Metallische & organische Beläge
Der Begriff „organische“ Beläge ist missverständlich, es handelt sich nicht um ökologische Bremsklötze. Organisch bedeutet lediglich, dass derartige Beläge weniger Metallelemente und mehr Fiberglas und Harz beinhalten. Sie bremsen besser, vor allem bei Nässe, und sie sind leiser. Metallische Beläge haben eine längere Lebensdauer und quietschen tendenziell mehr.
Einbremsen von Scheibenbremsen
Ja, unbedingt! Lesen Sie dazu immer die Bedienungsanleitung. Speziell bei organischen Belägen müssen die Beläge durch starkes Dauerbremsen im Gefälle auf über 200 Grad erhitzt werden, damit Lösungsmittel ausgasen können. Beim Ausgasen vermindert sich die Bremskraft stark, es kommt zum sogenannten „Fading“. Daher beim Einbremsen möglichst immer nur mit einer Bremse bremsen, die zweite in Reserve halten. Sicherheitshalber sollte man diese Prozedur fernab von jeglichem Verkehr durchführen.
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