BULLS SONIC EVO EN-SL 1 E-MTB Test: Günstigstes E-MTB im Vergleich

Mit dem für 6.699 € erhältlichen SONIC EVO EN-SL 1 entsendet BULLS das günstigste E-MTB in den großen E-Mountainbike-Vergleichstest mit 30 Bikes. Kann sich das leichte Vollcarbon-Bike dank neuem Shimano EP801-Motor, großem 750-Wh-Akku und automatischer Shimano XT Di2-Schaltung an die Spitze des Testfelds katapultieren?

Über BULLS

Wer BULLS nicht kennt, lebt wohl hinter dem Mond. Zumindest den Gerüchten zufolge, nach denen sich der nächstgelegene ZEG-Händler maximal 8 Gehminuten entfernt liegt, egal an welchem Ort man sich auf dem europäischen Festland befindet. Und BULLS ist eine Marke der ZEG, dem größten Fahrrad-Fachhandelsverband Europas mit über 1.000 Stores.

Bei BULLS unterteilt sich das E-MTB Portfolio in die kraftvollen SONIC EVO-Bikes mit Bosch-Motoren und in die leichtgewichtigeren SONIC EVO SL-Bikes mit Shimano-Motoren. Das SONIC EVO AM-SL 1 mit 140 mm Federweg konnten wir schon im E-Mountainbike-Vergleichstest bis 6.500 € für euch unter die Lupe nehmen. Nun steht das SONIC EVO EN-SL 1 auf dem Prüfstand.

Das BULLS SONIC EVO EN-SL 1 im Detail

Das Kürzel EN steht für Enduro und zeichnet die langhubigsten E-MTBs im Sortiment für den anspruchsvollen Einsatz im groben Gelände aus. Dafür wurde dem EN-SL 1 ein Fahrwerk mit 160 mm Federweg an Front und Heck sowie 29” große Laufräder verpasst. Außerdem setzen die Stierbändiger bei BULLS auf den neuen Shimano EP801-Motor, der in dieser Form nur einmal im Vergleichstest vertreten ist (Am Orbea Rise wird der EP801 per Software auf 60 NM gedrosselt).

Mit 6.699 € unterbietet das BULLS SONIC EVO EN-SL 1 den Durchschnittspreis des Vergleichstest von 11.151 € um über 4.000 €. Wer wagt es da noch zu behaupten, dass E-MTB-Preise außer Kontrolle geraten sind? Obwohl das SONIC EVO EN-SL 1 das günstigste E-MTB im Vergleichstest ist, geizt es nicht mit spannenden Eckdaten. Es besitzt einen durchgestylten Vollcarbon-Rahmen mit sehr schlanken Rohrdurchmessern, was unter anderem durch den schmalen BMZ-Akku mit Carbon-Gehäuse realisiert wird. Der 750 Wh große Akku bildet ähnlich wie beim ROTWILD R.X735 die Seitenwand des Unterrohrs und kann werkzeugfrei im 45° Winkel nach oben entnommen werden. Das ist nicht nur praktisch, die Konstruktion trägt so auch zum geringen Gesamtgewicht von nur 22,1 kg in Größe L bei.

Der Motor und der leicht bedienbare Ladeport direkt darüber sind gut in die Silhouette integriert. Am Cockpit sorgen der BULLS-Lenker mit interner Zugverlegung für die Motor-Remote und das Schaltungskabel für eine aufgeräumte Optik. Obwohl das BULLS SONIC EVO EN-SL 1 auf den ersten Blick einen sehr sportiven Eindruck macht, besitzt es doch zahlreiche Alltags- und Touren-Features. An der Front sorgt eine MonkeyLink-Aufnahme für eine werkzeuglose Montage eines Frontlichts wie die Supernova M99 - mit nur einem Handgriff lässt es sich anknipsen. Es wird dann vom großen Hauptakku mit Strom versorgt. Auf der Unterseite des Oberrohrs ist - fast unsichtbar - ein FIDLOCK-Flaschenhalter integriert, zudem finden sich noch weitere Anschraubpunkte für zusätzliches Zubehör. Okay, fein!

Der Shimano EP801-Motor lässt sich weder durch die Optik noch durch die Kennzahlen von den anderen EP8-Motoren im Vergleichstest unterscheiden. Im restlichen Ausstattungspaket fallen ein paar Punkte auf, die erklären, wie das Team von BULLS das niedrigste Preisschild im Test bewerkstelligen konnte. Das RockShox-Fahrwerk aus Lyrik Select-Federgabel und Super Deluxe Select+ Dämpfer bieten nicht die gleichen Verstellmöglichkeiten wie z. B. das RockShox Ultimate-Fahrwerk am mehr als doppelt so teuren Trek Fuel EXe. Und auch bei der Shimano-Vierkolbenbremsen mit 200 mm großen Bremsscheiben ist die Verstellung nicht werkzeugfrei, wenn auch die Scheiben aus der unteren Shimano-DEORE-Gruppe zuverlässige Bremspower liefern. Positiv hingegen fallen die Mavic E-Deemax-Laufräder auf, die speziell für E-MTBs entwickelt worden sind und sich auch an deutlich teureren Bikes im Testfeld, wie dem FLYER, wiederfinden. Das schlanke Oberrohr besitzt mehrere Anschraubpunkte für einen Flaschenhalter und Zubehör.

Ausstattung

BULLS SONIC EVO EN-SL 1

6.699 €

Ausstattung
Motor Shimano EP801 85 Nm
Akku BMZ 750 Wh
Display Shimano SC-EM800
Federgabel RockShox Lyrik Select 160 mm
Dämpfer RockShox Super Deluxe Select+ 160 mm
Sattelstütze Limotech Alpha 1 150 mm
Bremsen Shimano DEORE BR-M6120 200/200 mm
Schaltung Shimano DEORE XT Di2 1x11
Vorbau Poligon BULLS 50 mm
Lenker BULLS Riser 785 mm
Laufradsatz Mavic E-Deemax 30 29"
Reifen Schwalbe Magic Mary Super Trail Evo Soft/ Schwalbe Big Betty Super Trail Evo Soft 2,4/2,4

Technische Daten

Technische Daten
Größe S M L XL
Gewicht 22,1 kg
Zul. Gesamtgewicht 130 kg

Fahreigenschaften und Handling

Will man das SONIC EVO genau auf die eigenen Bedürfnisse abstimmen, hat man in der Shimano E-TUBE PROJECT Cyclist-App die Gelegenheit dazu. Neben dem Basic-Mode besitzt der EP801-Motor noch einen Fine Tune-Mode mit bis zu 15 aktivierbaren Unterstützungs-Modi. Dann folgt noch die etwas aufwendige Einstellung der Schaltpräferenz für den Automatik-Modus der Shimano XT-Di2 LINKGLIDE-Schaltung in der gleichen App und „schon“ kann es losgehen.

Die Einordnung EN für Enduro, den harten Geländeeinsatz, ist zu hoch gegriffen für das SONIC EVO. Auf anspruchsvollen Abfahrten verhält es sich nervös und haushaltet nicht gut mit den Fahrwerksreserven. Erfolgen Schläge schnell und aufeinanderfolgend, wirkt das E-MTB harsch und lässt Laufruhe und Agilität vermissen. Auf steilen Abfahrten schränkt das 470 mm lange Sattelrohr die Bewegungsfreiheit ein.

Das bockige Verhalten lässt sich auch der etwas schlecht ansprechenden RockShox Lyrik Select-Federgabel zusprechen, die nicht so feinfühlig arbeitet wie die Ultimate-Variante am Trek Fuel EXe oder am Berria Mako. Auf spaßigen Flowtrails schlägt sich das BULLS schon etwas wackerer. Trotz seines geringen Gesamtgewichts kann es diesen Vorteil jedoch nicht für sich ausspielen und fällt im Spaßfaktor hinter den meisten Bikes im Testfeld zurück.

Einen coolen Partytrick, den das BULLS-E-MTB als einziges Bike im Testfeld beherrscht, ist, im Free Shift-Modus den Gang zu wechseln, ohne dafür in die Pedale treten zu müssen. Rollt man auf einen Gegenanstieg oder Sprung zu, kann man - ohne die horizontale, stabile Fußstellung aufgeben zu müssen - die Kette per Tastendruck durch die Gänge wandern lassen. Der Motor treibt dafür selbstständig das Kettenblatt an. So befindet man sich auf Uphill-Passagen schnell im richtigen Gang, in denen sich das kraftvolle BULLS mit viel Traktion am Heck hochkämpft.

Doch richtig stark verhält sich das SONIC EVO auf entspannten Touren und im Alltag. Durch den Auto-Shift-Modus wechselt die smarte Gangschaltung entsprechend der Konfiguration automatisch die Gänge. Dank der vielen Alltags-Features lässt sich alles am E-MTB befestigen, was man für eine entspannte Tour braucht.

Zielgruppe

Das BULLS SONIC EVO EN-SL 1 kann für alle, die auf der Suche nach einem preiswerten Touren- und Alltags-Bike sind, die richtige Wahl sein. Alle, die sich ein E-MTB mit komfortablem Fahrwerk, großem Akku und vielen Features wünschen, und gelegentlich die eigenen Hometrails damit in Angriff nehmen wollen, sind mit dem BULLS gut bedient. Auch schaltfaule Cruiser, die sich beim Verladen keinen Bruch heben wollen, kommen hier besonders auf ihre Kosten.

Als günstigstes E-MTB im Vergleichstest ist das BULLS SONIC EVO EN-SL 1 mit dem größten Handicap in unserem Rodeo gestartet. Für Sparfüchse, die mehr Wert auf Tourenkomfort und Alltags-Features statt auf Trail-Performance legen, ist es dennoch eine gute Wahl. Durch das nervöse Fahrverhalten auf Trails kann es mit den sportlicheren, und auch deutlich teureren E-MTBs im Testfeld jedoch nicht mithalten.

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