Ein korrekt abgestimmtes MTB Fahrwerk ist eine Grundvoraussetzung, um schnell und sicher über die Trails zu fliegen. Allerdings kann selbst der beste Fully sein Potenzial nicht vollständig entfalten, sofern das Fahrwerk, darunter der Dämpfer, falsch abgestimmt ist. Wir zeigen, wie schnell Sie die Federgabel und der Dämpfer einstellen können.
Generell lassen sich Dämpfer auf zwei verschiedene Arten von Federn unterteilen: Dämpfer mit Luftfeder und Dämpfer mit Stahlfeder. Kurze Info am Rande: Kennen Sie den Unterschied zwischen Hardtail und Fully, dann wissen Sie, dass ein Fully ein vollgefedertes Rahmenset aufweist, während ein Hardtail einen ungefederten Rahmen mit einer Federgabel besitzt.
Die hier beschriebenen Arbeitsschritte bleiben aber gleich. Ein wenig Fingerfertigkeit ist lediglich nötig, wenn der Dämpfer bereits im Rahmen integriert ist. Keine Angst vor Luftdruck, Zug- und Druckstufendämpfung!
Warum ist die richtige Einstellung so wichtig?
Die richtige Einstellung des Fahrraddämpfers ist gar nicht so schwer. Warum die richtige Einstellung so wichtig ist, zeigt sich in folgender Begründung: Wenn der Dämpfer zu langsam herausfährt, kann das gerade im Gelände von Nachteil sein. Ist der Dämpfer hingegen zu schnell eingestellt, verlässt das Hinterrad den Boden und ist also sehr sprunghaft.
Im Gegensatz für vielen anderen Reparaturen oder Einstellungen brauchen Sie hierfür nur zwei Dinge: Eine Dämpferpumpe bei Dämpfer mit Luftfeder und den O-Ring, der sich am Kolben befindet. Bevor Sie die richtige Einstellung für Ihren Dämpfer vornehmen können, müssen Sie alle Dämpfungseinstellungen, die bisher angewandt wurden, verwerfen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Dämpfereinstellung
Hier ist eine detaillierte Anleitung, wie Sie Ihr Mountainbike-Fahrwerk optimal einstellen:
Vorbereitung
- Fahren Sie die Gabel ganz aus und öffnen Sie bei Bedarf die vorhandene Druckstufendämpfung oder Plattform.
- Drehen Sie dann die Zugstufe, auch Rebound genannt, auf die langsamste Stufe und stellen Sie die Druckstufe auf Open.
- Bei der Druckstufe handelt es sich häufig um einen Hebel mit zwei Einstellungen.
- Daraufhin stellen Sie den Luftdruck ein, der meist auf dem Gabelholm oder in den Herstellerangaben zu finden ist.
- Alternativ können Sie ihn auch selbst errechnen, indem Sie Ihr Körpergewicht in Pfund mit dem PSI (engl. Pound-force per square inch) gleichsetzen.
- Nehmen Sie die Ventilkappe ab, setzen Sie die Dämpferpumpe gerade auf und pumpen den Dämpfer auf die benötigten PSI auf. Zu viel Luftdruck ist nicht schlimm.
Sag (Negativfederweg) einstellen
Sag ist der Federweg, der einer Federgabel oder einem Dämpfer zum Ausfedern zur Verfügung steht. Der Negativfederweg sorgt dafür, dass ein Laufrad in ein Schlagloch absacken kann, um permanent Bodenkontakt zu halten. Nur so kann optimale Fahrsicherheit gewährleistet werden.
- Der Negativfederweg beschreibt den Federweg, der durch das bloße Körpergewicht verbraucht wird.
- Setzen Sie sich dafür aufs Bike, genauso, wie sie auch auf der Fahrt sitzen würden - weder zu weit nach vorne noch nach hinten gelehnt - und schieben Sie den O-Ring, der sich auf dem Kolben befindet nach oben bzw. an der Gabel nach unten.
- Befindet sich dort kein O-Ring, können Sie alternativ auch einen Kabelbinder nutzen.
- Viele Modelle haben eine Skala, auf der Sie den Negativfederweg einfach ablesen und somit leichter den optimalen Dämpfer einstellen können.
- Steigen Sie nun vorsichtig vom Rad, ohne, dass der O-Ring vom Kolben fällt und prüfen den Luftdruck.
- Ist der SAG zu hoch muss Luft hinzugegeben werden.
- Eine weitere Methode, um zu prüfen, ob der Luftdruck passt, ist die Komprimierung des Hinterbaus.
- Dafür steigen Sie auf das Bike, lassen das Hinterrad kurz abheben und lassen sich bzw.
- Geben Sie nun Ihr gesamtes Körpergewicht auf den Sattel und lassen Sie blitzartig los.
- Der Dämpfer sollte schnellstmöglich herausfahren, ohne dass das Hinterrad den Boden verlässt.
Empfohlene SAG-Werte:
| Fahrradtyp | SAG-Bereich |
|---|---|
| Cross Country Marathon Fully | ca. |
| All Mountain | ca. |
| Enduro | ca. |
| Downhill | ca. |
Zugstufe (Rebound) einstellen
Die Zugstufe kontrolliert die Geschwindigkeit, mit der die Gabel ausfedert. Zu schnelles Ausfedern lässt das Rad unkontrolliert springen, federt die Gabel zu langsam aus, steht beim nächsten Impact nicht der gesamte Federweg zur Verfügung. Der Rebound-Knopf an der Gabel ist meistens rot.
- Bevor man die Zugstufe einstellt, sollte diese ganz geöffnet werden.
- Den Lenker kräftig und schnell nach unten drücken, um die Gabel einfedern zu lassen.
- Beim Ausfedern den Lenker loslassen; das Vorderrad sollte jetzt nicht den Kontakt zum Boden verlieren.
- Hebt das Vorderrad vom Boden ab, die Ausfedergeschwindigkeit verlangsamen, d.h. Zugstufe Klick für Klick reindrehen.
- Auch am Federbein ist der Rebound-Knopf meistens rot.
- Zum ersten Einstellen sucht man sich am einfachsten eine Bordsteinkante.
- Die Bordsteinkante langsam herunterrollen, der Dämpfer sollte dabei ungefähr 1,5-mal wippen.
- Das bedeutet, er sollte einmal komplett einfedern, etwas nachwippen und sich dann stabilisieren.
- Wippt der Hinterbau länger nach, ist die Ausfedergeschwindigkeit zu hoch, ein schwer zu kontrollierendes, hüpfendes Hinterrad wären die Folge.
- Also: die Zugstufe etwas reindrehen, damit sich der Rebound verlangsamt.
Druckstufe (Compression) einstellen
Nun die Druckstufe einstellen. Diese dämpft/bremst das Einfedern der Gabel bei Schlägen ab. Die Einstellung der Druckstufe richtet sich bei den meisten Federgabeln nach dem Fahrergewicht. Leitlinie: je schwerer der Fahrer, desto mehr Druckstufendämpfung wird empfohlen.
- Zu guter Letzt geht es an die Einstellung des Einfederungswiderstands.
- Die Druckstufe stellt die Sensibilität des Dämpfers ein und bestimmt daher wie sehr das Heck wippt.
- Je höher, desto weniger wippt der Hinterbau.
- Je niedriger, desto mehr wippt der Hinterbau.
- In der Regel gibt es hier drei Einstellungen: offen, gedämpft und gesperrt.
- Während sich „gesperrt“ eher auf leichten Strecken eignet, ist im Gelände die Einstellung „offen“ ratsam.
- Auch einige Dämpfer besitzen umfangreiche Möglichkeiten an Feinjustierungen der Compression.
- Hier gilt: möglichst mit offener Einstellung beginnen und dann schrittweise die Anpassungen vornehmen.
- Je nach Modell bieten die Dämpfer eine Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten.
- Für Federgabeln zum Beispiel mit Fit4 Kartusche wie bei der FOX 36 empfehlen wir den "3-Position Lever" in der offenen Stellung zu fahren und den "Open Mode Adjuster" (kleines Stellrad) anhand der FOX Empfehlungen einzustellen.
- Hier empfiehlt FOX zum Start 18 Klicks (gegen den Uhrzeigersinn von der komplett geschlossenen Stellung aus gezählt).
- Je offener, (gegen UZS) desto leichter bewegt sich die Gabel durch den Federweg.
- Je geschlossener (Klicks im UZS), desto mehr Widerstand bietet sie beim Einfedern und hilft zusätzlich gegen Durchschläge.
- Bei Gabeln mit nur drei Settings (zum Beispiel Open, Medium, Firm) empfehlen wir stets das offene oder mittlere Setting.
Feinabstimmung und Tipps
Viele Suspension-Elemente bieten darüber hinaus noch eine Menge weiterer Einstellungsmöglichkeiten, um das Fahrwerk auf den eigenen Fahrstil einstellen zu können. Wichtig aber ist das passende Grundsetup, das man Fahrt für Fahrt auf seine persönlichen Vorlieben und Einsatzbereich anpassen kann.
- Auf dem Trail eine Dämpferpumpe mitnehmen, am besten immer die gleiche verwenden.
- Eine vertraute Strecke mehrfach fahren und Fahrwerk leicht nachjustieren. Zwischendurch immer wieder kontrollieren.
- Die Einstellungen - auch das Grundsetup - notieren.
Sind sämtliche Einstellungen vorgenommen und Sie sind zufrieden mit dem Ergebnis, bringen Sie die Ventilkappe wieder an und genießen Sie Ihre nächste Tour!
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