Mountainbike Fully Test: Die besten Modelle bis 2000 Euro

Welches Bike würdest du kaufen, wenn du die vielfältigen Trails dieser Welt erobern, aber nur ein Bike besitzen dürftest? Gibt es das eine Mountainbike, das alles kann?

Die Antwort auf diese Frage ist nicht einfach, aber dieser Testbericht soll dir helfen, das beste Mountainbike für deine Bedürfnisse zu finden, insbesondere wenn dein Budget auf 2000 Euro begrenzt ist.

Die Herausforderung: Günstige Fullys finden

Du willst ein vollgefedertes Mountainbike kaufen und du willst unter 2000 € ausgeben. Das wird nicht leicht, denn günstige MTB Fullys sind tatsächlich die absoluten Exoten. Die traurige Wahrheit: Es gibt gerade mal 32 Fullys, die unter 2000 € kosten. Dabei ist vor allem das Angebot des Sport-Discounters Decathlon, von Rose, Cube, Marin und Vitus zu nennen.

Bekannte Hersteller wie Specialized, Scott oder Cannondale haben in dieser Preisklasse kein Fully im Portfolio. Die wenigen günstigen MTB Fullys die es gibt, liegen nur ganz knapp unter der magischen 2000 € Marke.

Warum sind günstige Fullys so selten?

Die Konstruktion eines Mountainbike Rahmens mit Federung ist deutlich komplexer als ohne. Die Folge: Fully-Rahmen sind in der Herstellung deutlich teurer als Hardtail-Rahmen. Für den sportlichen Einsatz braucht es aber natürlich auch hochwertige Komponenten wie Bremse und Schaltung. Entweder er macht Abstriche beim Rahmen oder bei der Ausstattung.

Nur den aller wenigsten gelingt es, beide Faktoren zufriedenstellend zu erfüllen. Vor allem prestigeträchtige Marken wie Cannondale, Scott oder Specialized versuchen es erst gar nicht. Das erklärt das überschaubare Angebot auf dem Markt.

Was erwartet dich bei Fullys unter 2000 Euro?

Eins vorab: Eine Luxusausstattung gibt es bei vollgefederten Mountainbikes unter 2000 Euro nicht. Alle Komponenten kommen in diesem Preisbereich aus dem Einstiegssegment. Aktuelle High-End Komponenten werden bei Fullys erst ab 3000 Euro und mehr verbaut. Das ist auch beim Fahren deutlich zu spüren. Die Bremsen sind meist mit einem langen 2-Finger Hebel ausgestattet und könnten vor allem für schwere Fahrer meist besser verzögern. Teleskopstützen gehören in diesem Marktsegment nicht zum Standard.

Was Fullys in diesem Preissegment dennoch attraktiv macht, ist der meist hochwertige Rahmen. Das heißt: Wer sich jetzt ein günstiges Fully kauft, kann es nach und nach mit hochwertigeren Teilen tunen. Standards wie das Tretlager, die Bremsaufnahme oder das Hinterradeinbaumaß machen solche „Nachrüstungen“ möglich, sobald wieder mehr Budget zur Verfügung steht.

Empfehlenswerte Modelle unter der Lupe

Weil die Auswahl in diesem Marktsegment so gering ist, haben wir uns entschieden die Bikes in diesem Artikel nicht streng in ihre Kategorie einzuteilen. Normalerweise werden Mountainbikes, je nach ihrem Federweg an der Gabel in spezifische Kategorien eingeteilt. Die aller meisten Bikes in diesem Preissegment haben 120 Millimeter Federweg und sind für den klassischen Toureneinsatz ausgelegt.

  • Das Rockrider All Mountain 100s
  • Canyons günstigstes Neuron
  • Das Rose Ground Control
  • Lapierres Zesty

Diese überzeugen in der Preisklasse bis 2000 € alle drei Bikes haben einen hochwertigen Alu Rahmen und Teleskopstützen. Das fördert den Spaß im Singletrail. Bei der Ausstattung gibt es noch etwas Verbesserungspotential.

Alternativen zum Fully: Das Hardtail

„Wer als Bike-Hersteller ein vernünftiges Fully unter 2000 € bauen will, muss den Bleistift gut spitzen. Bei der Spezifikation der Anbauteile muss wirklich jeder Euro umgedreht werden. Meist sind die Produktmanager dabei zu Kompromissen gezwungen, weshalb wir unseren Kumpels in dieser Preisklasse immer zu einem Hardtail raten. Es gibt aber auch Firmen, die uns überrascht haben.

Trailhardtails machen bereits bei bezahlbaren Preisen im Gelände extrem viel Spaß. Wer unter 2000 € ausgeben will und ein Tourenfähiges Bike für Enduro Trails sucht, kommt in der Regel an einem Trailhardtail nicht vorbei. Vor allem Einsteiger oder junge Biker dürfte dieses Konzept ansprechen. Aber man darf sich auch keine falschen Hoffnungen machen. Der Komfort ist mit einem Trailhardtail deutlich niedriger als mit einem Fully.

Im Preisbereich unter 2000 € gibt der deutsche Hersteller Rose mit seinem Bonero richtig Gas. Generell kann man in dieser Preisklasse mit modernen 1×12 Schaltungen und vernünftigen Bremsanlagen Rechnen.

Weitere getestete Trailbikes unter 2000 Euro

Diese Trailbikes haben wir getestet - die Punktetabelle finden Sie unten als Download:

  • Canyon Nerve AL 7.0
  • Carver Transalpin 902
  • Ghost Kato FS 5
  • Giant Trance 3
  • Rose Ground Control 1 (BIKE-Tipp: Testsieger)

Die US-Marken der Branche finden Sie in diesem Vergleich nicht. Es sind die Preis-Leistungsfüchse, die sich dem Genre der Einsteiger-Fullys annehmen. Die Big Player wie Specialized, Trek oder Cannondale ringen lieber um Worldcup-Siege als um Punkte im BIKE-Bewertungssystem der Einsteigerklassen.

Eine These: Vielleicht sind es gerade die ausufernden Marketing-Budgets für Rennteams, die es diesen Marken unmöglich machen, derart günstige Bikes anzubieten?

Bei Specialized beginnt der Einstieg in den Fully-Bereich erst bei 3000 Euro. Trek senkte während des Tests die Preise erheblich und bietet jetzt sogar zwei Modelle unter der Preismarke von 2000 Euro an, trotzdem wollten sie sich dem Vergleich nicht stellen.

Die überwiegend deutschen Handwerksbetriebe ziehen das Preis-Level bei Einsteiger-Bikes deutlich runter. Warum Handwerksbetriebe, werden Sie sich fragen? Gefertigt wird doch in Asien? Stimmt, Rahmen und Komponenten stammen aus Asien. Doch die Montage von Rose, Canyon, Ghost und Carver geschieht in Deutschland. Es scheint fast so, als sei das Umgehen von Strafzöllen beim Import von Komplett-Bikes aus Asien die Grundlage für gute und preiswerte Fullys.

Das Ausstattungs-Niveau hat uns positiv überrascht - es ist kein Geheimnis, dass die Ausstattungen im aktuellen Modelljahr meist schlechter ausfallen als die der Bikes von 2015.

Dennoch, die Fahrwerke in dieser Testgruppe sind gut. Die Reifen bei Carver und Canyon tragen sogar das Race-Sport- bzw. Evolution-Label, heben sich so durch die hochwertige Karkasse von den Konkurrenten ab. Ghost montiert tatsächlich die brandneue Shimano-Elffach-XT-Gruppe. Unterm Strich stehen die Bikes besser da, als wir das erwartet haben, auch wenn das Durchschnittsgewicht für Trailbikes mit 13,2 Kilo relativ hoch liegt. Die zuletzt in BIKE 1/16 getesteten Trailbikes mit 120-130 mm Federweg für rund 3000 Euro wiegen im Schnitt aber auch nur 400 Gramm weniger. Das Mehrgewicht bleibt angesichts des Preises also vertretbar.

Fahrverhalten und Testergebnisse

Die Abstimmung der Fullys ist das A und O, um die volle Performance der Räder auszunutzen. Federelemente von Rock Shox erleichtern die Prozedur mit Abstimmungstabellen.

Nein, wir haben die Bikes nicht aus Trotz über die Münchener Golfplätze gejagt, wie der Einstieg dieses Textes vermuten lassen könnte, sondern uns um eine adäquate Teststrecke bemüht. Die 24-Stunden-Rennstrecke von Finale Ligure in Italien stellte sich als ideal für diesen Einsatzbereich heraus. Mit technischen Anstiegen, verwinkelten Abfahrten, schnellen Geraden und verblockten Passagen hielt sie sämtliche Prüfungen für die Test-Bikes bereit.

BIKE-Tests sind sowohl im Labor als auch in der Praxis immer preisunabhängig. Und so scheuchten wir die Bikes bei besten Testbedingungen, genauso wie es Testredakteur und Kollege Listmann mit den Nobel-Racern von Seite 31 getan hat, über den Rundkurs. Das Ergebnis hat uns dann durchaus überrascht.

Jedes Bike hat seinen eigenen Charakter. Rose und Ghost spielen ihren Trumpf in Form von etwas mehr Federweg in den Abfahrten aus. Trotz Übergewicht schlich sich das Carver, dank einwandfreier 29er-Wohlfühlgeometrie, in die Herzen der Tester. Bei Federwegen bis zu 120 mm spielen die großen 29er-Laufräder ihren Vorteil spürbar aus.

Deshalb unser Appell an die Hersteller: Lasst die 29er-Bikes in der Trailbike-Kategorie nicht sterben, auch wenn der Markt derzeit immer häufiger zum Mittelmaß 27,5 Zoll greift.

Das Nerve von Canyon beispielsweise erweist sich als treuer Touren-Partner und zeigt als leichtestes Rad im Test vor allem bergauf sein Potenzial. Allein das Giant Trance für 1799 Euro überzeugt als eines der günstigeren Bikes im Praxistest nicht voll. Federelemente mit zu geringer Druckstufe und schwache Bremsen verringern den Fahrspaß bergab. Auffällig, dass das einzige Bike, das nicht in Deutschland montiert wird, ausstattungstechnisch hinterherhinkt.

Michael Staab, Produkt-Manager von Canyon, gibt die Antwort: "Der Verzicht auf eine Tele-Stütze spart viel Geld, das wir an anderer Stelle wieder investieren können. Diese Ersparnis wirkt sich sogar doppelt aus. Denn wir sparen auch noch etwa 300-400 Gramm Gewicht." Die Vorrichtung für die interne Zugverlegung einer solchen Stütze haben trotzdem fast alle Bikes. Sollte man also irgendwann nach dem Kauf des Bikes wieder Geld übrig haben, kann man eine absenkbare Sattelstütze nachrüsten. Bis dahin muss der Sattel auf altmodische Weise mit Hilfe eines Schnellspanners versenkt werden. Könner lassen den Sattel in der Abfahrt einfach oben.

Fazit zu günstigen Trailbikes

Diese günstigen Trailbikes schlagen sich gut. Ok, man muss auf die Teleskopstütze verzichten (außer beim Carver), aber in dieser Preisklasse hätte auch niemand damit gerechnet. Die Grundfunktion des Fullys ist auch unter 2000 Euro gewährleistet, und das Einsatzspektrum der Trailbikes bleibt deshalb in der günstigen Klasse breit. Von der Tour bis zum Marathonstart ist alles möglich. Nach dem Praxistest fiel uns deshalb ein Stein vom Herzen. Ja, unser geliebter Sport bleibt für jeden bezahlbar. Im Gegensatz zum Jahresbeitrag eines Münchener Golfclubs.

Den Labormarathon mit Prüfung von Steifigkeit, Gewicht und Lackqualität stecken die güns­tigen Bikes mit links weg. Kein Wunder: Die Rahmen, also die Basis der Bikes, sind die gleichen wie die der teuren Modelle. Der Unterschied im Preis ist vor allem auf die günstigere Ausstattung und die fehlenden Teleskopstützen zurückzuführen.

Der Praxistest stand für uns unter folgendem Motto: Wie viel Spaß können Fullys unter 2000 Euro machen? Sehr viel! Das Rose überzeugt als eines der teureren Bikes im Testfeld sowohl bergauf als auch bergab. Es brachte jeden Tester mit einem Lächeln von der Testrunde zurück. Das Canyon legt die Messlatte bergauf hoch.

Empfehlenswerte Mountainbikes unter 2000 Euro

  • Orbea Occam H30
  • Canyon Neuron Young Hero
  • Cube Stereo One22 Pro
  • Focus Thron 6.8
  • Cannondale Habit 4
  • Liv Embolden 2
  • BMC Twostroke AL One 2023
  • Bulls Sharptail
  • Rockrider All Mountain 100 Hardtail
  • Canyon Grand Canyon 9
  • Trek (Hardtail)
  • Cube Attention-Serie
  • Bergsteiger Kodiak
  • Bulls Copperhead 3S

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