Mountainbike für Bergtouren: Tipps für die richtige Wahl

Mountainbiken ist ein vielseitiger Sport mit unzähligen Pluspunkten. Ihr übt ihn an der frischen Luft in intakter Natur aus, weit weg von Verkehrslärm und Motorengestank. Mountainbiken ist abwechslungsreich, benötigt Kraft, Ausdauer, Geschick, eine gute Balance und eine Portion Unerschrockenheit.

Einige Einsteiger werden sich von der gigantischen Auswahl an Mountainbikes überfordert fühlen: Ob vollgefedert oder ohne Federung am Heck, in Carbon, Alu, Stahl oder Titan, puristisch zum Rennfahren, robuste Allrounder oder Enduro - für ein cooles Mountainbike könnt ihr locker mehrere tausend Euro hinblättern.

Anfänger überlegen sich vorab, welche Ziele sie mit ihrem neuen Hobby verfolgen, und lassen sich danach von einem Fachmann gründlich beraten. Denn Mountainbiken macht nur dann richtig Spaß, wenn ihr den Allerwertesten auf das für euch optimale Bike drückt.

Welche Bike-Typen gibt es?

Um Zu- und Abstiege zu verkürzen, eignen sich verschiedene Fahrräder:

  • Gravelbike: Tendenziell geländetaugliches Rennrad, das auch auf Straßen ohne Asphalt benutzt werden kann. Der Rahmen hat meist eine klassische Diamantform. Die Komponenten sind robust. Eine Scheibenbremsanlage ist Standard.
  • MTB: Wird das Gelände ruppiger, sind Mountainbikes die bessere Wahl.

Hardtail vs. Fully

Hardtails (ohne Hinterradfederung) haben meist auch einen Diamantrahmen und sind ähnlich wie Gravelbikes einfach mit Gepäck beladbar. Zu einer zeitgemäßen Ausstattung gehören Scheibenbremsen und Federgabel. Vollgefederte MTBs (Fullys) richten sich eher an passionierte Mountainbiker*innen und sind auch wartungsintensiver als Hardtails.

Wer Rücken- bzw. Wirbelsäulenprobleme hat, ist mit einem Fully gut beraten. Und auch MTB-Neulingen bietet diese Variante ein Plus an Fahrsicherheit. Das Hardtail hingegen verspricht ein geringeres Gewicht, eine bessere Kraftübertragung und muss seltener gewartet werden.

Rahmen sind meist aus Aluminium oder Carbon, nur ausnahmsweise aus Stahl und Titan. Solide Modelle bekommt man jeweils ab etwa 1300 €.

E-Bikes am Berg

Immer häufiger sieht man auch am Berg E-Bikes. Wer mit elektrischer Unterstützung in die Berge will, sollte unbedingt berücksichtigen, dass der Motor fahrtechnische Fertigkeiten keineswegs überflüssig macht. Denn das hohe Gewicht sorgt für längere Bremswege, ein trägeres Handling und macht Tragepassagen schwierig bis unmöglich.

Zweiter wichtiger Aspekt bei der Wahl des Fahrrads ist der Preis: wie viel bin ich bereit auszugeben? Ein vernünftiges Hardtail gibt es ab ca. 750€, für ein voll gefedertes Mountainbike muss man schon rund das Doppelte hinlegen.

Mit dem steigenden Bewusstsein für die Nachhaltigkeit des Bikes - sei es hinsichtlich des Designs, der Materialien, der Produktion, aber auch hinsichtlich der Recycling-Möglichkeiten - kommt ein weiteres Auswahlkriterium beim Fahrradkauf hinzu.

Welche Schaltungen eignen sich?

Mechanische Kettenschaltungen dominieren. Sie sind im Notfall leichter reparierbar als elektrische Kettenschaltungen, Getriebeschaltungen oder Nabenschaltungen. Nicht sparen! Billige Schaltungen machen Probleme.

Auf dem Vormarsch sind Schaltgruppen mit nur einem Kettenblatt an der Kurbel. Im Vergleich zu Schaltungen mit 2-facher Kurbel sind die Gänge gröber abgestuft. Doch mit einer Übersetzung von 30 Zähnen vorne und 51 Zähnen hinten lassen sich auch sehr steile Passagen bewältigen.

Die einfache Kurbel spart Gewicht und Wartungsaufwand, weil auch Umwerfer, Schalthebel und Zug entfallen.

Wohin mit dem Gepäck?

Ein schwerer Rucksack belastet die Schultern und führt zu einem hohen Schwerpunkt. Das macht das Radeln mühsam. Wer Teile der Ausrüstung direkt am Fahrrad verstaut, hält den Rucksack beim Treten leicht. Gleichzeitig sollte das Bike aber nicht zu sehr an Agilität einbüßen.

  1. Flaschenhalter für Getränke/Wasser - je nach Modell auch an der Unterseite des Unterrohrs montierbar.
  2. Lenkertasche (Halterung + Packsack) für eher leichte Gegenstände wie ein kurzes Seil, Regenschutz, Erste Hilfe.
  3. Satteltasche für mittelschwere Gegenstände wie Bekleidung, Klettergurt und Proviant.
  4. Oberrohrtasche für kleinere Gegenstände, die schnell zugänglich sein sollen, wie Handy, GPS, Karten, Sonnencreme, Taschenmesser.
  5. Rahmentasche für schwere Gegenstände wie Werkzeug, Karabiner, Kocher.
  6. Gepäckträger für schwerere Gegenstände wie Ski und Skischuhe; zusätzlich helfen dabei Abriebschutz für den Rahmen, Kabelbinder, Gummistraps, Styropor-Klötze und Distanz-Pads; für größere Lasten evtl. mit Abstützung.

Welche Reifen fürs Gelände?

Reifengröße:

  • Gravelbike 28 oder 27,5 Zoll
  • MTB 29 oder 27,5 Zoll

Größere Reifen rollen leichter über Unebenheiten hinweg, erzeugen mehr Traktion und bringen mehr Bodenfreiheit beim Kurbeln. Kleinere Reifen sind leichter, wendiger und lassen sich besser beschleunigen. Auch Tragepassagen sind damit einfacher. 27,5-Zoll-Reifen sind oft bei Menschen unter 1,70 Meter beliebt.

Reifenbreite:

  • Gravelbike 35 bis 40 mm
  • MTB 57 bis 64 mm

Breite Reifen sind besser für grobes Gelände. Schmale Reifen mit wenig Profil laufen flotter, besonders auf gut befestigten Wegen. Die extrabreiten „Plusreifen“, für MTBs beliebt wegen mehr Traktion und Durchschlagschutz, sind schwerer und träger - für „Zustiegsräder“ nicht sinnvoll.

Reifendruck: Je gröber der Untergrund, desto breiter und profilierter der Reifen und desto geringer der Luftdruck!

Beispiel:

  • Gravelbike: Reifen 28 Zoll/35 mm, Person 70 kg ⇨ ca. 3,5 bar
  • MTB: Reifen 27,5 Zoll/57 mm, Person 70 kg ⇨ 1,5 bar

Was gibt’s bei Pedalen und Sattel?

Flatpedals, also Bärentatzen-Pedale, mit Madenschrauben für Griffigkeit, sind erste Wahl - kombiniert mit Zustiegsschuhen mit festen, nicht allzu weichen Sohlen. Wenn Rad fahren nicht immer nur Mittel zum Zweck ist, empfehlen sich Wendepedale mit Bärentatze auf der einen und Klicksystem für Fahrradschuhe auf der anderen Seite.

Ist der Sattel zu breit, kann man in steilen Passagen mit dem Gesäß nicht nach hinten ausweichen. Ist er zu schmal, drohen Beschwerden im Dammbereich. Eine Vermessung der Sitzknochen hilft, die richtige Sattelbreite zu wählen.

Wer einen bequemen Sattel hat, kann bei kurzen und mittellangen Strecken auf eine Hose mit Sitzpolster verzichten. Das erspart Umziehen und zusätzliche Kleidungsstücke.

Wie pflege ich mein Fahrrad?

Für längere Lebensdauer sollte das Fahrrad nach jeder größeren Tour geputzt werden:

  1. Groben Schmutz mit Hochdruckreiniger entfernen: ein Meter Abstand; nicht auf Tretlager, Naben und Schaltung zielen!
  2. Feineren Schmutz mit Seifenlauge und Lappen abwischen.
  3. Rädchen des Schaltwerks mit Holzstäbchen von Rückständen säubern.
  4. Ritzel und Zwischenräume mit dünner Bürste oder Tuch säubern.
  5. Kette mit einem Tuch von Dreck und altem Kettenöl befreien, anschließend neues Öl auftragen, überflüssiges Öl mit sauberem Tuch entfernen.

Wie sichere ich mein Fahrrad gegen Diebstahl?

Verstecken, z.B. im Gebüsch. Abschließen; ein leichtes Schloss muss genügen!

Welche Fahrrad- und Laufradgröße passt zu meiner?

Viele Hersteller bieten einen Rahmengrößenrechner an, der anhand von Faktoren wie Schrittlänge und Körpergröße die richtige Rahmengröße bestimmt. Das Ergebnis kann jedoch von Faktoren wie dem Knie- und Oberkörperwinkel und dem Fahrstil verändert werden.

Möglichst ausgiebige Testfahrten mit den potenziellen MTBs sind definitiv zu empfehlen. Schlussendlich kann es sein, dass die endgültige Rahmengröße eine Nummer größer oder kleiner ausfällt.

Waren bis vor ein paar Jahren 26 Zoll-Räder der Mountainbike-Standard, so setzen sich Laufräder mit 27,5 oder sogar 29 Zoll bei manchen Bike-Typen immer mehr durch. Denn größere Räder bringen Vorteile wie ein besseres Rollverhalten über Unebenheiten und mehr Traktion mit sich.

Die kleineren 26 Zoll-Räder dagegen sind leichter, agiler und lassen sich in verwinkeltem Gelände leichter um die Kurven fahren. Inzwischen werden sie aber fast ausschließlich für Kinder-MTBs verwendet. Die Wahl hängt an verschiedenen Faktoren wie Einsatzzweck und Körpergröße der*des Fahrer*in.

Welche Einstellungen sollte ich am Bike vornehmen (lassen)?

Damit die Zeit auf dem Bike richtig Spaß macht, sollten final noch ein paar Einstellungen und Anpassungen vorgenommen werden - am besten gemeinsam mit Profis, aber mindestens mit einer*einem Helfer*in.

Wichtig ist dabei, die Einstellungen auch in der Bewegung zu checken, denn erst dann werden die individuellen Bewegungsmuster sichtbar.

Kontaktpunkte von Radler*in und Bike

Bei den Einstellungen müssen verschiedene Kontaktpunkte von Radler*in und Bike berücksichtigt werden:

Kontakt zwischen Fuß und Pedal

Die meisten Mountainbiker*innen schwören heute auf Klickpedale, die eine überragende Kraftübertragung und Standsicherheit versprechen. Wer noch nie eingeklickt gefahren ist, tut gut daran, vorab ein bisschen zu üben.

Einzustellen ist bei Klickpedalen die Position der Schuhplatten, der sogenannten Cleats. Dabei wird zunächst das Groß- und Kleinzehengrundgelenk ertastet und am Schuh markiert. Anschließend werden die Cleats so ausgerichtet, dass die Fußlängsachse parallel zum Rahmen verläuft.

Zum Schluss werden die Cleats so an der Kurbel positioniert, dass beim Pedalieren kein Kontakt zwischen Schuh und Kurbel besteht.

Kontakt zwischen Gesäß und Sattel

Die Grundeinstellung des Sattels ist exakt horizontal. Wenn das zu Problemen beim Sitzen führt, kann die Neigung millimeterweise angepasst werden. Die zweite wichtige Einstellung ist die Sattelhöhe, denn besonders in Situation, wo wirklich Kraft auf der Pedale gefragt ist, muss der Sattel einfach passen.

Dabei hilft eine Kniegelenksmessung: beim Pedalieren sollte das ausgestreckte Bein einen Winkel von 150-160 Grad haben. Außerdem kann der Sattel noch horizontal eingestellt werden. Diese Einstellung dient auch der Anpassung des Kniewinkels.

Dafür legt man bei waagrechter Kurbelstellung das Lot an die Kniescheibenrückseite. Verläuft es durch die Pedalachse, habt ihr die optimale Satteleinstellung gefunden.

Kontakt zwischen Händen und Lenker

Bei der richtigen Einstellung dieses Kontaktpunktes ist der Oberkörperwinkel das entscheidende Maß. Dieser sollte für sportliches Fahren bei 35 bis 45 Grad, für Allmountain/Enduro-Fahren oder Biker*innen mit Beschwerden oder schwacher Beweglichkeit zwischen 50 und 70 Grad liegen.

Beeinflusst werden kann dieser Winkel durch Vorbauten mit unterschiedlicher Steigung und Länge sowie die Lenkerkröpfung, also der Biegung des Lenkers nach hinten.

Wer all diese Faktoren bei der Einstellung seines Bikes beachtet, sollte viele Probleme schon vor dem Entstehen aus dem Weg geschafft haben. Dennoch kann es zu Beschwerden kommen.

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