Mountainbikes für Touren: Der ultimative Ratgeber

Die ersten Mountainbikes waren umgebaute 26-Zoll Beach Cruiser ohne Gangschaltung, mit Rücktrittbremse und einem Gewicht von über 20 Kilogramm. Diese „Klunker“ dienten Ende der 70er Jahre Pionieren in Marin County wie Gary Fischer oder Joe Breezer für Downhill-Rennen oder andere spektakuläre Offroad-Ausfahrten. Seitdem entwickelten sich die Bikes mit Federgabel, Dämpfer und anderen Rahmenmaterialien immer weiter und das Gewicht sank auf zum Teil unter 10 Kilogramm für Fullys.

Hardtail oder Fully: Eine Grundsatzfrage

Fullys (Fullsuspension Mountainbikes) sind vorne und hinten gefedert im Gegensatz zu Hardtails, die nur vorne an der Gabel eine Federung besitzen. Hier scheiden sich meist die Geister. Die Argumente für ein Hardtail sind in erster Linie das geringere Gewicht und der niedrigere Preis. Da zudem weniger Teile arbeiten müssen, ist auch der Wartungsaufwand geringer und die technischen Defekte weniger. Manche lieben auch den direkten Kontakt zum Boden ohne Federung für knackige Sprints. Am besten sogar ohne Federgabel. Highspeed-Junkies oder Komfortliebhaber finden ihr Heil im Fully, da man damit auch gröbere Strecken im Sitzen meistern kann, was nicht nur komfortabler, sondern auch effizienter ist. Mittlerweile sind die voll gefederten Räder mit ihren Dämpferelementen blockierbar und im Cross-Country-Bereich nicht mehr viel schwerer als ein Hardtail. Ab der Klasse der All Mountains oder Enduros sind Hardtails nur noch was für extreme Puristen.

Die Laufradgröße: 29 Zoll, 27,5 Zoll oder Mullet?

  • 29 Zoll: Ideal für Fahrer, die Wert auf Geschwindigkeit, Stabilität und Komfort legen. Wer gerne schnell und geradeaus fährt und das Überrollverhalten schätzt, ist mit 29 Zoll gut bedient.
  • 27,5 Zoll: Bietet eine gute Balance aus Agilität und Komfort.
  • Mullet (Vorderrad 29 Zoll, Hinterrad 27,5 Zoll): Kombiniert die Vorteile beider Welten.

Letztendlich ist die Wahl der Laufradgröße eine persönliche Entscheidung.

Die verschiedenen Mountainbike-Typen für Touren

Die Unterscheidung der Radtypen wird in der Regel durch den Federweg festgelegt. Der Federweg richtet sich beim Mountainbike nach seinem Einsatzzweck.

Cross-Country-Bike

Das Cross-Country-Bike ist das schnellste unter den Mountainbikes. Hierbei greifen viele auch gerne auf ein Hardtail zurück, da es leichter und preiswerter ist. Die Sitzhaltung ist sehr gestreckt, um bergauf genug Vortrieb zu generieren.

Touren- / Marathonbike

Diese Räder sind dem Cross-Country-Bike sehr ähnlich, haben aber eine gemäßigtere Geometrie und eine aufrechtere Sitzhaltung. Touren-Hardtail, Tourenfully und All-Mountain eint dabei - nomen est omen - der Einsatzfokus Tour.

All Mountain / Trailbikes

Wer beim Biken gerne etwas gröbere Strecken unter die Räder nehmen will, der sollte auf ein Trailbike oder All Mountain setzen. Beide schaffen den Spagat zwischen einem abfahrtsorientierten MTB und einem Tourenrad für lange Touren am besten - ideal zum Beispiel für den Klassiker am Gardasee auf den Monte Altissimo und bergab über den legendären 601.

Enduro

Das Enduro ist mit seinem Federweg von 160 bis 180 Millimeter nur für fitte Biker bergauf länger fahrbar und für verspielte Bikepark-Touren geschaffen.

Downhill / Freeride

In dieser Kategorie finden sich nur Spezialisten, die 200 Millimeter oder mehr Federweg benötigen, um gröbste Abfahrten zu meistern.

Fatbikes

Ursprünglich für Wüsten und Schneefahrten gedacht, boomten diese Räder 2015 für ein paar Jahre und waren in jedem Bikeladen zu finden.

Dirtbikes

Diese Kategorie ist zwar eine kleine Nische, die sich aber tapfer seit Jahrzehnten hält. Dazu zählen Bikes mit mittlerem Federweg (80 bis 130 Millimeter) für kleine Parks mit Sprüngen. Da sie wendig sein müssen, baut man hier immer noch auf 26-Zoll- oder sogar 24-Zoll-Laufräder. Für Touren sind diese Räder größtenteils nicht geeignet, da viele keine Schaltung besitzen.

Welches Rahmenmaterial ist das Richtige?

Die ersten Mountainbikes waren noch aus Stahl. Dieser Werkstoff ist robust, aber schwer. Somit wechselten die Hersteller in den 90ern auf das leichtere Aluminium. Da mittlerweile die Verarbeitung von Carbon immer einfacher und somit günstiger wird, gibt es immer mehr Bikes aus dem noch leichteren beziehungsweise steiferen Material Carbon. Günstigere Mountainbikes sind weiterhin aus Aluminium. Ein großer Vorteil bei Carbon-Rahmen ist die Freiheit bei der Rahmenform. Bei Aluminium bestimmt die Rohrform den Rahmen. Carbon kann dagegen über die Form freier gestaltet werden. Das bringt weitere Vorteile bei der Integration anderer Bauteile.

Mountainbikes speziell für Frauen

Die Hersteller haben erkannt, dass Frauen sich in der Sitzergonomie von Männern unterscheiden und auch einen anderen Geschmack haben. Letzteres spiegelt sich meist in den Dekors oder Farben der Bikes wider. Was die Geometrie und Ausstattung betrifft, ist das Oberrohr meist etwas kürzer, der Lenker schmaler und Sitze wie Griffe an die Ergonomie der Frau angepasst. Um die Räder als solche zu erkennen, bekommen sie zur Modellbezeichnung einen Zusatz wie Contessa bei Scott oder Woman’s bei Cannondale.

Die Preisklassen und ihre Besonderheiten

Wer neu ist und sich erst mal herantasten will, kann auf ein Einsteigerrad setzen. Das ist in der Regel ein Hardtail ab 500 Euro. Hochwertige Einsteigerräder gehen dann gerne bis 1500 Euro.

Wer nach dem Einsteigerbike Geschmack gefunden hat oder gleich einen soliden Partner für epische Touren sucht, tut das besser in der Mittelklasse. Ab 1500 Euro gibt es bereits hochwertige Hardtails mit gutem Gewicht und ausgewogener Technik und, bei dem einen oder anderen Hersteller, ab 2000 Euro bereits einen Carbonrahmen.

Wer ein High-End-MTB sucht, der ist hier richtig. Ab 2500 Euro bei den Hardtails oder 3500 bei einem Fully fängt der Premiumbereich an.

Bremsen: Scheibenbremsen sind Standard

Es gibt zwar immer noch Einsteigerbikes mit V-Brakes, aber in der Regel haben Mountainbikes Scheibenbremsen. In der Regel glänzen sie mit hydraulischen Scheibenbremsen. Für Einsteiger, die auch wirklich ins Gelände gehen, reicht vorne eine Scheibe mit 180 und hinten mit 160 Millimeter. Bei den All Mountains und Trailbikes nimmt man gerne vorne wie hinten 180 Millimeter.

Die richtige Sitzeinstellung und Rahmengröße

Damit Mountainbiken auch Spaß macht, sollte man richtig darauf sitzen. Zur richtigen Sitzeinstellung gehört natürlich auch die richtige Rahmengröße. In der Regel hat jeder Hersteller seine eigene Philosophie und gibt eine Tabelle für seine Räder heraus.
Körpergröße empfohlene Rahmengröße
ca. 150 - 155 cm 32 - 36 cm
ca. 155 - 160 cm 36 - 38 cm
ca. 160 - 165 cm 38 - 40 cm
ca. 165 - 170 cm 40 - 43 cm
ca. 170 - 175 cm 42 - 45 cm
ca. 175 - 180 cm 44 - 47 cm
ca. 180 - 185 cm 46 - 49 cm
ca. 185 - 190 cm 49 - 52 cm

Reifenbreite: Der aktuelle Standard

Lange Zeit war die Standardbreite bei Mountainbikes 2,1“. Manche gingen zwar aus Gewichts- und Laufwiderstandsgründen noch auf 2,0“ oder 1,9“, aber das war nicht die Regel. Breitere Reifen mit 2,25“ oder 2,35“ wurden nur bei Downhill- oder Freeride-Bikes genutzt. Mittlerweile liegt der Standard bei ca. 2,25“. Bei Enduros und All Mountains werden gerne etwas breitere Reifen bis 2,4“ aufgezogen. Ab 2,6“ spricht man von Plus-Bereifung, die eine Zwischengröße zwischen den Standardreifen und den Fatbike-Reifen darstellt. Damit hat man mehr Komfort als bei 2,1“-Reifen, aber weitaus weniger Rollwiderstand als bei Fatbike-Reifen.

Wartung und Pflege für eine lange Lebensdauer

Mountainbikes besitzen viele technische Bauteile, die es zu warten gilt. Deshalb sollte man sein Rad regelmäßig zu den Serviceintervallen in die Werkstatt bringen. Besonders wichtig sind Federgabel, Dämpfer, Variostütze und andere beweglichen Anbauteile. Beachten sollte man auch immer den empfohlenen Luftdruck bei Reifen, Federelementen und eventuell der Vario-Sattelstütze, sofern diese luftunterstützt arbeitet. Bei den Reifen führt das ansonsten gerne zu Defekten an Schlauch und Felgen. Federgabel und Dämpfer können bei zu geringem Druck durchschlagen und Schäden erleiden.

Was das Mountainbiken in technischem Gelände wesentlich vereinfacht, ist eine absenkbare Sattelstütze. Damit das auch während der Fahrt funktioniert, ist eine Vario-Stütze mit Fernbedienung am Lenker ein idealer Begleiter auf vielen Touren. Wer damit bereits Erfahrungen gemacht hat, möchte sie nicht mehr missen.

Regelmäßige Pflegemaßnahmen

Neben dem Service, den man in regelmäßigen Intervallen beim Händler durchführen lassen sollte, bedarf es weiterer Pflegemaßnahmen, damit das Rad lange problemlos läuft. Der Pflegeaufwand ist etwas höher als bei einem Stadtrad, das meist auf geteerten Straßen unterwegs ist. Überdies hat ein Fully aufgrund mehr bewegter Teile einen höheren Pflegeaufwand als ein Hardtail.

  • Vor der Fahrt: Luftdruck in den Reifen prüfen. Bei elektronischen Schaltungen und anderen elektronischen Bauteilen ab und zu die Akkustände kontrollieren.
  • Nach der Fahrt: Bei Regenfahrten oder Schmutz das Rad mit Wasser reinigen, die Kette schmieren und mit einem Tuch abziehen.

Die richtige Ausrüstung für ungetrübten Fahrspaß

Wer stolzer Besitzer eines Mountainbikes ist, sollte sich dessen bewusst sein, dass er das eine oder andere noch benötigt, um glücklich seinem Hobby nachzugehen. Ganz oben steht dabei ein passender Helm. Mountainbike-Helme gibt es in vielen verschiedenen Farben und Formen. Wichtig ist dabei, dass er passt und nicht wackelt. Als Schutz für die Hände empfehlen wir außerdem noch Handschuhe. Sinnvoll fürs Mountainbiken sind lange Fingerhandschuhe, da man gerne mal an Brennnesseln oder Ästen hängen bleibt und so Schürfwunden vermeiden kann - auch bei einem Sturz. Wer sich sportlich mit dem Bike bewegt, sollte auch an Funktionsbekleidung denken. Die saugt sich nicht wie ein Baumwolltrikot voll, sondern transportiert den Schweiß nach außen zum Trocknen, sodass man nicht in den nassen Klamotten auskühlt. Wer sehr sportlich unterwegs ist, sollte Schuhe mit Systempedalen in Betracht ziehen.

Neben der Bekleidung empfehlen wir, auch mobile Werkzeuge und eine Regenjacke mitzuführen. Was das Werkzeug betrifft, sind ein Minitool mit Kettennieter, eine kleine Luftpumpe und entweder ein Ersatzschlauch oder Flickzeug zum Reparieren des Schlauches beziehungsweise bei einem Tubeless-System des Reifens sinnvoll. Sie üben am besten vorab das Vernieten an einer defekten Kette, damit es dann während der Tour klappt. Wer bei Hitze fährt oder längere Touren plant, sollte zudem an Getränke und Verpflegung denken. Dann empfiehlt sich ein spezieller Mountainbike-Rucksack, um die Gegenstände am Rücken gut zu platzieren. Ein schlechter Rucksack kann den Flow und somit den Spaß beim Biken ansonsten schnell behindern.

Wer oft neue Touren erkunden will, sollte sich ein Tool für die Tourenplanung zulegen. Dafür eignet sich zum Beispiel gut Komoot am Handy. Dazu braucht es nur ein Handy mit Halter am Bike.

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